Menschenfurcht
Mein kleiner Sohn steht erwartungsvoll vor mir. In seiner Hand hält er eine kleine Tüte mit Fußball-Bildern. „Schau mal Papa, die können wir nun sammeln und tauschen. Alle in der Klasse machen das.“ Ich lächle und erinnere mich an meine Kindheit… Aber auf der anderen Seite macht mich der Satz: „Alle in der Klasse machen das“, nachdenklich. Wie oft wird dieses „alle machen das“ noch sein Leben bestimmen, oder etwas persönlicher, wie oft hat es schon mein Leben bestimmt?
Kennt ihr das? Wir hören die Musik, die andere auch hören. Wir suchen nach der Kleidung, die andere auch anziehen. Wir vertreten Normen und Standards, die andere auch vertreten. Wir machen uns abhängig von Umständen, Trends, usw.
Fallen wir aber in einer Gruppe durch eine andere Meinung auf, dann werden wir nervös, unsere Hände schwitzen und Adrenalin strömt durch unseren Körper.
Dieses Symptom nennt man Gruppenzwang. Und die Wurzel dieses Symptoms nennt man Furcht, sogar eine besondere Art der Furcht. Es handelt sich um Menschenfurcht.
Wikipedia definiert das Wort „Menschenfurcht“ so: „Als Gegenstück zur Gottesfurcht gilt in der Bibel die Menschenfurcht: die Angst vor übler Nachrede, Benachteiligung, Verfolgung und menschlichem, sozialem, finanziellem oder körperlichem Schaden bei einem offenen Bekenntnis zum Gottesglauben. Um diesen Schaden zu vermeiden, sind viele Menschen zu fragwürdigen Handlungen bereit.“
Ist das nicht traurig? Menschen sind, getrieben durch Furcht vor anderen zu fragwürdigen Handlungen bereit. Sie lügen, neiden, gieren nach Anerkennung, vergleichen und suchen nach Liebe und Glück um jeden Preis.
Ein Mann, der vor tausenden Jahren gelebt hat und damals schon wusste, was Wikipedia erst heute weiß, schrieb in seinem Bestseller „Das Buch der Sprüche“: „Menschenfurcht legt einen Fallstrick; wer aber auf den Herrn vertraut, wird in Sicherheit gesetzt“ (Spr 29,25).
Schon Salomon wusste, dass wir uns zwischen zwei Seiten entscheiden müssen. Wir können wählen zwischen Gottesfurcht und Menschenfurcht und beide Überzeugungen haben verschiedene Konsequenzen. Menschenfurcht verstrickt uns in Probleme, Lügen und Kompromisse, während Gottesfurcht uns Sicherheit verspricht. Ist die Sicherheit, die Gott uns verspricht nicht viel anziehender als die Menschenfurcht?
Warum beginnen wir zu stottern, wenn wir Zeugnis ablegen wollen, warum suchen wir nach Ausflüchten, wenn wir kritisch auf unseren Glauben angesprochen werden, oder warum sorgen wir dafür, dass unser Glaube unser Geheimnis bleibt?
Salomon wusste, dass Menschenfurcht dazu führt, dass wir uns schämen. Diese Scham führt dazu, dass wir uns immer mehr mit der Welt und ihren Standards identifizieren. Nur nicht auffallen, heißt die Devise. Unser Glauben ist Privatsache. Ganz privat. Keiner muss das mitbekommen, oder?
Wir suchen uns eigene Abhängigkeiten im Beruf oder im Erfolg, nur um vor anderen besser dazustehen. Wir fallen auf die Lüge des Geldes und der Welt hinein. Die Sehnsucht nach Spaß, Luxus und Freiheit bestimmt unsere Motive und Ziele. Wir wünschen uns ein Leben im Disneyland. Wir sind auf der Suche nach Anerkennung und Lob, nur um unser Selbstwertgefühl aufzubauen. Wir sagen Dinge, die anderen gefallen, nur um ebenfalls Komplimente zu bekommen. Wir wollen andere glücklich machen, obwohl wir kein Nutella-Glas sind. Wir haben große Angst vor Ablehnung. Ich könnte die Liste noch weiterführen, denn die Menschenfurcht hat sehr viele Ausprägungen. In Summe kann man sagen, die Menschenfurcht bewirkt, dass wir uns immer um uns selbst drehen. Ich suche Sicherheit bei anderen Menschen. Ich suche Liebe, Komplimente, Selbstwert in Beziehungen. Ich, ich, ich….
Ich traue Gott einfach nicht zu, dass er als mein Schöpfer alle meine Bedürfnisse stillen kann. Ich kümmere mich lieber selber darum. Ich traue ihm nicht zu, dass er mir Sicherheit geben kann, dass er mich versorgt (Mt 6,25), mich liebt und annimmt (1. Joh 4,16), oder mir meine Identität gibt. Somit ist Menschenfurcht nichts anderes als gelebter, praktischer Unglaube und Unglaube ist Sünde.
Das klingt hart? Aber es entspricht der Wahrheit. Wenn wir uns von Menschenfurcht bestimmen lassen, leben wir im Unglauben und vertrauen Gott nicht. Dies meint Salomon, wenn er sagt, dass wir dem Herrn vertrauen müssen, um Sicherheit zu erfahren.
Wird uns die Tragweite der Menschenfurcht bewusst, können wir auch geeignete Gegenmaßnahmen treffen. Sobald wir verstehen, dass Menschenfurcht Sünde ist, können wir Buße tun und umkehren. Gott vergibt uns in dem Herrn Jesus gerne, freut sich, dass wir umkehren und hilft uns dabei, die Sünde der Menschenfurcht zu bekämpfen und zu lassen (1. Joh 1,9).
Was uns bei diesem Kampf hilft, ist zum Beispiel, wenn wir den Charakter Gottes immer besser verstehen. Als ich das erste Mal mit meinem Sohn klettern war und ich ihn gesichert habe, kletterte er nur ca. 1,5m hoch. Er vertraute weder dem Seil noch mir, sondern nur seiner eigenen Kraft. Nach und nach bemerkte er, dass ich ihn festhalte, dass das Seil ihn hält und er auch aus größeren Höhen sicher wieder herunterkommt. Er hat gelernt mir zu vertrauen, dass ich Kraft habe ihn zu halten und das zu tun, was ich ihm sage.
In der Bibel wird dieses Vertrauen auch mit Gottseligkeit oder Gottesfurcht zusammen gesehen. Paulus sagt in 1. Tim. 4,7b-8: „..übt euch in der Gottseligkeit.“ Oder anders ausgedrückt: Üben wir uns in der Hingabe an den Herrn Jesus! Wenn wir Gott und seinen Sohn, seinen Charakter und seine Verheißungen besser kennenlernen, bemerken wir schnell, dass wir ihm in allen Belangen vertrauen können.
Ein Beispiel: Gott ist in seinem ganzen Wesen Liebe und er möchte auch unsere Sehnsucht nach Liebe stillen. Die Menschenfurcht sucht die Liebe in Beziehungen zu Menschen oder materiellen Werten. Aber Menschen können uns enttäuschen und alle materiellen Werte sind nicht von ewiger Dauer. Gottes Liebe ist dagegen heilig, ewig, unendlich und er liebt uns jetzt in diesem Augenblick so sehr, dass er uns nicht mehr lieben könnte, als er es tut. Er hat sogar seinen eigenen Sohn für uns gegeben. Nur in dieser Liebe wird unsere Sehnsucht nach echter, nicht endender Liebe gestillt. In dieser Liebe gibt er uns unsere Identität und unser Selbstwertgefühl und stillt alle unsere Bedürfnisse. Glaubst du das?
Gottes Charakter ist sehr anziehend und wir sollten unsere stille Zeit, unser Gebetsleben und unsere Bibelstudienzeit nutzen, um ihn besser kennenzulernen. Es gibt so viel zu entdecken. Gott ist heilig, allwissend, barmherzig, langmütig, sanftmütig und demütig. Bald werden wir merken, dass die Gottesfurcht uns immer mehr einnimmt und die Menschenfurcht schwindet. Ein Lösungsweg die Menschenfurcht zu überwinden ist also, sie als Sünde zu erkennen, zu bekennen und zu lassen, um anschließend als Gegenmaßnahme Gottesfurcht aufzubauen.
Ein weiterer Lösungsweg ist unsere Mitmenschen so zu sehen, wie Gott sie sieht. Die Menschen sind für uns ein Spiegel, der uns Anerkennung schenkt, unser Bedürfnis nach Liebe und Frieden stillt. Sie haben die Macht, dass wir uns gut fühlen, oder dass wir uns schlecht fühlen. Wir erhoffen uns, dass sie sich um uns kümmern, uns Komplimente machen, unser Selbstwertgefühl aufbauen und aus diesen Gründen benutzen und manipulieren wir sie. Sehen wir sie allerdings mit Gottes Augen, dann lieben wir sie ohne Selbstzweck und ohne Erwartungen an sie. Wir lieben und dienen ihnen, weil der Herr Jesus uns das vorgemacht hat und weil wir unsere Mitmenschen gewinnen wollen.
Auch Paulus kannte das Problem der Menschenfurcht und hat es mit der Hilfe unseres Herrn Jesus erfolgreich bekämpft. Schauen wir doch einmal, wo er seine Anerkennung sucht:
„Mir aber ist es das Geringste, dass ich von euch oder von einem menschlichen Tage beurteilt werde; ich beurteile mich aber auch selbst nicht. Denn ich bin mir selbst nichts bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr. So urteilt nicht etwas vor der Zeit, bis der Herr kommt, welcher auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen und die Ratschläge der Herzen offenbaren wird; und dann wird einem jeden sein Lob werden von Gott.“ (1.Kor 4,3-7)
Die Freude auf das Lob Gottes bei seinem treuen Dienst, motiviert ihn so zu denken und prägt seine Identität. Jede andere Beurteilung und Suche nach Anerkennung sind ihm egal. Irgendwann wird Gott ihn ansehen und ihm sagen, dass er wertvoller ist als alle Habe auf der Welt! Was für ein wunderbares Ziel! Es wäre doch super, wenn wir uns auch so verändern, dass unsere Ziele in der Ewigkeit liegen.
Wenn ihr tiefer in dieses Thema einsteigen wollt, könnt ihr einen kostenlosen Kurs zum Thema „Menschenfurcht und Gottesfurcht“ auf www.gemeindeundmission.de herunterladen. Der Kurs eignet sich für Kleingruppen oder zur Unterstützung des eigenen Bibelstudiums. Dort findet ihr auch ein paar Literaturhinweise, die als Grundlage für den Kurs gedient haben.