Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 80: Der gläserne Mensch

von Lindner Andreas

„Du bist durchschaut!“ Bei dieser Ankündigung rasen uns allerlei unangenehme Gedanken durch den Kopf: „Was wissen sie über mich? Wie werden sie die Information verwenden?“ Und vor allem: „Wer ist eingeweiht?“

 Immer mehr Information und Daten werden über uns gespeichert und zu Behördenzwecken, für Werbung und anderes benutzt. Das ist nicht aufzuhalten, aber unangenehm. Da der Mensch heute von allen Seiten beleuchtet, durchleuchtet und analysiert werden kann, wird er als „gläserner Mensch“ bezeichnet. Es ist erschreckend, dass es fast keine Geheimnisse mehr gibt.

Viele Menschen sind so einsam, dass sie sehr persönliche Informationen im Web veröffentlichen. Manches davon würden sie nicht mal mit Freunden besprechen, und doch scheint es ein Schrei zu sein: Ich will, dass jemand mich beachtet, mich kennt.

Mein Arzt durchleuchtet mich, um mir zu helfen. Ich habe keine Angst davor, dass er durch mich durch schaut. Denn er verwendet die Information um mich zu beraten oder zu behandeln. Manchmal wünsche ich mir sogar, dass er mehr und besser sehen kann, um noch effektiver helfen zu können.

Ich bin jemandem begegnet, der mich ganz durchschaut. Er weiß auch, was ich wünsche, denke oder plane, schon seit langem. Das ist der Herr, mein Arzt. „Herr, du hast mich erforscht und erkannt“ (Ps 139,1). Es ist mir gar nicht unangenehm, dass er alles über mich weiß, und dass alles vor ihm „bloß und aufgedeckt“ ist (Hebr 4,13). Es ist gut und hilfreich, dass es vor Gott keine Geheimnisse gibt.

Gott kennt alles (1. Joh 3,20), und es ist eine große Hilfe für mich, wenn ich das vor Augen habe. Es ist ein großer Trost, und es hält mich von Sünde zurück. Es beruhigt mich, dass er mich vollkommen kennt, auch meine schlechten Seiten.

„Und sieh, ob ein Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Weg“ (Ps 139,24).

Andreas Lindner