Armut bekämpfen
Der hohe Preis einer kostenlosen Mahlzeit
(Auszug aus dem Buch „Giving Wisely?“ mit Genehmigung des Autors, Fortsetzung aus dem letzten Heft. )
„Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dieses: Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen.“ (der Apostel Paulus in 2. Thes 3,10)
Kann man jemanden noch mehr entmenschlichen, als ihm die Notwendigkeit zum Arbeiten zu nehmen? Wahrscheinlich nicht!
Wenn eine Regierung eingreift und die Leute dafür bezahlt, dass sie nichts tun, so ist das das Zerstörendste und Schlimmste, was einer Kultur passieren kann. Es ist traurig, aber der Mensch weicht der Arbeit am liebsten aus. Allgemein lernen wir Menschen nicht zu arbeiten und wir freuen uns auch nicht an der Arbeit, wenn wir nicht vorher durch Not dazu gezwungen werden.
Letzten Sommer verbrachte ich ein paar Wochen mit 25 Jugendlichen bei einem evangelistischen Einsatz in Browning, einer Kleinstadt in einem Indianerreservat. Uns ist aufgefallen, dass die Tankstellen, Geschäfte und Restaurants alle von Weißen und nicht von Indianern geführt wurden. Das trifft auch auf alle Kasinos und Ferienhäuser zu, die in anderen Indianerreservaten nur so aus dem Boden sprießen. Schaut euch das mal an: Alle Leute, die arbeiten, sind Weiße.
Als wir bei dem Einsatz in Montana waren, halfen die Jugendlichen einer Familie, die ein kleines mexikanisches Restaurant hatte. Das war fast das einzige Unternehmen, das von Indianern geführt wurde. Wir halfen den Eigentümern, Helen und Jack, das Restaurant zu streichen und gründlich zu reinigen.
Ich überschüttete sie mit tausend Fragen darüber, wie man ein Geschäft dort führt. Ich fand heraus, dass man dort ganz einfach eine Firma beginnen kann, es gibt fast keinen Verwaltungskram. Sie werden auch nicht vom Gesundheitsamt überwacht und brauchen sich keine Gedanken zu machen, dass irgendwelche Bürokraten unsinnige Forderungen an sie stellen. Es sah aus, als ob die Bedingungen für einen Geschäftsanfang dort sehr günstig wären. Wir beobachteten auch, wie gut das Geschäft lief. Andauernd kamen Leute um ihre tägliche Essensbestellung abzuholen, oder um dort zu essen. Die Kunden waren einheimisch, es war also ein gut gehendes Geschäft. Ein leichter Start, wenig Bürokratie, viele Kunden. Super!
Warum waren wir, eine Jugendgruppe aus Oregon, da um ihnen zu helfen das Lokal zu reinigen und zu streichen? Mit Helens Worten: „Vielen herzlichen Dank, dass ihr uns beim Streichen geholfen habt. Wir können hier niemand finden, der solche Arbeiten übernimmt.“ Ich war schockiert. Die Arbeitslosigkeit im Reservat lag bei 70%.
Ich dachte, dass wir ihnen halfen, weil sie nicht genug Geld hatten um die Arbeit erledigen zu lassen. Sie sagten aber, dass sie Geld hätten um für die Arbeit zu zahlen, aber dass einfach niemand bereit war sie zu tun.
Helen erzählte weiter: „Wir kommen gerade aus Kalifornien zurück, wo wir unsere Tochter und unsere Enkel besucht haben. Wir mussten das Restaurant für diese zwei Wochen schließen, in denen wir weg waren. Wir können niemand Zuverlässigen finden, der das Restaurant führt, wenn wir weg sind. Im ersten Jahr sind die Leute, die wir angestellt haben, nicht mal aufgetaucht. Im zweiten Jahr haben sie vieles gestohlen. Deswegen haben wir uns gedacht, es ist billiger, wenn wir das Restaurant schließen, wenn wir unterwegs sind. Wir machen dabei Verlust, aber nicht so viel, wie wenn wir jemand von hier anstellen würden.“
„Wie lange habt ihr das Restaurant schon?“, fragte ich.
Jack antwortete: „Wir haben vor sieben Jahren eröffnet.“
„Wie viele Leute haben in dieser Zeit schon für euch gearbeitet?“ Ich dachte, dass sie vielleicht nicht genug Leuten eine Chance gegeben hatten.
„Ungefähr 80. Aber sie arbeiten meist nur bis zum ersten Lohn. Dann verschwinden sie für immer. Manche kommen nicht zur Arbeit und rufen auch nicht an; sie schauen dann nach zwei Wochen wieder vorbei und sagen, dass sie Verwandte besucht haben.“ „Wer hat bei euch am längsten gearbeitet?“, fragte ich dann. „Ein Mädchen. Sie blieb für zwei Monate. Dann verschwand sie einfach“, sagte Helen. „Warum ist es so schwer, jemand zu finden?“
„Niemand will arbeiten. Es gibt hier keine Arbeitsmoral. Sie wissen nicht, was es heißt Verantwortung zu tragen. Sie wollen nicht arbeiten, weil sie nicht arbeiten müssen.“
Ich fragte den Pastor der Gemeinde dort, wie viel Alkoholiker es im Reservat gibt: „Mindestens 90% der Männer sind Alkoholiker. Ich war auch einer, bis der Herr Jesus mein Leben in die Hand nahm.“
Mein Herz tat weh, als ich verstand, wie es den Indianern dort ging. Mir ist auch klar, dass ich genauso wäre, wenn mir von Kindheit an alles von der Regierung zugesteckt worden wäre. Man hat keinen Antrieb zum Arbeiten, wenn man kein Vorbild hat, wenn Untätigkeit belohnt wird und wenn deine Miete steigt, falls du eine Arbeit annimmst. Je mehr du verdienst, desto höher wird die Miete.
Es ist die menschliche Natur, dass wir nur arbeiten, wenn wir arbeiten müssen. Wenn wir arbeiten müssen, um etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben, dann arbeiten wir. Und dann finden wir oft Freude an der Arbeit. Man schafft neue Stellen. Aber die neuen Arbeitsstellen haben die Arbeitslosigkeit unter den Indianern überhaupt nicht reduziert. Eine Analyse zeigt, dass Reservate mit einem neuen Kasino (und vielen neuen Stellen) jetzt eine höhere Arbeitslosigkeit haben als vorher (und zwar 1997 um 0,4 % höher als 1991). Jakob Coiner, ehemaliger Direktor der National Indian Gaming Reservation, gibt den Grund an: Weil 75% der Stellen in den Kasinos von Weißen besetzt werden.
Wir Weißen haben den Indianern viel angetan. Wir haben Bündnisse gebrochen. Wir haben große Gebiete gestohlen. Wir haben sie auf kleine Landflecke zurückgedrängt, wo sie ihren Lebensstil nicht beibehalten konnten. Das war alles schlimm genug. Aber nichts davon ist so schlimm wie das, was wir als Nächstes gemacht haben.
Unser Staat versuchte, das wiedergutzumachen, vielleicht aus einem Schuldgefühl heraus. Als eine Art Rückzahlung gaben wir ihnen viel Geld dafür, dass sie in diesen Reservaten leben können und nichts tun müssen. Das war eigentlich noch schlimmer als irgendeines der Verbrechen, die wir vorher an ihnen verübt hatten, weil wir ihnen damit den Willen zum Arbeiten geraubt haben. Indem wir sie von der Notwendigkeit zu arbeiten befreit haben, haben wir ihnen einen wichtigen Bestandteil des menschlichen Lebens genommen, einen Bestandteil, der uns Würde und Respekt verleiht – nämlich die Arbeit.
In der Schrift finden wir ein paar recht deutliche Worte über die Arbeit:
„Auch wer sich lässig zeigt in seiner Arbeit, ist ein Bruder des Verderbers.“ (Spr 18,9)
„Die Begierde des Faulen tötet ihn, denn seine Hände weigern sich zu arbeiten.“ (Spr 21,25)
„Am Feld eines faulen Mannes kam ich vorüber, und am Weinberg eines unverständigen Menschen. Und siehe, er war ganz mit Disteln überwachsen, seine Fläche war mit Unkraut bedeckt und seine steinerne Mauer eingerissen.“ (Spr 24,30.31)
„Denn ihr selbst wisst, wie ihr uns nachahmen sollt; denn wir haben nicht unordentlich unter euch gelebt, noch haben wir von jemand Brot umsonst gegessen, sondern wir haben mit Mühe und Beschwerde Nacht und Tag gearbeitet, um nicht jemand von euch beschwerlich zu fallen. Nicht, dass wir nicht das Recht dazu haben, sondern damit wir uns selbst euch zum Vorbild gäben, damit ihr uns nachahmt.“ (2. Thes 3,7-9)
„Wer gestohlen hat, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr und wirke mit seinen Händen das Gute, damit er dem Bedürftigen etwas zu geben habe.“ (Eph 4,28)
„Was irgend ihr tut, arbeitet von Herzen als dem Herrn und nicht den Menschen, da ihr wisst, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet; ihr dient dem Herrn Christus.“ (Kol 3,23.24)
1964 hat Präsident Johnson ein neues Sozialprogramm eingeführt, um den Reichtum der Gesellschaft durch den Staat anders zu verteilen. Dadurch wurde das alte Sozialsystem erweitert und es entstand eine neue Art Armut: Den Leuten wurde die Würde genommen zu arbeiten.
Es stimmt, dass auch „die Armen“ oft Übergewicht haben und in einem Luxus leben, von dem man in der Dritten Welt nicht einmal träumen kann. Im materiellen Sinn sind viele gar nicht arm. Aber die innere Einstellung: „Ich habe ein Anrecht auf Unterstützung“ und „Ich brauche Unterstützung“ hat jetzt eine viel schlimmere geistige Armut erzeugt, die überwunden werden muss.
Über 500.000.000.000 Dollar an staatlicher Entwicklungshilfe wurden in den letzten 50 Jahren nach Afrika gezahlt. Das las ich in einem Artikel. Derselbe Artikel erklärte, dass Afrika wirtschaftlich schlechter dasteht als 1949. Staatliche Umverteilung des Reichtums scheint zur Verarmung der Leute beizutragen, denen man eigentlich damit helfen will.
Aber die Gemeinde macht weiterhin denselben Fehler, den unsere Regierung gemacht hat. Geld, das man den Armen einfach so gibt, wäre eigentlich viel besser verwendet, wenn man es einem Paar gäbe, um ihm zu helfen sich und ihre Familie zu versorgen. Hier muss sich die Gemeinde radikal von der Regierung unterscheiden. Wir müssen uns vor Augen halten, dass jeder Mensch vor Gott eine Würde hat. Die muss erhalten bleiben. Jeder Mensch wurde im Bild Gottes geschaffen. Er hat eine Würde als Person und er hat die Würde zu arbeiten. Arbeit ist ein Teil davon, dass wir im Bild Gottes geschaffen sind.
Vor ein paar Tagen sprach ich mit einer Ärztin darüber, wie sie während einer großen Hungersnot Nahrungsmittel in Uganda verteilt hat. Für jeden fand sie eine Aufgabe, entweder bei der Verteilung der Lebensmittel oder bei Maßnahmen um die nächste Hungersnot zu verhindern.
Die Leute behielten ihre Würde auch in den schlimmsten Lebensumständen. Niemand beschwerte sich, dass er arbeiten musste. Sie bedankten sich bei ihr, dass sie arbeiten durften. Ich habe auch von Regierungsprogrammen in Notgebieten gehört, wobei den Mitarbeitern ausdrücklich verboten wurde, die Notleidenden zur Arbeit zu bewegen. Andere Hilfsprogramme versuchen gar nicht, die Leute zum Arbeiten zu bringen, weil es auf der Seite der Geber mehr Planung und mehr Einsatz erfordert für Arbeit zu sorgen. Dadurch wird natürlich die Abhängigkeit erhöht und die Leute werden ihrer Würde beraubt. Sicher sollte man sich um die kümmern, die zu krank für die Arbeit sind, damit sie wieder auf die Beine kommen. Aber wenn jemand gesund ist, dann ist Arbeit etwas Gutes. Es ist genau das, was sie brauchen.
Die Bibel redet deutlich darüber:
„Denn auch als wir bei euch waren, geboten wir euch dieses: Wenn jemand nicht arbeiten will, so soll er auch nicht essen. Denn wir hören, dass einige unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir und ermahnen sie in dem Herrn Jesus Christus, dass sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen.“ (2. Thes 3,10-12)
Wir müssen Menschen den Wert der Arbeit beibringen und sie dazu befähigen, ihr eigenes Brot zu essen.
Um die Armut auf der Welt zu bekämpfen, können wir nicht die Berge von Dingen und Geld umverteilen. Es geht darum, dass wir selbst einfacher leben und unser Geld und unsere Zeit benutzen um Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Dadurch können die Leute mit der Würde leben, mit der sie in Gottes Bild geschaffen wurden.
Ein Mann sitzt an der Straße mit dem Schild: „Arbeite für eine Mahlzeit.“ Es ist nichts wirklich Schlimmes daran ihm ein paar Münzen zu geben. Aber es gibt etwas weit Besseres: Den Mann tatsächlich wieder auf die Beine und an die Arbeit zu bringen. Es ist viel einfacher, ihm aus dem Autofenster etwas zuzuwerfen. Wer weiß, ob er nicht arbeiten will oder nicht arbeiten kann, vielleicht wegen körperlicher oder geistiger Gebrechen oder aus anderen Gründen? Es kostet Zeit, Geld und erfordert auch Arbeit um anderen Arbeit zu verschaffen. Aber wenn wir mit unseren Gaben jemand Arbeit verschaffen und ihn unterstützen wieder auf die Beine zu kommen, so wäre das die beste Verwendung von unseren Gaben. In der Welt sehnen sich viele danach, so eine Chance zu bekommen.
Unsere Unterstützung aus den Gemeinden und von Einzelnen sollte genau dorthin fließen, wo die Menschen mit Arbeit versorgt werden. Wenn das nicht so ist, schießen wir am Ziel Gottes vorbei.