„Zur Freiheit seid Ihr berufen!“
„Zur Freiheit seid Ihr berufen!“
1. Die Freiheit der Gemeinden
Einfachheit
Das Neue Testament zeigt uns die freudige Einfachheit der Gemeinden. Dadurch hatten sie ein Maximum an individueller Freiheit. Damals gab es noch keine Aufteilung von Gottes Volk in Priester und Laien, wo nur die Priester heilig genug sind, um zu taufen oder das Mal des Herrn zu reichen. Diese Idee einer besonders heiligen Gruppe innerhalb von Gottes Volk war damals noch nicht vom Judentum übernommen worden. Alle Gläubigen waren Priester.
Mehrere Älteste
Die einzelnen Gemeinden wurden von Ältesten geführt und geleitet. Diese Ältesten wurden auch Bischöfe genannt (in anderen Übersetzungen: Aufseher; Anm. des Übersetzers). Nicht alle Gemeinden hatten von ihrer Gründung an gleich Älteste. Es scheint, daß Paulus aus verständlichen Gründen so vorging: Er wartete, bis eine Gemeinde mit Neubekehrten sich eine Weile entwickelt hatte und der Heilige Geist die zukünftigen Ältesten durch sichtbares Wachstum und offensichtliche Fähigkeiten auszeichnete (Apg 14,21-23; 20,28; Tit 1,5). In jeder Gemeinde gab es mehrere Bischöfe. So war es in allen Gemeinden, von denen wir aus dem Neuen Testament wissen, daß sie Bischöfe hatten. Es regierte nicht ein einzelner Mann als Bischof über seine Geschwister. Es gibt auch keine Hinweise darauf, daß zu dieser frühen Zeit die Ältesten bzw Bischöfe eine berufliche Schicht von ausgebildeten Männern bildeten, die sich von den sogenannten Laien der Gemeinde unterschieden.
Gemeinschaft zwischen den Gemeinden
Das Neue Testament zeigt uns auch, wie die Beziehungen der einzelnen Gemeinden zueinander aussahen. Die Zahl der Gemeinden wuchs ständig und sie erfreuten sich über regen Austausch und Gemeinschaft miteinander. Sie waren sich ihrer geistlichen Einheit bewußt, die sie hatten, weil sie alle das gleiche ewige Leben besaßen und dem gleichen Herrn und Heiland in gleicher Treue hingegeben waren. In den einzelnen Gemeinden wurden die Juden und die Nichtjuden als Einheit in Christus gesehen. Aber nicht nur das. In diesen Tagen sah man eine wunderschöne Auswirkung des Evangeliums: Die Gemeinden, die hauptsächlich aus Nichtjuden bestanden, wurden sogar dazu ermutigt, ihre Hände zur Gemeinschaft über die weite Entfernung hinweg zur Gemeinde in Jerusalem auszustrecken und ihren jüdischen Glaubensgeschwistern in der Not beizustehen.
Jede einzelne Gemeinde unter der Aufsicht des auferstandenen Herrn
Gleichzeitig gibt es keine Hinweise darauf, daß irgend eine Gemeinde einer anderen Gemeinde unterstellt war. Betrachten wir die Haltung der Gemeinde in Jerusalem gegenüber der Gemeinde in Antiochien (Apg 11,19-30). Die Gemeinde in Antiochien entstand und funktionierte, bevor die Gemeinde in Jerusalem überhaupt etwas davon wußte. Schließlich wurde Barnabas aus Jerusalem hingesandt, um sie zu besuchen. Aber Lukas deutet nicht einmal zwischen den Zeilen an, daß Jerusalem der neuen Gemeinde den Rat gab, sich von jetzt an unter die Verwaltung von Jerusalem zu stellen, sorgfältig mit Jerusalem in Verbindung zu bleiben und ihre Anweisungen und Ordnungen anzunehmen. Aber Barnabas drängte die Antiochier, „mit Herzensentschluß bei dem Herrn zu bleiben.“ Das war nicht nur ein gut gemeinter Rat für die Entwicklung des geistlichen Lebens der Gläubigen, sondern ein Merkmal einer guten Gemeindeleitung und der geistlichen Gesundheit einer Gemeinde. Zumindest wurde das in der Zeit des Neuen Testaments so gesehen, wie wir gleich noch feststellen werden. Jede Gemeinde unterstand direkt dem Herrn. Das Geheimnis von ihrem Wohlergehen, ihrer Stabilität, ihrem guten Zustand und ihrer Fruchtbarkeit war, als einzelne Gemeinden bei dem Herrn zu bleiben.
Als ein Streit über die Lehre der Errettung entstand, sandte die Gemeinde in Antiochien später tatsächlich eine Delegation nach Jerusalem (Apg 15,1-35). Dafür gab es zwei Gründe. Die Irrlehrer, durch die der Streit in Antiochien begonnen hatte, behaupteten, sie kämen von den Aposteln in Jerusalem (Apg 15,24). Natürlich wollte die Gemeinde in Antiochien sich davon überzeugen, daß dies nicht so war. Außerdem war es natürlich, daß die Gläubigen in Antiochien sich in Lehrfragen an die Apostel wendeten. Wir alle tun das noch heute, nur daß wir uns nicht persönlich an sie wenden, sondern an ihre apostolischen Schriften. (Nebenbei bemerkt finden wir dort immer noch bestätigt, was auch die Antiochier festellten: daß Jakobus, Johannes, Petrus und die anderen Aposteln einer Meinung mit Paulus sind.) Als aber die führenden Apostel in verschiedene Gebiete zogen, behielt die Gemeinde in Jerusalem keine besondere Vorherrschaft als Gemeinde. Es ist auch lehrreich, daß der auferstandene Herr nirgends in den inspirierten Schriften des Neuen Testaments andeutet, daß irgendeine andere Gemeinde nach der Zerstörung Jerusalems eine zentrale Rolle übernehmen sollte. Der auferstandene Herr blieb selbst der direkte Vorgesetzte jeder einzelnen Gemeinde.
Natürlich wird oft darauf hingewiesen, daß Timotheus Autorität über die Ältesten der örtlichen Gemeinde ausübte, nachdem Paulus ihn in Ephesus zurückgelassen hatte. So war es auch mit Titus und den ganzen Gemeinden in Kreta (Tit 1,5). Aber das war ganz natürlich. Diese Gemeinden sind durch die Evangelisations- und Pionierarbeit von Paulus und seinen Mitarbeitern entstanden. Wir lesen nirgends, daß Paulus einen Timotheus oder einen Titus in einer Gemeinde eingesetzt hat, die weder er noch seine Mitarbeiter gegründet hatten. Zum Beispiel finden wir keinen Hinweis darauf, daß Paulus oder die Apostel aus Jerusalem in Antiochien Älteste eingesetzt hätten.
Im Neuen Testament finden wir keine Andeutung auf irgendeine Einrichtung, die einen Gemeindeverband schaffen oder aufrechterhalten soll. Mit keinem Wort wird auf allgemeine Konzile hingewiesen, wohin alle Gemeinden Repräsentanten oder Delegierte senden sollten, die dann zu Entscheidungen kommen, welche sie als hilfreichen Rat oder als bindende Regel zu den Gemeinden zurückbringen. Das alles kam erst später.
Im zweiten Jahrhundert hatten viele Gemeinden bereits ihre Eigenständigkeit aufgegeben. In vielen Gebieten unterstanden alle Gemeinden nun einem Bischof. Trotzdem blieb ein Teil der alten Freiheit erhalten. Die Entscheidungen der Konzile wurden nicht als bindend für diese Bischöfe angesehen. Jeder von ihnen wurde noch als direkt dem Herrn – und nur dem Herrn – verantwortlich angesehen. Zum Beispiel mußte ein Bischof in Ordnungsfragen die Beschlüsse von anderen Bischöfen nicht akzeptieren. Aber in gewisser Weise war es unvermeidlich, daß die Beschlüsse dieser Sitzungen mehr und mehr bindend für all die Gemeinden wurden, die Delegierte sandten, bis schließlich ein großer universaler Verband von Gemeinden mit Sitz in Rom entstand, dessen Entscheidungen vom Staat durchgesetzt wurden. Dieser große Kirchenverband wurde zu einem Tyrann, einem Zerstörer der geistlichen Freiheit und sogar zu einem Feind des Evangeliums.
Viele gehen heute von vornherein davon aus, daß eine Art Verband der einzig vernünftige Weg ist, um in der heutigen Zeit Gemeinden zu führen. Für sie muß eine Gruppe von einzelnen Gemeinden, wie wir sie im Neuen Testament finden, unwahrscheinlich schwach aussehen. Wenn man auf der Autonomie der einzelnen Gemeinde besteht, so sehen das einige sogar als Verletzung der christlichen Pflicht an, für die Einheit zu arbeiten.
Aber das ist nicht wirklich so. Niemals hat jemand härter als der Apostel Paulus gearbeitet, um sicherzustellen, daß die jüdischen und nichtjüdischen Christen auf der ganzen Welt zeigen, daß sie in Christus eine Einheit bilden. Aber Paulus hat diese Einheit offensichtlich nicht dadurch eingerichtet oder aufrechterhalten, indem er einen Verband von Gemeinden organisiert hat. Erst später wurde von anderen befürwortetet, den Apparat eines Verbandes zu gründen und sie bestanden darauf, einen aufzubauen. Dadurch wurden in Wirklichkeit sie dafür verantwortlich, daß öffentlich sichtbare Spaltungen zwischen den Gemeinden entstanden. Es gab nämlich Gemeinden, die sich weigerten, ihre direkte Verantwortlichkeit gegen den Herrn zugunsten eines Verbandes aufzugeben, der von der Bibel her keine Autorität besaß.
Jeder Zusammenschluß trennt
Jeder Zusammenschluß trennt. Nehmen wir eintausend Gemeinden, die bisher mit Freude Gemeinschaft und Austausch miteinander pflegten, aber dabei autonom geblieben sind. Versuchen wir nun, sie in irgend einer Art Verband zu organisieren. Zweifellos werden das einige über sich ergehen lassen. Andere werden darauf bestehen, ihre ursprüngliche Freiheit zu bewahren, nicht weil sie die Freiheit als Luxus sehen, den man sich gerne selbst gönnt, sondern weil sie die Freiheit als Verantwortung vor Gott betrachten. Dann muß man nur noch Namen für die beiden Gruppen erfinden und schon macht man der Welt in aller Öffentlichkeit deutlich, welchen Zwiespalt die Verbindung von einigen Gemeinden angerichtet hat.
Die Streitigkeiten, die wegen der Gemeindefrage ausgetragen wurden und bis heute anhalten, haben bei vielen hingegebenen und praktisch veranlagten Dienern des Herrn eine gewisse Ungeduld hervorgerufen. Sie sagen: „Die Welt geht verloren. Warum verschwenden wir unsere Zeit und Kraft damit, über Gemeindefragen zu streiten, anstatt den Verlorenen das Evangelium zu bringen. Das ist unsere wichtigste Aufgabe.“ Sie könnten noch hinzufügen: „Das Neue Testament legt kein Muster für Gemeindeleben fest, daß in allen Einzelheiten unumstritten ist. Deshalb ist es egal, wie man die Gemeinde im einzelnen organisiert, solange nur die Neubekehrten behütet und geweidet werden, die Gemeinde insgesamt aufgebaut, betreut und genährt wird, und was sonst noch alles zu einer energischen und hilfreichen Gemeinde gehört, die das Evangelium verbreitet. Bedeutet Freiheit in diesem Bereich nicht, daß wir Freiheit haben, die Gemeinden mehr oder weniger so zu führen, wie wir es für die betreffende Situation oder Kultur am besten halten?“
Ich sympathisiere sehr mit allen, die darauf bestehen, daß die einzige Richtlinie für den Wert einer Gemeindelehre die Frage ist, inwiefern sie das geistliche Leben, Gottseligkeit, Liebe, Anbetung, Wachstum und Eifer im Evangelisieren bei Gottes Volk fördert. Aber wenn ich das Neue Testament nicht ganz falsch verstanden habe, so ist es genau dieses Anliegen, das hinter den Belehrungen steht, wie eine Gemeinde zu führen ist.
Die Gemeinde ist ein Leib
Paulus legt fest, wie die Treffen der Gemeinde durchgeführt werden sollen (1.Kor 12-14;). Sein Ausgangspunkt ist die großartige und wunderbare geistliche Tatsache, daß als Folge der großen Errettung alle Gläubigen in einen Leib getauft worden sind. Nun müssen sie die Möglichkeit bekommen, wie ein Leib zu funktionieren. Die Gesundheit und die Entwicklung von jedem Glied, und deshalb auch die Gesundheit und die Entwicklung vom gesamten Leib, hängen davon ab, ob jedes Glied die Freiheit hat, seine Gaben auszuüben. Es ist von äußerster Wichtigkeit zu verstehen, daß ein großer Teil der Gnade und Kraft, die ein Gläubiger vom Herrn bekommt, nicht vom Herrn direkt kommt, sondern durch andere Glieder des Leibes. Deshalb ist es sehr wichtig für die Gesundheit und das Wachstum von jedem einzelnen, daß dem Herrn die freie Souveränität zugestanden wird, alle Glieder als Kanäle seiner Gnade zu benutzen (Eph 4,16).
Wie auch immer eine Gemeinde ihre Treffen gestalten mag, so darf sie dabei doch eines nicht tun. Es soll nicht so sein, daß immer nur ein Glied predigt, lehrt, evangelisiert oder andere geistliche Dienste durchführt. Wenn das nur einer macht, und er dazu noch sehr begabt und herausragend ist, so mag das Ergebnis sehr wohl viel gefälliger und anfangs viel erbaulicher scheinen, als wenn allen dafür begabten Gliedern die Freiheit gegeben wird, sich an der Anbetung und verschiedenen anderen geistlichen Diensten zu beteiligen. Aber trotz dem vielen Segen, den man dadurch erhalten hat, werden doch am Ende die von Gott gegebenen Gaben von vielen verkümmern. Diese Glieder werden nicht geistlich wachsen, wie es sein sollte, weil sie Gaben nicht benutzen. Wenn wir in dieser Sache von Gottes Wort abweichen, so ist das ein ernstes Hindernis für das Wachstum des Leibes Christi.
Parteibildung
Ähnliche Gedanken über das geistliche Leben bewegen Paulus, wenn er das beginnende Übel der Bildung von Parteien und Denominationen in der Gemeinde von Korinth behandelt. Er beginnt das Thema in Kapitel 1 und behandelt es bis Kapitel 4. Offenbar ist es eine Angelegenheit, die ihn sehr bewegt. Er benutzt sich, Kephas und Apollos als Beispiel (4,6) und beschreibt die Situation: „… jeder von euch sagt: Ich bin des Paulus, ich aber des Kephas, ich aber des Apollos, ich aber Christi“ (1,12; 3,4; 4,6;).
Ohne Zweifel hatte jeder dieser großen Diener Gottes einen anderen Schwerpunkt in seiner Lehre, und einen anderen Stil beim Predigen. Das ist natürlich und förderlich. Es ist auch natürlich, das für manche Geschwister eine bestimmte Art der Belehrung und des Stils besonders hilfreich und anziehend war, und für andere Geschwister ein anderer (obwohl natürlich alle Gläubigen jede Art von Belehrung und Stil brauchen). Aber die Korinther waren dabei, die Gemeinde in verschieden Gruppen zu spalten, die bestimmte Prediger bevorzugten. Paulus weist sie deshalb streng und ausführlich zurecht.
Was war an diesem Vorgehen verkehrt? Vieles! Paulus sagt, daß dadurch zuerst einmal die einmalige Ehre Christi geschmälert und die Grundlage des Evangeliums verschleiert wird. Aufgebracht fragt Paulus: „Ist etwa Paulus für euch gekreuzigt oder seid ihr auf Paulus Namen getauft worden?“ (1,13). Auch wenn die Lehren von Paulus noch so wichtig sind, so überragt Christus den Paulus doch unendlich weit. Es wäre eine abscheuliche und öffentliche Herabsetzung für die unvergleichliche Ehre Christi als Erlöser, wenn sich ein Gläubiger auf einen anderen Namen als auf den Namen Christi taufen ließe, oder wenn er auf zwei Namen getauft würde, sagen wir zum Beispiel auf den Namen von Paulus und Christus. Aber wenn das stimmt, ist es nicht eine ähnlich abscheuliche und öffentliche Herabsetzung für die unvergleichliche Ehre Christi, und eine Verdrehung der Loyalität, wenn eine Gemeinde oder eine Gruppe von Gemeinden es zuläßt, daß sie öffentlich einen anderen Namen als den Namen Christi trägt?
Außerdem verurteilt Paulus dieses falsche Verhalten, weil dadurch der Grundplan des Kreuzes in Frage gestellt wird, welchen Gott aber absichtlich als Weg der Erlösung gewählt hat (1,18-31). Das sind ja die Grundlagen unserer Erlösung: Wir haben unser Vertrauen auf Menschen, und zwar auf jeden Menschen, auf menschliche Kraft, Weisheit oder Ehre abgelegt und für immer aufgegeben. Dadurch ist Christus alles für uns geworden – Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligkeit und Erlösung. Von Anfang an war es klar, daß wir nicht durch die Kraft der Predigt eines bestimmten Redners, oder durch die Überzeugungskraft seiner Argumente, oder durch die Verständlichkeit seiner Lehre in Christus versetzt worden sind. Dieses große Werk der Wiedergeburt wurde von Gott bewirkt, und zwar von Gott allein (1,29-31). Weil es sich so verhält, wird uns auch sehr deutlich, warum jede einzelne Gemeinde zur Zeit des Neuen Testaments in der direkten Abhängigkeit zu Gott belassen wurde. Durch genau diese Selbständigkeit fühlte sie sich auch beständig von Gott abhängig. Das war weder Schwäche noch Torheit. Es war Gottes ausdrücklicher Plan.
Jede Gemeinde vom Heiligen Geist abhängig
Als dritten Punkt führt Paulus an, daß die Aufmerksamkeit, das Vertrauen und die Abhängigkeit der Gläubigen vom Heiligen Geist abgelenkt wird, wenn sie sich um bestimmte Lehrer wie ihn selbst oder Apollos gruppieren. Auf diese Weise wird verhindert, daß sie die Tiefen Gottes erkennen, und sie bleiben fleischlich und unreif (2,1-3,5). In allen Jahrhunderten waren solche Diener Gottes großartig und wichtig, geschätzt und geehrt (3,5-9), und wir verdanken ihnen allen so viel. Aber nur wenn die Gläubigen lernen, sich auf die Belehrung durch den Heiligen Geist zu verlassen, lernen sie wirklich etwas. Aus diesem Grund wurde jede Gemeinde im Neuen Testament in der Abhängigkeit von der Führung und Herrschaft des Heiligen Geistes belassen, der in den Zusammenkünften der Gemeinde wirkte (1.Kor 12,1-11).
Falls irgend eine Gemeinde den Eindruck hat, daß der Herr ihr wertvolle Grundsätze, Lehren und Prinzipien gezeigt hat, so ist es ganz natürlich, daß diese Gemeinde den Wunsch hat, daß alle anderen Gemeinden überall von diesen Einsichten profitieren. Wie erreicht man das? Sicherlich nicht, indem man eine Anzahl von selbständigen Gemeinden in einem Verband organisiert, damit sie sich danach für immer von allen anderen Gemeinden durch einige besondere Lehren unterscheiden. Viel besser wäre es, alle Gemeinden zu ermutigen, als einzelne Gemeinden noch mehr und mit ganzem Herzen auf den auferstandenen Herrn, auf den Heiligen Geist zu vertrauen und sich weniger auf ihre Bündnisse zu verlassen, ja sie sogar gänzlich aufzugeben. Durch ihn besteht für uns alle die Freiheit, direkt die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Christi zu sehen (2.Kor 3,17-4,6). Er wird seine Gemeinden in die ganze Wahrheit leiten, niemand anderer.
Wir sind mit unserer eigenen persönlichen Schwäche und der Schwäche von vielen Gemeinden, die wir kennen, unzufrieden. Wie kann es auch anders sein? Aber es war kein Produkt der Phantasie des Apostels, als er vom auferstandenen Herrn berichtete, der inmitten seiner Leuchter wandelte. Derselbe lebendige und wirkende Herr wandelt immer noch inmitten seiner Gemeinden. Dabei redet er jede einzelne mit Namen an. Er ruft jede auf, Ihn selbst auf ihre besondere Weise zu erfahren, und seine Auferstehungskraft zu erleben, um ihre besonderen Fehler zu korrigieren, ihre Stärken auszubauen, ihren Eifer anzufachen und ihr Licht heller scheinen zu lassen.
2. Die Freiheit des Evangeliums
Wirklich frei!
Meine Absicht ist, mich mit Euch über die herrliche Freiheit, die Freimütigkeit und die Vorrechte zu freuen, die wir durch das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus genießen. Wir brauchen uns nie wegen dem Evangelium zu schämen, weil das Evangelium den Menschen echte Freiheit in einer dunklen und verlorenen Welt gibt. Die Sünde hat die Menschen versklavt und die Religion hat oft noch weitere Fesseln hinzugefügt, anstatt sie zu entfernen.
Wir wollen uns wieder ins Bewußtsein rufen, wie wunderbar das Evangelium ist. Zuerst wollen wir uns an die majestätische Behauptung Christi erinnern, die die Seelen freimacht: „Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein“ (Joh 8,36). Wir hören auch den aufrüttelnden Ausruf von einem seiner Apostel: „Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht; stehet nun fest und lasset euch nicht wiederum unter einem Joche der Knechtschaft halten“ (Gal 5,1).
Freiheit kann man verlieren
Mein zweites Ziel ist, uns alle daran zu erinnern, wie leicht und wie schnell man diese Freiheit verlieren und diese Vorrechte aufgeben kann. Eigentlich überrascht uns das sehr. Wir alle lieben die Freiheit. Wir alle ehren die Freiheit. Wir vermuten, daß wohl niemand bereit wäre, seine Freiheit aufzugeben. Aber die Geschichte beweist, das wir Unrecht haben. Die Kirchengeschichte und auch die Geschichte Israels ist ein trauriger Bericht von Situationen, wo Gottes Volk die Freiheit aufgegeben hat, wo es Vorrechte weggeworfen hat und in die Knechtschaft zurückgekehrt ist.
Ich möchte nur einige der schockierenden Beispiele erwähnen. Wir denken dabei an das mit Blut erkaufte Recht des Gläubigen, daß er sofort direkten Zutritt zum Allerheiligsten des ganzen Universums hat, weil er Buße tat und glaubte. Viele Millionen haben diese Freiheit aus dem Auge verloren. Ja, die Abtrennung im Altarraum in unzähligen Kirchenschiffen unterstreicht diesen Gedanken, daß die normalen Gläubigen keinen Zutritt zum vermeintlichen Allerheiligsten in der Kirche auf der Erde haben, ganz zu schweigen vom Zutritt in die direkte Gegenwart Gottes im Himmel.
Oder wir denken an die unzähligen unbekannten Christen, die wegen der Verfolgung von Jerusalem und Judäa nach Antiochien geflohen sind. Dort begannen sie plötzlich, den Heiden das Evangelium zu verkünden, erstaunlicherweise mit großem Segen. Sie hatten dafür keinen Befehl und keine Erlaubnis aus Jerusalem oder einer anderen übergeordneten Stelle. Der einzige Auftrag, den sie hatten, kam vom auferstandenen Herrn. Und dann sehen wir John Bunyan, wie er in der Zelle verschmachtet, weil er ohne Erlaubnis von einer Behörde oder von einem Bischof gepredigt hat.
Oder wir denken an die frühen Gemeinden, die ein lebendiges und klares Bewußtsein davon hatten, daß sie dem Herrn direkt verantwortlich waren. Sie sahen sich nicht veranlaßt, ein anderes Haupt auf der Erde anzuerkennen, als nur den auferstandenen Herrn. Und dann erinnern wir uns an die vielen Millionen in vielen Ländern in vielen Jahrhunderten die sich vor einem Menschen gebeugt haben, den sie als ihren unfehlbaren Hohepriester ansahen. Oder manchmal mußten sie den Herrscher ihres Landes als Oberhaupt der Kirche anerkennen, der oft ein recht lasterhaftes Leben führte.
Diese Gegensätze beunruhigen uns. Aber es ist noch beunruhigender, wenn wir uns daran erinnern, wie schnell und durch wen und mit welchen Motiven in den ursprünglichen Gemeinden begonnen wurde, unsere von Gott geschenkte Freiheit aufzugeben. Was die grundlegende Frage der Errettung betrifft, so berichtet Lukas, daß schon in der allerersten Gemeinde in Jerusalem einige „Gläubige“ waren, die verlangten, daß die Gläubigen beschnitten werden sollen (Apg 15,5.10.11). Petrus erklärte, daß diese Lehre genau das Gegenteil zu Errettung aus Gnaden sei. Wenn man diese Lehre nicht verboten hätte, hätte man dadurch den Jüngern ein schweres Joch auf den Nacken gelegt.
Danach hat die Gemeinde in Korinth Paulus anscheinend abgelehnt, trotz ihrer ganzen Weltoffenheit. Der „Apostel mit dem Geist der Freiheit“, wie Professor F.F.Bruce in genannt hat, mußte ihnen sagen: „Denn ihr ertraget es, wenn jemand euch knechtet, wenn jemand euch aufzehrt, wenn jemand sich überhebt, wenn jemand euch ins Gesicht schlägt“ (2Kor 11,20).
Die Kolosser hatten den großen Wunsch im geistlichen Leben voranzukommen. Anscheinend kamen sie genau dadurch in Gefahr, falsche Formen der Frömmigkeit anzunehmen. Dadurch hätten sie den Genuß des vollen Segens des Evangeliums verloren und wären als Beute in Gefangenschaft geführt worden.
Worin besteht unsere Sicherheit dann heute? Wir müssen folgendes erkennen: die Wege, welche schließlich zu geistlicher Knechtschaft führen sind (für die, die sie einschlagen) nicht offensichtlich töricht oder boshaft. Ein Beispiel dafür ist die Geschichte unserer exklusiven Brüder. Diese Wege sehen eher geistlich , weise und praktisch aus. Für einen religiösen, philosophischen aber nicht wiedergeborenen Menschen ist natürlich das Wort vom Kreuz schwach und töricht. Er versteht die Rechtfertigung aus Glauben nicht. Aber das ist nicht alles. Gottes Weg um Gemeinden zu gründen und aufzubauen erscheint dem unbelehrten und ungeistlichen Gläubigen genauso schwach und töricht. Es war so schlimm, daß Paulus die gläubigen Korinther sogar ermahnen mußte. Dort waren etliche Geschwister, die sich nach den Maßstäben der Welt für weise hielten. Paulus bittet sie, daß sie bereit sein sollen, Narren zu werden, damit sie wirklich weise werden (1Kor 3,18). So wollen auch wir zu Narren werden, damit wir weise werden.
Freier Zugang zum Wort.
Unsere einzige Autorität ist nicht die Gemeinde, und auch nicht ihre Gremien, Einrichtungen, Vorsteher oder ihre Traditionen. Daran müssen wir uns ständig erinnern und wir dürfen es nie vergessen, weil darin die feste Grundlage unserer Freiheit besteht. Unsere oberste Autorität ist das Wort Gottes. Eigentlich müssen all diese anderen Dinge daran gemessen werden (Mk 7,1-23). Die Erhaltung der Freiheit hängt davon ab, ob wir dem Wort Gottes mit ganzem Herzen gehorsam sind. Die Geschichte Israels zur Richterzeit lehrt uns, daß Ungehorsam gegen Gottes Wort die Menschen immer in Knechtschaft führt. Wir sind nicht verpflichtet, uns einer Autoritätsperson oder einer Tradition zu unterwerfen oder ihr zu gehorchen, wenn sie nicht auf der Heiligen Schrift beruht. Traditionen, die den Anordnungen der Schrift Gewalt antun oder ihnen direkt widersprechen, dürfen wir nicht fortführen. Dazu müssen wir als Maßstab eine Frage benutzen. Sie ist nicht etwa: Ist es wirklich orthodox? Ist es Brüderlehre? Ist es reformierte Tradition? sondern: Ist es biblisch?
Außerdem hängt unsere Freiheit davon ab, ob wir Männern und Frauen daß Recht geben, direkten Zugang zur Schrift zu haben, sie zu lesen, zu verstehen und gerettet zu werden. Das bedeutet, daß wir uns klar vor Augen halten, wer uns die Bibel wirklich gab.
Manche würden darauf antworten, daß die Kirche uns die Bibel gab. Deshalb könnte nur die Kirche und ihre beauftragten Lehrer korrekt auslegen, was die Kirche mit der Bibel ausdrücken wollte. Diese Behauptung ist total verkehrt. Nicht die Kirche hat uns die Heilige Schrift gegeben. Der Kirche wurde die Heilige Schrift von Gott durch seine heiligen Apostel und Propheten gegeben. Paulus besteht ausdrücklich und vehement darauf. Die Kirche hat ihn nicht zum Apostel ernannt. Nicht die Kirche hat ihm das Evangelium übergeben. Der Herr Jesus hat es ihm direkt offenbart. Er betont sogar, daß die Apostel und Leiter in Jerusalem ihm nichts weiter mitgeteilt haben, als er später nach Jerusalem kam (Gal 1,1.11.12; 2,6).
Es geht dabei um einen entscheidenden Punkt. Stellen wir uns vor, wir wären in Arabien gewesen, als Paulus dort war. Wir wären zu Paulus gekommen und hätten ihn gefragt, wie wir mit Gott ins Reine kommen können. Er hätte uns dann mündlich mitgeteilt, was er später in seinen Briefen niedergeschrieben hat. Die Frage ist: wäre es möglich gewesen, Paulus zuzuhören, es zu verstehen, und gleich dort gerettet zu werden? Oder hätten wir seine Worte erst der Gemeinde in Jerusalem oder anderswo vorlegen müssen, damit sie uns sagt, was Paulus gemeint hat und wie wir auf diese Weise sicher sein können, daß wir verstanden haben was uns die Gemeinde mitteilen wollte. Ganz zu schweigen davon, ob es möglich gewesen wäre gerettet zu werden. Die Antwort liegt auf der Hand. Das Prinzip gilt auch für uns heute und drückt sich darin aus, daß jeder Mensch das Recht hat, die apostolischen Schriften von Paulus selbst zu lesen.
Ich vergesse dabei nicht, daß der auferstandene Herr seinem Volk Evangelisten und Lehrer als Hilfe gegeben hat, damit sie verstehen, was er ihnen durch die Apostel gesagt hat. Das streite ich nicht ab. Wir sollten dem Herrn für diese Gaben an seine Gemeinde sehr dankbar sein, davon Gebrauch machen, davon profitieren und sie respektieren und ehren, weil sie geistlich und belehrt sind. Aber wir dürfen diese Hilfen nicht zu Götzen machen, und sie auch nicht zu Herrschern erheben. Evangelisten und Lehrer sind nicht inspirierte Apostel, und ihre theologischen Erklärungen haben auch nicht dieselbe Autorität wie die Heilige Schrift.
Wir sind geistlich träge, und wir sind uns nicht bewußt, wie begrenzt die akademische Methode ist. Das darf nicht zu der falschen Annahme führen, daß nur Akademiker oder Bibelschulabsolventen geeignet sind, Evangelisten oder Lehrer zu sein. Die Geschichte lehrt uns, daß diese Vorstellung verkehrt ist und zu geistlicher Dürre und Knechtschaft führen kann.
Freier Zugang zu Gott
Wenn also der freie Zugang zur Schrift ein Grundprinzip der Freiheit des Evangeliums ist, so ist eine weitere Grundlage die Freiheit, ja sogar die Kühnheit, daß wir direkten Zugang zum allerheiligsten Ort, zu Gottes Gegenwart haben (Heb 10,19-22). Christus hat uns diesen Zugang eröffnet, sein Blut macht uns den Eintritt möglich. Die Bedingungen zum Hinzutreten sind deutlich festgelegt. Es ist wichtig, daß man sich danach richtet, da man zumindest auf der Erde nicht näher zu Gott kommen kann, als in das Allerheiligste seiner direkten Gegenwart einzutreten. Dort einzutreten bedeutet, daß ich mich bei Gott so angenommen weiß, wie unser großer Vorläufer und Hohepriester selbst angenommen ist. Die Zutrittsbedingungen sind: 1. daß unsere Herzen (mit dem Blut Christi) besprengt und von einem bösen Gewissen losgelöst sind. Das trifft auf jeden Gläubigen zu, von dem Moment an, wo er an den Erretter glaubt. 2. daß unsere Leiber in reinem Wasser gewaschen sind. Das ist das einmalige und vollständige Bad, von dem der Herr in Johannes 13,10 spricht. Es ist nichts anderes als die Waschung der Wiedergeburt (Tit 3,5). Sie geschieht in dem Moment, in dem man auf Christus vertraut. 3. daß wir einen großen Hohepriester über das Haus Gottes haben. Sein Dienst steht jedem Gläubigen von der Bekehrung ab zur Verfügung. Das ist nicht etwas, worauf irgend ein echter Gläubiger warten müßte. Man kann es sofort genießen.
Aber wir müssen diese bluterkaufte Freiheit festhalten. Es gibt da zwei Extreme, die wir vermeiden müssen. Auf der einen Seite wird diese Freiheit von Rom bestritten. Offiziell besteht Rom noch darauf, daß es nötig ist das Opfer der Eucharistie zu feiern, um weitere Vergebung für Sünden zu erhalten, und um dann eines Tages das ewige Leben zu erhalten. Deshalb lehnt Rom natürlich auch ab, daß jemand in diesem Leben Zutritt in Gottes direkte Gegenwart, in das Allerheiligste, hat. Um dort einzutreten, müssen die Leute mindestens solange warten, bis sie durch das Fegefeuer völlig gereinigt sind. Wenn wir die Menschen lieben und ihre Freiheit schätzen, müssen wir uns weiterhin weigern, mit der römischen Lehre einen Kompromiß zu machen, oder ihre Praxis anzunehmen.
Jedoch auf der anderen Seite von Rom wird uns heute verkündet, daß echte Gläubige tage-, monate- oder jahrelang warten müssen, bis es dem Heiligen Geist in seiner Souveränität gefallen könnte, sie in die volle Gewißheit ihrer Annahme bei Gott zu bringen. Über die Echtheit Ihrer Buße oder Ihres Glaubens gibt es überhaupt keinen Zweifel. Echte Buße, Glaube an das Opfer Christi, Wiedergeburt und Gotteskindschaft reichen nicht. Das Kind Gottes muß warten, bis es vielleicht nach langer Zeit durch eine Geistestaufe erlebt, daß es ein Kind des Vaters ist und daß der Vater es angenommen hat.
Gott sei Dank, es stimmt nicht. Der verlorene Sohn kam mit echter Buße, glaubte und bekannte seine Sünde. Er mußte nicht eine unbestimmte Zeit auf eine tiefere Erfahrung warten, bis er sich gewiß war, daß seine Sünden vergeben sind und er von seinem Vater angenommen ist. Sofort spürte er die Umarmung seines Vaters und hörte ihn sagen: „Bringt schnell das beste Kleid her und zieht es ihm an“ (Lk 15,22; Züricher). Beachte: schnell. Die Freude und Fröhlichkeit begannen sofort (Vers 24). Der sterbende Dieb mußte auch nicht einen quälenden Moment warten, ob er bei Gott vollständig angenommen werden würde. Sofort nach seiner Buße und seinem Glauben wurde ihm versichert, daß er passend ist, um noch am selben Tag mit Christus ins Paradies zu kommen. Der Heilige Geist will dem echten Gläubigen sofort zeigen, wie wertvoll das Opfer Christi ist, wenn er sich nicht wert fühlt, die Einladung des Vaters anzunehmen und in das Heiligtum seiner direkten Gegenwart einzutreten und die Gewißheit seiner völligen Annahme hier und jetzt zu genießen sich darüber zu freuen.
Christus verantwortlich
Jeder von uns sollte sich ständig nach einem tieferen Werk des Heiligen Geistes sehnen und beständig dafür beten. Paulus meint, daß diese Erleuchtung der Augen und die Stärkung am inneren Menschen für jeden Gläubigen erhältlich ist (Eph 1,17-19; 3,14-19). Wir haben das noch nicht erreicht. Wir müssen uns unermüdlich bemühen, das zu ergreifen, wofür wir von Christus Jesus ergriffen worden sind. Wir müssen andauernd vom Heiligen Geist erfüllt, gelehrt, geleitet und gestärkt werden. Aber wir müssen dabei trotzdem vorsichtig sein, damit nicht genau dieser Wunsch nach geistlichem Fortschritt dazu führt, daß wir vergessen, wie groß die Herrlichkeit und die Freiheit ist, die wir durch das Evangelium schon in Christus haben. Dadurch würden wir uns nämlich in Gefahr bringen, uns selbst zu verwirren, uns zu schwächen, unsere Freude und Vertrauen zu verlieren und erneut in Knechtschaft zu fallen.
Der direkte Zugang zur heiligen Schrift, der direkte Zutritt in die Gegenwart des Vaters und ein völliges Bewußtsein der Annahme sind Grundlagen der Freiheit von jedem Gotteskind, daß ja nicht als Sklave wiedergeboren wurde. Es gibt noch eine weitere Grundlage für unsere Freiheit, die wir durch das Evangelium haben: Jeder einzelne Gläubige ist direkt Christus verantwortlich und rechenschaftspflichtig.
Es gibt viele Anordnungen in der Schrift, die ganz klar und deutlich sind. Sie sind nicht schwer zu verstehen. Wir müssen ihnen nur gehorchen. Außerdem gibt es Bereiche im Leben, wie im Gemeindeleben, wo dem einzelnen Gläubigen gesagt wird, daß sie denen gehorchen sollen, die ihnen vorstehen (Heb 13,17). Aber es ist kein Zufall und auch kein Versehen, daß es viele Angelegenheiten gibt, wo die Schrift selbst keine klaren Anordnungen niederlegt. In diesen Dingen erlaubt unser Herr dem einzelnen Gläubigen nicht nur, sich selbst vor dem Herrn zu entschließen, sondern er verlangt es sogar. Dabei können andere helfen, aber sie dürfen sich nicht einmischen (Röm 14,1-12). Warum ist das so? Der Herr freut sich nicht über anarchistischen Individualismus. Aber er starb, weil er der Herr von jedem Einzelnen sein wollte, er und keiner sonst. Jeder Einzelne ist dem Herrn selbst verantwortlich und rechenschaftspflichtig. Jeder muß sich das zur Gewohnheit machen und es konstant praktizieren. Das ist ein äußerst wichtiger Teil der Entwicklung von unserem Charakter. Jeder von uns muß eines Tages vor Christus stehen und vor ihm Rechenschaft ablegen. Wenn der Herr uns bei dieser Gelegenheit sagen muß, daß eine bestimmte Handlung falsch war, wird es sehr wichtig für uns sein, daß wir antworten können: „Verzeih, Herr. Aber wir haben das nicht getan, weil wir gleichgültig waren, nicht aus Bequemlichkeit, und nicht unter Druck, weil wir uns der Meinung und der Mode anderer anpassen wollten, sondern weil wir wirklich überzeugt waren, daß es Dir gefällt.“
Aus diesem Grund können wir es uns nicht leisten, irgend einen Druck oder unangebrachte Kontrollen zuzulassen, die uns diese Ehrfurcht gebietenden Freiheit nehmen würden und uns der direkten Verantwortlichkeit gegenüber dem Herrn rauben würden.
Die Freiheit des Evangeliums
Wir haben bis jetzt über die Freiheit nachgedacht, die uns das Evangelium gibt. Nun müssen wir uns kurz der Freiheit zuwenden, die wir dem Evangelium geben.
Gott sei Dank! Das Evangelium kann durch die Verfolgung von Menschen nicht auf Dauer gebunden werden (2Thess 2,9). Aber wir müssen ständig dafür beten, daß das Wort Gottes sich frei verbreitet und verherrlicht wird (2Thess 3,1).
Wir glauben, daß die Rechtfertigung allein aus Glauben ist, nicht durch einen Ritus oder eine Zeremonie. Deshalb müssen wir darauf achten, daß unser Verhalten immer dieser Wahrheit des Evangeliums entspricht und mit ihr im Einklang steht. Die Wahrheit des Evangeliums muß in dem Verständnis der Leute erhalten bleiben, und sie dürfen durch unser inkonsequentes Verhalten nicht dazu ermutigt werden, unter einem Joch der Knechtschaft zu bleiben oder dorthin zurückzukehren (Gal 2,3-5.11.12).
Wir müssen den Herrn auch um Hilfe anflehen, daß wir die Verbreitung und die Annahme des Evangeliums in anderen Kulturen nicht behindern, indem wir unsere eigene Kultur oder Tradition damit verbinden. Wir müssen auch sorgfältig darauf achten, daß das Evangelium weder im Denken der Menschen noch im Denken der Regierungen mit Politik verwechselt wird. Paulus war immer sorgfältig darauf bedacht (Apg 17,1-9; 18,12-17).
Wir müssen dem Herrn so treu nachfolgen wie wir nur können, aber wir dürfen dabei nicht denken, daß Gott nur durch uns wirken kann. Der Erlöser erlaubt uns nicht, anderen zu verbieten, in seinem Namen zu wirken, weil sie uns nicht nachfolgen (Mk 9,38.39). Wir sollten uns eher darüber freuen, daß Christus verkündigt wird, egal wer die Prediger sind oder aus welchen Motiven sie predigen (Phil 1,15-18). Damit das Evangelium nicht behindert wird, müssen wir manchmal bereit sein, unsere eigene persönliche Freiheit und unsere Rechte aufzugeben (1Kor 9,12.19-23). Aber die Freiheit und den Inhalt des Evangeliums dürfen wir nie aufgeben.
In allen diesen Bereichen wollen wir zu unserer eigenen Ermutigung und zum Ziel für unsere Zuhörer das Wort im Ohr behalten: „Wenn der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.“
3. Freiheit für die Verkündiger des Evangeliums
Frei, um auf den Herrn zu reagieren
Die Aufgabe, die Welt zu evangelisieren, die der Herr seinen Aposteln und Jüngern aufgetragen hat, war erdrückend groß. Sie war auch dann noch riesig, wenn man bedenkt, wie klein die Welt war, die sie kannten. Markus berichtet uns, daß sie hinzogen und überall predigten, und daß der Herr dabei mitgewirkt hat (Mk 16,20). Ich schlage vor, daß wir jetzt einfach einige bekannte Abschnitte ansehen, um uns daran zu erinnern, wie wichtig es in vielen Situationen war, daß die Knechte des Herrn frei waren und direkt auf die direkte Führung des lebendigen Herrn reagieren konnten. Der Herr hat durch Seinen Willen und Seine Auswahl die Führung der Arbeit und die Führung der Arbeiter selbst übernommen.
Nehmen wir zuerst die Apostel und die Art und Weise, wie sie die verschiedenen Arbeitsgebiete unter sich aufgeteilt haben. Zwei Beispiele mögen genügen:
Zuerst sehen wir die entscheidende und wichtige Aufgabe, den Nationen eine Tür des Glaubens aufzutun. Hier redet Petrus zu dem Thema: „Brüder, ihr wißt, daß Gott mich vor längerer Zeit unter euch ausgewählt hat, daß die Nationen durch meinen Mund das Wort des Evangeliums hören und glauben sollten“ (Apg 15,7). Natürlich bezieht sich Petrus damit auf seine Vision (Apg 10). Wir stellen fest, daß weder Petrus, noch die anderen vorher den Schluß gezogen hatten, daß selbstverständlich Petrus diesen äußerst wichtigen Teil der Arbeit in die Wege leitet, weil er der wichtigste der Apostel ist. Gott mußte eingreifen und seine Wahl bekanntmachen.
Durch die kurze Bemerkung von Petrus in Apostelgeschichte 15 klingt es ganz einfach. In Wirklichkeit war es sehr schwer, Petrus dazu zu bewegen, zu den Nationen zu gehen. Das wissen wir aus Kapitel 10. Welche Barmherzigkeit war es doch in all diesen anfänglichen Kämpfen, daß er diese Frage nicht einem Hauptquartier vorlegen und die anderen Apostel in Jerusalem befragen mußte. Ich fürchte, daß er dann niemals gegangen wäre. Wenn ich ihre anfängliche Einstellung danach in Betracht ziehe, so hätten die Brüder in Jerusalem vielleicht nie die Erlaubnis gegeben hinzugehen und zu predigen, wenn sie nicht den Beweis von Gottes Wirken bei Kornelius und seinem Haus gehabt hätten. Sie hätten sicher nicht erlaubt, daß man im Haus eines Heiden ißt. Aber Petrus mußte nicht um Erlaubnis oder Zustimmung bitten. Er war frei und konnte der direkten Führung des Herrn folgen.
Das bedeutet aber nicht, daß Petrus arrogant und gleichgültig darüber war, was die anderen Apostel denken würden. Als er nach Jerusalem zurückkam, wurde seine Aktion ernsthaft in Frage gestellt. Petrus ignorierte die Einwände seiner Brüder nicht, sondern erklärte ihnen geduldig, wie der Herr in geführt hatte, und wie durch das Ereignis bewiesen wurde, daß es die Führung des Herrn war (Apg 11,1-18).
Der Herr leitet die Arbeit
Unser zweites Beispiel betrifft die Art, wie das Werk aufgeteilt wurde, sodaß im Großen und Ganzen Petrus, Jakobus und Johannes das Evangelium der Beschneidung verkündeten, während Paulus und Barnabas es zu den Heiden brachten. Die Frage ist: wer hat das so organisiert? Die Antwort: Der Herr hat es getan, indem er seine Knechte entsprechend ausgerüstet und sie in ihre verschiedenen Arbeitsbereiche geleitet hat, bis alle Apostel erkannten, was der Herr schon getan hatte: „… als sie sahen, daß mir das Evangelium der Vorhaut anvertraut worden war, gleichwie Petrus das der Beschneidung …“ (Gal 2,7-9). Daraufhin drückten die anderen Apostel natürlich ihre Freude über diese Aufteilung aus und die beiden Gruppen von Mitarbeitern reichten sich gegenseitig die Rechte Hand der Gemeinschaft.
Wieder sieht es so aus, als ob die Apostel als Ganzes aus den Ereignissen ihre Schlüsse zogen, anstatt die Ereignisse zu veranlassen. Das ist gar keine schlechte Position, wenn man dem Herrn die Führung überlassen will.
Wir könnten uns an diesem Punkt sagen, daß diese Beispiele von Aposteln handelten, und wir sind keine Apostel. Wir wollen deshalb den Fall vom Evangelisten Philippus betrachten (Apg 8,4-40). Wir h“ren, daá er das Evangelium nach Samaria gebracht hat. Mit unserem Wissen ber die Beziehungen zwischen Samaria und Jerusalem braucht uns niemand zu erkl„ren, daá dies fr einen Juden ein sehr schwieriges Evangelisationsgebiet war. Wenn es jemals erforderlich war, den richtigen Missionar für ein bestimmtes Feld auszusuchen, so war es hier. Und was dabei noch schwieriger war: Es gab einen schwerwiegenden theologischen Streit durch die Geschichte, der beigelegt werden müßte, wenn einige Samariter das Evangelium annehmen würden. Diese Angelegenheit war so wichtig, daß Apostel aus Jerusalem dorthin gesandt werden mußten. Die bekehrten Samariter mußten sich beugen und sich von den Aposteln die Hände auflegen lassen, bevor Gott bereit war, ihre Bekehrung als echt anzuerkennen.
Der Herr wählte den Knecht
Wir fragen uns nun, wie lange die Apostel überlegt haben, bevor sie Philippus als Evangelisten für Samaria ausgewählt haben? Die Antwortet lautet: Sie haben ihn weder ausgewählt noch hingesandt. Der Herr hat ihn ausgewählt und durch die Zerstreuung dorthin geführt, die nach der Hinrichtung von Stephanus stattgefunden hatte. Die Apostel hörten erst davon, als es schon geschehen war. Aus dem Bericht wird auch deutlich, daß keine Apostelzentrale die weiteren Aufgaben von Philippus auf dem Missionsfeld anordnete oder überwachte. Ehrlich gesagt w„re es schwierig gewesen, Philippus im Auge zu behalten, während er direkt durch den Herrn geleitet wurde.
Der Beginn der Gemeinde in Antiochien war ein weiterer wichtiger Fortschritt für die Ausbreitung des Evangeliums (Apg 11,19-39). Dies war nämlich die erste Gemeinde, die hauptsächlich aus Nichtjuden bestand und außerhalb von Palästina gegründet wurde (soweit Lukas uns berichtet). Wir stellen fest, daß dieser große Schritt weder von Jerusalem geplant noch durchgeführt wurde. Nicht einmal durch Paulus. Es geschah „zufällig“ durch einige unbekannte Gläubige, die gezwungen waren, Jerusalem nach der Hinrichtung von Stephanus zu verlassen. Es wird nicht einmal gesagt, daß sie Evangelisten waren. Zuerst verkündeten sie das Evangelium nur den Juden. Dann entschlossen sich plötzlich einige von ihnen, das Evangelium auch den Griechen zu erzählen. (Vielleicht ist es wichtig, daß diese Geschwister nicht aus Jerusalem, sondern aus Zypern und Kyrene kamen.) Diese Initiative war so erfolgreich, daá sie, ehe sie wußten, was geschah, eine neu entstandene Versammlung zu versorgen hatten. Lukas hat eine Erklärung dafür. „Die Hand des Herrn war mit ihnen“ (Apg 11,21).
Auch hier hört die Gemeinde in Jerusalem erst davon, als es schon geschehen war. Sie sandten Barnabas hin, um mehr herauszufinden. Es ist interessant, was er den Geschwistern in Antiochien mitteilte. Er sagte nicht: „Gut. Ich bin froh, daß diesmal nichts schief gegangen ist. Aber nächstes Mal, bevor ihr wieder so etwas folgenschweres beginnt, müßt Ihr Euch vorher wirklich mit der Heimatzentrale in Verbindung setzen und um Erlaubnis bitten.“ Er hat auch nicht gesagt: „Ihr müßt wissen, daß es gegen die Regeln verstößt, einfach aus Eigeninitiative eine neue Gemeinde zu gründen. Jetzt, wo Ihr es schon getan habt, müßt Ihr den Vorrang von Jerusalem anerkennen und Euch der Gemeinde dort unterstellen. Wir werden bald einige Beauftragte schicken, die die Gemeinde für Euch führen werden.“ Kein Wort davon hat er erwähnt. Er sagte einfach, sie sollten „bei dem Herrn bleiben.“
Das bedeutet nicht, daß Antiochien in strikter Isolation weiterlebte. Sie nahmen Paulus mit Freuden auf, als Barnabas ihn vorstellte, und sie profitierten ein ganzes Jahr von seiner Belehrung. Danach zeigten sie ihre Liebe und Verbundenheit mit den Christen in Judäa, indem sie ihnen wegen der Hungersnot Hilfe sandten. Wie wichtig war es doch, daß diese Geschwister aus Zypern und Kyrene frei waren, um auf die Führung des Herrn zu reagieren, als Er sie leitete, mit den Griechen zu reden.
Frei für verschiedene Methoden
Wie wir wissen, wurde Antiochien daraufhin ein Ausgangspunkt für weitere Pionierarbeit. Wir beobachten dabei mit Interesse eine Anzahl von Dingen. Zuerst stellen wir fest, daß die Entscheidung, daß der Heilige Geist Paulus und Barnabas in die Pionierarbeit beruft, gemeinsam getroffen wurde. Vielleicht von der ganzen Gemeinde, aber doch zumindest von den Propheten und Lehrern in der Gemeinde, als sie gemeinsam auf den Herrn warteten (Apg 13,1-3). Auf jeden Fall befahl die Gemeinde sie zu dem Werk der Gnade Gottes an (Apg 15,26). Das bedeutet natürlich nicht, daß die Gemeinde Paulus und Barnabas praktisch erlaubt hätte, „als Missionare hinauszugehen.“ Niemand außer dem auferstandenen Herrn hat das für Paulus getan. Lukas sagt auch nicht, daß die Gemeinde sie ausgesandt hat, sondern daß der Heilige Geist sie ausgesandt hat (Apg 13,4). Die Gemeinde in Antiochien hat sicher auch nicht ihre Reisen auf dem Missionsfeld geleitet. Zum Beispiel wurde die weitreichende Entscheidung, das Evangelium nach Europa zu tragen (Apg 16,8-10), von den Arbeitern auf dem Missionsfeld getroffen, als direkte Antwort auf die direkte Leitung des Herrn.
Eine weitere interessante Tatsache ist, daá Paulus von dieser Zeit an die Gewohnheit hatte, im Team zu arbeiten. Aus der Apostelgeschichte und den Briefen wird deutlich, daß nicht jeder in diesen Teams dieselbe Menge und die selbe Art von Aufgaben hatte (Apg 14,12; 13,5; 20,34). Es ist deutlich, daß Paulus hervorstach und leitete. Normalerweise wurden Entscheidungen wohl gemeinsam im Team getroffen (Lukas sagt in Kap 16,10: „…indem wir schlossen, daá der Herr uns gerufen habe, das Evangelium zu verkündigen…“). Aber mindestens bei einer Gelegenheit hat Paulus darauf bestanden, gegenüber Barnabas das letzte Wort darüber zu haben, wer in seinem Team dabei sein sollte (15,37-39). Timotheus war froh, sich diesem Team anzuschließen und die Brüder in der Gemeinde waren auch damit einverstanden (16,1.2). Danach hat er mit Paulus im Evangelium wie ein Sohn mit seinem Vater zusammengearbeitet. Sowohl er als auch Titus waren später bereit, auf den Vorschlag von Paulus hin in Gemeinden oder Gegenden zurückzubleiben, wo sie mit ihm in der Pioniermission gearbeitet hatten (1Tim 1,3; Tit 1,5).
Auf der anderen Seite arbeiteten nicht alle Missionare in einem Team von Paulus oder Barnabas. Da war zum Beispiel Apollos, ein mächtiger Prediger und Apologet. Offenbar durchzog er das römische Reich ziemlich allein, in Eigeninitiative (Apg 18,24-28). Über ihn schreibt Paulus: „Ich habe ihm viel zugeredet, daß er mit den Brüdern zu euch komme; und er war allerdings nicht willens, jetzt zu kommen, doch wird er kommen, wenn er eine gelegene Zeit finden wird“ (1Kor 16,12). Offensichtlich übte niemand außer dem Herrn Befehlsgewalt auf seine Reisen aus, nicht einmal Paulus.
Paulus berichtet uns, dßá er selbst die Gewohnheit hatte, daá Geld für seinen Unterhalt und den Unterhalt seines Teams zu verdienen (Apg 20,34). Dadurch hatte er eine ungeheure Bewegungsfreiheit. Trotzdem war er traurig, daá so wenige Gemeinden seinen Dienst finanziell unterstützten, und er freute sich darüber, daß die Gemeinde in Philippi das mehrmals getan hat (Phil 4, 10-18). Einmal hat sich Epaphroditus freiwillig gemeldet, um das Geldgeschenk der Gemeinde in Philippi zu Paulus zu bringen. Diese Aufgabe brachte den Boten in große Gefahr! (Phil 2,25-30). Aber diese wiederholten Gaben gaben weder der Gemeinde noch ihrem Boten irgent eine Weisungsbefugnis über Paulus und sein Team. Sie haben das auch bestimmt nicht erwartet.
Mein kleiner Überblick ist damit abgeschlossen. Mein Thema war die Freiheit des Evangelisten oder des Missionars. Der Arbeiter, entweder allein oder mit seinem Team, unterstand direkt dem Herrn und wurde direkt vom Herrn geführt.
Nun werden Sie wahrscheinlich zu mir sagen, daß die Apostelgeschichte etwas beschreibt, aber nichts vorschreibt. Sie haben recht. Welchen Schluß sollen wir dann daraus ziehen?
Wir können kaum behaupten, daß die Komunikationsmöglichkeiten in jenen Tagen so schlecht waren, daß die Missionare von ihren Heimatzentralen einfach keine Weisungen empfangen konnten, und daß sie sich deshalb, weil es nichts besseres gab, auf die direkte Führung des Herrn verlassen mußten. Wenn Er ihre Arbeit damals angeordnet und geleitet hat, so war das der beste Weg. Es ist immer noch der beste und glücklichste Weg. In der Apostelgeschichte beschreibt Lukas die Freiheit der Arbeiter. Sie konnten direkt der Führung des Herrn folgen. Sicherlich würde niemand behaupten, daß diese Einrichtung schlecht oder unwirksam war und jetzt abgeschafft werden muß. „Jene gingen aus … indem der Herr mitwirkte“ (Mk 16,20). Das tut der Herr heute noch.
Dieser Vortrag wurde mit der freundlichen Genehmigung von Echoes of Service, England, hier veröffentlicht. Echoes schreibt dazu: „In den Gemeinden im In- und Ausland geht die Freiheit, die das Gemeindeleben und die Evangelisation charakterisierte, mehr und mehr verloren. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, unseren Missionstag dem Thema `Zur Freiheit seid ihr berufen‘ zu widmen.
David Gooding, ehemaliger Professor für alttestamentliches Griechisch an der Universität in Belfast hat unsere Einladung angenommen. Nach seinem Wunsch betonen wir, daß es sich um einen Vortrag handelt, nicht um eine sorgfältig ausgearbeitete schriftliche Abhandlung. Der Vortrag richtete sich an eine anwesende Zuhörerschaft, nicht an einen Leserkreis von Gelehrten.“
Übersetzung von A. Lindner