Gemeinde & Mission

Singt dem Herrn!

von Lindner Andreas

Seit über zehn Jahren benutzen wir in der Gemeinde das blaue Glaubensliederbuch. Dabei haben wir beobachtet, dass die Geschwister die Liederbücher sehr gerne mit nach Hause nehmen. Es wurden insgesamt mehrere hundert Liederbücher gekauft, von denen nur noch ein Teil im Gemeindesaal ist.
Ich finde es eine sehr gute Idee, die Liederbücher mit zu nehmen. Es hat viele Vorteile, wenn jeder sein eigenes Liederbuch zu Hause hat. Ein Bruder, der Gottes Wort sehr gut kennt und es liebt, sagte vor kurzem: „Das Liederbuch ist nach der Bibel das wichtigste Buch, womit sich jeder beschäftigen sollte.“ Auf diese Weise kann man in der Stillen Zeit oder in gemeinsamen Andachten den Herrn loben und bei Ihm Trost finden. Der gemeinsame Gesang in der Familie ist ein großer Segen. Man kann Loblieder auswendig lernen und sich so auf schwere Zeiten vorbereiten. Wer möchte nicht gerne dem Beispiel von Paulus und Silas folgen (Apg 16,25)?
Auf diese Weise werden uns die Lieder besser vertraut. Die Brüder können sich schon zu Hause Gedanken machen, welche Lieder zu verschiedenen Anlässen passend sind. Wenn immer nur dieselben Lieder vorgeschlagen werden, die manchmal nicht einmal zum Thema passen, verarmt der Gottesdienst. Wenn wir uns viel mit guten Liedern beschäftigen, wird das unsere Gedanken auf den Herrn und sein Werk richten. Darin liegt ein großer Gewinn, denn schlechte und reine Gedanken können nicht gleichzeitig in unserem Kopf sein.
Noch viele andere Gründe könnte man aufzählen. Ich möchte aber nur noch einige Berichte zitieren, die uns zeigen, welcher Segen von Liedern ausgeht, die in der Familie betend gesungen werden.
In einem kleinen polnischen Dorf in der Nähe von Warschau wohnte ein Kleinbauer. Er hieß Dobry, ein gottesfürchtiger Mann. Es kamen schwere Zeiten ins Land. Der Bauer wusste oft nicht, wie er seine Familie versorgen sollte. Im Winter 1708 war die Not so groß und die Schulden waren so angewachsen, daß die Gläubiger die Familie vom Hof vertreiben wollten. Da brach ein großes Weinen bei der Mutter und den Kindern aus. Aber er redete ihnen tröstend zu und forderte sie auf, mit ihm das herrliche Glaubenslied zu singen. Sie stimmten an:
„Befiel Du Deine Wege, und was Dein Herze kränkt,
der aller treusten Pflege, des der den Himmel lenkt.
Der Wolken Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da Dein Fuß gehen kann.“
Und schon während diese Worte aus bewegtem Herzen gesungen wurden, kam Hilfe. Ein Rabe, den die Familie jeden Winter aufgenommen hatte, klopfte jetzt ans Fenster und wollte herein. Das durfte er auch, als das Lied zu Ende gesungen war. Und was brachte er mit? Einen blitzenden wertvollen Ring. Wie der ehrliche Dobry herausbekam, gehörte der Ring keinem Geringeren als dem König Stanislaus. Der Fürst belohnte den ehrlichen Bauern reichlich. So konnte Dobry seine Schulden bezahlen und sein verfallenes Häuschen herrichten.Ein Greis berichtete Herrn Dönges über die Hungersnot 1806, von der auch seine Familie sehr betroffen war: Mein Vater war ein Mann, der in lebendigem Glauben auf Gott vertraute. Eines abends, als schon nichts mehr zu Essen da war, las er in der Familienandacht von der Speisung der 5000. Er erinnerte uns daran, dass der Arm des Herrn noch nicht zu kurz sei und dass er noch genauso helfen könnte, wie damals. Meine Mutter klagte: „Ja, wenn der Herr noch auf Erden wäre, würden wir zu ihm gehen und alles bekommen.“ Der Vater zeigte mit seiner Hand freundlich und bedeutungsvoll nach oben und sagte: „Der Herr lebt. Er hat alle Gewalt im Himmel und auf Erden und ist bei uns bis an der Welt Ende.“ Dann sangen wir aus bewegtem Herzen:
Ihn, Ihn laß tun und walten, er ist ein weiser Fürst,
Und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst,
Wenn er wie`s ihm gebühret, mit wunderbarem Rat,
Das Werk hinaus geführet, das dich bekümmert hat.
An diesem Abend hinterließen die Verse einen tiefen Eindruck bei uns. Gestärkt und voller Hoffnung legten wir uns schlafen. Am Morgen, in aller Frühe, kam ein Wagen mit zwei Säcken bei uns an. Folgender Brief war dabei: „Im letzten Jahr hast Du mir mit Saatgut ausgeholfen. Ich habe gehört, daß ihr eine schlechte Ernte hattet. Danke nicht mir, sondern Gott, der mich dieses Jahr so viel ernten lies, daß ich Dir, meinem treuen Freund, etwas davon abgeben kann.“

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) rückte ein Regiment preußischer Soldaten in ein kleines Dorf in Sachsen ein. Der Druck der Einquartierung war groß. Die Menschen waren verzweifelt. Klara, die Tochter des gläubigen Pfarrers, nahm ihre Harfe und sang dazu das Lied „Befiel Du Deine Wege“. Das richtete das Herz der Eltern wieder auf. Aber das war nicht alles. Der preußische Oberst öffnete leise die Tür und trat unbemerkt herein. Er hörte andächtig zu. Tränen rannen in seinen grauen Bart. Als das Lied zu Ende war, trat er zu dem erschrockenen Mädchen und sagte: „Hab Dank mein liebes Kind. Ohne es zu wissen, hast Du meinem Herzen Trost gegeben.“ Dann erzählte er, wie er seine Tochter schwerkrank zu Hause hatte lassen müssen und keine Nachricht von ihr erhalten habe. Das Lied hatte ihn ermuntert, seine Sorgen auf Gott zu laden. Und der Oberst begann nun, die Familie zu trösten und befreite schließlich das Dorf schon wenige Stunden später von der schweren Einquartierung.

Aber diese Dinge sind ja schon vor mehreren hundert Jahren passiert. Stimmt! Ich bin gespannt, was heute passiert, wenn wir Lieder in unsere Stille Zeit, unseren Alltag und unser Familienleben einbeziehen. Sie werden sicher unsere Beziehung mit dem Herrn bereichern. Wer kann darauf verzichten?