Finanzielle Verantwortlichkeit
Wenn sie fehlt, zerstören wir sogar die besten Menschen
(Auszug aus dem Buch „Giving Wisely?“, mit freundlicher Genehmigung des Autors)
„Schätze Geld nicht zu hoch ein und nicht zu niedrig. Es ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.“ (Alexandre Dumas)
„Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ (Jesus Christus in Mt 6,24)
„Denn die Geldliebe ist eine Wurzel alles Bösen, der nachstrebend einige von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben.“ (der Apostel Paulus in 1.Tim 6,10)
Wenn es um finanzielle Verantwortlichkeit geht, sollten wir die folgenden Abschnitte der Bibel in Betracht ziehen. Paulus drängt darauf, dass wir niemand auch nur die kleinste Möglichkeit geben sollten, Gottes Werk in den Schmutz zu ziehen:
„Was aber die Sammlung für die Heiligen betrifft: Wie ich für die Versammlungen von Galatien angeordnet habe, so tut auch ihr. An jedem ersten Wochentag lege ein jeder von euch bei sich zurück und sammle auf, je nachdem er Gedeihen hat, damit nicht dann, wenn ich komme, Sammlungen stattfinden. Wenn ich aber angekommen bin, will ich die, die irgend ihr für tüchtig erachtet, mit Briefen senden, dass sie eure Gabe nach Jerusalem hinbringen. Wenn es aber angemessen ist, dass auch ich hinreise, so sollen sie mit mir reisen.“ (1. Kor 16,1-4)
„Wir haben aber den Bruder mit ihm gesandt, dessen Lob im Evangelium durch alle Versammlungen verbreitet ist. Aber nicht allein das, sondern er ist auch von den Versammlungen zu unserem Reisegefährten gewählt worden mit dieser Gnade, die von uns bedient wird zur Herrlichkeit des Herrn selbst und als Beweis unserer Bereitschaft; wobei wir dies zu vermeiden suchen, dass uns jemand übel nachredet dieser reichen Gabe wegen, die von uns bedient wird; denn wir sind auf das bedacht, was ehrbar ist, nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen.“ (2. Kor 8,18-21)
Vor kurzem hat mich eine Frau angerufen und von einer guten Gelegenheit erzählt, die sie hat. Sie könne eine einheimische Mitarbeiterin direkt unterstützen, nicht über ein Missionswerk. Das bedeutet natürlich, dass es niemanden gibt, demgegenüber sie verantwortlich ist. Unten seht ihr meine Antwort an sie. Ich warne sie vor den Gefahren bei so einem Vorgehen. (Ich habe die Namen und Orte und auch einige Details der Ereignisse geändert.)
Liebe Carrie,
vielen Dank für deinen Anruf und für deine Bitte um Rat wegen eurer Freundin aus Nepal. Sie scheint ein echter Diamant zu sein. Es ist wirklich ein Vorrecht für dich, dass du sie kennenlernen und sie fördern konntest.
Wenn jemand überlegt einheimische Mitarbeiter direkt zu unterstützen, sollten verschiedene Aspekte in Betracht gezogen werden. Da ich die letzten zehn Jahre in Übersee gelebt habe, habe ich selbst einiges erlebt und auch von vielen anderen Schwierigkeiten gehört, die dabei auftreten.
Wenn ich nun deine Bitte um Rat erfülle, möchte ich gerne eine Szene beschreiben, die auf meine Erfahrung und meine Beobachtung aufbaut. Das Folgende ist ganz typisch für das, was ich immer wieder erlebt habe.
Ben war aus einem armen Land und sein größter Wunsch war, sein Volk mit dem Evangelium zu erreichen. Er kam in die USA, besuchte eine Bibelschule und schloss sich dann einer Organisation an, die ihm helfen sollte, das Evangelium in seiner Heimat zu verbreiten. Ben ärgerte sich über die Organisation, weil sie nicht immer seiner Meinung war und weil nicht alles Geld, das für ihn gegeben wurde, an ihn weitergeleitet wurde. So wandte er sich an seine Geber und bat sie, dass sie Gaben direkt an ihn senden sollten, damit nicht 7% für die Verwaltung durch die Organisation abgezogen würden. Dann könne er den ganzen Betrag der Gaben für seinen Plan verwenden. Er wollte eine Bibelschule aufbauen. Er hielt einen Missionsvortrag in einer Gemeinde und erwähnte, dass 10.000 Dollar benötigt würden, um die neue Bibelschule aufzubauen. Die Gemeinde war von dem Plan ergriffen und spendete die 10.000 Dollar.
Nach der Rückkehr in sein Land wurde sein Kind schwer krank und musste zur Behandlung ins Krankenhaus. Er hatte Angst, dass sein Kind stirbt, aber er hatte nicht genug Geld, um das Kind im besten Krankenhaus behandeln zu lassen, damit sein Leben gerettet wird. Da dachte er: „Halt! Der Herr hat mir gerade 10.000 Dollar zur Verfügung gestellt.“ Er überlegte: „Die Geschwister in den USA lieben meine Familie und mich. Sie würden die Notlage sicher verstehen.“ Und so gab er 2.000 Dollar für die Behandlung seines Sohnes aus, und 8.000 für die Bibelschule.
Das nächste Projekt, das er in Angriff nahm, würde 20.000 Dollar kosten. Er bat die Geschwister in den USA darum und erhielt das Geld. Das neue Projekt begann. Da kam eine schlechte Nachricht: Seine Tochter verlor ihre Befreiung von der Studiengebühr mitten im ersten Semester, und er hatte keine 2.000 Dollar, um sie für den Rest des ersten Jahres zu unterstützen. Aber der Herr hatte ihn ja schon versorgt! Er konnte 2.000 Dollar für ihre Ausbildung verwenden und mit den übrigen 18.000 Dollar das Projekt zu Ende bringen.
Als er das nächste Mal in die USA fuhr, um in den Gemeinden von seiner Missionsarbeit zu berichten, dachte er an seine drei jüngeren Kinder, die bald mit ihrem Studium beginnen würden. Mit einer guten Ausbildung könnten sie so viel mehr für den Herrn Jesus erreichen! Er musste nur bei jedem Projekt die Kosten um ein paar Dollar erhöhen.
Dieser Mann hatte eine Leidenschaft für den Herrn und ein Herz für Menschen, aber bald sah er im Geld eine Möglichkeit, alles zu kaufen, was er wollte. Alle Amerikaner hatten ein schönes Heim. Es war ihnen bestimmt recht, wenn er sich mit dem übrigen Geld ein schönes Haus baute.
Wenn das nur einmal vorgekommen wäre, könnten wir es vergessen. Aber ich habe das immer wieder erlebt, wenn Einheimische direkt unterstützt werden anstatt durch eine vertrauenswürdige Organisation.
Meine Familie und ich sind gerade aus Asien zurückgekommen. Als wir dort waren, hat eine liebevolle christliche Familie ein Waisenhaus begonnen. Später wurde entdeckt, dass sie die Gaben für das Waisenhaus aus dem Ausland verwendet hatten, um für sich ein schönes Haus zu bauen.
Ein Bruder aus der dritten Welt hat sogar eine überprüfte Organisation mit gutem Ruf verlassen, um mit einer anderen zu arbeiten, die keine Verwaltungskosten und keine Verantwortlichkeit hatte. So konnte er über das ganze Geld selbst verfügen, ohne Kontrolle.
Unsere Gemeinde sandte dann Gaben an diese Organisation und fand dabei heraus, dass es dasselbe wäre, wenn sie das Geld direkt an den Bruder schicken würde, der für die Verwendung der Gaben niemand verantwortlich sein will. Jetzt versuchen wir herauszufinden, ob das Geld tatsächlich dafür verwendet worden ist, wofür es gegeben wurde.
Ich behaupte nicht, dass deine Freundin das so machen wird, oder dass sie das plant. Aber ich fürchte, dass wir ihr eine Falle stellen, indem wir nicht darauf achten, dass sie jemand für die Gaben, die sie bekommt, verantwortlich ist. Der einzige Weg, wie wir diese Falle vermeiden können, ist, dass wir dafür sorgen, dass sie in einer bekannten und vertrauenswürdigen Organisation arbeitet.
Leider habe ich zu viele wunderbare Brüder und Schwestern in Ländern der dritten Welt erlebt, die durch Geld verdorben wurden, durch Geld, das wir Amerikaner ihnen mit guter Absicht gegeben haben, sobald wir von einer Not erfuhren. Wir denken: „Was für ein Zeugnis! Sie werden sicher verantwortlich mit den Gaben umgehen.“ Aber in Wirklichkeit haben sie nicht einmal gelernt, was finanzielle Verantwortlichkeit ist, weil sie nie irgendwelche nennenswerten Gelder zur Verfügung hatten.
Ich fürchte, dass ich nicht besser bin als sie: Wenn ich in solchen Umständen leben würde, kann es gut sein, dass ich ebenfalls völlig vom Geld verführt würde – und schließlich vom Feind. Es passiert auch nicht nur in der dritten Welt. Ich habe es hier in den USA erlebt, dass geistliche Männer gefallen sind. Die Versuchung kann überwältigend werden.
Als Gemeinde haben wir uns vorgenommen, Einheimische in Missionsländern nicht direkt zu unterstützen, sondern immer durch eine Organisation, die den besten Ruf in Bezug auf finanzielle Verantwortlichkeit hat. Wir haben dafür ein hohes Lehrgeld bezahlt.
Ich hoffe, dass du mich verstehst. Ich will überhaupt nicht andeuten, dass die Motive deiner Freundin verkehrt sind. Aber wir Amerikaner müssen alles unternehmen, um nicht gefährliche Fallen für solche Geschwister aufzustellen. Wir wollen ja, dass ihre Motive rein bleiben.
In Hebräer 13,5 heißt es: „Der Wandel sei ohne Geldliebe; begnügt euch mit dem, was vorhanden ist, denn er hat gesagt: Ich will dich nicht versäumen und dich nicht verlassen.“
Wir müssen großzügig sein und viel in die unterentwickelten Gebiete dieser Welt geben. Wir haben so viel hier in Amerika. Aber wir müssen alles unternehmen, was wir nur können, um zu verhindern, dass wir dabei nicht einen Bruder oder eine Schwester zu Fall bringen. Meine Empfehlung ist deshalb, dass man eine Mission im Land deiner Freundin findet, die finanziell verantwortlich handelt und die Verwendung der Gaben überprüft und kontrolliert.
Wenn du dazu irgendwelche Fragen hast, rufe mich bitte nochmal an.
Jonathan
Stell dir mal vor, die Angestellten einer Firma würden ihren Chef bitten, keine Buchhalter einzustellen. Sie begründen das auch: „Dann hätten wir einen größeren Gewinn. Mit diesem Gewinn können wir die Firma schneller aufbauen, und sie würde schneller stabil werden.“
Solche Ideen sind absurd. Was für ein Monster wird in dieser Umgebung geboren?
Es ist die gleiche Situation, wenn jemand dich bittet, die Verwaltungskosten einer Organisation zu sparen und ihn oder sie direkt zu unterstützen. Sie fordern dieselben Gefahren heraus. Aber du solltest sie nicht in diese Gefahr bringen. Geschenke sind manchmal passend, wenn sie einmal im Jahr zu Weihnachten gegeben werden, aber sie sollten nicht als regelmäßige Unterstützung kommen.
Ich habe gelernt, selbst finanzielle Rechenschaft abzulegen. Wenn es um das Geld geht, das durch mein Büro fließt, brauche ich Leute, die mir direkte Fragen dazu stellen. Ich habe die Ältesten der Gemeinde gebeten, solche harten Fragen zu stellen. „Bitte zögert nicht, mich zu fragen, ich bin nicht beleidigt. Wenn ich wegen einer Frage gekränkt bin, solltet ihr mir nicht mehr vertrauen. Wenn ich ungeduldig werde und antworte: `Vertraut ihr mir denn nicht`?, dann vertraut mir auf keinen Fall.“
Ich kenne meine eigene Schwäche, verführt zu werden. Die Macht des Geldes kann uns auf finstere Wege führen. Ich zumindest will nicht dorthin gehen. Und ich will auch nicht einen Bruder oder eine Schwester in Christus auf so einen Weg bringen. Wenn du jemand mit Geld überschüttest, ohne dass er dafür jemand verantwortlich ist, stellst du ihm eine Falle, in die er sicher fallen wird. Aber die Bibel lehrt uns eines: Wir sind „unseres Bruders Hüter“.
Diese Worte von Boris Jelzin aus dem Jahr 1994 sind eine bleibende Wahrheit:
„Geld, viel Geld (was eigentlich eine relative Größe ist) ist immer, unter allen Umständen, eine Versuchung, eine Prüfung der Moral, eine Verführung zur Sünde.“
Anmerkung der Redaktion: Finanzielle Verantwortlichkeit ist eine Hilfe, auch für Missionare aus dem Westen. Für Mitarbeiter, die nie Geld zur Verfügung hatten, wie die erwähnten Mitarbeiter aus Asien, ist die Versuchung sicher größer. Eine Missionsgesellschaft ist die Möglichkeit, die der Autor vorschlägt, um für finanzielle Transparenz zu sorgen. Wenn die Missionare von der Gemeinde betreut werden und nicht durch eine Missionsgesellschaft, besteht die Möglichkeit, die Finanzen über einen Hilfsverein abzuwickeln. Die Missionare sollten aus Glauben leben und sie sollten jemandem gegenüber verantwortlich sein, auch für ihre Finanzen. Wir verweisen dazu auf die folgenden Artikel auf unserer Homepage www.gemeindeundmission.de:
-MacDonald: Das Leben des Glaubens
-MacDonald: Wem sind unsere Missionare verantwortlich?
-Gooding: Zur Freiheit seid ihr berufen, Teil 3: Die Freiheit des Verkündigers