Gemeinde & Mission

Die bessere Ausbildung um effektiv Seelen zu gewinnen

von Mac Donald William

„Das einfache Evangelium ist nicht genug. Um heute die Intellektuellen zu erreichen, brauchst du selbst eine Universitätsausbildung. Wir leben in einer Welt von Spezialisten, deswegen muss auch ein Christ ein Spezialist sein. Wie kann man zum Beispiel vernünftig mit jemand über Philosophie reden, wenn man selbst nicht Philosophie studiert hat? Wir müssen uns einfach mit den Menschen identifizieren. Wir müssen ihre Sprache sprechen. Wenn wir nicht auf einer Ebene mit ihnen sind, können wir nicht erwarten, dass wir für den Herrn wirksam sind.“

Das hörte sich für Hans recht überzeugend an, und so schrieb er sich in einen Kurs für Hochschulabsolventen in Philosophie ein. Monatelang füllte er sein Denken mit Nietzsche, Descartes und Sartre. Eigentlich half ihm der Kurs geistlich gar nicht weiter. Manchmal sah es sogar so aus, als ob er seine Freude verloren habe. Einmal kam es sogar dazu, dass er seine Bekehrung in Frage stellte. Obwohl er seinen Glauben nicht verlor, fühlte er sich doch irgendwie verunreinigt. Aber schließlich erholte er sich und begann wieder vom Herrn zu zeugen.

Die einzige Schwierigkeit dabei war, dass die meisten, mit denen er redete, eine bessere Ausbildung in Philosophie hatten als er. So verlor er die Diskussionen immer. Wenn die Streitgespräche um biblische Themen gingen, hatte er einen klaren Vorteil. Aber in Philosophie, na ja, da hatte er wahrscheinlich noch nicht genug studiert. Deswegen erwarb er nach seinem Magisterstudium noch den Doktortitel in Philosophie.

Der erste, dem Hans als frisch gebackener Doktor der Philosophie Zeugnis gab, war ein Biochemiker. Ehrlich gesagt wusste Hans nichts über Biochemie, und sein Bekannter hatte einen Doktortitel darin. Auf seinem Weg zur Einschreibung für einen Kurs in Biochemie traf Hans einen Bekannten aus dem ersten Semester. Der hatte nun Vorlesungen für Fortgeschrittene in Agronomie belegt. Hans versuchte, ihm den Herrn Jesus zu bezeugen, aber er fühlte sich inkompetent und sein Mund war verschlossen, weil er nichts über Agronomie wusste. Als er im Sekretariat ankam, wusste er nicht mehr genau, ob er sich nun für Biochemie einschreiben sollte, für Agronomie, Nuklearphysik oder Paläontologie. Auch wenn er in den letzten beiden Fächern noch keine Fachleute getroffen hatte, könnte er ihnen doch mal begegnen.

Hans hat sich an dem Tag in gar keinen Kurs eingeschrieben! Er erkannte, dass er nicht in jedem Gebiet ein Experte werden könnte und war unsicher, was er wählen sollte.

Kurz bevor er zu Hause ankam, traf er einen Nachbarn, Herrn Auer. Dieser Auer arbeitete bei der Müllabfuhr. Die Worte kamen Hans wieder in den Sinn: „Wir müssen uns einfach mit den Menschen identifizieren. Wir müssen ihre Sprache sprechen. Wenn wir nicht auf einer Ebene mit ihnen sind, können wir nicht erwarten, dass wir für den Herrn wirksam sind.“ Da musste er schmunzeln; keiner seiner christlichen Freunde versuchte Zeit am Schuttplatz zu verbringen, um die Müllmänner zu erreichen. Und er fühlte sich auch nicht dazu berufen.

An diesem Abend war ein Freund der Familie zu Gast. Er hieß Weiß, und sie kannten ihn seit Jahren. Herr Weiß hatte nur die Realschule besucht, aber er war in der Bibel sehr bewandert. Außerdem war er ein total wirksamer Seelengewinner. Seit seiner Bekehrung mit 20 Jahren hatte er sich jeden Tag Zeit für Gottes Wort genommen. Das ließ er sich durch nichts nehmen.
Beim Tischgespräch tat Herr Weiß Hans leid, weil er keine Ahnung von der Wissenschaft hatte. Trotzdem war Hans beeindruckt von der Tiefe des geistlichen Wissens dieses Mannes, und von der Vollmacht, mit der er sprach.

Nach dem Essen platzten ganz unerwartet zwei Freunde von Hans herein. Hans stellte sie vor: der eine war Schilling, ein Psychologe bei der Luftfahrt, der andere Kurz, ein Genetiker. Im Lauf der Zeit kam man im Gespräch aufs Christentum zu sprechen, und konkret auf die Beziehung des Einzelnen zu Jesus Christus. Die entstehende Diskussion war eine Art Schlagabtausch. Hans war offensichtlich auf der Seite von Herrn Weiß, aber seine Argumente bauten auf menschliche Logik auf. Schilling und Kurz waren an diesem Abend ungewöhnlich gewandt in ihren Argumenten, und Hans wurde einmal sogar etwas zornig.

Herr Weiß hielt sich an die Schrift. Die beiden Besucher wussten offensichtlich nichts oder sehr wenig über die Bibel, und waren nicht gerade in ihrem Element. Sie versuchten immer wieder, Herrn Weiß davon abzubringen, sich auf die Bibel zu berufen, aber ohne Erfolg. Es wurde ihnen auch ganz ungemütlich, und es sah sogar so aus, als ob sie sich innerlich krümmten, wenn Herr Weiß ihre Argumente mit Bibelversen beantwortete. Herrn Weiß störte nicht mal die Tatsache, dass sie die Bibel nicht als inspiriert ansahen – er zitierte sie einfach weiter.

Der Abend endete mit Herzlichkeit und Hans war sogar froh, dass Schilling und Kurz sich mit großem Respekt von Herrn Weiß verabschiedeten – wo er doch gar keine akademische Bildung besaß.

In dieser Nacht blieb Hans länger als gewöhnlich auf. In seinen Gedanken bewegte er wieder die Frage, wie er am wirksamsten für den Herrn sein könnte. Welche Rolle spielte seine akademische Ausbildung dabei? Und welche Rolle spielte Gottes Wort?

Es stimmt nicht, dass man akademische Titel braucht, um Menschen in den höheren intellektuellen Sphären zu erreichen. Die Bibel unterstützt diese Irrlehre nicht, und die Erfahrung auch nicht.

Wenn man einen Moment darüber nachdenkt, ist klar, dass es unmöglich ist, dass ein Christ in allen Bereichen ein Experte wird – in Philosophie, Psychologie und Physiologie, um nur einige zu nennen. Deshalb stellt sich die Frage: „Welches Gebiet soll er wählen?“ Egal, welches Gebiet er wählt, er wird immer auf Leute treffen, die in einem anderen Gebiet Experten sind.

Was noch wichtiger ist: Wir sollten inzwischen gelernt haben, dass Menschen nicht auf Grund von Argumenten aus der Wissenschaft gerettet werden. Sie werden nicht durch menschliche Beweisführung gewonnen. Sie werden nicht durch Argumente ins Reich Gottes gebracht. Das Instrument, das Gott zur Rettung von Menschen benutzt, ist die Bibel.

Aber der Teufel wird alles unternehmen, um Menschen davon abzulenken. Studiere alles andere, nur nicht die Bibel! Deswegen macht er mit ihnen eine „Gehirnwäsche“ und sie kommen auf die Idee, dass sie effektiver wären, wenn sie mehr über Ichtologie wüssten. Dann könnten sie alle Ichtologen für den Herrn gewinnen.

Das ist natürlich eine „Ente“. Christen können ihr ganzes Leben damit zubringen, um sich zu spezialisieren und Gelehrte in verschiedenen Gebieten zu werden, und gleichzeitig völlig unwissend sein in dem, wovon sie am meisten profitieren würden – in der Bibel.

Das ist nicht alles: Was passiert mit den Christen, wenn sie ihre Fähigkeiten in Philosophie entwickeln, oder in Soziologie und anderen Bereichen? Wird ihr Eifer entfacht? Nimmt ihre Effektivität zu? Nicht wirklich. Einige sind in einem Ozean von Zweifeln versunken. Einige haben die Einfalt des Christus verloren. Einige wurden verunreinigt. Das ist ein hoher Preis.

All diese Jahre, all das Geld, um Fachmann in vergänglichem Wissen zu werden! Und dabei hat man das allerwichtigste Wissen vernachlässigt.

Wann werden wir endlich lernen, dass unsere beste Waffe zum christlichen Zeugnis die Bibel ist? Menschen werden „nicht durch vergänglichen Samen wiedergeboren, sondern durch unvergänglichen, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ (1. Petr 1,23).

Deswegen ist eine ausführliche Ausbildung in der Heiligen Schrift das Wichtigste zum wirksamen Seelengewinnen. Das ist das Erste, alles andere ist unwichtiger. Sogar mit der Bibel verwandte Themen, wie Bibelauslegung oder Apologetik, dürfen niemals die Bibel ersetzen. Diese guten Dinge können ein Feind des Besten werden.

Das Wort Gottes ist das „Schwert des Geistes“ (Eph 6,17). Der Teufel hasst es. Er wird alles unternehmen, um den Christen dazu zu bringen, das Schwert fallen zu lassen. Er wird vorschlagen, dass es für ein Leben mit wirksamem Zeugnis unabkömmlich ist, die Faktoren zu studieren, die die Schmackhaftigkeit von Heu beeinflussen, oder die Struktur der Lunge eines Kaninchens; einfach alles, nur damit das Schwert in der Scheide bleibt.

Gott hat nie versprochen, die Weisheit der Menschen zu segnen. Er ist nicht auf Argumente angewiesen, die aus der Philosophie kommen, aus der Logik oder den menschlichen Beweisen. Aber er hat versprochen, sein Wort zu segnen (Jes 55,11). Es ist wirklich unmöglich, die Bibel in der Kraft des Geistes zu benutzen, ohne dass sie Herzen und Leben beeinflusst. Jemand hat es so ausgedrückt: „Ein einziger Vers aus der Schrift ist mehr wert als tausend Argumente.“

Im Allgemeinen können die Menschen aus der Welt die Christen übertreffen, wenn sie sich auf der menschlichen Ebene austauschen. So lange die Diskussion die Bibel vermeidet, können die Verlorenen in der Regel siegreich hervorgehen. Die Stärke des Christen ist es, die Bibel zu benutzen, dann ist er in einer unschlagbaren Position. Der Weltmensch kann hier nicht mitschwimmen und versinkt in einem Meer der Unwissenheit.

Das bedeutet nicht, dass Christen sich nicht weiterbilden sollen. Wenn Gott einen Menschen beruft, Botaniker zu werden, dann sollte er die bestmögliche Ausbildung in Botanik anstreben.

Aber es ist falsch, junge Leute mit dem falschen Gedanken zu infiltrieren, dass nur jemand mit einer Ausbildung in Botanik einen Botaniker zum Herrn führen kann. Es ist sogar falsch, wenn man behauptet, dass man Akademiker sein muss, um einen Botaniker zum Herrn zu führen. Einfache Soldaten haben ihre Offiziere zum Herrn geführt, und Kirchenmitglieder ihre Pfarrer.
Es ist höchste Zeit, dass wir der Bibel den Platz in unserer Achtung einräumen, der ihr gebührt.

Die schreckliche Wahrheit heute ist, dass gebildete Christen ein intensives Bibelstudium als Zeitverschwendung betrachten. Das kann man nicht messen, dafür gibt es kein Zeugnis, keine Anerkennung in der Welt. Das bringt einen nicht weiter, es ist nutzlos. Mit anderen Worten: Kenntnis der Bibel ist nicht so viel wert wie ein Abschluss. Sie ist nicht erstrebenswert, hat keinen Wert an sich.

Wir wollen, dass unsere jungen Leute in der Gesellschaft angesehen sind, dass sie es zu etwas bringen. Deswegen setzen wir die Bibel herab, unsere beste und zuverlässigste Waffe. Wir erstreben die Fähigkeit, über die Krankheiten des Löwenzahns Bescheid zu wissen. Dann verbergen wir unsere Schande hinter der laschen Ausrede, dass man reich sein muss um die Reichen zu erreichen, und dass man einen Doktortitel haben muss, um andere mit Doktortitel zu erreichen.

Warum stimmt es eigentlich nicht in der umgekehrten Richtung – dass man arm sein muss, um die Armen zu erreichen, oder dass man unwissend sein muss, um die Unwissenden zu erreichen?
Nein! Studiere die Bibel. Präge dir Bibelverse ein. Gehorche der Bibel. Benutze die Bibel. Sie ist die beste aller Waffen, das heilige Wort Gottes, das Studium mit dem größten Wert in Zeit und Ewigkeit.