Das Kreuz
Was ist das Kreuz im Leben des Gläubigen? Ist es möglich durchs Leben zu gehen, ohne jemals das Kreuz zu tragen? Wie können wir das Kreuz aufnehmen, wie Jesus es befohlen hat?
Das Kreuz ist etwas, das der Retter bewusst auf sich nahm. Er hätte die Unbequemlichkeit vermeiden können, die Schande, die Trauer, das Leid und den Tod. Aber eine Welt von verlorenen Menschen ging auf den Untergang zu. Er hat sich dazu entschlossen, sich nicht von dieser riesigen Not fern zu halten. Er wählte freiwillig zu leiden, zu bluten und zu sterben, damit Menschen ewig gerettet werden können.
In geringerem Maß sieht sich jeder Gläubige in jeder Generation vor diese Wahl gestellt. Die Welt geht verloren, weil sie das Evangelium des Christus nicht hat. Wir können uns von ihrer verzweifelten Not isolieren. Wir können unsere Ohren vor den furchtbaren Schreien dieses Elends verstopfen. Wir können unsere Augen vor dem quälenden Anblick von Menschen schließen, die über den Abgrund in die Hölle stürzen. Wir können das alles tun und dabei ein normales, routinemäßiges christliches Leben führen. Jowett sagt dazu: „Weil wir unser geistliches Leben auf ein Minimum reduziert haben, ist unser Weg durchs Leben nicht wie der Weg eines Menschen, sondern eher wie der Weg einer Amöbe.“ Wir sind winzige Seelen, die durchs Leben schlüpfen.
Unser Leben ist von schläfriger Mittelmäßigkeit gekennzeichnet. Von Zeit zu Zeit haben wir Probleme und wir bilden uns ein, dass es sich dabei um das Kreuz handelt. Ohne unser Zutun können Krankheiten, finanzielle Schwierigkeiten oder Eheprobleme auftauchen, oder Angehörige können sterben. In solchen Zeiten finden wir vielleicht großen Trost in Liedern, die davon sprechen, dass wir unser Kreuz mit Sanftmut und Geduld tragen sollen. Aber das sind Probleme, die alle Menschen treffen. Niemand ist davon ausgenommen, wenn er nur lange genug lebt.
Das Kreuz ist etwas anderes. Hier ist ein junger Mann, der sein Leben ganz dem Herrn ausgeliefert hat. Er hat seinen Leib als lebendiges Opfer dargebracht, wohl annehmlich für Gott. Er hat sich dazu entschlossen, den Weg für den Erlöser zu Ende zu gehen, egal was es kostet. Zuerst gibt er all seinen materiellen Besitz zur Verbreitung des Evangeliums auf. Freiwillig nimmt er einen opferbereiten Lebensstil an. Der gesellschaftliche Strom, in dem seine christlichen Freunde mitschwimmen, ist ihm egal. Er bringt das Evangelium von einem Haus zum anderen, ob ihm die Zeit passt oder nicht. Alles in seinem Leben ist der großen Aufgabe untergeordnet, seine Bekannten vom Reich der Finsternis zu retten und in das Reich von Gottes geliebtem Sohn zu versetzen.
Es dauert nicht lange, da ist er mit bitterer Opposition konfrontiert. Überraschenderweise mag sie zuerst von seinen christlichen Freunden kommen. Sie klagen ihn an, unausgewogen, fanatisch und unstabil zu sein. Sie warnen und drängen ihn, an seine Zukunft zu denken, Gefühlsausbrüche zu vermeiden, und den Traditionen der Väter zu folgen.
Seine Verwandten schämen sich wegen seines Eifers. Sie wünschen sich, dass er in seiner Religionsausübung etwas konservativer ist. Warum kann er sich nicht so verhalten wie die anderen jungen Leute in der Kirche? „Er wird nicht nur die Nerven seiner Mutter aufreiben, sondern auch sein Leben verschwenden“, sagen sie. Das ist das Kreuz.
Dann schießt die Welt mit ihren Kanonen. Er fühlt schon ihre Ablehnung und ihren Hass. Türen werden vor seiner Nase zugeworfen. Er wird verachtet und verspottet. Er erlebt die verletzende Bemerkung, die boshafte Anspielung, den schneidenden Scherz. Menschen versuchen alles, damit er sich für sein mutiges Zeugnis für Christus schämt. Wenn Worte ihn nicht treffen können, versuchen sie es mit Gewalt. Vielleicht werden die Behörden eingeschaltet. Das ist das Kreuz.
Jetzt wird es Zeit für den Teufel, in die Schlacht einzugreifen. Er beschießt den jungen Nachfolger mit brennenden Versuchungen. Er probiert zu hindern, aufzuhalten, zu zerstören. Mit geplanter List schießt er aus jeder Richtung. Der junge Christ fragt sich, ob der Teufel noch weitere unbenutzte Waffen übrig hat – und dann „Wumm!“: Eine weitere Angriffswelle bricht mit grausamer Originalität herein. Das ist das Kreuz.
Das Kreuz im Leben des Gläubigen ist das Opfer und das Leid, das er bewusst in Kauf nimmt, um den Willen Gottes zu tun. Er könnte es völlig vermeiden, wenn er sich auf die langweilige Routine des durchschnittlichen Lebens beschränken würde. Aber er hat eine Vision gesehen. Er kann nicht mehr für sich selbst leben. Wegen seines unbeugsamen Gehorsams gegen das Wort, wegen seines Zeugnisses für Christus, wegen der Kraft seines selbstlosen Lebens leidet er mit und für den Heiland. Das ist das Kreuz.