Christi Abschied und die Zusicherung des Sieges
(Auszug aus dem Buch „In der Schule des Meisters“ von David Gooding. Es handelt sich dabei um eine Auslegung zu Johannes 13 bis 17, die jetzt bei CLV erschienen ist.)
Das Wichtigste, das man begreifen muss
Ganz egal wie viel oder wie wenig die Apostel von der bisherigen Lehre Christi verstanden haben, der wichtigste Punkt,
den sie begreifen müssen, ist: „Der Vater selbst hat euch lieb“ (Johannes 16,27). Das ist auch immer noch der wesentliche Punkt, den jeder Jünger Christi verstehen muss, ob jung bekehrt oder bereits lange gläubig. Wenn wir mit den täglichen Problemen des Lebens ringen, die Verantwortung als Christ zu schultern versuchen oder die Konsequenzen unseres Glaubens auf lehrmäßiger oder theologischer Ebene erarbeiten, kann es leicht geschehen, dass die unmittelbare, persönliche Liebe des Vaters zu jedem von uns in unseren Gedanken verblasst. Wenn wir seine Liebe nicht mehr vor Augen haben, verwandelt sich unser Gebetsleben in eine Last, die uns durch Zweifel und Angst niederdrückt.
Unser Herr hat den Aposteln in der vorherigen Lektion gesagt, dass sie nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt in seinem Namen Bitten an den Vater richten können. Der Vater wird Christi Namen anerkennen und ihnen geben um was sie bitten. Aber er wusste im Voraus, dass sie ohne weitere Anweisung genau diese großartige Verheißung missverstehen könnten. Sie könnten denken, dass der Vater in Wirklichkeit nicht an ihnen interessiert ist und ihre Bitten wahrscheinlich nicht erhören wird, wenn der Herr Jesus ihm nicht gut zureden und ihn überzeugen wird.
Natürlich ist das nicht im Geringsten so. „Der Vater selbst hat euch lieb.“ „Wenn du ihn in meinem Namen bitten wirst, werde ich ihn niemals fragen müssen: „Warum hast du dich nicht um die Bitten meiner Jünger gekümmert? Warum hast du sie nicht erhört?““[1] „Der Vater selbst hat euch lieb“, sagt Christus, „ihm kann man vertrauen, dass er eure Anfragen in Übereinstimmung mit meinem Namen erhören wird.“
Es stimmt natürlich, dass Christus nun als unser Fürsprecher vor Gott handelt. In dieser Eigenschaft betet er für uns. Wir werden ein Beispiel sehen, sobald diese Lektion zu Ende ist. Aber er muss sich nicht für uns verwenden, weil Gott gegen uns wäre. Seine Stellung als Fürsprecher ist ein Ausdruck von Gottes Liebe zu uns und von seiner Entscheidung, uns Gutes zu tun (Hebräer 5,1-10; 7,20-25).
Schließlich stellen wir fest, dass Christus, als er seinen Aposteln versichert, dass der Vater sie lieb hat, nicht an die allgemeine Liebe denkt, die Gott für all seine Geschöpfe hat. Er meint die besondere Liebe und Zuneigung, die der Vater für diejenigen hat, die seinen Sohn lieben und glauben, dass Jesus vom Vater ausgegangen ist (16,27). Es kostete Gott die Schmerzen auf Golgatha, die er gern erduldete, um Sünder zu lieben, während sie noch Sünder waren. Gottes Antwort für diejenigen, die diese Liebe weiterhin ablehnen, die den Sohn Gottes mit Füßen treten und sein Blut als wertlos erachten, muss ewiger Zorn sein (Hebräer 10,28.29). Aber wenn Menschen auf die Liebe Gottes antworten, indem sie seinen Sohn als Liebes-Geschenk annehmen und lieben, wird das grenzenlose Liebe und Zuneigung zum Vater hervorrufen.
Die wesentliche Lehre über Christus
Nun ist die Zeit gekommen um festzustellen, ob die Jünger das Wichtigste seiner Lehre über ihn wirklich verstanden haben. Die Gültigkeit aller seiner Worte hängt von dieser großen, grundlegenden Tatsache ab: „Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“ (Johannes 16,28)
Das sagt einer, der gemeinsam mit dem Vater und dem Heiligen Geist der dreieinige Gott ist. Kein alttestamentlicher Prophet, auch nicht der größte unter ihnen, hat jemals etwas Ähnliches gesagt. Elia sprach von Gott als „der Gott Israels, vor dessen Angesicht ich stehe“ (1. Könige 17,1). Der Engel Gabriel verkündete: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht.“ (Lukas 1,19) Weder Prophet noch Engel konnte sagen: „Ich bin von dem Vater ausgegangen … wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“ Das müssen die Apostel und die Christen nach ihnen verstehen, glauben und daran festhalten, wenn sie unter dem ungeheuren Druck der Welt hinausgehen und Christus bezeugen.
Gott hat seinen Sohn Jesus Christus in die Welt gesandt, um die Menschheit von dieser erbärmlichen Sklaverei zu befreien. Aber wenn wir erlöst werden, müssen wir vor allem eine Sache verstehen und glauben. Das sind nicht einfach die ethischen Lehren Christi sondern Folgendes: „Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen.“ Also gibt es nicht nur diese Welt hier. Und diese Welt ist auch nicht von selbst entstanden. Der Vater ist auf jeder Seite von ihr. Christus sagt außerdem: „ …wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“ Das heißt, diese Welt ist nicht das Ende, es gibt Leben darüber hinaus. Da das die Wahrheit ist, ist die Lüge Satans offenbar. Und für diejenigen, die an Christus glauben, kann Satan die Welt nicht mehr in ein Gefängnis verwandeln.
Christus fordert seine Jünger heraus
Aber glauben die Jünger Christi das? Sie sagen Ja. Sie behaupten, dass Christus zuletzt offen geredet hat. Sie erkennen, dass er alles weiß und niemand ihn fragen muss. Sie versichern ihm: „…darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.“
Sie meinen zweifellos jedes Wort so, wie sie es sagen. Aber es ist eine Sache zu sagen, dass man die Lektion vollkommen verstanden hat, und eine andere, das in einer Prüfungssituation auch in der Praxis zu zeigen. In seiner Barmherzigkeit stellt Christus deshalb ihre übermäßige Selbstsicherheit freundlich in Frage: „Glaubt ihr jetzt?“ Innerhalb von wenigen Stunden werden sie einer äußerst ernsten Prüfung gegenüberstehen. Ihr Glaube wird wanken und ihr Verständnis der Wahrheit wird sich als nicht so stark erweisen, wie sie dachten: Sie werden Christus verlassen und davonlaufen, um ihr Leben und ihre Belange in der Welt zu schützen.
Die Zusicherung des Sieges
Wird dann alles verloren sein? Nein, keinesfalls. Alleine mit seinem Vater wird Christus allem gegenüberstehen, was die Welt und ihr Fürst ihm bescheren kann, einschließlich Folter und Tod. Und Christus wird siegen. „Seid guten Mutes“, sagt Christus, sogar kurz bevor die Jünger ihre Nerven verlieren und zunächst besiegt davonlaufen werden. „In der Welt habt ihr Bedrängnis, in mir habt ihr Frieden. Ich habe die Welt überwunden.“ Er wird den satanischen Gefängniswärter am Boden halten. Er wird die Gitterstäbe seiner gefangenen Welt zerbrechen. Seine Auferstehung und Himmelfahrt werden die Türen des Gefängnisses weit aufreißen. Und wenn er siegreich zum Vater auffahren wird, wird sein Volk an seinem Sieg Anteil haben. In Christus werden sie auch mehr sein als Überwinder, durch den, der sie geliebt hat (Römer 8,37). „Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten, weder Höhe noch Tiefe, noch irgendein anderes Geschöpf uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
Wenn wir nun vor unseren Mitmenschen die Realität Christi bezeugen möchten, müssen wir das Geheimnis lernen, wie wir die Welt überwinden können. Hier lesen wir es in den Worten eines der Apostel: „Denn alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dies ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist.“ (1. Johannes 5,4.5)
[1]
[1] Das griechische Wort für „bitten“ (aiteõ) im ersten Teil von Vers 26 bedeutet „um etwas bitten“, „eine Bitte vorbringen“. Das griechische Wort für „beten“ oder „bitten“ im zweiten Teil dieses Verses (erõtaõ) bedeutet hier „sich bei jemandem nach jemandem oder etwas erkundigen“.