In Armut hinausgehen
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Seit 1993 dienen George und Nancy Sturm, ausgesandt von den Gläubigen in Marne (Michigan, USA) in Albanien. Der Sturz ihres Sohnes Joel im August 1996 von einem Balkon im 2. Stock ist vielen Betern zu Herzen gegangen. 1998 hatte er sich soweit erholt, dass sie nach Albanien zurückkehren konnten, um sich während dem Heimaturlaub der Familie Young in Elbasan einzubringen. Sie entschieden sich dann, auf dem Missionsfeld zu bleiben und zogen nach Pogradec um. Das war gerade kurz bevor Tausende von Flüchtlingen aus dem Kosovo über die Grenze kamen.
”Als er aber die Zwölf zusammengerufen hatte, gab er ihnen Kraft und Gewalt über alle Dämonen, und Krankheiten zu heilen; und er sandte sie, das Reich Gottes zu predigen und die Kranken gesund zu machen. Und er sprach zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg: weder Stab, noch Tasche, noch Brot, noch Geld, noch soll jemand zwei Leibröcke haben” (Luk. 9,1-3).
Nachdem der Herr Jesus seine Jünger unterrichtet hatte, fragte er: ”Habt ihr alle diese Dinge verstanden?” Erstaunlicherweise antworteten sie: ”Ja, Herr” (Mt. 13,51). Ich habe mich oft gefragt, ob sie wirklich meinten, was sie sagten, oder ob sie einfach ”Ja, Herr” sagten, weil sie zu erstaunt waren, um zuzugeben, dass sie es nicht verstanden hatten. Wie oft kommt das bei uns Gläubigen vor.
Ich erinnere mich an eine Lektion, die William MacDonald über den obigen Abschnitt lehrte (Lk. 9,1-3). Obwohl ich nicht wörtlich wiedergeben kann, was er an jenem Tag sagte (fast 15 Jahre sind seither vergangen), erklärte er uns das Vorbild in der Schrift, dass Missionare arm auf ihr Arbeitsfeld hinausgingen. Es war eine dieser Botschaften, die einem die Augen öffnen, und abschließend nickte ich (als ein gehorsamer Jünger Jesu) zustimmend mit dem Kopf, als ob ich das vollständig verstanden hätte. In Wirklichkeit fange ich erst jetzt an zu verstehen, was er uns damals sagen wollte. Ich gebe zu, dass ich auf diesem Gebiet kein Experte bin, aber ich glaube doch, dass Gott mir einige wertvolle Lektionen mitgeteilt hat, die anderen Missionaren und Gläubigen, die die Mission im Sinn haben, eine Hilfe sein können.
Das Beispiel der Schrift
Es ist kein Geheimnis, dass die ersten Jünger arm hinausgingen. In Lukas 9 sagte der Herr zu ihnen: ”Nehmt nichts mit auf den Weg: weder Stab, noch Tasche, noch Brot, noch Geld, noch soll jemand zwei Leibröcke haben.”
Petrus und Johannes gingen arm umher. Einmal trafen sie einen lahmen Bettler am Eingang des Tempels. Als er sie um eine Gabe bat, sagte Petrus: ”Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: In dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, stehe auf und wandle!” (Apg. 3,6).
Da die Jünger dem Herrn nachfolgten, erinnert uns das daran, dass Er auch arm umherging. Einer, der vielleicht ein Jünger werden wollte, kam zu Ihm und sagte: ”Lehrer, ich will dir nachfolgen, wohin immer du gehst.” Große Worte einer tiefen Hingabe, um das wenigste zu sagen! Doch der Herr machte ihn darauf aufmerksam, dass es etwas kostete, Ihm nachzufolgen. Er sprach: ”Die Füchse haben Höhlen, und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo er das Haupt hinlege” (Mt. 8,20).
Es ist ein klares Prinzip in der Schrift, dass die Jünger – in den Fußstapfen ihres Meisters – arm und ohne Gehaltsgarantie hinausgingen, weil sie wegen ihrer Bedürfnisse auf Ihn schauten.
Aber was bedeutet das praktisch für einen Missionar? Soll er genau das Gleiche tun und gar keinen Vorrat im Haus haben? Bedeutet es, dass er sündigt, wenn er zwei Hosen oder Jacken hat? Bedeutet es, dass er kein Auto, keinen Kühlschrank und keinen Computer haben darf? Bedeutet es, dass er und seine Angehörigen keinen bestimmten Platz haben dürfen, um ihre Häupter hinzulegen? Es wäre für mich weder weise noch richtig, solche Fragen für andere Missionare zu beantworten. Außerdem ist das nicht der Sinn dieses Artikels. Meine Absicht ist vielmehr, die Aufmerksamkeit auf das allgemeine Prinzip, arm hinauszugehen, zu lenken. Das ist der Kernpunkt, und alle Missionare sollten darin geübt sein. Jeder von uns sollte fragen: ”Folge ich dem Beispiel der Schrift und gehe ich arm hinaus?” Wenn diese Frage einmal beantwortet ist, werden unter der Führung des Herrn besondere Einzelheiten deutlich werden, wie das im Leben eines Missionars praktische Realität wird.
Der Vorteil, wenn man dem biblischen Beispiel folgt
Niemand kann eine präzise Definition davon geben, was es bedeutet, arm hinauszugehen. Doch das Nachdenken über den Vorteil, der darin liegt, wird uns helfen, dieses biblische Prinzip und dessen persönliche Anwendung bei Missionaren zu verstehen.
1. Der erste und größte Vorteil, arm hinauszugehen, ist, dass dabei die Botschaft des Evangeliums am herrlichsten aufleuchtet. Es wird bei den Ungläubigen kein Missverständnis über die Absicht des Missionars geben und auch nicht darüber, was die Herzen der Menschen verändert.
J.C. Ryle sagte darüber, wie die ersten Jünger hinausgingen: ”Mit einer Lehre, die dem natürlichen Herzen höchst unangenehm ist, mit nichts, was zum Gehorsam verlocken oder zwingen würde, haben ein paar einfache Galiläer die Welt erschüttert und das Gesicht des römischen Reichs verändert…”(1).
Ähnlich drückt es Gilmour, ein Missionar in der Mongolei, aus: ”Komme ich zu ihnen lediglich mit dem Evangelium, dann wird nichts ihre Aufmerksamkeit von der unaussprechlichen Gabe Gottes ablenken können.”(2)
Das bedeutet: Geht ein Missionar in Armut hinaus, lenkt er dadurch die Aufmerksamkeit von sich selbst und dem Geld oder den Waren ab, die er mitbringen würde, wenn er nicht arm hinausginge. Stattdessen wird die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Botschaft des Evangeliums und die Nachfolge des Herrn konzentriert. Der schlimmste Alptraum eines Missionars wäre, wenn bei seinem Aufbruch die Arbeit aufhörte, weil die Menschen nur kamen, um seine Sprache zu lernen oder um Gaben zu bekommen.
Arm hinauszugehen ist wie ein göttlicher „Filter“
Die Gemeinde muss auf Christus gebaut werden (1. Kor. 3,10-11), nicht auf Spenden, seien es Naturalien oder Kleidung. Wenn die Leute kommen, weil sie von Christus angezogen sind und nicht vom Geld, dann wird schließlich die Gemeinde aus wahren Gläubigen gebaut sein und nicht aus solchen, die bloß eine Möglichkeit suchen, nach Amerika oder Europa zu kommen oder nach einer Lektion in der Sprache, um Vorteile in ihrem Beruf zu haben. Das Hinausgehen in Armut wirkt wie ein göttlicher „Filter“ – Menschen, die etwas anderes als das Evangelium suchen, werden sich „besseren Jagdgründen” zuwenden.
2. Der zweite Vorteil ist, dass ungeahnte Hindernisse, die aus der Geldliebe entstehen, in der Verkündigung und im Gemeindebau vermieden werden. Das menschliche Herz ist ”arglistig, mehr als alles, und verderbt ist es; wer mag es kennen?” (Jer. 17,9). Gott kennt unsere Herzen sehr gut, und Er sagt uns, dass die Geldliebe eine Wurzel alles Bösen ist (1. Tim. 6,10). Beachte genau, was die folgenden Gottesmänner darüber sagen, wie Reichtum das Evangelium hindert. ”Es ist auch verkehrt, dass sich der Christ ein Vermögen erwirbt, weil dies andere ermutigen könnte, sich zu bekehren, in der Hoffnung, auch reich zu werden. Die Armut der ersten Christen war für sie ein Vorteil, kein Unglück.” (3)
”Wenn ich zu ihnen komme als Wohlhabender, dann werden sie nicht aufhören zu betteln und nur an meinem Reichtum interessiert sein. ” (4)
Mit anderen Worten: Wenn die Arbeiter nicht arm hinausgehen, laufen sie tatsächlich Gefahr, Christen heranzubilden, die nur ”Reis-Christen” sind. Das sind Leute, die sich nur ”bekehren” in der Hoffnung, etwas zu bekommen. Sie kommen zu den Versammlungen, sagen all die richtigen Dinge, übernehmen Aufgaben, nehmen teil an allen religiösen Handlungen einschließlich der Taufe, aber sind in ihren Herzen nicht wiedergeboren.
Dieses Phänomen ist nichts Neues. Es fing in China an (wo die Leute wegen Reis kamen, deshalb der Ausdruck ”Reis-Christen”) und kommt heute in Ländern wie Albanien und Russland vor. Die Missionare müssen sehr weise sein, da sie in den meisten Fällen, auch wenn sie arm hinausgehen, doch einen höheren wirtschaftlichen Status haben als die Einwohner. Das zieht potenzielle ”Reis-Christen” an. Ich habe selbst erfahren, dass Leute zu den Zusammenkünften kommen, weil sie hoffen, ein amerikanisches Visum zu bekommen, weil sie Englisch lernen wollen, weil sie hoffen, eine meiner Töchter zu heiraten, weil sie auf Arbeit und Lohn hoffen. Manche sind ganz geschickt, traurige Geschichten über ihre finanzielle Misere zu erfinden, weil sie wöchentliche Almosen erhoffen. Das alles bedeutet nicht, dass ein Missionar den Armen nicht helfen soll, im Gegenteil. Jedoch muss man sehr weise sein und daran denken, dass das menschliche Herz hinterlistig ist und die Leute absichtlich Bemühungen anstellen werden, um den Missionar wegen Gewinn zu betrügen. Das klingt schockierend, aber es ist wahr.
Ein klassisches Beispiel für das Phänomen von ”Reis-Christen” tritt bei der Verteilung von humanitären Hilfsgütern auf. Albanien ist nun ungefähr neun Jahre für das Evangelium offen. Viele Gläubige in wohlhabenden Ländern Europas haben Lastwagen mit Nahrung und Kleidung zur Unterstützung der Gläubigen in Albanien geschickt. Auf der einen Seite hat dies den Gläubigen geholfen. Auf der anderen Seite vermute ich jedoch, dass der durchschnittliche Leser dieser Zeilen sich kaum vorstellen kann, wie viele Probleme gleichzeitig mit der Hilfe auftauchen. Eigentlich alle Gemeinden haben ernsthafte Probleme mit Eifersucht, Feindschaft, Verleumdungen und Undankbarkeit unter den Gläubigen bei Hilfsverteilungen gehabt. Es gibt nicht wenige Berichte darüber, wie so genannte Gläubige die Kleidung mit Gewinn verkauft haben (das ist gegen das Gesetz und gegen die Absicht der Menschen, die die Hilfe geschickt hatten), anstatt die Kleider selbst zu tragen. Es gibt auch Berichte, dass so genannte Christen (in Wahrheit ”Reis-Christen”) die Versammlungen verlassen haben, wenn eine Gemeinde sich entschlossen hatte, solche Hilfe nicht mehr anzunehmen; andere tauchten plötzlich auf, wenn sich die Nachricht verbreitete, dass humanitäre Hilfe angekommen ist!
Die Wahrheit ist, dass solche humanitären Hilfeleistungen oft mehr Probleme heraufbeschworen als gelöst haben. Die Arbeit der Evangeliumsverkündigung und des Jüngermachens wurde dadurch erschwert. Wir in Pogradec haben vor Beginn der neuen Arbeit beschlossen, keine humanitären Hilfslieferungen anzunehmen, um ein größeres Hindernis zu umgehen. Stattdessen haben wir, weil wir der Verantwortung den Armen gegenüber nicht enthoben sind, die örtlichen Gläubigen gelehrt¸ dass ”Geben seliger ist als Nehmen” ist (Apg. 20,35) und dass wir selbst tief in unsere eigenen Taschen und Kleiderschränke greifen müssen, um den wahrhaft Bedürftigen zu helfen.
Dies führt zu drei größeren Zielen: Zunächst verringert es die Abhängigkeit von ausländischer Hilfe. Zweitens filtert es die ”Reis- Christen” aus. In der Regel machen sich diese Typen davon, wenn sie sehen, dass sie etwas aus ihren eigenen Taschen nehmen sollen, anstatt sie zu füllen! Drittens gerät der Missionar etwas aus dem Blickfeld, wenn alle Gläubigen diese Verantwortung haben und nicht nur der Missionar alleine. Offen gesagt sind die örtlichen Gläubigen oft viel weiser in der Feststellung, wer wirklich bedürftig ist und wer nicht, oder wer nur rührselige Geschichten erfindet!
Was ist unser Rat an jene gutherzigen Gläubigen in anderen Ländern, die sich gedrängt fühlen, finanziell zu helfen? Wir schlagen vor, sie sollen bestimmen, dass ihre Geldspenden fürs ”allgemeine Wohl” (d.h. nicht für jemand Bestimmten) sein sollen, wie z.B. für den Kauf von evangelistischer Literatur, die in den Städten und Dörfern verteilt werden kann, für die Erstellung und Herausgebung christlicher Literatur zur Auferbauung der einheimischen Gläubigen, für technische Geräte wie Overhead oder Videorekorder, für ein Grundstück, ein Gebäude usw. Wir glauben, dass dies die Versuchung für einen Ungläubigen verringert, wegen einer Gabe zu den Versammlungen zu kommen.
Ein anderer klassischer Fehler, den Missionare manchmal machen, ist, ”finanziell arme Gläubige” auf ihre Lohnliste zu setzen. Auf der einen Seite ist dies eine humanitäre Handlung, weil so viele arbeitslos sind oder unter der Armutsgrenze leben. Aus Liebe könnte der Missionar denken: ”Ich will irgend eine Arbeit einrichten, die dem armen Gläubigen helfen könnte.” Wenn man arm hinausgegangen ist, kann man offensichtlich keine bezahlten Arbeitsplätze einrichten und keine Löhne zahlen. Der Vorteil, wenn man das nicht tut, ist groß.
Wir wollen nicht vergessen, dass der Herr Jesus zu so genannten Jüngern sagte: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid” (Joh. 6,26). Mit anderen Worten wird das Ergebnis dasselbe sein, ob du nun Brot oder Arbeit schaffst. Der, der sich selbst dienen will und materialistisch ist, wird von dir angezogen werden wie ”Fliegen von Fliegenpapier” – Leute, die aus dem Glauben einen Beruf machen wollen, neue Kleider haben wollen, die äußerlich ein christliches Leben führen und sogar getauft werden wollen, nur um Vorteile zu haben. Solche falschen Jünger kommen in die Gemeinden, und die Saat für zukünftige Probleme ist gesät.
Jemand hat vorgeschlagen, dass ein Missionar den Gläubigen helfen solle, indem er sie bezahlt, wenn sie ihn in seinen täglichen Arbeiten unterstützen. Ein Beispiel dafür war, dass ein Missionar eine gläubige Magd haben sollte, die zwei- oder dreimal die Woche kommen sollte, um einzukaufen, zu putzen usw. Bei allem Respekt kann ich mir nur vorstellen, welche ernsthaften Schwierigkeiten auftauchen würden, wenn man so vorgeht. Zuerst würden Neid und Geschwätz bei denen auftauchen, die nicht als Dienstboten ausgesucht worden waren. Die Versuchung zu stehlen würde angefacht werden, wenn die Frau den persönlichen Besitz des Missionars säubert. Habsucht und Eifersucht würden entstehen, weil die Magd mehr Nahrungsmittel von besserer Qualität für den Missionar kaufen würde, als sie selbst es sich leisten könnte. Man könnte die Liste beliebig fortführen. Es ist besser, den Lehren des Herrn zu folgen und arm hinauszugehen, demütig zu leben, selber zu kochen, zu putzen und einzukaufen und die Gläubigen zu lehren, dass sie wegen ihrer Bedürfnisse auch auf den Herrn schauen sollten (nicht auf den Missionar), gerade so, wie es der Missionar tut. Wendet sich Mt. 6,33 nur an Missionare oder an alle Gläubigen? Ich denke, das Letztere ist der Fall.
3. Wenn ein Missionar arm hinausgeht, wird er seine Zeit effektiver der vornehmsten Arbeit widmen können, für die er ja auch ausgesandt wurde – das Predigen des Evangeliums, das Jüngermachen und das Bauen örtlicher Gemeinden. Humanitäre Hilfe zu verteilen, zwingt einen Missionar, Dinge zu tun, für die er zunächst nicht ausgesandt wurde (es gibt kein biblisches Beispiel dafür, dass die ersten Jünger dies taten) – Hilfsagenturen einzurichten, Warenlager zu leiten, Bankkonten mit riesigen Summen zu verwalten, eine Lohnliste zu führen, die Verantwortung eines Chefs zu übernehmen anstatt ein Prediger und Lehrer zu sein. Die Rolle und die Prioritäten des Missionars verändern sich. Wir wollen nicht vergessen, dass es viele humanitäre Organisationen gibt, die Hilfeleistungen zur Aufgabe haben (z.B. das Rote Kreuz) und sehr geschickt darin sind. Wir müssen dem Vorbild unseres Herrn nachfolgen und das tun, was diese Organisationen nicht tun können und wollen: Predigen, Jünger machen und Hirten sein.
4. Ein weiterer Vorteil, wenn man arm hinausgeht, ist, dass es die Übergabe der Gemeindeleitung an örtliche Gläubige erleichtert. Offensichtlich können die zukünftigen Ältesten der Versammlung nicht so weitermachen wie der Missionar, wenn er Arbeit vergeben hat, Geld verteilt hat oder regelmäßig Hilfsgüter verschenkt hat. Sie sind ärmer als der Missionar. Aber wenn der Missionar arm hinausgegangen ist, wird es viel leichter sein, die Leitung an einheimische Brüder zu übergeben, weil die grundlegende Ausrichtung und der Dienst unverändert bleiben.
5. Ein letzter Vorteil ist, dass die zukünftigen Ältesten nicht mit Geld bestechlich sein werden. Es hat viele Beispiele gegeben, wo so genannte zukünftige Älteste vom Missionar ein Gehalt bekommen haben und dadurch Schwierigkeiten auftauchten. Entweder wurden sie bestechlich oder sie fürchteten sich, dem Missionar zu widersprechen, weil er sie bezahlte. Diese Verbindung durch Lohn gibt dem Missionar eine unbiblische Kontrolle über die Gemeindeleitung und schafft eine Situation, die der Figur des Diotrephes gleichkommt. Petrus erinnert uns: ”Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führet, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig” (1. Petr. 5,2). Es ist besser zu sehen, dass ein Mann Gottes durch den Heiligen Geist ernannt wird, unabhängig von einem Lohn oder einer Arbeit von seinem Missionar, als dass er seinen Ältestendienst für Geld tut. Geld verdirbt sogar die Urteilskraft. Wie könnten örtliche Älteste, die vom Missionar bezahlt werden, ihn jemals rügen oder zurechtweisen, wenn er in irgendeine Sünde gefallen ist? Offensichtlich könnten sie den Missionar nicht treu ermahnen, ohne das Risiko einzugehen, dass ihr Gehalt entfällt. Glaube nicht, dass es solche Situationen nie gegeben hat! Manche mögen dem nicht zustimmen und andere Beispiele der modernen Zeit anführen, wo ihrer Meinung nach alles gut ausging. Aber wenn wir wirklich neutestamentliche Gemeinden sind, muss unser Vorbild der Herr und Seine Apostel im Neuen Testament sein und nicht andere Beispiele, die erfolgreich oder beliebt sind. Deshalb ist es zweifellos besser, das biblische Beispiel so gut wie möglich nachzuahmen und in Armut hinauszugehen.
Es ist mein Gebet, dass dieser Artikel uns aufweckt und ernstliche Gedanken hervorbringt. Ohne Frage müssen wir Missionare überlegen, ob wir dem Beispiel der Schrift folgen, indem wir arm hinausgehen, oder nicht. Genauso sollen diese Gedanken eine Hilfe für ernsthafte Christen sein, die Missionsarbeit finanziell unterstützen wollen. Wie sie ihre Geldspenden geben, kann eine Hilfe oder ein Hindernis für den Missionar und seine Arbeit sein. Letztlich vertraue ich darauf, dass dieser Artikel den Kämpfern im Gebet mehr ”Munition” gibt. Wir Missionare brauchen unbedingt eure Gebete und Gottes Weisheit, wenn wir in die Ernte hinausgehen.
Betet weiter für uns!
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(1) W. MacDonald, S. 102, ”Wahre
Jüngerschaft”, Hänssler Verlag,
Stuttgart.
(2) Ebenda, S. 102.
(3) Ebenda, S. 102.
(4) Ebenda, S. 102.
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