Das Ziel ist sicher
(Auszug aus dem Buch „In der Schule Christi“ von D.W. Gooding. Es handelt sich dabei um eine Auslegung zu Johannes 13 bis 17, die 2013 beim CLV erscheinen soll.)
„Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich! In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet.“ (Johannes 14,1-3)
„Euer Herz werde nicht bestürzt“, sagte Christus. Denn zweifellos hatte er die Bestürzung auf den Gesichtern der Jünger gesehen, als er ihnen sagte, dass er sie verlassen und Petrus ihn verleugnen würde. Wenn Petrus‘ Hingabe so unstabil war, war dann ihre eigene besser? Petrus konnte dem Herrn, als er noch körperlich anwesend war, nicht treu sein. Wie viel schwieriger würde es für sie alle sein, ihm treu zu bleiben, wenn er fort war! Würden sie dann nicht in ihrer Hingabe versagen und dadurch mutlos und schwach werden? Würde dadurch nicht ihre Hoffnung zerstört letztlich heilig zu werden? Sie hatten natürlich viele Gründe, dass ihr Herz bestürzt war. Immerhin ist es eine äußerst ernste Sünde, den Herrn zu verleugnen. Der Herr hatte sie schon früher gewarnt, dass er diejenigen, die ihn vor den Menschen verleugnen, auch vor seinem Vater im Himmel verleugnen wird (Matthäus 10,33). Wenn nun jemand behauptet gläubig zu sein, und sein Leben lang fortwährend den Herrn Jesus verleugnet ohne Buße zu tun, ist ernster Zweifel angebracht, ob er jemals ein wahrer Gläubiger war. Wie sollten sie da nicht bestürzt sein?
Doch kaum hatte Christus gesagt, dass Petrus ihn verleugnen würde (13,38), fügte er im nächsten Vers (14,1), fast im selben Atemzug hinzu: „Euer Herz werde nicht bestürzt“. Er hatte seine Gründe.
Erstens wusste er, dass Petrus trotz seiner Schwachheit ein wahrer Gläubiger war und dass seine Verleugnung nur ein vorübergehender (und trotzdem ernster) Bruch war. Petrus wird nach seinem Scheitern wiederhergestellt werden: das Gebet Christi für Petrus (Lukas 22,32) wird das bewirken. Von einem praktischen und psychologischen Gesichtspunkt aus war es sehr wichtig, dass Petrus und die anderen Apostel die Ankündigung von Petrus‘ Scheitern nüchtern betrachteten. Sein Scheitern war gewiss, aber auch die Wiederherstellung war sicher.
Zweitens würden mindestens zwei oder drei gute Dinge aus Petrus‘ Scheitern entstehen, so ernst es auch war. Denn am Ende wirkt Gott für diejenigen, die ihn lieben und über ihr Versagen Buße tun, alle Dinge zum Guten, selbst die Fehler. Sein Versagen würde beispielsweise Petrus‘ unangebrachtes Vertrauen in seine eigene Stärke zerstören und zu einem ernüchterten, realistischen Bewusstsein seiner Schwachheit führen.
Als Nächstes würde Petrus´ Scheitern ihn von Christi Realismus überzeugen. Christus ließ sich von seinen inbrünstigen Beteuerungen der Hingabe nicht beirren: Christus war auch nicht von seinem Scheitern enttäuscht, denn er hatte es vorhergesehen, erwartet und liebte ihn trotzdem noch.
Viertens würde Petrus nun bereit sein, Christus auf eine Weise zuzuhören, wie er es davor nicht getan hatte. Er wird jetzt Christi Vorsorge für die Aufrechterhaltung, Weiterentwicklung und Vervollkommnung seiner Hingabe an ihn und den Vater annehmen.
Schließlich würde im Licht all dessen Petrus besonders fähig sein, seine Mitgläubigen zu stärken (Lukas 22,32).
„Euer Herz werde nicht bestürzt“, sagte Christus, und wir tun gut daran, auf seinen Rat zu hören. Denn es gibt zwei gleichartige und doch gegensätzliche Fehler, die Gläubige hinsichtlich ihres Versagens machen können. Sie können es auf die leichte Schulter nehmen, als ob es überhaupt nichts ausmache – sie versagen darin, über das Versagen Buße zu tun. Sie verwehren es dem Herrn Jesus, „ihre Füße zu waschen“ und sie von ihren Unreinheiten zu reinigen. Dies führt zu vermehrtem Versagen und Fruchtlosigkeit. Der andere Fehler ist das genaue Gegenteil. Man lässt sich vom eigenen Versagen und den eigenen Unzulänglichkeiten vereinnahmen. Man verbeißt sich dann in der Niederlage, der Geist wird schwach und Satan zieht Vorteile aus der Situation und verursacht Verzweiflung, Freudlosigkeit und weitere Niederlagen. Das ist nicht wahre Heiligung! Wahre Heiligung führt uns dazu, unsere Sünden zu bereuen und zu bekennen und uns dann auf Gottes Zusicherung der Vergebung zu stützen (1. Johannes 1,9). Wir werden dann Gott zustimmen, „dass in uns, das ist in unserem Fleisch, nichts Gutes wohnt“ (Römer 7,18). Dann werden wir von uns wegschauen hin zu Christus und zu der herrlichen Vorsorge, die er für uns bereitet hat und immer noch bereitet, damit wir unsere Schwachheiten überwinden können und unsere Hingabe schließlich vollkommen wird.
So wendet Christus mit göttlicher Weisheit nun die Aufmerksamkeit seiner Jünger weg von ihren Unzulänglichkeiten und Petrus‘ Versagen hin zur herrlichen Zukunft, die vor ihnen liegt.
Seine Vorsorge, damit sie immer bei ihm sein können
„Euer Herz werde nicht bestürzt“, sagte Christus. Er hatte seine Jünger im Blick, nicht wie sie momentan waren, sondern wie sie sein würden, wenn Gottes Plan für ihre Heiligung vollendet sein würde. Heiligung bedeutet nicht nur Nachfolge und Dienst, indem man für einige Jahre Christus hingegeben lebt in seiner Mission der Gnade und Errettung auf dieser gefallenen, durch Sünde verdorbenen und mit Leid gefüllten Welt. Es bedeutet, Christus danach in seinem Auffahren in den Himmel zu folgen und dort Gott sündlos und mit vollkommener Hingabe in dem himmlischen Tempel zu dienen, in dem kein Vorhang nötig ist, um die unmittelbare Gegenwart des allheiligen Gottes vor seinem Volk zu verbergen.
Christus beginnt nun, von diesem Tempel zu reden. Als der vom Himmel herabgekommene Sohn Gottes hatte er die himmlischen Dinge selbst erlebt, seine Jünger aber nicht. Sie konnten auch nichts über diese Dinge wissen, außer wenn sie alles glaubten, was er ihnen sagte, mit dem Vertrauen, das sie normalerweise in Gott setzten. Er sagt: „Ihr glaubt an Gott, glaubt auch an mich!“
Er fährt fort: „In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“. Am Anfang seines öffentlichen Dienstes hatte Jesus schon einmal diesen Ausdruck „Haus meines Vaters“ verwendet. Er bezog sich damit auf den Tempel in Jerusalem. Selbst dieses irdische Haus war heilig. Alle, die Gott darin dienten, die Hauptpriester und die geringeren Priester (Leviten), mussten heilig sein, das heißt abgesondert und völlig dem Dienst für Gott hingegeben. Nichts durfte die Heiligkeit des Hauses beflecken. Deshalb trieb unser Herr die Händler, als er die Tempelhöfe durch deren unheiligen und gewinnbringenden Betrieb entheiligt sah, hinaus und sagte: „Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus“ (2,16).
Als er nun zu seinen Jüngern von der Herrlichkeit sprach, die sie erwartete, verwendete er den Ausdruck „Haus meines Vaters“ erneut, aber diesmal nicht für den irdischen Tempel, sondern für den himmlischen. „In Verbindung mit der größeren und vollkommeneren Hütte, die nicht mit Händen gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist“ (Hebräer 9,11). „In dem Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“ – oder Räume. Interessanterweise hatte das irdische Haus seines Vaters ebenfalls viele Räume, die es umgaben und in denen die Priester und Leviten untergebracht waren. Sie wohnten jeder nach seinem Aufgabenbereich, egal ob es die Bereitung des Weihrauchs war oder die Aufbewahrung des Brandopfers für das Feuer auf dem Altar, das Backen des Schaubrots oder was auch immer. Jeder Diener Gottes in diesem Tempel hatte einen Platz, an dem er sich auskennen und Gott dienen und ihn anbeten sollte. Nun benutzt Christus denselben Ausdruck, um diesen unendlich höheren, großartigeren, herrlicheren ewigen Tempel im Himmel zu beschreiben. Dieser Tempel hat ebenfalls viele Räume. Dort wird sein Volk in ihren verherrlichten Leibern und ihren völlig unterschiedlichen, erlösten Persönlichkeiten nach dem zweiten Kommen Christi Gott ewig und unaufhörlich hingebungsvoll dienen und ihn anbeten.
Das Vorbereiten einer Stätte
„Denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten“, sagte Jesus. Die Meinungen darüber, was er damit genau gemeint hat, gehen auseinander. Manche denken, dass er sich auf seinen Weg zum Kreuz bezog. Sein Tod bezahlte die Strafe für ihre Sünden und ermöglichte es Gott, völlig gerecht zu bleiben und ihnen dennoch zu vergeben und sie anzunehmen (Römer 8,24-26). Das Blut Jesu reinigte ihr Gewissen und befreite sie dazu, dem lebendigen Gott zu dienen (Hebräer 9,14). Gott sei Dank dafür, dass das alles stimmt: der Tod Christi hat dies alles bewirkt, nicht nur für die damaligen Jünger, sondern für alle, die Christus vertrauen.
Wenn er sich aber darauf bezogen hätte, hätten wir von ihm eher die Aussage erwartet: „Ich gehe hin, euch für die Stätte zu bereiten“, anstatt „Ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten“. Als Christus in den Himmel auffuhr und sich zur Rechten der Majestät in der Höhe setzte, ging er nur dorthin, wo er davor bereits war (Johannes 6,62). Als Sohn Gottes nahm er wieder seine rechtmäßige Stellung ein. Der Vater verherrlichte „ihn bei sich selbst mit der Herrlichkeit, die er bei ihm hatte, ehe die Welt war“ (Johannes 17,5). Dennoch hat der Mensch Jesus Christus, als er in den Himmel auffuhr, den Himmel verändert. Niemals zuvor war in der unmittelbaren Gegenwart Gottes ein Mensch mit einem verherrlichten menschlichen Leib. Welche Anpassungen werden in diesem herrlichen Reich notwendig sein, wenn die Millionen von Christi Erlösten ihm in die ewige Stiftshütte von Gottes Gegenwart folgen! Sie sind dort nicht als körperlose Seelen, sondern als wirkliche und vollständige Menschen mit verherrlichten Leibern – darüber können wir nicht mehr sagen, weil wir in der Bibel nicht mehr erfahren. Aber wir können gewiss sein: Christus wird eine für die erlösten Menschen passende Stätte bereitet haben und er wird sein Volk empfangen, einschließlich Petrus, der ihn einst verleugnete.
Warum Christus kam
Christi Formulierung ist bedeutsam. Er hätte sagen können: „Ich werde wiederkommen und euch mit in den Himmel nehmen, wo kein Geschrei, keine Trauer, kein Schmerz und keinerlei Fluch mehr sein wird“, das wäre vollkommen wahr. Aber er drückte es ein klein wenig anders aus, denn er dachte an sein zweites Kommen als ein Ereignis, durch das die Heiligkeit seines Volkes endgültig vollkommen wird. Er sagte: „…so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“. Hier haben wir den ersten und hauptsächlichen Grund, warum Christus für uns im Vaterhaus eine Stätte bereitet. Wir sollen eines Tages für immer dort sein, wo er ist, und ihn niemals mehr verlassen. Nie wieder wird Schwachheit die Folge haben, dass Petrus ihn verleugnet oder die anderen Jünger ihn aus Furcht verlassen. Es wird ein Tempel sein, aus dem wir nie mehr hinausgehen werden, wie Offenbarung 3,12 es ausdrückt. Unsere Hingabe wird vollkommen sein.
Das Ausmaß des zweiten Kommens Christi
Christi Vorsorge und Verheißung schließt alle wahren Gläubigen ohne Ausnahme ein. Der Apostel Paulus beschreibt, was bei Christi zweitem Kommen geschehen wird:
„Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden [zwar] nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: Verschlungen ist der Tod in Sieg.“ (1. Korinther 15,51-54)
Den Christen in Thessaloniki schreibt er:
„Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird auch Gott die durch Jesus Entschlafenen mit ihm bringen. Denn dieses sagen wir euch im Wort des Herrn, dass wir, die Lebenden, die übrig bleiben bis zur Ankunft des Herrn, den Entschlafenen keineswegs zuvorkommen werden. Denn der Herr selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme eines Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit bei dem Herrn sein.“ (1. Thess. 4,14-17)
Paulus hatte durch den Geist Gottes die größte Sehnsucht im Herzen des Erlösers erkannt. Christus sagte: „so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit, wo ich bin, auch ihr seiet“. „Und so“, sagt Paulus, „werden wir allezeit bei dem Herrn sein“.
Das Ausmaß der ewigen Priesterschaft
Der nächste herrliche Punkt, den wir beachten sollten, ist dieser: Im antiken, irdischen Tempel Gottes in Jerusalem wurde der Gottesdienst nicht von allen Menschen Gottes ausgeführt. Er war beschränkt auf die Mitglieder eines bestimmten Stammes, des Stammes Levi, die gesalbt und geheiligt wurden, um im Namen der Laien als Priester zu dienen. Aufgrund ihrer Salbung wurden sie als besonders heilig und bevorzugt angesehen, Bereiche des Tempels zu betreten, in welche die Laien nicht kommen durften. Aber in Christus sind alle diese Einschränkungen, Unterscheidungen und besonderen Vorrechte aufgehoben. Nun sind alle Menschen des Volkes Gottes Priester, und zwar bereits jetzt, wie der Apostel Petrus erklärt: „…werdet auch ihr selbst als lebendige Steine aufgebaut, ein geistliches Haus, zu einer heiligen Priesterschaft, um darzubringen geistliche Schlachtopfer, Gott wohlangenehm durch Jesus Christus“ (1. Petr. 2,5). Alle Erlösten singen Christus ihr Lob, gemeinsam mit dem Apostel Johannes: „Dem, der uns liebt und uns von unseren Sünden gewaschen hat in seinem Blut und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern seinem Gott und Vater: Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Offb 1,5.6). Und allen Erlösten im Himmel gilt die Verheißung: „Darum sind sie vor dem Thron Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel … und seine Knechte werden ihm dienen, und sie werden sein Angesicht sehen; und sein Name wird an ihren Stirnen sein“ (Offb 7,15; 22,3.4).
Worte reichen nicht aus, die Majestät und Herrlichkeit dieser Bereitung einer Stätte im himmlischen Vaterhaus auszudrücken. Das Ergebnis wird vollkommen und ewig sein. Zudem ist es etwas, für das wir nichts leisten müssen. Es ist völlig das Werk Christi und seine Vorsorge. Unser Herr erzählt uns bereits davon, während wir immer noch auf der Erde sind, nicht um uns sorglos zu machen, sondern im Gegenteil: um unsere Entschlossenheit zu fördern, heilig zu sein. Wir sollen wissen, dass das eigentliche Ziel sicher ist, während wir weiterhin von Versuchungen und Anfechtungen umgeben sind, und von Zeit zu Zeit straucheln und fallen. Wir brauchen nicht zu resignieren und zu verzagen. Wir werden eines Tages dem Herrn Jesus ähnlich gemacht sein. Wir werden eines Tages vollkommen heilig sein. Wir werden für immer bei ihm sein. Es wird ein Tag kommen, von dem an unsere Hingabe an den dreieinigen Gott für immer vollkommen sein wird.