Für andere leben
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Wie können wir zeugungsfähige geistliche Kinder zeugen? Der Grund dafür, dass das Evangelium nicht bis an die Enden der Erde dringt, ist nicht, dass es nicht kräftig genug wäre.
Vor 23 Jahren nahmen wir einen wiedergeborenen Matrosen auf und verbrachten einige Zeit mit ihm. Wir zeigten ihm, wie er sich geistlich nach seiner Art vermehren könnte. Es erforderte Zeit, viel Zeit. Es war kein flüchtiger dreißigminütiger Aufruf in einem Gemeindegottesdienst oder ein hastiges „Auf Wiedersehen“ mit der Einladung, nächste Woche wiederzukommen. Wir verbrachten viel Zeit zusammen. Wir lösten seine Probleme und lehrten ihn, nicht nur Gottes Wort zu hören und zu lesen, sondern auch zu studieren. Wir lehrten ihn, wie er es in seinem Herzen behalten konnte als Pfeil, so dass der Geist Gottes diesen Pfeil aus seinem Herzen emporheben und auf seine Lippen legen konnte, damit er die Seele des Mannes durchdringe, den er für Christus zu gewinnen suchte.
Er fand eine Anzahl Jungen auf seinem Schiff, aber keiner von ihnen wollte ganz für den Herrn da sein. Sie gingen zur Kirche, aber wenn es dazu kam, etwas zu tun, waren sie „Nieten“. Nach einem Monat kam er zu mir und sagte: „Dawson, ich kann keinen der Kerle auf dem Schiff dazu bringen.“
Ich sagte zu ihm: „Hör zu, du bittest Gott, dir einen zu geben. Du kannst keine zwei haben, ehe du einen hast. Bitte Gott, dir einen Mann nach deinem Herzen zu geben.“
Er begann zu beten. Eines Tages kam er zu mir und sagte: „Ich denke, ich habe einen gefunden.“ Später brachte er den Burschen mit. Drei Monate, nachdem ich angefangen hatte, mit ihm zu arbeiten, hatte er einen Mann für Christus gewonnen, einen Mann gleicher Gesinnung. Dieser erste Matrose war kein Mann, den man schieben und dem man Preise geben musste, ehe er etwas tat. Er liebte den Herrn und war bereit, einen Preis zu bezahlen, um andere zu gewinnen. Er befasste sich mit diesem neuen Baby in Christus und die beiden Burschen begannen zu wachsen und sich geistlich zu vermehren. Auf diesem Schiff fanden 125 Mann den Heiland, ehe es bei Pearl Harbour unterging.
Männer von diesem ersten Schiff sind heute auf vier Kontinenten als Missionare tätig. Die Arbeit breitete sich von einem Schiff zum andern aus, so dass, als die Japaner Pearl Harbour bombardierten, auf fünfzig Schiffen der US-Flotte Zeugnis gegeben worden war. Bei Kriegsende gab es auf mehr als 1000 Schiffen der US-Flotte und in vielen Armee-Lagern und Luftstützpunkten ein oder mehrere Werkzeuge zur Fortpflanzung (ich spreche nicht nur von gewöhnlichen Christen), die dort arbeiteten. Es war jedoch ein Anfang nötig. Der große Trick des Teufels ist es, alles dieser Art aufzuhalten, wenn er kann, ehe es überhaupt anfängt. Er wird es auch tun, wenn du es zulässt.
Es gibt Christen, deren Leben sich im Kreise dreht, die aber trotzdem das Verlangen haben, andere zu gewinnen. Nehmen wir ein typisches Beispiel. Du triffst morgens einen Mann, der zur Arbeit geht, und fragst ihn: „Warum gehst du zur Arbeit?“
„Nun, ich muss Geld verdienen.“
„Wofür verdienst du Geld?“, fragst du.
„Ich muss etwas zu essen kaufen“, antwortete er.
„Wofür brauchst du etwas zu essen?“
„Ich muss essen, damit ich Kraft habe zur Arbeit zu gehen und mehr Geld zu verdienen.“
„Wofür brauchst du mehr Geld?“
„Ich muss Kleider kaufen, damit ich angezogen bin, um zur Arbeit zu gehen und mehr Geld zu verdienen.“
„Wofür brauchst du mehr Geld?“
„Ich muss das Haus kaufen oder die Miete bezahlen, damit ich einen Platz zum Ausruhen habe, dass ich wieder frisch bei der Arbeit bin und mehr Geld verdienen kann.“ Und so geht es weiter.
Es gibt viele Christen, die sich in großen Kreisen drehen. Aber du fragst dann weiter: „Was tust du denn sonst noch?“
„Ach, ich habe auch noch Zeit, dem Herrn zu dienen. Ich predige hier und da.“ Aber bei diesem allem hat er den einen Wunsch, ein geistlicher Vater zu sein. Er betet, dass Gott ihm einen Mann gibt. Vielleicht dauert es sechs Monate. Es braucht nicht so lange zu dauern, aber vielleicht dauert es sechs Monate, einen anderen für Christus zu erreichen, ihm beim Anfang zu helfen, dass auch er das Wort weitergibt und einen Mann gewinnt.
So hat dieser erste Mann am Ende der sechs Monate einen anderen Mann. Jeder gewinnt nun in den folgenden sechs Monaten einen weiteren. Am Ende des Jahres sind es dann vier. Vielleicht unterrichtet jeder eine Bibelklasse oder hilft in einer Straßenversammlung, aber gleichzeitig sieht er auch darauf, wie es dem Neuen geht, den er für den Herrn gewonnen hat. Am Ende des Jahres kommen dann vier zusammen, haben eine Gebetsgemeinschaft und beschließen: „Jetzt soll uns nichts ablenken. Wir sollten das Evangelium einer Menge Menschen weitergeben, aber dabei wenigstens einem nachgehen und zusehen, dass er durchkommt.“
So gewinnt jeder von den vier Männern im Laufe der nächsten sechs Monate einen Mann. Das sind dann acht nach eineinhalb Jahren. Sie alle suchen nach einem weiteren und am Ende der zwei Jahre sind es sechzehn. Nach drei Jahren sind es vierundsechzig: die sechzehn haben sich zweimal verdoppelt. Nach fünf Jahren sind es 1048. Nach fünfzehneinhalb Jahren sind es 2 176 000 000 Menschen. Das ist die gegenwärtige Bevölkerung der Welt, bestehend aus Menschen, die über drei Jahre alt sind (Anm.: dieser Artikel entstand in den 60er Jahren).
Aber warte einen Augenblick! Nennen wir die ersten drei Männer A, B und C. A hilft B, und gerade zu der Zeit, da B C nachgehen soll, gerät er auf einen Seitenweg. Dann fällt er aus, und C bleibt ungeboren. Fünfzehneinhalb Jahre später kannst du deine 2 176 000 000 auf 1 000 000 000 reduzieren. Das ist weniger als die Hälfte der 2 176 000 000, weil der Teufel B lahmgelegt hat. Gott hat Abraham verheißen: „In Isaak soll dir der Same genannt werden“ (1. Mo. 21,12). So wartete Abraham lange Zeit auf diesen Sohn. Als Isaak kam, war alles in ihm enthalten. Wenn Hitler dabei gewesen wäre und Isaaks Tod herbeigeführt hätte, als Abraham auf dem Berg Morija das Messer über Isaak hielt, hätte er alle Juden mit einem Schlag vernichten können.
Ich glaube, darum wendet Satan all seinen Eifer daran, den Christen zu beschäftigen, aber so, dass er keine anderen Christen zeugt.
Männer, wo ist euer Mann? Frauen, wo ist eure Frau? Wo ist euer Mädchen? Wo ist der, den du zu Christus geführt hast und der jetzt mit Ihm lebt?
In 1. Kön. 20 gibt es eine Geschichte von einem Mann, der einem Diener einen Gefangenen gab und den Diener anwies, den Gefangenen gut zu bewachen. Aber da der Diener hier und dort zu tun hatte, entkam der Gefangene.
Der Fluch unserer Zeit ist, dass wir zu beschäftigt sind. Ich spreche nicht davon, dass wir beschäftigt sind, um Nahrung zu kaufen. Ich spreche darüber, dass wir zu beschäftigt sind mit christlichen Dingen. Wir haben geistliche Aktivität mit wenig Produktivität. Produktivität ist eine Folge dessen, was wir „Nacharbeit“ nennen.
Fortpflanzung als Hauptaufgabe
Das wurde mir zum ersten Mal auf folgende Weise klar. Vor fünf Jahren kam Billy Graham zu mir und sagte: „Daws, wir hätten gern deine Hilfe bei unsrer Nacharbeit. Ich habe das Wirken der großen Evangelisten und die großen Erweckungen studiert und sehe nicht, dass sie viel Nacharbeit hatten. Wir brauchen sie. In unseren Monatsfeldzügen kommen durchschnittlich 6000 Menschen nach vorn, um eine Entscheidung für Christus zu treffen. Ich habe den Eindruck, dass du mit der Arbeit, die du getan hast, zu uns kommen und uns helfen könntest.“
Ich sagte: „Billy, ich kann nicht 6000 Menschen nachgehen. Meine Arbeit beschränkt sich immer auf einzelne und auf kleine Gruppen.“
„Sieh, Daws“, antwortete er, „überall, wohin ich komme, treffe ich Navigatoren. Ich traf sie in der Schule in Wheaton. Sie sind auch jetzt in meiner Schule. (Er war zu der Zeit Präsident der Northwestern Schools.) Da muss doch etwas dran sein.“
„Ich habe einfach nicht die Zeit“, sagte ich.
Er ging mich noch einmal damit an. Das dritte Mal bat er mich inständig und sagte: „Daws, ich kann nächtelang nicht schlafen, wenn ich daran denke, was mit den Neubekehrten geschieht, wenn ein Feldzug vorüber ist.“
Ich war damals gerade auf dem Weg nach Formosa und sagte: „Während ich dort bin, werde ich darüber beten, Billy.“ Auf dem Sandstrand von Formosa ging ich zwei bis drei Stunden am Tag auf und ab und betete: „Herr, wie kann ich das tun? Ich schaffe nicht einmal die Arbeit, die du mir zu tun gegeben hast. Wie kann ich dann noch sechs Monate pro Jahr Billy zur Verfügung stehen?“ Aber Gott legte die zusätzliche Last auf mein Herz. Warum hätte mich Billy sonst darum gebeten? Ich hatte ihm an dem Tag, ehe ich nach Formosa abreiste, gesagt: „Billy, du wirst dich nach jemand anderem umsehen müssen.“
Er packte mich bei den Schultern und sagte: „Nach wem denn? Wer sieht das als seine Hauptaufgabe?“ Ich hatte es als meine Hauptaufgabe erkannt.
„Gott, gib mir ein Mädchen oder einen Mann, den ich für Christus gewinnen kann oder lass mich jemand nehmen, der bereits gewonnen ist, ein Kind in Christus, und versuchen, es so auszubilden, dass es dann andere gewinnt!“
Wie bemühen wir uns doch darum, Massen zu erreichen, die die Plätze füllen! Aber wo ist dein Mann? Ich möchte lieber einen lebendigen „Isaak“ haben als hundert tote oder unfruchtbare oder unreife.
Beginn der Nacharbeit
Vor Jahren fuhr ich eines Tages in meinem kleinen Auto und sah einen jungen Mann die Straße entlanggehen. Ich hielt an und nahm ihn mit. Als er in den Wagen stieg, fluchte er und sagte: „Es ist schon hart, bis man mitgenommen wird.“ Jedes Mal, wenn ich höre, wie jemand den Namen meines Herrn missbraucht, tut mir das Herz weh. Ich griff in meine Tasche und sagte: „Lies das, Junge“
Er schaute mich an und sagte: „Habe ich Sie nicht schon einmal gesehen?“
Ich betrachtete ihn genauer. Er sah jemandem ähnlich, den ich kennen sollte. Es stellte sich heraus, dass wir uns vor einem Jahr auf derselben Straße getroffen hatten. Er war auf dem Wege zu einem Golfkurs, als ich ihn mitnahm. Er war in meinen Wagen gestiegen und hatte auf die gleiche Weise mit dem Namen „Jesus Christus“ begonnen. Ich hatte dagegen protestiert und das Neue Testament aufgeschlagen und ihm den Heilsweg gezeigt. Er hatte Jesus Christus als seinen Erlöser aufgenommen. Als ich ihn verließ, hatte ich ihm noch den Vers Phil. 1,6 mit auf den Weg gegeben: „Ich bin … in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi.“ Ich sagte: „Gott segne dich, mein Sohn. Lies das“, und machte mich fröhlich auf den Weg.
Ein Jahr später war in dem Jungen nichts mehr von der neuen Geburt und der neuen Kreatur zu sehen, als wenn er nie von Jesus Christus gehört hätte.
Ich hatte eine große Liebe zu den Verlorenen, aber nachdem ich diesen Jungen das zweite Mal auf dem Weg zum Golfkurs traf, fing ich an, einige meiner „Neubekehrten“ aufzusuchen. Ich kann euch sagen, mein Herz war krank. Es schien, als ob Phil. 1,6 nicht klappte.
Eines Tages kam ein armenischer Junge in mein Büro und erzählte mir von all den Seelen, die er gewonnen hatte. Er sagte, sie seien alle Armenier, und hatte eine Liste, um es zu beweisen.
Ich sagte: „Wie geht es diesem jetzt?“
Er sagte: „Dem geht es nicht so gut. Er ist zurückgefallen.“
„Wie steht es um diesen?“ Wir gingen die ganze Liste durch und nicht einer führte ein Siegesleben.
Ich sagte: „Gib mir deine Bibel.“ Ich schlug den Philipperbrief auf, legte einen Karton unter den 6. Vers im 1. Kapitel, nahm eine Rasierklinge aus der Tasche und setzte sie an. Er ergriff meine Hand und fragte. „Was machen Sie da?“
„Ich will diesen Vers ausschneiden“, sagte ich.
„Er haut nicht hin.“
Weißt du, was daran falsch war? Ich hatte den 6. Vers aus seinem Zusammenhang, den Versen 3 bis 7, herausgenommen. Paulus schrieb diesen Vers nicht, um damit zu sagen: „Also gut, der Herr hat etwas angefangen. Er wird es auch zu Ende führen.“ Aber das sagen mir einige Leute, wenn sie eine Seele gewinnen. Sie sagen: „Ich habe ihn einfach Gott überlassen.“
Angenommen ich treffe jemand, der eine große Familie hat und frage ihn: „Wer sorgt für Ihre Kinder?“
„Meine Kinder? Die habe ich dem Herrn überlassen.“
Ich würde sofort zu ihm sagen: „Ich habe einen Vers für Sie: „Wenn aber jemand für die Seinen und besonders für die Hausgenossen nicht sorgt, … ist er schlechter als ein Ungläubiger“ (1. Tim. 5,8). Paulus sagte zu den Gemeindeältesten zu Ephesus: „Habt nun acht auf . . . die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher gesetzt hat …“ (Apg. 20,28). Du kannst nicht Gott zum Aufseher machen. Er macht dich zum Aufseher.
Wir fingen von diesem Gesichtspunkt an zu arbeiten. Dieses Nachgehen der Neubekehrten ging zwei oder drei Jahre weiter, bis die Navigatoren-Arbeit begann. Zu jener Zeit schloss das Programm weniger Bekehrte, aber mehr Zeit für sie ein. Bald konnte ich sagen, wie Paulus zu den Philippern sagte: „Ich danke meinem Gott bei jeder Erinnerung an euch allezeit in jedem meiner Gebete, und bete für euch alle mit Freuden wegen eurer Teilnahme am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt“ (Phil. 1,3-5). Er ging denen, die er gewonnen hatte, im täglichen Gebet und durch die Gemeinschaft nach. Dann konnte er sagen: „Ich bin ebenso in guter Zuversicht, dass der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, es vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi“ (Phil. 1,6).
Der siebte Vers dazu lautet: „So ist es für mich recht (angemessen), dass ich dies im Blick auf euch alle denke, weil ich ich euch in meinem Herzen habe …“
Bis dahin hatte ich vergessen, den Leuten nachzugehen, die Gott durch mich erreicht hatte. Aber von da an begann ich, mir dazu Zeit zu nehmen. Darum erkannte ich auch einige Zeit später, wie wichtig es war, als dieser erste Matrose zu mir kam, dass ich drei Monate Zeit mit ihm verbrachte. Isaak hatte Jakob und Jakob die zwölf Söhne und der ganze Rest des Volkes kam durch sie.
Gottes Werk braucht Zeit
Du kannst in einer Zeit von zwanzig Minuten bis zu einigen Stunden einen Menschen zu Christus führen. Aber es dauert zwanzig Wochen bis viele Jahre, bis er geistlich reif wird und Sieg über Sünde und die immer wieder auftretenden Probleme bekommt. Er muss lernen, wie er die rechten Entscheidungen zu treffen hat. Er muss vor den verschiedenen „Ismen“ gewarnt werden, die sehr wahrscheinlich mit ihren Polypenarmen nach ihm greifen, um ihn zu ziehen und auf Abwege zu bringen.
Aber wenn du einen Mann gewonnen hast, hast du deinen Dienst verdoppelt – ja, du hast ihn mehr als verdoppelt. Weißt du warum? Wenn du deinen Mann unterrichtest, sieht er, wie man es macht, und er ahmt dich nach.
Wenn ich Pfarrer einer Kirche wäre und Helfer und Gemeindeälteste hätte, die den Kollektenteller durch die Reihen geben, und Chormitglieder, die singen, würde ich sagen: „Gott sei Dank für eure Hilfe. Wir brauchen euch. Dem Herrn sei Dank für diese zusätzlichen Dinge, die ihr tut.“ Aber ich würde immer wieder die große Aufgabe betonen: „Seid fruchtbar und mehret euch.“ All die anderen Dinge sind Nebensache im Vergleich zu der großen Aufgabe, einen Mann, eine Frau zu Jesus Christus zu führen und ihnen dann weiterzuhelfen.
Wo ist dein Mann? Wo ist deine Frau? Hast du jemand? Du kannst Gott um jemand bitten. Erforsche dein Herz. Frag den Herrn: „Bin ich geistlich unfruchtbar? Wenn ja, warum?“
Lass nicht deinen Mangel an Wissen im Wege stehen, die Verlorenen zu gewinnen. Es war früher der Plan der Navigatoren, dass jedes Mal, wenn die Matrosen bei uns zum Essen waren, jeder Junge am Schluss der Mahlzeit gebeten wurde, einen Vers zu zitieren.
Ich sagte das etwa so: „Zitiere einen Vers, den du in den letzten 48 Stunden gelernt hast, wenn du einen gelernt hast. Wenn nicht, nenne uns einfach sonst einen Vers.“ An einem Abend, als wir reihum Verse aufsagten, kam meine kleine dreijährige Tochter an die Reihe. Neben ihr saß ein neuer Matrose, der nicht daran dachte, dass sie seine Schriftstelle zitieren würde. So begann er, ohne ihr eine Gelegenheit zu geben. „Ich bin doch auch ein Mensch.“ Er hörte auf, und sie wiederholte Joh. 3,16 auf ihre eigene Weise. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzig verlorenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Dabei betonte sie „alle“.
Zwei Tage später kam der Matrose zu mir und sagte: „Wissen Sie, ich wollte gerade diesen Bibelvers zitieren. Ich wusste nur den einen. Aber ich kannte ihn nicht wirklich, bis die kleine Ruth ihn aufsagte. Als sie „alle“ sagte, dachte ich: Damit bin ich gemeint. Ich nahm an Ort und Stelle den Herrn an.“ Heute ist dieser junge Mann ein Missionar in Südamerika.
Wir waren schon einige Jahre verheiratet und meine Schwiegereltern kannten den Herrn noch nicht. Auch hier gebrauchte Gott wieder Kinder, um hungrige Herzen zu erreichen. Als Ruthie drei und Bruce fünf Jahre alt waren, machten sie einen Besuch bei Großvater und Großmutter. Großvater versuchte, sich von ihnen Kinderreime aufsagen zu lassen. Als er einiges zitierte, wie z.B. „Paulinchen“, sahen sie ihn nur an und fragten: „Wer ist Paulinchen?“ Er dachte, sie wüssten nicht gerade viel.
Ihre Mutter sagte: „Sie wissen schon einiges. Bruce, sage mal Römer 3,23 auf.“ Bruce tat es. Dann fragte er: „Soll ich noch einen aufsagen, Opa?“
„Sicher“, sagte der Opa.
Bruce begann, Bibelverse aufzusagen, etwa fünfzehn an der Zahl und Ruth zitierte einige zwischendurch. Großvater freute sich darüber. Er brachte die beiden zu den Nachbarn, den Tanten und den Onkels und zeigte ihnen, wie gut diese Kinder die Bibel kannten. Inzwischen tat das Wort Gottes sein Werk. Es dauerte nicht lange, bis der Heilige Geist durch die Stimme der kleinen Kinder die Saat in die Herzen der Großeltern senkte. „Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet . . .“ (Ps. 8,3).
Seelengewinner sind nicht darum Seelengewinner, weil sie viel wissen, sondern weil sie Einen kennen und Ihn gut kennen, und sich danach sehnen, dass auch andere Ihn kennen lernen.
„Aber ich habe Angst“, sagt vielleicht jemand. Denke daran: „Menschenfurcht stellt eine Falle; wer aber auf den Herrn vertraut, ist in Sicherheit“ (Spr. 29,25). Nichts außer Sünde, Unreife und Mangel an Gemeinschaft kann dich davon abhalten, dich zu vermehren. Weiterhin gibt es nichts, was ein neugeborenes geistliches Kind davon abhalten kann, mit dem Herrn zu gehen, wenn es geistliche Eltern hat, die für es sorgen und ihm die geistliche Nahrung geben, die Gott für es bereitet hat.
Wirkungen folgen den Ursachen nach unwiderstehlichen Gesetzen. Wenn du den Samen des Wortes Gottes säst, wirst du auch Frucht ernten. Nicht jedes Herz wird das Wort aufnehmen, aber manche werden es aufnehmen und es kommt zur Wiedergeburt. Wenn eine Seele geboren ist, dann gib ihr die Pflege, die Paulus den Neubekehrten gab. Paulus erkannte den Wert der Nacharbeit. Er war ein beschäftigter Evangelist, aber er nahm sich die Zeit zur Nacharbeit. Das Neue Testament besteht zu einem großen Teil aus Briefen des Paulus, die Nacharbeitsbriefe an die Gläubiggewordenen waren.
Jakobus sah den Wert der Nacharbeit. In Jak. 1,22 sagte er: „Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein.“ Petrus sah die Notwendigkeit, denn er sagte: „Seid begierig nach der vernünftigen, unverfälschten Milch wie die neugeborenen Kinder, damit ihr durch sie wachset zur Rettung“ (1. Petr. 2,2). Johannes erkannte die Notwendigkeit. Er schrieb: „Ich habe keine größere Freude als die, dass ich höre, wie meine Kinder in der Wahrheit wandeln“ (3. Joh. 4). All die Briefe von Petrus, Paulus und Jakobus und die meisten Schriften des Johannes sind Nahrung für die jungen Christen.
Während des ersten Jahrhunderts breitete sich das Evangelium ohne Radio, Fernsehen oder Presse durch die damals bekannte Welt aus und das alles, weil diese Neugeborenen wieder andere zeugten. Aber heute haben wir eine Menge Leute, die nur auf den Kirchenstühlen sitzen und denken, sie täten ihr Bestes, wenn sie nur treu in ihrem Kirchenbesuch wären, großzügige Gaben in den Opferteller legten und andere Leute einlüden.
Wo ist dein Mann? Wo ist deine Frau? Wo ist dein Junge? Wo ist dein Mädchen? Jeder von uns, ganz gleich, wie alt wir sein mögen, sollte sich daranmachen, Bibelverse auswendig zu lernen. In einer Sonntagsschulklasse beendeten eine 72jährige und eine 78jährige Frau den Navigatorenkurs. Dann hatten sie etwas zu geben.
Fülle dein Herz mit dieser kostbaren Saat. Dann wirst du erleben, wie Gott dich zu Menschen führt, die du zu Christus führen kannst. Es gibt viele Herzen, die auf das Evangelium warten.
target=“_blank“ title=“Dawson Trotman – Für andere Leben“>
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