Kindererziehung – wir wollen es besser machen
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„Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht aufnimmt wie ein Kind, wird dort nicht hineinkommen.“ (Markus 10,15)
Die praktische Frage, die mir am häufigsten von Eltern gestellt wird, ist: „Wie soll ich meinen Kindern das Evangelium erklären?“
Fast alle Eltern, die sich über diese Verantwortung Gedanken machen, fürchten sich vor Stolpersteinen, egal, ob diese Furcht begründet ist oder nicht. Auf der einen Seite besteht die Gefahr, die Botschaft zu sehr zu vereinfachen. Auf der anderen Seite wollen wir unsere Kinder nicht mit theologischen Details verwirren, die ihnen zu hoch sind. Wie sollen wir es nun anpacken? Was ist die beste Zeit dafür? In welchem Alter sind sie „alt genug“, um echten, rettenden Glauben zu haben? Was ist, wenn sie uns Fragen stellen, die wir nicht beantworten können? Woher wissen wir eigentlich, ob wir es richtig machen? Die Eltern rechnen scheinbar damit, dass sie ihren Kindern eine unvollständige oder verdrehte Botschaft übermitteln könnten. Doch es gibt keinen Grund, sich von solchen Ängsten lähmen zu lassen. Das Evangelium ist einfach und sollte auch einfach dargelegt werden. Den Eltern gehören die besten Jahre des Kindes, um ihm die Wahrheit des Evangeliums nahe zu bringen, um zu erklären, zu betonen und erneut herauszustellen. Der Schlüssel dazu ist, beim Lehren und Veranschaulichen des Evangeliums einfach treu und konsequent zu sein. Das Falscheste, was Eltern tun können, ist, aus lauter Furcht zu meinen, jemand anderes wäre ein besserer Evangelist für ihr Kind; damit geben sie ihre wichtigste Verantwortung ab, verpassen die besten Gelegenheiten, ihre Kinder zu erreichen und büßen die herrlichsten Segnungen der Elternschaft ein.
Nimm dir Zeit und sei gründlich
Ich möchte einen grundsätzlichen Rat geben: Bedenke, dass es ein langfristiger Vollzeitjob ist, deine Kinder zu Christus zu führen. Es ist die wichtigste Verpflichtung, die Gott dir als Elternteil auferlegt hat. Sei gründlich! Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, dass Eltern für ihre Kinder das Evangelium abschwächen oder verkürzen sollen. Die Eltern haben mehr Zeit als andere, um gründlich und verständlich zu sein, um zu erklären und zu illustrieren, auf Rückmeldungen zu hören, Missverständnisse zu korrigieren und das Schwierige zu erklären und zu wiederholen. Das ist der bestmögliche Rahmen für die Verkündigung des Evangeliums. Weise Eltern werden treu, geduldig, beharrlich und gründlich sein. Genau das ist es, was die Schrift von allen Eltern fordert: „Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein. Und du sollst sie deinen Kindern einschärfen, und du sollst davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt und wenn du auf dem Weg gehst, wenn du dich hinlegst und wenn du aufstehst“ (5. Mo 6,6.7).
Denke nicht, das Evangelium passe nur zu besonderen evangelistischen Anlässen. Meine nicht, die Sonntagsschule oder Kinder-Bibelkreise vermitteln deinem Kind die nötige Wahrheit. Suche nach den vielen täglichen Gelegenheiten und ergreife sie, um im Denken deines Kindes die Wahrheit des Evangeliums zu unterstreichen und zu bekräftigen.
Verlasse dich nicht zu sehr auf die Verkündigung des Evangeliums aus der Konserve oder als fertiges Rezept. Viele der programmierten Ansätze für Kinderevangelisation lassen Schlüsselwahrheiten der Botschaft weg: Sie versäumen es, Begriffe wie Sünde oder die Heiligkeit Gottes zu erläutern. Sie sagen nichts über Buße. Dann aber erwarten sie meist irgendeine aktive Reaktion des Kindes – ein Handzeichen in der Gruppe, ein auswendig gelerntes Gebet auf dem Schoß der Mutter oder sonst irgendetwas, das als positive Reaktion gewertet wird. Danach wird das Kind als „erneuert“ angesehen und die Eltern werden angehalten, die Heilsgewissheit verbal zu vermitteln. Das hat zur Folge, dass die Gemeinde voll von Jugendlichen und Erwachsenen ist, denen die wahre Liebe zu Christus im Herzen fehlt, die aber dennoch denken, sie seien echte Christen, weil sie als Kinder irgendetwas vollzogen haben.
Tappe nicht in diese Falle hinein! Erwarte nicht, dass die erste positive Reaktion deines Kindes in einem voll entwickelten, rettenden Glauben besteht. Wenn du denkst, dass deinem dreijährigen Kind automatisch ein Platz im Himmel reserviert wird, nur weil es im Gebet Jesus einlädt, in sein Herz zu kommen, dann ist deine Vorstellung vom Glauben an Christus nicht sehr biblisch. Es stimmt zwar, dass rettender Glaube ein kindliches Vertrauen ist, und in diesem Sinne müssen alle Sünder wie kleine Kinder werden, um gerettet zu werden (Mt 18,3.4). Die Betonung in dieser Aussage liegt aber nicht auf der Unwissenheit der Kinder, sondern darauf, dass sie keine Leistungen vorzuweisen haben und völlig hilflos sind. Sie haben nichts erreicht, wofür sie im Gegenzug errettet werden „müssten“ (Phil 3,7-9). Sie sind hilflos wie ein Säugling und völlig abhängig von Gott, der ihnen alles gibt.
Auf der anderen Seite beinhaltet wahrer Glaube auch das Verstehen und Bekräftigen einiger wichtiger Gedanken, die von kleinen Kindern noch nicht erfasst werden können (Röm 10,14; vgl. 1. Kor 14,20). Das alleinige Objekt des echten Glaubens ist Jesus Christus, so wie er in den Evangelien beschrieben ist. Wie können nun Kinder wahren rettenden Glauben leben, bevor sie alt genug sind, wichtige, objektive Elemente der Wahrheit des Evangeliums zu verstehen und zu bejahen? Rettender Glaube ist kein blinder Glaube. Wirklich rettender Glaube darf unerlässliche Begriffe des Evangeliums nicht ignorieren. Es geht um Begriffe wie gut und böse, Sünde und Bestrafung, Buße und Glauben, Gottes Heiligkeit und sein Zorn über die Sünde, Christus als fleischgewordenen Gott, den Sühnegedanken und die Bedeutung der Auferstehung und der Herrschaft Christi. Das Alter, wann ein Kind reif genug ist, solche Gedanken zu begreifen, wird bei jedem Kind anders sein. (Somit gibt es keinen verlässlichen Weg, um das physische „Alter der Verantwortlichkeit“ genau festzulegen.) Wenn das Kind bis zu einem gewissen Grad rechtes Verständnis und ein bestimmtes Maß an geistlichen Früchten zeigt, sollten die Eltern die „Erneuerung“ des Kindes nicht voreilig als eine feste Sache betrachten. Andererseits darf man die kindlichen Glaubensäußerungen auch nicht als bedeutungslos oder trivial abschreiben. Eltern sollten jedes Anzeichen von Glauben in ihren Kindern fördern. Belächle sie nicht und setze sie nicht herab, wenn sie etwas nicht verstehen. Nutze die Gelegenheit, ihnen noch mehr zu erzählen. Erfülle ihren Wunsch, mehr über Christus zu lernen und ermutige jede ihrer Glaubensäußerungen. Auch wenn du meinst, es sei noch zu früh, ihr Interesse an Christus als reifen Glauben zu bezeichnen, sollst du es nicht als bloßes falsches Bekenntnis verspotten. Es könnte nämlich der Same sein, aus dem später reifer Glaube hervorgeht. Lass dich auch nicht durch Missverständnisse oder Unwissenheit entmutigen. Auch der reifste Gläubige erfasst die ganze Wahrheit nicht vollkommen. Fahre damit fort, sie im Geiste von 5. Mose 6,6.7 zu lehren.
Nichts von dem, was Eltern tun können, ist eine Garantie für die Errettung des Kindes. Wir können nicht für sie stellvertretend glauben. Wir können sie vielleicht zwingen oder manipulieren, sodass sie ein unechtes Bekenntnis ablegen. Aber echter Glaube geschieht durch Gottes Werk im Herzen des Kindes (Joh 6,44.45). Wir können ihnen vielleicht eine falsche Sicherheit einreden, doch wahrhaftige Gewissheit ist das Werk des Heiligen Geistes (Röm 8,15.16). Pass auf, dass du kein Gebiet betrittst, das nur Gott allein gehört. Lass die Hände von äußeren Anreizen, Gruppendruck, Suggestion, Anerkennungsködern, Furcht vor Ablehnung und allen anderen künstlichen Mitteln, um aus deinem Kind eine oberflächliche Reaktion hervorzulocken. Sei aber treu, geduldig und gründlich. Und nimm deine Bemühungen um die Errettung deines Kindes ins Gebet, während du dir im Klaren darüber bist, dass Gott dort sein Werk tut, wo du nichts tun kannst – im Herzen des Kindes.
Lehre sie den ganzen Ratschluss Gottes
Wie sollen wir nun im Einzelnen den Kindern das Evangelium erklären? Viele Eltern, die das fragen, suchen nach einem einfachen Rezept. Sie hätten gern einen kompakten Heilsplan, wo der Extrakt der Botschaft in vier, fünf Punkten oder möglicherweise noch weniger enthalten ist. Der heutige Evangelikalismus ist dieser Art Reduzierung des Evangeliums zu sehr zugeneigt. Ein Traktatständer in einer Gemeinde enthielt einmal folgende Titel: „Sechs Schritte zum Frieden mit Gott“, „Fünf Dinge, die Sie nach Gottes Willen wissen müssen“, „Die vier geistlichen Gesetze“, „Drei lebenswichtige Wahrheiten“, „Zwei Fragen, die du klären musst“ und „Ein Weg zum Himmel“.
Wie schon zuvor bemerkt, lassen viele dieser „Instant-Evangeliums-Pakete“ absichtlich wichtige Wahrheiten weg, wie z. B. die Buße und Gottes Zorn gegen die Sünde. Einige einflussreiche Stimmen des modernen Evangelikalismus haben tatsächlich argumentiert, dass solche und andere Wahrheiten wie die Herrschaft Christi, sein Ruf, alles zu verlassen, und die hohen Kosten der Jüngerschaft gar nicht zum Evangelium gehören. Sie sagen, dass diese Themen im Gespräch mit Ungläubigen gar nicht erst erwähnt werden sollten. Andere christliche Führer, die nach ökumenischer Einheit von Katholiken, Orthodoxen und Evangelikalen verlangen, meinen, dass wichtige Lehrfragen wie die Rechtfertigung aus Glauben und das stellvertretende Opfer nicht zu den Hauptpunkten des Evangeliums gehören. Im Endeffekt rufen auch sie nach einer „Verschlankung“ des Evangeliums. Ihre ökumenische Offenheit führt dazu, dass sie praktisch jede Art des Glaubens an Christus, egal in welcher Form, als echten rettenden Glauben bezeichnen. Somit wird außer Acht gelassen, dass das Neue Testament diejenigen verdammt, die sich zwar zum Glauben an Christus bekennen, aber die Lehre von der Rechtfertigung ablehnen oder verdrehen (Gal 1,6-9). Scheinbar sind viele Evangelikale darauf versessen, herauszufinden, wie wenig jemand von Gottes Wahrheit glauben muss, um noch in den Himmel zu kommen. Viele heutige Evangelisationsansätze haben sich danach ausgerichtet.
Aber Eltern sollten mehr als alle anderen der Versuchung widerstehen, so zu denken. Die beständige, treue und fleißige Belehrung, wie sie in 5. Mose 6,6.7 gefordert wird, passt mit so einem „Mini-Evangelium“ nicht zusammen. Das Evangelium ist die gute Nachricht von Jesus Christus. In gewissem Sinne kann man sagen:
Das Evangelium besteht aus allen Wahrheiten über ihn. Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass irgendein Aspekt biblischer Wahrheit mit dem Evangelium nicht kompatibel oder ihm fremd ist. Weil Christus in der Tat der Dreh- und Angelpunkt aller biblischen Offenbarung ist (Hebr 1,1-3), zeigt jede Wahrheit der Schrift letztendlich auf ihn. Daher ist keine Wahrheit der Schrift bei evangelistischen Aktivitäten deplatziert. Genau genommen könnte man nun sagen: Eltern, die bei der Evangelisierung ihrer Kinder gründlich sein wollen, müssen ihnen den ganzen Ratschluss Gottes verkündigen und Acht geben, dass sie die Verästelungen des Evangeliums in der gesamten Wahrheit aufzeigen. Das, so meine ich, ist der wahre Geist dessen, was 5. Mose 6,6.7 verlangt. Ein Rezept kann möglicherweise ohnehin nicht den Bedürfnissen jeder einzelnen unerretteten Person entsprechen. Den Unwissenden muss man sagen, wer Christus ist und warum er die einzige Hoffnung auf Errettung ist (Röm 10,3). Die Sorglosen müssen mit der Wirklichkeit des bevorstehenden Gerichts konfrontiert werden (Joh 16,11). Die Furchtsamen müssen erfahren, dass Gott gnädig ist und am Tod des Gottlosen keinen Gefallen hat, sondern den Sünder bittet, zu ihm zu kommen und Gnade zu empfangen (Hes 33,11). Den Feindseligen muss man klarmachen, wie vergeblich es ist, dem Willen Gottes zu widerstehen (Ps 2,1-4). Den Selbstgerechten muss man durch die Forderungen von Gottes Gesetz ihre Sünde aufzeigen (Röm 3,20). Die Stolzen müssen hören, dass Gott Hochmut hasst (1. Petr 5,5). Alle Sünder müssen verstehen, dass Gott heilig ist, und dass Christus an Stelle des Sünders alle Anforderungen von Gottes vollkommener Gerechtigkeit erfüllt hat (1. Kor 1,30). Jede Darstellung des Evangeliums sollte eine Erklärung des stellvertretenden Opfers Christi für die Sünde enthalten (1. Kor 15,10). Und die Botschaft ist kein Evangelium, wenn sie nichts von seinem Begräbnis und seiner sieghaften Auferstehung sagt (1. Kor 15,4.7).
Unterstreiche die grundlegendsten Lehren des Evangeliums
Neben der Verpflichtung zur Gründlichkeit müssen Eltern auch darauf achten, gewisse Wahrheiten hervorzuheben, die für ein rechtes Verständnis des Evangeliums besonders wichtig sind. Hier sind ein paar Tipps, die dir helfen, auf Kurs zu bleiben:
Lehre sie Gottes Heiligkeit
„Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang“ (Ps 111,10; Hiob 28,28; Spr 1,7; 9,10; 15,33; Pred 12,13; Mi 6,9). Damit ist nicht eine zaghafte Ängstlichkeit gemeint, auch nicht eine Art Furcht, die Gottes Zorn für launisch hält. Vielmehr bedeutet es eine ergebene, ehrerbietige Furcht davor, Gottes Heiligkeit zu beleidigen, und basiert auf einem rechten Verständnis Gottes als einem, der „zu reine Augen [hat] um Böses mit ansehen zu können“ (Hab 1,13).
Gott ist vollkommen heilig und sein Gesetz fordert deshalb völlige Heiligkeit.
„Denn ich bin der HERR, euer Gott. So heiligt euch und seid heilig, denn ich bin heilig! Und ihr sollt euch selbst nicht unrein machen … so sollt ihr heilig sein, denn ich bin heilig“ (3. Mo 11,44.45). „Denn er ist ein heiliger Gott, er ist ein eifersüchtiger Gott. Er wird euer Vergehen und eure Sünden nicht vergeben“ (Jos 24,29). „Keiner ist so heilig wie der HERR, denn außer dir ist keiner. Und kein Fels ist wie unser Gott“ (1. Sam 2,2). „Wer vermag vor dem HERRN, diesem heiligen Gott, zu bestehen“ (6,20)? „Der HERR ist in seinem heiligen Palast, der HERR – in den Himmeln ist sein Thron. Seine Augen schauen, seine Augenblitze prüfen die Menschenkinder. Der HERR prüft den Gerechten; aber den Gottlosen und den, der Gewalttat liebt, hasst seine Seele. Er lässt Schlingen, Feuer und Schwefel regnen auf die Gottlosen. Glutwind ist ihres Bechers Anteil. Denn gerecht ist der HERR. Gerechte Taten liebt er. Aufrichtige schauen sein Angesicht“ (Ps 11,4-7). „Seid heilig, denn ich bin heilig“ (1. Petr 1,16). „Jagt dem Frieden mit allen nach und der Heiligung, ohne die niemand den Herrn schauen wird“ (Hebr 12,14).
Da Gott heilig ist, hasst er die Sünde. „Du sollst dich vor ihnen [den falschen Göttern] nicht niederwerfen und ihnen nicht dienen. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern, an der dritten und vierten Generation von denen, die mich hassen“ (2. Mo 20,5). „Denn du bist nicht ein Gott, der an Gottlosigkeit Gefallen hat, bei dir darf ein Böser nicht weilen“ (Ps 5,5). „Gott ist ein gerechter Richter und ein strafender Gott an jedem Tag“ (Ps 7,12).
Sünder können vor ihm nicht bestehen. „Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten“ (Ps 1,5). „Verblendete dürfen nicht vor deine Augen hintreten; du hassest alle, die Frevel tun“ (Ps 5,6). „Wer darf hinaufsteigen auf den Berg des HERRN und wer darf stehen an seiner heiligen Stätte? Der unschuldige Hände und ein reines Herz hat, der seine Seele nicht auf Falsches richtet und nicht schwört zum Betrug“ (Ps 24,3.4).