Gemeinde & Mission

Ein vorbereiteter Missionar

von Kosin Fred

Von Fred Kossin

(Wir begannen eine Serie von „Briefen von Missionaren, die nie abgeschickt wurden“ aus dem Buch von Fred Kossin, das bei CLV erscheinen wird. Der Titel des Originals ist „Letters Missionaries Never Write.“ Diese Briefe sollen uns Einblick in das Leben und die Probleme der Missionare geben, und uns zum Gebet für sie anregen. Unter www.gemeindeundmission.de findet ihr andere Artikel von Fred Kossin, worin es um die Vorbereitung zur Mission geht.)

Ein offener Brief an unsere Heimatgemeinde:

Danke für alles, was ihr getan habt, um unseren Dienst für den Herrn so effektiv zu machen. Wir schauen auf fast fünfzehn Jahre Dienst auf dem Missionsfeld zurück und finden es bemerkenswert, welchen Einfluss ihr auf unser Leben gehabt habt. Ihr habt uns vom ersten Tag an bis jetzt geholfen, genauso wie die Thessalonicher ein Anliegen für Paulus hatten und Fürsorge für ihn zeigten. Ich muss euch einfach schreiben um euch wissen zu lassen, was für ein Segen ihr für uns gewesen seid.

Wir sind jetzt Anfang fünfzig und schauen auf eine wunderbare Zeit des Dienstes als Missionare zurück. Ich weiß, dass die meisten Missionare nicht schreiben, wie sie geführt worden sind und wie sich alles ergeben hat, aber ich dachte mir, dass es hilfreich für andere sein könnte, wenn sie verfolgen, wie das bei uns war. Wir sind noch nicht am Ende, aber der Herr hat uns das Anliegen gegeben, unsere Gedanken mitzuteilen. Wir sind oft an den Diener Abrahams erinnert worden, der sagte: „Mich hat der Herr den Weg zum Haus der Brüder meines Herrn geführt“. Wir haben uns verpflichtet den Weg zu gehen und der Herr hat uns die ganze Strecke deutlich geführt.

Ja, wir haben viele Fehler gemacht, die ich nicht aufzählen werde. Aus diesen Erfahrungen haben wir sehr viele wertvolle Lektionen gelernt. Wir haben manche Prüfungen des Herrn nicht bestanden und haben einige wichtige Dinge erst aus den persönlichen Tragödien gelernt. Wir wurden wegen unserer ungewöhnlichen Vorbereitung kritisiert. Aber der Herr kann sicherlich das Positive in unserem Leben und Dienst für seine Herrlichkeit verwenden.

Janine und ich haben uns im Studium kennen gelernt, als wir beide sehr begeistert vom Herrn waren. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Gott nur in Flüchen vorkam. Meine Eltern waren davon überzeugt, der Sinn des Lebens sei „zu leben“, und das taten wir auch in vollen Zügen. Unsere Wochenenden waren dazu da, um uns zu vergnügen und Spaß zu haben. Erst gegen Ende der Schulzeit lud mich jemand in eine Gemeinde ein und da nahm ich Jesus als meinen Retter an. Ich war noch ein Jahr in der Schule und versuchte nun für Gott zu leben. Mit Hilfe von gläubigen Freunden wollte ich Mitschüler für den Herrn gewinnen.

Janine wuchs in einem christlichen Elternhaus auf, also genau das Gegenteil von meinem. Ihre Familie ging bei jeder Gelegenheit in die Gemeinde. Sie kam schon sehr früh zum Glauben an den Herrn Jesus und wollte nur ihm gefallen.

Wir trafen uns in der Mensa der Universität. Ich sah, dass Janine und ihre Freunde vor dem Essen beteten. Das hat mich beeindruckt und ich begann dem Mädchen nachzugehen. Der Herr führte uns ein paar Monate später zusammen, als wir alleine zum Essen gingen. Sie hatte für das Essen gedankt und ich ebenfalls. Ich fragte, ob ich bei ihr Platz nehmen dürfte. So begann unsere Beziehung.

Janine studierte für das Lehramt und ich wollte Ingenieur werden. Wir schlossen unser Studium ab und hatten den Wunsch, dem Herrn irgendwo in der Welt zu dienen. Nach dem Studium heirateten wir und begannen zu arbeiten. Wir fanden eine mittelgroße Gemeinde, in der wir beide mitarbeiten konnten. Wir waren sicher, dass wir aufs Missionsfeld gehen würden, aber wir wussten nicht wann.

Wir waren davon überzeugt, dass die Zeit in unserer Gemeinde als Vorbereitung für den Missionsdienst im Ausland dienen würde. Janine machte Kinderstunden und ich half in der Jugendarbeit der Gemeinde mit.

Der Herr verwendete unseren Dienst und wir hatten ein offenes Haus für die Jugend. Als der Herr uns Kinder schenkte, erweiterte sich unsere Aufgabe in der Gemeinde. Wir passten nun besser zu den jungen Familien, die Gemeinschaft suchten und über Familienthemen reden wollten. Wir begannen mit einer Bibelstunde für junge Ehepaare und Familien. Unsere zwei Kinder waren uns eine große Freude. Obwohl wir beide aus großen Familien stammten, entschieden wir uns, eine kleine Familie zu haben. Wir wollten keine so große finanzielle Last für die Gemeinden sein, die uns auf dem Missionsfeld unterstützen würden.

In einer Diskussion über Mission in der Bibelstunde gab uns der Herr ein besonderes Anliegen für ein Land. Wir begannen dafür zu beten und sahen, dass wir beide überzeugt waren. Wir fingen an, die Möglichkeiten zu erforschen, dem Herrn in diesem Land zu dienen und wie wir die missionarischen Bedürfnisse dort am besten erfüllen könnten. Wir hatten schon für verschiedene Länder gebetet, und der Herr bestätigte uns durch sein Wort und durch Geschwister, dass dieses Gebiet das richtige war.

Wir lasen Artikel über das Land und surften im Internet, um uns über die Traditionen, die Kultur und die Bedürfnisse des Landes zu informieren. Es war ermutigend, dass andere, denen wir von unserem Wunsch berichtet hatten, uns auch über das Land informierten.

Zu der Zeit, als wir wussten, dass der Herr uns in die Mission in ein bestimmtes Land rief, war ich bereits Diakon und hatte viele Aufgaben in der Gemeinde, die mir halfen, das Leben der neutestamentlichen Gemeinde zu verstehen. Mit den anderen Diakonen studierten wir die Schrift um herauszufinden, was unsere Aufgaben waren. Wir hatten ein offenes Zuhause und dienten auf praktische Weise in der Gemeinde und in der Nachbarschaft. Als Ehepaar sahen wir es als unsere Aufgabe, Witwen, Singles und Menschen mit finanziellen oder sozialen Problemen besonders einfühlsam zu helfen.

Um uns auf die Mission vorzubereiten, meldeten wir uns für einen Sprachkurs an. Obwohl wir einen Ruf von Gott hatten, verspürten wir keinen großen Drang, so schnell wie möglich aufs Missionsfeld zu kommen. Stattdessen waren wir entschlossen, uns vor unserer Abreise so gut wie möglich vorzubereiten.

Damals mussten wir wichtige Entscheidungen treffen, die unser ganzes weiteres Leben als Familie prägen würden. Viele Bekannte kauften sich ein größeres Haus, ein zweites Auto, bauten ein Schwimmbad im Garten und schickten ihre Kinder auf teure Privatschulen. Sie nahmen hohe Kredite auf, um sich besser einzurichten und sich mehr anzuschaffen. Sie übernahmen viele Verpflichtungen und begannen neue Hobbys. Sie vertieften ihre Wurzeln so weit, dass es schwer sein würde, einmal umzuziehen. All diese und viele andere Fragen waren eine Herausforderung für uns.

Als erstes entschieden wir, in unserem einfachen Haus zu bleiben, auch wenn es für vier Personen eng war. Wir dachten, dass der Herr uns in der Nachbarschaft einen Dienst gegeben hatte, der so wichtig war wie der Missionsdienst in Übersee. Wir hatten viel Zeit in Beziehungen zu den Nachbarn investiert und wollten sie für den Herrn gewinnen. Deshalb dachten wir nicht, dass es Gottes Plan war, in ein größeres Haus zu ziehen, nur weil andere das taten. Wir kauften uns eine riesige Weltkarte, damit wir das Missionsland immer vor Augen hatten und dafür beten konnten. „Unsere Nachbarn und die Welt!“, war unser Motto, das unten auf die Weltkarte geschrieben war.

Wir wollten auch, dass Janine Hausfrau und Mutter sein sollte. Sie gab ihre Arbeit auf, kurz nachdem die Kinder auf die Welt kamen. Da ich eine Gehaltserhöhung bekommen hatte, konnten wir uns das leisten. Wir hätten auch in einem viel größeren Haus wohnen und ein zweites Auto haben können. Wir entschlossen uns, dass ich nicht so viele Überstunden machen würde, damit ich Zeit für die Kinder hatte. Janine hatte weiterhin viel Freiheit für Gemeinschaft in der Gemeinde und in der Nachbarschaft. Einige unserer Nachbarn waren inzwischen zum Glauben gekommen und waren jetzt Glieder unserer Gemeinde.

Eine andere Entscheidung, die wir trafen, war, unsere Kinder in öffentliche Schulen zu schicken. Viele in unserer Gemeinde schickten ihre Kinder auf christliche Schulen oder unterrichteten sie zu Hause. Sie verurteilten uns scharf, weil wir unsere Kinder auf öffentliche Schulen schickten. Unsere Wahl war durch unser Anliegen für Mission und den biblischen Aufruf: „Geht in alle Welt…“ beeinflusst. Wir wurden dafür kritisiert, aber ich werde nicht ins Detail gehen, da dies ein positiver Brief ist. Wir wollten versuchen, unseren Kindern auf praktische Weise beizubringen, dass Mission im Alltag beginnt. Wir waren der Meinung, dass die ganze Familie die Last tragen muss, wenn der Herr uns in die Mission ruft, auch wenn die Kinder noch klein sind. Wir beteten viel und waren davon überzeugt, dass es widersprüchlich ist, ein Anliegen für Mission aber als Familie kein Anliegen für die öffentliche Schule zu haben, bevor wir aufs Missionsfeld gingen. „Unsere Schule und die Welt!“, wurde zu unserem Motto dazugefügt.

Wenn die Kinder von der Schule nach Hause kamen, redeten wir täglich mit ihnen über das, was sie gelernt hatten und wie ein Gläubiger dadurch herausgefordert wird. Sie wurden mit Lernstoff konfrontiert, der nicht mit der Bibel übereinstimmt. In der ersten Klasse redeten wir über die Themen, die dort angesprochen wurden. In jeder weiteren Klasse wurde ihr Glaube noch mehr herausgefordert. Sie zeigten bemerkenswertes geistliches Wachstum. Jeden Abend nach dem Essen lasen wir zusammen in der Bibel und beteten. Wir redeten über ihre Freunde und über die Schule als Missionsfeld, und ihr Anliegen als Familie dem Herrn zu dienen wuchs mehr und mehr. Sie waren begeistert, als einer ihrer Klassenkameraden zum Glauben kam und in die Gemeinde mitging. Ihre geistliche Reife war tiefer als die der anderen in der Sonntagsschule. Wir danken Gott so sehr für unsere Entscheidung.

Wir dachten darüber nach, wie wir uns als Familie für den eventuellen Umzug ins Ausland vorbereiten könnten. Viele Leute, die von unserem Ruf wussten, wunderten sich, warum wir nicht schon lange gegangen waren. Gab es Probleme? Hatten wir noch nicht genug finanzielle Unterstützung? Viele solche und andere Fragen wurden gestellt. Das störte uns gar nicht, denn uns war bewusst, dass der Herr uns gebremst hatte, damit wir uns ausführlich und langfristig für unseren Dienst vorbereiten konnten.

In dieser Zeit wurde ich immer öfter gebeten zu predigen. Ich sah die Notwendigkeit zum Bibelstudium und zur Vorbereitung für diese Aufgaben und nahm mir viel Zeit dafür. Viele Nächte war ich lange auf, um für den nächsten Sonntag eine Predigt vorzubereiten. Meine Arbeit veränderte sich auch, und seit der letzten Versetzung konnte ich meine Arbeitszeit freier einteilen. Es kümmerte meinen Chef nicht, wann ich arbeitete, solange die Aufgaben erledigt wurden. Der Herr gab mir Gelingen und ich hatte bei meinen Dienstfahrten Zeit, Witwen und andere Geschwister aus der Gemeinde zu besuchen, die Ermutigung brauchten. Wir waren erstaunt darüber, wie der Herr unsere Vorbereitungen segnete und uns dabei versorgte.

Wir suchten einen Wochentag aus, an dem wir nur in der Sprache kommunizierten, die wir lernten. Wir kauften uns Sprachtraining-CDs und hörten sie an. Unsere Kurse an der Universität waren sehr hilfreich. Jeder Donnerstag war Sprachlerntag. Wir bemühten uns, das Ganze so interessant und lustig wie möglich zu gestalten. Wir lasen zusammen die Bibel in der Fremdsprache, und dazu brauchten wir anfangs mehr Zeit. Den ganzen Tag lang durften wir nicht miteinander in unserer eigenen Sprache reden. Wenn man das unabsichtlich tat, musste man 25 Cent in eine Kasse werfen. Am Anfang war es frustrierend, weil die Kinder schneller lernten als wir. Wenn wir genug Geld in der Kasse hatten, gingen wir in ein Restaurant, das Speisen aus unserem Missionsland anbot.

Wir entschlossen uns zu sparen um eine Reise in das Land zu machen, in das der Herr uns gerufen hatte. Unser erster Besuch war ein erstaunliches Erlebnis. Wir sahen und lernten so viel! Wir benutzten unsere Sprachkenntnisse und waren überrascht, wie sehr die Menschen es schätzten, dass wir ihre Sprache lernten. Eines der tollsten Erlebnisse war es, die Missionare zu besuchen, mit denen wir seit ein paar Jahren Briefkontakt hatten. Wir nahmen das Land genau unter die Lupe und versuchten herauszufinden, wo wir hinpassen und dienen könnten. Nach diesem Besuch sparten wir unseren Urlaub auf und legten Geld zurück, um weitere Reisen dorthin zu unternehmen, bevor wir hinziehen würden.

Wir konnten ein paar Missionarsfamilien in diesem Land unterstützen. Wir wählten Missionare aus, die nicht aus derselben Gemeinde waren wie wir, und die ungefähr im selben Alter waren wie unsere Familie. Es war immer toll nach der Andacht ihre Briefe zu lesen, um zu wissen was sie gerade machten. Vielleicht würden wir das Gleiche machen, dachten wir uns. Ein Höhepunkt war, als uns eine der Familien besuchte. Sie übernachteten bei uns. Es war richtig eng im Haus, aber die Kinder hatten sehr viel Spaß. Wir redeten bis mittags immer „unsere“ Sprache.

Nach unserer zweiten Reise in das Land, in das der Herr uns gerufen hatte, fragten mich die Ältesten, ob ich bereit wäre, als Ältester mitzuarbeiten. Obwohl ich ein bisschen jünger war, baten sie mich darum und wir unterhielten uns über die Bedeutung, die das für meinen Dienst auf dem Missionsfeld haben würde. Wir redeten über meine Überzeugungen und Begabungen. Sie fragten uns über unseren Einsatz für die Gemeinde und über unsere Ansichten zur Mission, und sie wollten wissen, wie der Ältestendienst mit dem Ruf aufs Missionsfeld zusammenpassen würde. Sie waren der Meinung, dass der Herr meiner Frau Janine und mir Hirtenherzen gegeben hatte und so wollten sie uns die Möglichkeit geben, Hirtendienst auszuüben. Nach ein paar Monaten, in denen wir darüber beteten, nahmen wir die Herausforderung an mit den Ältesten zu dienen. Wir hatten echten Frieden über die Entscheidung, obwohl wir immer noch überzeugt waren, dass der Herr uns ins Ausland in die Mission gerufen hatte.

Die nächsten fünf Jahre dienten dazu, unser Anliegen für Mission zu verstärken. Unseren Kindern war jetzt bewusst, dass der Herr uns gerufen hatte und sie freuten sich auf den Umzug aufs Missionsfeld. Nach und nach sah die ganze Gemeinde, dass der Herr uns gerufen hatte und sie waren ganz mit der Entscheidung einverstanden, die wir vor fünfzehn Jahren getroffen hatten. Wir erkannten, dass die Arbeit mit den Ältesten uns viel Einblick in die Leitung einer Gemeinde gab.

Als Ältester war ich gezwungen bei der Lösung von Problemen in der Gemeinde mitzuarbeiten. Wir wurden mit vielen Schwierigkeiten der Geschwister konfrontiert und suchten Antworten in der Bibel. Janine wurde durch ihre Kenntnis des Wortes und ihre Lebenserfahrung zu einer guten Seelsorgerin. Viele kamen zu ihr, und sie half und liebte sie einfach. Zurückblickend können wir erkennen, dass der Herr uns damals in den Aufgaben eines Leiters schulte, die wir am Missionsfeld so dringend brauchen konnten. Als Ältester hatte ich mit den Missionaren unserer Gemeinde zu tun und erfuhr viel über die Probleme, mit denen wir möglicherweise auch einmal konfrontiert werden würden. Der Herr half uns in dieser Zeit, Mission und Missionare besser zu verstehen. Wir bekamen Einblick in die Schwierigkeiten, die man in einer fremden Kultur bewältigen muss. Dies machte uns nüchtern und besonnen. Es half uns zu sehen, dass wir trotz der langen Vorbereitungszeit noch nicht völlig ausgerüstet waren. Wir wussten, dass wir auf dem Missionsfeld noch viel zu lernen hatten. Aber rückblickend sehen wir, dass die Zeit, in der wir uns darauf vorbereiteten, Missionare in der Fremde zu sein, eine gute Investition war.

Meine Arbeit war in den fünfzehn Jahren einer der wichtigsten Faktoren der Vorbereitung. Der Herr lehrte uns, wie man mit Geld umgeht und was Geld wirklich wert ist. Wir lernten auf manche Dinge zu verzichten, die wir gerne gehabt hätten. Wir mussten einfach leben, weil Janine nichts verdiente. Dies war ein gutes Klima um zu lernen mit wenig auszukommen. Wir lernten auf besondere Dinge zu sparen, statt sie mit der Kreditkarte sofort zu kaufen. Wir benützten unser Auto und unseren PC länger, als wir es getan hätten, wenn wir zwei Gehälter gehabt hätten. Der Herr verschaffte uns Zeit zum Dienen, indem er mir einen Chef gab, der Verständnis hatte und mir Beförderungen zukommen ließ, die viel besser als erwartet waren. Wir sind uns einig, dass der Herr unser Vertrauen ehrte, weil wir Ihn ehren wollten.

Als Ältester hatte ich die Gelegenheit mit vielen Missionaren zu reden, die am Anfang ihres Dienstes standen und ziemliche Schwierigkeiten hatten. Viele hatten noch nie längere Zeit im Beruf gearbeitet und konnten nicht verstehen, wie viel es kostet, zu arbeiten und dem Herrn dabei zu dienen. Sie schienen nicht zu verstehen, wie viel Geschwister einer Gemeinde opferten um Mission zu unterstützen. Die Ältesten waren erstaunt über die langen Listen an Dingen, die „ein Muss“ für Missionare waren, bevor sie aufs Missionsfeld gingen. Diese Brüder hatten unrealistische Vorstellungen von Beruf, Geld und der Ausstattung, die sie auf dem Feld brauchen würden. Deswegen gelang es manchen von ihnen gar nicht, überhaupt aufs Missionsfeld zu gehen. Andere dachten, dass ein endloser Strom von Geld von der Gemeinde fließen müsse.

Die Männer in der Gemeinde leisteten einen wichtigen Beitrag in meiner Vorbereitung, und die Frauen ebenso für Janine. Ich war ihnen gegenüber verantwortlich, weil sie meine Leiter und Lehrer waren und als ich in die Leiterschaft kam, wuchs diese Verantwortlichkeit noch. Als wir ausgesandt wurden, schien es natürlich, dass diese Verantwortlichkeit anhielt. Wir fühlten uns der Gemeinde eng verbunden, auch als wir am Missionsfeld waren, sodass unser Verantwortungsbewusstsein den Leitern und der gesamten Gemeinde gegenüber anhielt.

Wenn wir im Heimaturlaub waren, wurden wir immer wieder eingeladen, in der Leitung mitzuarbeiten. So lernten wir weiter und konnten auch unsere Erfahrungen einbringen, die wir am Missionsfeld gemacht hatten. Auf dem Missionsfeld war ich natürlich für viele Aufgaben verantwortlich, auch für die Leitung der Gemeinde dort. Zuhause wurde ich dann wieder im Leiterkreis eingebunden, auch wenn es nur für ein Jahr war. So hatte ich eine sinnvolle Aufgabe und das gab mir das Gefühl gebraucht zu werden. Die Ältesten schätzten meine Erfahrung und ich fragte ständig, wie sie mit Problemen umgingen. Wir schätzten ihre Weisheit auf so vielen Gebieten. Die Verbindung zur Gemeinde war für uns beide eine große Hilfe. Als wir zuhause waren, besuchten wir regelmäßig die Bibelstunden und lernten viele kennen, die seit unserem Abschied neu in der Gemeinde waren. Die Ältesten schlugen vor, dass wir den Großteil unseres Heimaturlaubs in der Heimatgemeinde verbringen sollten. Sie erwarteten von uns, dass wir uns einfach wieder in die Gemeinde einbringen und uns gebrauchen lassen sollten, wo es gerade notwendig war. Wir sollten viel Zeit mit der Familie und Freunden verbringen. Sie waren uns in jeglicher Hinsicht eine große Stütze und sorgten dafür, dass wir alles hatten, was wir brauchten.

Wir mussten nicht herumreisen, um finanzielle Unterstützung zu bekommen. Als ich Ältester war, kamen oft Missionare und baten uns, sie doch regelmäßig zu unterstützen, auch wenn es nur mit einer kleinen Summe wäre. Als wir aufs Missionsfeld gingen, stellte sich die Gemeinde geeint hinter uns und brachte ihre Bereitschaft zum Ausdruck, für unsere Bedürfnisse aufzukommen. Obwohl sie uns nie eine bestimmte monatliche Summe versprachen, gab die Gemeinde als Ganzes und viele Einzelne gaben noch zusätzlich, denn einer aus ihrer Mitte wurde ausgesandt! Wenn wir zurückblicken erkennen wir, dass unsere langfristige Vorbereitung ein enormer Segen für uns und unsere Heimatgemeinde war. Wir sind im Dienst miteinander eng verbunden.

Die Ältesten und die Gemeinde zögerten uns gehen zu lassen, aber sie wussten, dass der Herr uns gerufen hatte, und dass wir uns so gut wie möglich vorbereitet hatten. Sie wussten, dass die Gemeinde hinter uns stand und dass unsere Familie bereit war. Als wir uns zusammensetzten um zu besprechen, was unsere konkrete Aufgabe auf dem Missionsfeld sein würde, stellten wir fest, dass wir dort genau das tun würden, was wir die letzten fünfzehn Jahre lang hier gemacht hatten. Diese Feststellung war fast überwältigend. Wir würden es mit genau denselben Nöten, denselben Gaben, denselben Zielen und denselben Problemen zu tun haben, nur das Land und die Kultur waren anders. Wir erkannten, dass der Herr uns zuhause ausgebildet hatte. Das schien so richtig, so praktisch, so biblisch zu sein. Der Übergang war fließend.

Wir haben Missionare besucht, die erst in einer fremden Kultur die Fähigkeit zu leiten erlernen mussten. Der Preis dafür war hoch, viel Schaden ist entstanden, manche haben versagt. Bei uns läuft auch nicht alles von selbst, aber wir dürfen zurückblicken und erkennen, dass der Herr unsere Berufung gesegnet hat. Er führte unsere Vorbereitungen über lange Zeit und der Dienst im Ausland war so normal wie jeder Tag, an dem wir zu Hause dem Herrn dienten.

Jetzt blicken wir zurück und können in Übereinstimmung mit der Schrift sagen: „Bis hierhin hat der Herr uns geholfen.“ Wir sind noch nicht am Ziel. Aber wir denken, dass unser Werdegang für andere eine große Hilfe sein kann, die sich eine praktische und brauchbare Vorbereitung für die Mission wünschen. Wir sind nicht den üblichen Weg gegangen: Schließe die Universität ab, besuche eine Bibelschule und studiere Missiologie, baue einen Freundeskreis auf und beschaffe dir so die finanziellen Mittel, gehe dann aufs Missionsfeld. Unsere Vorbereitungen waren ganz anders. Aber wir danken Gott für jeden Aspekt dieser Vorbereitung.

Wir sind nicht die einzigen, die aus unserer Gemeinde ausgesandt wurden. Das Bild, das ich euch vor Augen gemalt habe, ist kein Einzelfall. Einige andere haben ebenso erkannt, dass es weise ist, sich langfristig für einen längeren Dienst vorzubereiten. Unsere Gemeinde freut sich über drei andere Ehepaare, die aufs Missionsfeld gingen und die es hilfreich fanden, zuhause Leiter zu werden, um dann dort mit dieser Erfahrung zu dienen. Das bewirkt, dass jüngere Männer und Frauen in der Gemeinde Raum haben zu dienen und in die Gemeindeleitung einbezogen werden. Das Ergebnis ist eine gesunde Gemeinde zu Hause und qualifizierte Mitarbeiter in der Mission. Wir freuen uns sehr, dass wir Teil von so einem effektiven Plan für die Heimatgemeinde und für das Missionsfeld sein dürfen.

Andere fragten uns: „Meint ihr nicht, dass ihr diese fünfzehn Jahre Vorbereitungszeit verschwendet habt? Ihr hättet die Sprache vor Ort lernen können, als ihr noch jung wart, und ihr hättet das Evangelium schon verbreiten können.“ „Ist die Zeit nicht kurz, um das Evangelium zu verkünden?“ „Sollten wir die Mission nicht so schnell wie möglich ausführen?“ Das Letzte, was ich sagen würde ist, dass diese Jahre eine Verschwendung waren. Ich würde sogar behaupten, dass die Vorbereitungszeit in der Heimat die gewinnbringendsten Jahre meines Lebens waren! Ja, natürlich haben wir Fehler gemacht, aber die wichtigste Lektion all dieser Jahre ist: Was der Herr in mir verändert ist wichtiger als das, was der Herr durch mich bewirkt.

Der Herr hat uns weiterhin beschenkt, indem unsere Kinder nun geheiratet haben. Sie konnten die internationale Schule am Missionsfeld abschließen. Danach verbrachten wir eine Zeit zuhause um ihnen zu helfen, sich an der Universität einzuleben. Das ist gut gelungen und die Gemeinschaft in einer Gemeinde war ihnen ebenso wichtig wie uns in ihrem Alter. Sie ermutigen uns und sind dafür, dass wir auf dem Missionsfeld bleiben. Sie können auf eine schöne Kindheit zurückblicken und sind dankbar für das Vorrecht eines gesunden Elternhauses, einer ausgewogenen Gemeinde, und einem gewachsenen Missionsanliegen für ihre Mitschüler.

Wenn wir zurückblicken und über die wichtigsten Dinge nachdenken, die uns geformt haben, denken wir an die starke Gemeinde, die uns ermöglichte unsere Gaben und Fähigkeiten zu entwickeln. Wir waren verpflichtet, der Gemeinde Rechenschaft abzulegen, und die Gemeinde gab uns auch viel Verantwortung im Dienst. Die Entscheidung sparsam zu leben und unsere Kinder in öffentliche Schulen zu schicken, ermöglichte uns die Nachbarschaft kennenzulernen, in der wir unseren „missionarischen Dienst“ entwickeln und ausüben konnten.

Janine und ich haben beide eine Gruppe von Männern bzw. Frauen, die mit uns im Herrn gewachsen sind, und die unsere Stärken und Schwächen kennen. Sie sind die größte Hilfe in unserem Team. Wir können ihnen alles anvertrauen und sie haben Verständnis und suchen Wege, unsere Schwächen auszugleichen oder uns aus Entmutigung zu helfen. Sie wissen, wie und was sie für uns beten können. Wir haben vollstes Vertrauen in sie und ihren weisen Rat. Wir zählen auf sie, egal ob wir auf dem Missionsfeld oder zuhause sind.

Es gäbe noch viele Dinge, die wir erzählen könnten: dass wir unser Haus vermietet haben, als wir wegzogen, dass die Gemeinde regelmäßig Gebetsbriefe von uns verschickte, und dass wir die Beziehung zu denen pflegten, die aus unserem Heimatort wegzogen. All dies und vieles mehr sind Geschenke vom Herrn und trugen dazu bei, uns ein erfülltes Leben zu schenken. Ich nehme an, dass wir dem Herrn noch weitere zehn oder fünfzehn Jahre dienen können und wir glauben, dass es die ergiebigsten von allen sein werden. Wenn es so kommt, dann wissen wir, dass unsere Gemeinde der Hauptgrund ist, warum wir auf dem Missionsfeld dann noch immer nützlich sein werden.

Was könnt ihr für Missionare tun? Ich sage nur: Wenn ihr das für andere Missionare tun könntet, was ihr für uns getan habt, werdet ihr von größtem Nutzen für sie sein, für den Dienst in der Heimat und auf dem Missionsfeld.

Nach so einem biblischen Plan könnten die Ältesten vieler Gemeinden ihre Leiter aussenden. Der Kreislauf von Senden und Ausbilden könnte weitergehen, bis die ganze Welt das Evangelium hört. Wir sind noch nicht zufrieden, aber wir sagen mit dem Apostel Paulus: „Ich jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus“ (Phil 3, 14).

Möge der Herr eure Herzen ermutigen. Ihr habt uns auf wunderbare Weise geholfen, dem Herrn wirksam zu dienen. Wenn wir alle in der Herrlichkeit sind, wird eure Belohnung groß sein. Aber es wird alles sein „zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi…“

Wir dienen mit Freude

P.S.: Meint ihr nicht, dass es auch heute realistisch ist, die Leiter der Gemeinde auszusenden wie in Apostelgeschichte 13?