Gemeinde & Mission

Hilfe! Ich will Missionar werden!

von Kosin Fred

Ein offener Brief an einen zukünftigen Missionar. Fred Kossin


(Fred Kossin und seine Frau sind seit vie­len Jahren mehrere Monate im Jahr un­terwegs, um Missionaren auf den ver­schiedensten Missionsfeldern beizuste­hen. Dadurch hat Fred einen guten Einblick in die Situation der Weit­mission.)

Lieber Harald!

Vielen Dank für Deinen netten Brief. Du hast um Information gebeten, wie Du Missionar werden kannst. Ich habe viel darüber nachgedacht, denn ich wollte nicht nur Deine Fragen beant­worten, sondern Dir auch meine Gedanken zu dem Thema mitteilen. Ich möchte Dich ermutigen, was Mission betrifft, aber ich will Dir auch helfen den Zusammenhang von Gemeinde und Mission zu sehen, damit Du Dich langfristig vorbereiten kannst, für eine lange Mitarbeit in der Mission. Deshalb hoffe ich, dass Du Dir Zeit nimmst, den Brief zu Ende zu lesen und mir dann Deine Meinung über diese Dinge mit­teilst.

Das Ende unseres Jahrtausends naht. Damit haben auch die intensiven Ver­suche zugenommen, jeden jungen Christen für das Missionsfeld zu wer­ben. Mehr als ein Dutzend Strategien zur Evangelisation der Welt bis zum Jahr 2000 wurden vorgelegt. Aber wer soll gehen?

Bis jetzt hat die Gemeinde des zwan­zigsten Jahrhunderts ihre Hauptan­strengung darauf gerichtet, junge Menschen dafür zu werben. Gesell­schaften und Einzelpersonen richten ihren Aufruf an junge Leute, weil sie Kraft haben und Begeisterung, weil sie noch ein gutes Gedächtnis haben, um schnell eine Sprache zu lernen und sich gut an eine fremde Kultur anpassen können. Außerdem liegt noch das ganze Leben vor ihnen, das sie nun auf dem Missionsfeld verbringen können. In vie­len Ländern wurden Teams von jungen Leuten mobilisiert, Verheiratete und Ledige; eine Vielzahl von Aktivitäten wurde begonnen, die jugendliche Aus­dauer erfordern. Der Missionsauftrag soll bis zum Ende des Jahrhunderts aus­geführt sein. Eine der Hauptattraktion für die jungen Leute ist eine zeitlich begrenzte Mitarbeit in der Mission, die von ein paar Tagen bis hin zu ein paar Jahren reicht.

Die Vorteile der Jugend in diesem aufre­genden Plan überwiegen, und die älte­re Generation der Christen darf für die­se Abenteuer beten und bezahlen. Aber die Nachteile der Jugend sollten im Licht von Gottes Wort untersucht werden, wenn wir sie schon als Hauptquelle für Mitarbeiter benutzen, um dem Missionsauftrag zu gehorchen.

Statt zu fragen: „Wer soll gehen?“ soll­ten wir uns tragen: „Wer ging?“ Eine einfache Untersuchung der Evangeli­sation in den Berichten des NT bringt uns bald zu Apostelgeschichte 13. Durch den Ruf des Herrn begann die Missions­bewegung der jungen Gemeinde. Bis jetzt haben die Gemeinde und die Missionsgesellschaften das Vorbild von vielen Missionsaktivitäten, die im NT durchgeführt wurden, als untragbar und als unpassend für unser Jahrhun­dert verworfen. Das Ziel der heutigen Evangelisation ist, die Aufgabe zu erle­digen. Aber die Mittel, wodurch dieses Ziel erreicht wird, werden selten an der Heiligen Schrift gemessen. Der Ruf Gottes erging in Apg 13 deutlich an die Gemeinde, und betraf Saulus und Barnabas.

„Es waren aber in Antiochien, in der dortigen Versammlung, Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Kyrene, und Manaen, der mit Herodes, dem Vierfür­sten, auferzogen war, und Saulus. Während sie aber dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir nun Barnabas und Saulus zu dem Werke aus, zu welchem ich sie be­rufen habe. Da fasteten und beteten sie; und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie. Sie nun, ausge­sandt von dem Heiligen Geist, gingen hinab nach Seleucia, und von dannen se­gelten sie nach Zypern.“ Apg 13, 1-4.

Wir liegen völlig richtig mit dem Schluss, dass der Ruf des Herrn sich an die Leiter der örtlichen Gemeinde richtete, und dass einige der Leiter gehen sollten. Die Jünger und Apostel hatten die Leitung der jungen Gemeinde übernommen und hatten sich selbst als Propheten und Lehrer erwiesen. Im Lauf dieser wichti­gen Jahre hatten sie in der örtlichen Gemeinde Erfahrungen gesammelt. Dadurch hatten sie eine feste Grundlage für den weiteren Dienst in der Mission. Zu ihren Aufgaben hatten Reisen gehört, mit Dienst in fremden Ländern, um dort Gemeinden zu gründen und um die zu ermutigen, die jung im Glauben waren. Hat der Heilige Geist Saulus und Barnabas nicht gerade wegen diesen Fähigkeiten als Leiter ausgewählt? Zu­sätzlich zu ihren Fähigkeiten als Leiter hatten die beiden diese Fähigkeiten auch anderen in der Gemeinde vermit­telt, und so den Herrn veranlasst, sie für diesen Dienst auszuwählen.

Oft fehlt leider genau diese Eigenschaft bei den jungen Leuten, die heute als Missionare hinausgesandt werden. Ein junger Christ mag diese Eigenschaften besitzen, aber sie sind nicht so weit ent­wickelt, wie bei diesen beiden Leitern der Gemeinde in Antiochien. Dadurch wird es nötig, dass Fähigkeiten des Leitens auf dem Missionsfeld entwickelt werden anstatt in der örtlichen Ge­meinde. Diese Entwicklung der Gaben kann dort eine sehr negative Auswir­kung auf das Werk des Herrn haben. Wenn ein junger Christ aber seine Ausbildung und die Gelegenheit zum Leiten in der örtlichen Gemeinde des Heimatlandes bekommt, würde er bes­ser ausgerüstet sein, um auf dem Missionsfeld zu dienen: als Leiter anstatt als werdender Leiter.

In der Eile, die Welt zu evangelisieren, wird oft noch ein anderer Grundsatz vergessen: Gottes wichtigstes Ziel ist, unseren Charakter dem Herrn Jesus ähnlich zu machen. Oft werden unfähi­ge und unreife Leute angeworben, um die Aufgabe zu erfüllen. Das Erledigen der Aufgabe ist dann wichtiger, als dass die Aufgabe in Übereinstimmung mit Gottes Plan getan wird, in uns die Reife des vollen Wuchses des Christus hervor­zubringen. Wie oft bemerkt wurde: „Dem Herrn geht es mehr darum, was er in mir tut, als was er durch mich tut.“ Es ist einfach, das zu zitieren, aber schwierig, danach zu leben.

Zwei Punkte müssen untersucht werden, damit wir verstehen, warum wir heute diesem Missstand in der örtlichen Gemeinde gegenüberstehen. Zuerst müssen wir das Vorgehen untersuchen, wie junge Leute hinausgesandt werden, bevor sie Leiter geworden sind. Danach wollen wir untersuchen, wie wir das ändern können,

Missionare, Missionsgesellschaften und Leiter von Gemeinden sehen ihre Verantwortung aus oben genannten Gründen darin, jungen Leuten das Missionsfeld zu zeigen, entweder als eine gute Möglichkeit, oder als Gottes Ruf oder als Berufsalternative, für einen Teil ihres Lebens oder für den Rest. Wegen diesem Drängen denken junge Leute, dass sie dem Herrn ihre Jugend und Kraft sofort im vollzeitlichen Dienst weihen müssen. Viele melden sich auf Missionskonferenzen, auf Bibelschulen oder sogar bei Besuchen auf dem Feld. Die Vision vom Dienst und das Abenteuer des Reisens, zusammen mit den Aufgaben, die ihnen eine Missionsgesellschaft überträgt, erzeugen ein emotionales und geistliches Hochgefühl, dass sie für den Dienst in Übersee bereit macht. Die Anforderungen sind für junge Leute relativ leicht zu erfüllen: Verbindungen abbrechen, Brücken abbrennen, Unsicherheit akzeptieren und die Familie verlassen. Die finanziellen Kosten sind für einen Ledigen viel geringer als für eine Familie mit vier oder fünf Kindern. Wenn dann die jungen Leute die örtliche Gemeinde verlassen und ernst und bewegend verabschiedet wurden, so denken die Leiter der Gemeinde, dass sie den Auftrag Gottes erfüllt haben, Mitarbeiter in die Ernte zu senden.“.

Die Angelegenheit wird dadurch noch komplizierter, dass in der Gemeinde keine Leiter ausgebildet werden. Viele Missionsgesellschaften werden ehrlicherweise zugeben, dass es große geistliche, emotionale und psychologische Probleme gibt, wenn man die Mitarbeiter für die Mission hauptsächlich aus Jungen gewinnt. Die Missionare haben das Notwendige nicht in der Gemeinde gelernt. Das muss nun auf dem Feld nachgeholt werden, und man bezahlt dafür einen hohen Preis an Zeit, Tragödien und Ausfällen. Leider gibt es in der Gemeinde oft keine Gelegenheiten, diese Fähigkeiten zu entwickeln und zu benutzen.

Vieles in der Gemeinde gleicht dem Bild in unserer Gesellschaft. Der sprichwörtliche „Deckel auf dem Glas“ hält die jungen Leute davon ab, langsam an die Spitze zu steigen. Auch in der Gemeinde hat sich die Leiterschaft verbarrikadiert, und jeder junge Mitarbeiter wird als Angriff auf die eigene Position gesehen. Dies gilt besonders in den Gemeinden, wo mehr Mitarbeiter in die Leiterschaft aufgenommen werden, ohne dass regelmäßig Leiter ausscheiden. Weil es in der Gemeinde keine Möglichkeiten gibt, weiterzulernen, suchen die Jungen einen Ausweg. Sie nutzen eine von zwei Möglichkeiten: Entweder verlassen sie ihre örtliche Gemeinde, um in einer anderen Gemeinde in einem Bereich mitzuarbeiten, den sie sich wünschen. Oder sie verlassen ihre Gemeinde, um auf dem Missionsfeld zu dienen, in Verbindung mit einer Missionsgesellschaft, einer nebengemeindlichen Organisation oder irgendeinem Hilfswerk. In den meisten dieser Organisationen sind Möglichkeiten vorgesehen, die Leiterschaftsfähigkeiten zu trainieren. In der örtlichen Gemeinde gibt es diese Möglichkeiten leider nicht. Denn wenige Älteste und Diakone sehen ihre .Aufgabe darin, ein gesundes Klima für das Ausbilden ihrer Jungen zur Verfügung zu stellen. Die Alternativen sind attraktiv und scheinen nötig, um junge Leute auf den Dienst vorzubereiten. Viel Gutes wurde durch das geplante Vorgehen von Missionsgesellschaften erreicht, die junge Leute ausbilden.

Aber die örtliche Gemeinde ist die ideale Lehrwerkstatt, um Reife zu erlangen.

Hier wird man mit den Problemen kon­frontiert, die uns zwingen, die Schrift nach Lösungen zu untersuchen und sie auf das eigene Leben und das Leben der Geschwister anzuwenden, für die sie verantwortlich sind. Die Leiterschaft einer Gemeinde wird sich mit den ver­schiedensten Problemen auseinander­setzen müssen: Schwangerschaft bei Ledigen, Heirat, Familie, Kinder, Abtrei­bung, Scheidung, Wiederheirat, Alter, Geburten, Tod, Krankheit, alternativer Lebensstil, Rollen in der Familie, eine Unzahl von Lehrfragen, Wiedergeburt, Rückfall, Gemeindezucht, Wiederher­stellung, Beziehungen zwischen Gemeindegliedern, Bitterkeit, Kränkun­gen, Finanzen und viele andere Be­reiche der Gemeindearbeit. Eine der wichtigsten Eigenschaften, die man da­bei erwirbt ist die Fähigkeit, mit andern Leitern harmonisch zusammenzuarbei­ten und gut miteinander auszukom­men. Das meiste davon wird den jungen Leuten vorenthalten, welche die Ge­meinde zum Dienst in der Mission ver­lassen. Aber wenn er oder sie auf dem Feld ankommen, werden diese Proble­me auf sie einstürmen wie eine gerüste­te Armee. Und weil er oder sie „Missio­nar“ ist, wird erwartet, dass sie Ant­worten auf diese Fragen und Probleme haben, die sich der Gemeinde auf dem Feld genauso stellen wie der Gemeinde in der Heimat.

Für die meisten jungen Missionskandi­daten gibt es nur eine oder zwei Gelegenheiten, wo sie sich mit den Leitern ihrer Gemeinde zusammenset­zen können: wenn die Ältesten einige Fragen zu ihrem Ruf in die Mission stellen, und über ihre Vorbereitungen und ihre Ziele auf dem Feld sprechen. Danach wird die Gemeinde zum Gebet und zur finanziellen Unterstützung für die Missionare aufgerufen, und dann gibt es ein Fest mit dem Abschiedsruf: „Der Herr segne Euch!“ Weil der Kandi­dat die Jugendstunde geleitet hat oder einen Bibelkurs, hat er nun die Qualifi­kation, ein Missionar zu sein. Aber in Wirklichkeit ist er nicht die Art von Leiter, die auf dem Feld gebraucht wird oder die das Vorbild des Neuen Testaments verlangt.

Wir haben bisher das Problem bespro­chen, dass fast nur junge Leute aufs Missionsfeld gesandt werden, die uner­fahren sind. In der nächsten Folge be­schäf1igen wir uns mit der Frage, wie dieser Zustand verändert werden kann,

Fortsetzung folgt.

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Lieber Harald!

Heute möchte ich fortfahren, Deine Frage zu beantworten, wie Du Missionar werden kannst. Wir haben bisher das Problem besprochen, dass fast nur junge Leute aufs Missionsfeld gesandt werden, die unerfahren sind. In diesem Brief beschäftigen wir uns mit der Frage, wie dieser Zustand verändert werden kann. Das Problem leuchtet so hell, dass viele Leiter in der Gemeinde davon blind geworden sind. Die Antwort ist relativ leicht zu Papier zu bringen: Sendet die Leiter der Gemeinde aus, wie man es im Neuen Testament tat. Aber das ist keine belieb­te Botschaft! Dieses Vorbild des NT ist schwer einzuführen und die verschie­densten Argumente werden sich in un­serem Herzen und Verstand auftürmen wie ein Heer von Riesen. Wie wird ein älteres Ehepaar die Sprache lernen? Es wird viel schwieriger sein, Brücken ab­zubrechen und Verbindungen aufzuge­ben. Sie sind auf dem Höhepunkt des Lebens! Der Kulturschock wird viel größer sein. Was ist mit der Sicherheit, die sie durch ein festes Einkommen und Versicherungen genießen? Sie werden zu Hause so dringend gebraucht. Wie wird die Gemeinde überleben, wenn die Leiter gehen? Diese Fragen und ein Dutzend ähnliche haben die Gemeinde veranlasst, das Muster des Neuen Testa­ments zu verlassen und nicht mehr ihre Leiter, Ältesten, Hirten und Diakone auf das Missionsfeld zu senden.

Zwei sehr wichtige Probleme könnten gelöst werden, wenn die Ältesten oder Leiter der Gemeinde auf das Missionsfeld gesandt würden. Erstens werden auf dem Feld dringend Leiter gebraucht, und wir würden Ehepaare senden, die diese Fähigkeiten und Erfahrungen haben. Zusammen mit den anderen Leitern in der Gemeinde haben sie sich schon durch die meisten oder durch alle Punkte durchgearbeitet, die wir oben besprochen haben. Dazu gehören Heirat, Familie, Kinder, Abtreibung, Scheidung, Wiederheirat, Alter, Geburten, Tod, Krankheit, Lehrfragen, Rückfall, Gemeindezucht, Wiederherstellung, Bitterkeit, Kränkungen. Sie haben die Schrift danach untersucht und Lösungen gefunden. Eine der wichtigsten Eigenschaften, die sie sich dabei erworben haben, ist die Fähigkeit, mit andern Leitern harmonisch zusammenzuarbeiten und gut miteinander auszukommen.

Sie haben jetzt Erfahrung und sind gereift durch die vielen Jahre, in denen sie die Herde gehütet haben. Dadurch sind sie geeignet, auf dem Missionsfeld Leiteraufgaben zu übernehmen. Vielleicht haben sie fünfzehn Jahre in der Leitung der Gemeinde zu Hause mit- gearbeitet. Das hat unschätzbaren Wert. Sie sind jetzt gut ausgerüstet, um draußen geistliche Leiter zu sein. Sie haben Ihre Kinder erzogen und haben Erfahrung, auf diesem Gebiet etwas zu sagen. Als Leiter sollte ihr Leben ein ~ Vorbild für alle sein. Anstatt selbst noch nach ihrer Identität zu suchen oder nach Erfüllung, können sie denen helfen, die diesen Problemen gegenüberstehen. Es gibt keine Abkürzung, um diese Fähigkeiten als Leiter zu entwickeln. Man kann sie entweder zu Hause erlernen in der Umgebung einer örtlichen Gemeinde, oder auf dem Missionsfeld. Aber dort ist der Schaden an den Unreifen viel größer, sowohl an einzelnen als auch an der Gemeinschaft. Es  scheint, dass nach dem Beispiel des Neuen Testaments diese Fähigkeiten in der Heimatgemeinde erworben werden sollten. Natürlich lernte Timotheus (über dreißig Jahre alt) in den Fußstapfen von Paulus. Seine Entwicklung unter Pauli Einfluss kann nicht in Frage gestellt und sollte nachgeahmt werden. Das ist eine wichtige Verbindung zwischen jung und alt und ist ein anderes Thema.

Zweitens, wenn wir die Ältesten oder Leiter aussenden, würden wir Platz in der Leiterschaft schaffen, in den junge Leute nachrücken können. So können auch sie die Fähigkeiten erlernen, und zu Leitern werden, indem sie ihre natür­lichen und geistlichen Gaben entwickeln und benutzen. Auf diese Weise würden in der Gemeinde andauernd neue Leiter entstehen. Das sollte das große Ziel jeder Gemeinde sein! In der örtlichen Gemeinde würde eine Parade von Leitern stattfinden: Leiter entstehen und werden vom Heiligen Geist und der Gemeinde ausgesandt. In Harmonie und unter der Anleitung der Leiter, die nicht ausgesandt wurden, entstehen neue Leiter. Der Lehrplan, den der Herr zur Förderung dieser Leiter benutzt, findet sich im NT und muss auf die jeweilige Situation der Gemeinde angewendet werden. Leider können wir uns die posi­tive Auswirkung davon nur vorstellen, weil es sehr wenige Gemeinden gibt, die das praktizieren. Antiochien war weiter­hin eine geistlich starke Gemeinde, ob­wohl die Leiter als Missionare ausge­sandt wurden.

Die Folgen für den einzelnen und das Missionsfeld wären enorm. Weil die Gemeinde erfahrene Leiter aussendet, wird ihre Brauchbarkeit auf dem Feld deutlich verbessert. Sie haben eine Vielzahl von Problemen durchgearbei­tet, als sie ihre Kinder erzogen haben, die Kunst der Evangelisation erlernten. Sie kennen die Freude des Dienstes, die Kosten der Nachfolge, den Kampf des Gebets, den Wert von Geld, die Notwendigkeit von Gemeinschaft, die Freude des Bibelstudiums, die Liebe zu den Verlorenen, den Sinn von Gemeinde, die Wichtigkeit eines Berufs, den Aufbau von einem guten Zeugnis, den Kampf um geistlichen Sieg, die Liebe zum Partner, den Preis von harmo­nischer Zusammenarbeit, die Zentralität von Anbetung und eine Unzahl von wei­teren Lektionen, die der Herr selbst ih­nen beibringt, als ihren persönlichen Lehrplan zur Leiterschaft. In einem Wort: sie sind bewährt.

Diese fünfzehn oder zwanzig Jahr der Vorbereitung im Heimatland sind nicht verschwendet. Dieselbe Ausbildung gab der beste der Lehrer dem Mose. Christus wählte es sich selbst so, als er sich auf drei Jahre Dienst als Herr und Retter vor­bereitete. Paulus berichtet, dass er eine Ausbildungszeit von vierzehn Jahren hatte, zum Teil in der Wüste. Während dieser ausgedehnten Zeit des Trainings werden die Missionare nicht nur die Dinge erleben, die das NT als Laufbahn für Leiter vorsieht. Sie können in dieser Zeit auch eine Sprache lernen, die Kultur studieren, und andere nötige Vorbereitungen, die ihnen bei der Ankunft auf dem Feld helfen können im geistlichen Kampf, bei der sozialen Eingliederung, im praktischen Dienst und in anderen Dingen, die Gott mit ihnen in dem Land vorhaben mag. Es sollte für ein junges Paar nicht unge­wöhnlich sein, dass sie den Ruf Gottes in die Mission hören und dann dem Herrn und den Leitern erlauben, in ihnen die Reife zu fördern, die sie brauchen, um in einem fremden Land zu dienen. Diese Ausbildung mag ein Dutzend oder mehr Jahre dauern und kann sorgfältig be­treut werden. Diese Zeit kann sehr gut genutzt werden, um zusammen eine Fremdsprache zu lernen, das Land zu studieren und als Familie für die Leute dort zu beten. Diese gemeinsame Vorbereitung kann Fähigkeiten ausprä­gen, und die Hingabe zum Herrn, zuein­ander und zu den Menschen vertiefen. Wenn die Missionare aufs Feld hinausge­hen, sind sie in der Gemeinde gut be­kannt und die Glieder der Gemeinde ha­ben ein lebendiges und aktives Interesse an ihnen und an ihrer Arbeit. Die ver­breitete und oft unangenehme Alter­native, durch Gemeinden zu reisen und einen Kreis zur Unterstützung aufzu­bauen, würde vermieden.

Das kirchliche System, das die Leiterschaft von einem Pastor fördert, macht die Umsetzung dieses Musters aus dem NT sehr schwierig. Der Pastor arran­giert die Aktivitäten und die Leiterschaft meist um sich herum. Die meisten Pastoren haben es sicher nicht als ober­stes Ziel, von der Gemeinde als Missionare ausgesandt zu werden. Wenn der Pastor in die Außenmission geht, verliert er die finanzielle Unter­stützung, außer wenn seine Gemeinde diese Rolle übernehmen würde. Wenn der Pastor in die Mission geht, würde man unglücklicherweise einen Ersatz von außerhalb der Gemeinde suchen. Gewöhnlich würde ein neuer Pastor ein­geladen, und so wird das Vakuum künstlich gefüllt, das sonst den Nachwuchs aus der Gemeinde selbst anregen würde. Diese Entwicklung wird verhindert.

Viele Leiter und Älteste haben sich in der Leiterschaft etabliert, und haben aufge­hört weiterzuwachsen. Sie haben auch oft die Vision dafür verloren, andere für den Hirtendienst und die Leiterschaft auszubilden. Eine große Anzahl von Leitern fühlt sich von der Möglichkeit bedroht, dass junge Leute kommen und die Zügel in der Gemeinde übernehmen. Es ist schwierig für Älteste, die Autorität aufzugeben, die sie so viele Jahre inne­hatten, weil sie fürchten, dass die Ge­meinde von dem eingeschlagenen Weg abweichen wird. Man muss verstehen, dass die Ältesten, die die Leitung an eine jüngere Generation übergeben, nicht die Verantwortung dafür tragen, wohin diese die Gemeinde führt.

Den Leitern heute fehlt eine wichtige Gnadengabe: die Fähigkeit zur Seite zu treten, wenn sie aufgehört haben, den Hirtendienst auszuüben. Und der Mut, den man braucht, um in der Reife des Lebens aufs Missionsfeld zu gehen, exi­stiert heute kaum noch. Diese beiden Mängel machen die Gemeinde schwach in der Leiterschaft, und in der Entwicklung von Leitern, die wie Paulus und Barnabas in Apg 13 ausgesandt wurden, um dem Herrn zu dienen.

Wenn wir zum biblischen Muster zurück­kehren, die Leiter von Gemeinden aus­zusenden, würde dadurch eine viel brauchbarere Armee von Dienern in der Mission arbeiten. Die Gemeinde, die ihre Leiter aussendet, würde innerlich ge­stärkt und hätte neue Ziele. Die Missionsfelder würden befreit von einer Vielzahl von Problemen, die durch unrei­fe Missionare dort entstehen.

Ich hoffe, dass Du mir folgen konntest und jetzt nicht zu verwirrt bist, mit der Antwort auf die Frage, wie Du Missionar werden kannst. Auch als junger Christ kannst Du beginnen, Dich auf den Dienst vorzubereiten, den der Herr Dir zeigt. Vergiss nicht, dass der Herr Dich führen kann, schon lange bevor Du in das Flugzeug steigst, dass Dich aufs Missionsfeld bringt. Durch eine lange Vorbereitung wird auch ein langer Dienst in der Mission gefördert. Durch die kurze Vorbereitung der Missionare kommt leider auch oft die kurze Dienstzeit auf dem Feld.

Vielen Dank für Deine Zeit. Ich wünsche mir, dass der Herr Dich in seinem Dienst benutzt, wo auch immer er Dich hinru­fen wird. Ich freue mich, bald von Dir zu hören. Es ist wirklich eine große Freude, die Lasten des Dienstes zu tragen und den Segen zu erleben, den der beste al­ler Herren gibt.

In Seinem Dienst Fred Kossin