Gemeinde & Mission

Nur das Beste für Gott

von Mac Donald William

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Es gibt einen goldenen Faden, der sich durch die ganze Bibel zieht, eine Tatsache, die beständig im Gewebe des Textes erscheint. Um welche Tatsache es sich handelt? Gott möchte das Erste und Gott möchte das Beste. Er beansprucht den ersten Platz in unserem Leben und er will das Beste, was wir zu geben haben.Die Bibel beginnt mit der Feststellung einer historischen Tatsache: „Am Anfang … Gott …“. Diese Worte sollten auch auf unser Leben zutreffen. Gott sollte der Erste sein. Er, der den ersten Platz verdient, wird nicht mit weniger zufrieden sein.

Als der Herr das Passah einsetzte, befahl er den Israeliten, ein Lamm ohne Fehler zu bringen (2.Mo 12,5). Nie durften sie ein Tier opfern das lahm, blind, schwächlich oder behindert war (5.Mo 15,21; 17,1). Das wäre abscheulich.

Dabei sollte uns klar sein, dass Gott keine Tiere braucht, die wir ihm opfern. Jedes Tier des Waldes gehört ihm und das Vieh auf tausend Bergen (Ps 50,10). Warum befahl er dann, dass ihm nur gesunde Tiere geopfert werden sollten? Er tat es für die Menschen, nicht für sich selbst. Er ordnete es gewissermaßen als Gegenstandslektion an, um seinem Volk eine fundamentale Tatsache einzuprägen: Sie können nur Freude, Zufriedenheit und Erfüllung finden, wenn sie ihm den ersten Platz in ihrem Leben geben.

In 2. Mose 13,2 gebietet Gott seinem Volk, die erstgeborenen Söhne und die erstgeborenen Tiere für ihn auszusondern. „Heilige mir alles Erstgeborene, alles bei den Söhnen Israel, was zuerst den Mutterschoß durchbricht unter den Menschen und unter dem Vieh, mir gehört es.“ In der Antike stand das Erstgeborene für alles, was am wertvollsten war und am meisten geschätzt wurde. So sprach Jakob von Ruben, seinem Erstgeborenen: „Meine Kraft und der Erstling meiner Stärke! Vorrang an Hoheit und Vorrang an Macht“ (1.Mo 49,3). Der Herr Jesus wird „der Erstgeborene aller Schöpfung“ genannt (1.Kor. 1,15). Das bedeutet, dass er der Vorzüglichste ist und dass er den höchsten Ehrenplatz über der ganzen Schöpfung einnimmt.

Als Gott seinem Volk gebot, die erstgeborenen Söhne für ihn zu heiligen, berührte er einen empfindlichen Nerv, weil der älteste Sohn eine ganz besondere Zuneigung in den Herzen seiner Eltern genoss. Sie sollten jedoch dadurch lernen und damit ausdrücken:

Das Liebste, was ich kenne, was auch immer es ist,
möchte ich mit deiner Hilfe vom Thron meines Herzens reißen
und nur dir opfern.
William Cowper

Abraham musste diese Lektion auf dem Berg Moria lernen (1.Mo 22). Jetzt müssen seine Nachkommen das ebenfalls lernen.
Als nächstes verordnete Gott, dass die Bauern das Erste der Erstlingsfrucht ihres Landes in das Haus Gottes bringen sollten (2.Mo 23,19). Wenn das Korn anfing zu reifen, sollte der Bauer aufs Feld gehen und einen Arm voll ernten und dann das erste reife Korn dem Herrn als Opfer bringen. Mit dieser Gabe der Erstlingsfrucht bestätigte er, dass Gott die Ernte geschenkt hat, und er versprach damit, dass Gott seinen Anteil davon bekommen wird. Auch hier ist klar, dass Gott nicht das Getreide braucht, aber der Mensch braucht eine beständige Erinnerung daran, dass der Herr würdig ist, das Erste und Beste zu bekommen.

Wenn die Opfertiere zerlegt wurden, durften manchmal die Priester gewisse Teile behalten, und die Opfernden durften andere Teile verspeisen, aber immer musste das Fett dem Herrn geopfert werden (3.Mo 3,16). Das Fett wurde als der wertvollste und beste Teil des Tieres angesehen, und deshalb gehörte es dem Herrn. Das Allerbeste war gerade gut genug für ihn.

Die Verpflichtung, Gott an die erste Stelle zu setzen, betraf jeden Lebensbereich. Nicht nur in der Anbetung, sondern auch in der Küche soll er den ersten Platz haben. Das Volk des Herrn wurde angewiesen, aus ihrem ersten Teig einen Kuchen als Hebopfer zu bereiten: „Von dem Erstling eures Schrotmehls sollt ihr dem Herrn ein Hebopfer geben …“ (4.Mo 15,21). Teig in einer Schüssel zu mischen scheint eine recht alltägliche Aufgabe zu sein, nicht gerade sehr geistlich. Aber wenn ein frommer Jude das erste Gebäck aus dem Teig dem Herrn opferte, bekannte er, dass Gott in allen Bereichen des Lebens an der ersten Stelle steht. Er zeigte damit auch, dass es keinen Unterschied zwischen dem Weltlichen und dem Heiligen gibt. Er wusste zwar, dass Gott keinen Teig brauchte, aber er erkannte damit Gott an als Geber des täglichen Brotes.
Jahwe verdeutlichte das in seinem Gebot an die Leviten: „Von allem euch Gegebenen sollt ihr alle Hebopfer für den Herrn abheben, von allem Besten davon als heilige Gabe…“ (4.Mo 18,29). Da der Mensch dem ähnlich wird, den er anbetet, ist es sehr wichtig, dass er eine würdige Vorstellung von Gott hat. Niedrige Gedanken über Gott sind destruktiv. Nur wenn das Geschöpf dem Schöpfer den Platz zugesteht, der ihm gebührt, wird es anders sein als andre Menschen und die Würde erlangen, für die es bestimmt war.

Wenn wir diesen Faden durch das Alte Testament verfolgen, sehen wir, wie diese Lektion angewandt wurde, als Elia die mittellose Witwe im Dorf namens Zarpath traf (siehe 1.Kö 17,7-16). Er bat die Frau um Wasser und ein Stück Brot. Sie lehnte ab, weil sie nur noch eine Handvoll Mehl und ein wenig Öl hatte – gerade genug, um ein letztes Essen für ihren Sohn und sich zu machen, bevor sie vor Hunger sterben würden.

„Mach dir keine Sorgen!“ sagte der Prophet, „bereite mir zuerst ein kleines Brot und benutze den Rest für dich und deinen Sohn.“

Das klingt doch schockierend, welch eine egoistische Forderung. Es sieht so aus, als ob der Prophet total schlechte Manieren hatte. Uns wurde immer beigebracht darauf zu achten, dass andere vor uns bedient werden. Zu sagen „bediene zuerst mich“ ist eine unverschämte Beleidigung und gegen jede Höflichkeit. Aber wir müssen verstehen, dass Elia der Gesandte Gottes war. Er stand da als Gottes Repräsentant. Er war nicht egoistisch oder grob. Er sagte eigentlich: „Schau, ich bin der Mann Gottes. Indem du mich zuerst bedienst, gibst du eigentlich Gott den ersten Platz, und so lange du das tust, werden dir die Lebensmittel nicht ausgehen. Dein Mehltopf wird niemals leer werden und dein Ölkrug wird niemals austrocknen.“ Und genau so geschah es.

Salomo betonte Gottes Anspruch auf unser Leben mit den bekannten Worten: „Ehre den Herrn mit deinem Besitz, mit den Erstlingen all deines Ertrages“ (Spr 3,9). Das bedeutet, jedes Mal, wenn wir eine Gehaltserhöhung bekommen, sollten wir dem Herrn zuerst seinen Teil geben.

Wenn wie uns dem Neuen Testament zuwenden, hören wir, wie der Herr Jesus auf dem ersten Platz für Gott besteht. „Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden“ (Mt 6,33). Das ist die gleiche Lehre, die Elia der Witwe beigebracht hatte: Wer dem Herrn den höchsten Platz in seinem Leben gibt, wird sich nie wegen der grundlegenden Dinge fürs Leben Sorgen machen müssen.

Vielleicht ist uns das Vater Unser so geläufig (Mt 6,9-13), dass wir die Bedeutung der Reihenfolge darin übersehen. Es lehrt uns, Gott an die erste Stelle zu setzen („Unser Vater, der du bist in den Himmeln, geheiligt werde dein Name“). Auch seine Interessen kommen zuerst („dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden“). Erst jetzt und nicht früher werden wir eingeladen, unsere persönlichen Anliegen vor ihn zu bringen („unser nötiges Brot gib uns heute“ usw.).
Genauso wie Gott der Vater den höchsten Platz bekommen muss, muss auch der Herr Jesus den höchsten Platz bekommen, weil er Gott ist. So lesen wir in Kolosser 1,18: „damit er in allem der Erste sei“ (Luther 1984).

Der Erlöser besteht darauf, dass die Liebe der Gläubigen zu ihm so groß sein soll, dass alle anderen Liebesbeziehungen im Vergleich damit wie Hass aussehen. „Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter und seine Frau und seine Kinder und seine Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, so kann er nicht mein Jünger sein“ (Lk 14,26). Jesus gebührt der erste Platz in unserer Liebe.

Leider bekommt der Herr nicht immer das Erste und Beste von den Seinen. Wenn dem Herrn in den Tagen Maleachis geopfert werden sollte, behielt ein Bauer die besten Tiere zur Zucht oder zum Verkauf und gab dem Herrn die unbrauchbaren. Er zeigte damit, dass dies nach seiner Meinung für den Herrn gut genug wäre. An erster Stelle stand sein Profit auf dem Markt. Deswegen donnerte Maleachi: „Auch wenn ihr Blindes darbringt, um es als Opfer zu schlachten, ist es (für euch) nichts Böses, und wenn ihr Lahmes und Krankes darbringt, ist es (für euch) nichts Böses. Bring es doch deinem Statthalter! Wird er Gefallen daran haben oder dein Angesicht erheben?“ (Mal 1,8).

So war es in den Tagen Maleachis. Wie ist es heute? Wie können wir dem Herrn das Erste und Beste geben? Wie kann das in unserem Leben praktisch aussehen? In unserem Beruf kann es sich so auswirken, dass wir unseren Vorgesetzten gehorchen; dass wir von Herzen als für den Herrn arbeiten, nicht für Menschen; indem wir uns bewusst machen, dass wir dort dem Herrn Jesus Christus dienen (Kol. 3,22-25). Wenn die Ansprüche des Berufs sich über die Ansprüche Christi erheben, müssen wir bereit sein zu sagen: „Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, und hier soll aufhören der Stolz deiner Wellen“ (Hiob 38,11). Es sollte unser Wunsch sein, mehr für den Erlöser zu tun als wir je für eine Firma tun würden.

In unserer Familie kann es sich so auswirken, dass wir treu eine Familienandacht halten, wobei wir in der Bibel lesen und zusammen beten. Wir können es umsetzen, indem wir unsere Kinder für den Herrn erziehen und nicht für die Welt, für den Himmel und nicht für die Hölle.

Eine bekehrte Mutter dachte, sie stelle Christus an die erste Stelle. Aber als ihre Tochter von der Bibelschule heimkam und erklärte: „Mutter, Gott hat mich aufs Missionsfeld gerufen,“ antwortete die Mutter: „Nur über meine Leiche, Isabel.“

Eine andere Mutter arbeitete fieberhaft in der Küche, während ein Prediger im Wohnzimmer mit ihrem Sohn sprach. Der Prediger zeigte die wunderbaren Möglichkeiten, die dieser junge Mann hätte, wenn er seine Fähigkeiten für das Werk des Herrn einsetzen würde. Da tönte eine schrille Stimme aus der Küche: „Sprechen Sie nicht so mit meinem Sohn. Das habe ich für ihn nicht geplant.“

In freundlicherem Ton sagte Spurgeon zu seinem Sohn: „Mein Sohn, sollte Gott dich aufs Missionsfeld rufen, möchte ich nicht erleben müssen, dass du soweit absinkst nur ein König zu werden.“

Wir können in der örtlichen Gemeinde durch treuen Besuch und durch begeisterte Teilnahme zeigen, dass der Herr den ersten Platz hat. George Mallone erzählt von einem Ältesten, der eine Einladung zu einem Dinner mit dem Präsidenten im Weißen Haus ausschlug, weil seine Pflichten als Ältester es nicht erlaubten, dass er den Abend frei nahm. Nachdem Michael Faraday eine brillante Darstellung über die Natur und die Eigenschaften des Magnets gegeben hatte, beschloss die Zuhörerschaft eine formelle Gratulation auszusprechen. Aber Faraday war nicht mehr da, um sie anzunehmen. Er hatte sich davon geschlichen, um am wöchentlichen Gebetsabend in seiner Gemeinde teil zu nehmen, einer Gemeinde, die nie mehr als 20 Mitglieder zählte.

Wir können Gott in der Verwaltung unseres Besitzes an die erste Stelle setzen. Das geschieht, wenn wir uns einen einfachen Lebensstil angewöhnen, so dass alles, was übrig bleibt, in das Werk des Herrn fließen kann. Wir können denen geben, die geistliche und materielle Not leiden. Kurz gesagt, wir tun es, indem wir für Gott und für die Ewigkeit investieren.

Aber die beste Möglichkeit, Gott den ersten Platz zu geben, ist, wenn wir ihm unser ganzes Leben geben, nicht nur damit er uns rettet, sondern auch, damit er uns benutzt. Weniger als das wäre nicht genug, wenn wir all das bedenken, was er für uns getan hat.

Heutzutage ist es unter Christen Weisheit, den besten Teil des Lebens zum Geldverdienen zu benutzen, um in Luxus und Annehmlichkeiten zu leben und dem Herrn die Jahre zu geben, wenn man in Rente ist. Aber dann sind viele schon ausgebrannt und haben nur noch wenige Jahre vor sich. Es ist weiser sich dem Herrn im Frühling des Lebens hinzugeben, wenn die Kraft, die Liebe und die Begeisterung am höchsten sind. Es ist besser, das nicht zu tun, was Thomas Gill so beschreibt: Ihm den schlechten, minderwertigen Teil unseres Lebens geben, das dahin schwindende Feuer; die Asche unseres Herzens.
Gott will das Erste und Beste.
Er ist es wert, beides zu bekommen.
Die Frage ist: „Wird er es von mir bekommen?“

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