Gemeinde & Mission

Stille Zeit – Allein mit Gott (1)

von Arthur Kay

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Es gibt so viele verschiedene Auffassungen über die tägliche Stille Zeit! Größtenteils ist sie zu einem gesetzmäßigen Ritual geworden, das ohne Unterbrechung jeden Tag ausgeübt werden muss, um keinen schlechten Tag zu haben. Man denkt, Gott könne den nicht segnen, der nicht jeden Tag eine Zeit mit Ihm verbringt – eine besondere Zeit am Morgen!

Für viele ist es eine Belastung, eine tägliche Routineübung, die man in Eile erledigt, um danach zu den wichtigeren Aktivitäten des Tages zu kommen. Drei – fünf – zehn – fünfzehn Minuten täglich mit Gott. Manche glauben, die Stille Zeit sei eine Pflicht: „Tue deine Pflicht; hol‘ dir Gottes Segen.“

Für andere ist sie ein Zeichen der Geistlichkeit – je länger, desto besser; je früher, desto größer die Segnung. Du springst durch Gottes Reifen; Er springt durch den deinen.

Was ist der Zweck einer Stillen Zeit? Wie wichtig ist sie für dein Leben? Was sagt Gottes Wort über eine tägliche Stille Zeit? Wie kannst du eine effektive Stille Zeit mit deinem Gott verbringen? Das sind die Fragen, die wir in diesem Buch beantworten wollen, indem wir zusammen Gottes Wort erforschen.

Nirgends in der Schrift finden wir einen Befehl, mit Ihm eine „tägliche Stille Zeit“ zu haben. Der Ausdruck „tägliche Stille Zeit“ ist nur ein Ausdruck, mit dem wir die Zeit bezeichnen, die wir täglich allein mit Gott verbringen. Zeit mit Gott allein zu verbringen, ist gewiss biblisch. Das vornehmste Beispiel finden wir bei unserem Herrn Jesus Christus, der oft beiseite ging, um mit Seinem Vater allein zu sein. Wir sehen, dass still zu sein auch biblisch ist, wenn wir an Gottes Ermahnung in Ps. 46,11 denken: „Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin!“ (Schlachter). Täglich eine Stille Zeit zu haben, scheint nicht unverständlich oder unbiblisch zu sein; vielmehr ist es eine Notwendigkeit, wenn wir beleuchten, was und wer wir sind und wer Gott ist.

Für die tägliche Zeit allein mit Gott jedoch Einschränkungen oder Bedingungen aufzuerlegen, hieße nicht nur, ein hartes Joch auf den Nacken zu legen, das schwer zu tragen wäre, sondern das wäre auch nicht in Gottes Sinn. Deshalb, lieber Freund, lass mich zur Klärung sagen, dass der Ausdruck „tägliche Stille Zeit“ nur eine Redewendung ist, die wir benutzen, um über die Notwendigkeit einer Zeit allein mit Gott zu sprechen, damit du und Er Gemeinschaft miteinander haben können.

Jesus ist Gott im Fleisch, Mensch und Gott. Wenn Er es nötig fand, allein mit Gott zu sein, wieviel mehr brauchen wir da Zeit, um still zu sein und Ihn als Gott zu erkennen. Gewiss ist das Leben des Herrn in totaler Abhängigkeit vom Vater Sein Vorbild für uns. Jesus tat nichts aus eigener Initiative, sondern sprach nur das, was der Vater Ihn lehrte, und tat immer nur die Dinge, die Ihm wohlgefällig waren (Joh. 8,28-29). Wenn Er in dieser Abhängigkeit lebte, können wir dann Gott und Seinem Reich wirklich dienen, wenn wir eine geringere Beziehung zu unserem himmlischen Vater haben? Natürlich nicht!

Oswald Sanders schreibt in seinem herzergreifenden Buch „Von der Freude des vertrauten Umgangs mit Gott“: „In unserem Leben und Dienst als Christ hängt alles von unserer Beziehung zu Gott ab. Wenn wir keine lebendige Gemeinschaft mit ihm haben, steht nichts in der richtigen Perspektive.“ (1) Um diese Beziehung aufzubauen, müssen wir, liebe Freunde, vor Ihm stille werden und allein mit Ihm sein, damit wir erkennen, wie wir leben können und sollen! Es ist keine Pflicht, so oft wie möglich eine Zeit mit unserem Gott und Vater allein zu sein; es ist eine Notwendigkeit! Nicht um Belohnung oder Segnung willen müssen du und ich allein mit Ihm sein, sondern wegen unseres Lebens! Wegen der Beziehung! Es ist die geistliche Luft, die wir atmen und ohne die wir im Schmutz der Welt ersticken!

Um es klar zu sagen, sollst du im Auge behalten, dass der Zweck einer Stillen Zeit ist, Gott zu erkennen, zu erkennen, wie wir jeden Tag und jeden Augenblick zu Seinem Wohlgefallen leben können. Du beachtest doch, lieber Leser, dass du nach Seinem Willen und zu Seinem Wohlgefallen erschaffen wurdest (Off. 4,11; Kol. 1,16)?

Und wie wichtig ist es, dass du allein mit deinem Vater bist? Es ist so wichtig, dass es den Unterschied zwischen leben und im Überfluss leben ausmacht (Joh. 10,10). Das Leben entsteht, wenn du in Seine Familie hineingeboren wirst, wenn du begreifst, dass Er der Herr Jesus Christus ist und du dich deshalb Ihm unterwirfst und dein Vertrauen auf Seinen Tod, Sein Begräbnis und Seine Auferstehung setzt, indem Er den zunichte machte, der die Macht des Todes hatte, das ist der Teufel (Hebr. 2,9-10.14).

Leben im Überfluss entsteht, wenn du daran festhältst, zu Ihm zu kommen, von Ihm zu trinken und Erfrischung zu empfangen, sodass Ströme lebendigen Wassers von dir fließen (Joh. 7,38). Vater, Sohn und Heiliger Geist sind die wahre Lebensquelle. Deshalb bedeutet Gemeinschaft mit Ihm, aus dem Born lebendigen Wassers zu trinken (Jer 2,13). Je mehr du schöpfst, desto mehr wirst du erfahren, dass überschwängliches Leben nur Gott schenken kann, denn nur in Ihm ist Leben (Joh. 1,4).

Also, lieber Leser, wie kannst du eine wirkungsvolle Zeit mit deinem Gott verbringen? Ich denke, als Christus Mensch wurde und als Menschensohn lebte, schenkte Gott Ihn uns nicht nur als Erlöser, sondern auch als Beispiel. Jesus wurde unser Vorbild, indem Er uns zeigte, wie der Mensch in Beziehung zu seinem Gott leben soll. Deshalb schrieb Paulus in 1. Kor. 11,1: „Seid meine Nachahmer, gleichwie auch ich Christi.“

Eine genaue und sorgfältige Prüfung des Lebens unseres Herrn wird uns zeigen, dass das Leben Christi nicht auf einer Religion oder einem System von Belohnungen basierte, sondern auf einer Beziehung der Ehrfurcht vor Gott als Gott. Denn obwohl Jesus Gott war, ist und sein wird, legte Er, als Er Mensch wurde, Seine Rechte als Gott beiseite und lebte so, wie Gott die Menschen erschaffen hatte, zur Gemeinschaft mit Ihm (Phil. 2,5-8). Das Verstehen dieser Gemeinschaft ist der Schlüssel für eine wirkungsvolle Stille Zeit.

Gemeinschaft ist niemals Pflicht; aber Gemeinschaft braucht Zeit. Wenn du deine Beziehung zu Gott und zum Herrn aufbauen willst, wirst du Zeit brauchen. Tatsächlich wirst du nie eine tiefe Beziehung mit Ihm haben, wenn du dir nicht Zeit nimmst, mit Ihm allein zu sein.

Da Gemeinschaft Zeit braucht, wirst du festlegen müssen, wieviel Zeit du der Beziehung mit deinem Gott widmen willst. Gott überlässt es dir. Er ist immer da und wartet immer. Kannst du dir das vorstellen, lieber Freund? Das Tor zum Thron des souveränen Regenten des ganzen Universums ist für dich nie verschlossen! Er wartet auf dich…weil Er Wert auf Gemeinschaft mit dir legt.

Sind drei, fünf oder zehn Minuten genug? Und wie oft? Einmal in der Woche? Einmal am Tag? Wann, am Morgen? Am Abend? Das kannst du bestimmen, lieber Leser. Denke nur daran, dass eine tiefgehende Beziehung Zeit braucht. Regle das mit deinem Vater. Und wenn es zur Priorität geworden ist, behandle es wie eine Priorität.

Unser Herr verbrachte ungefähr dreieinhalb Jahre im öffentlichen Dienst. Wenn du die Evangelien liest, bemerkst du, dass jene Tage mit Aktivität angefüllt waren, indem Er den Menschenmengen Gottes Wort verkündete, Seine Jünger belehrte und denen diente, die einen Arzt brauchten. Die meiste Zeit war Er unterwegs von Ort zu Ort und hatte gar keinen Platz, den Er Seine Heimat hätte nennen können. Er war die einzige Hoffnung für die Menschheit. Sein Dienst entschied buchstäblich über Leben und Tod. Und doch nahm Jesus als Menschensohn sich Zeit, um allein mit Seinem Vater zu sein.

In Luk. 5,16 lesen wir, dass Jesus sich oft zurückzog, in den Wüsteneien war und betete. Bevor Er Seine zwölf Jünger auswählte, heißt es: „Und es geschah,…dass er auf den Berg hinausging, um zu beten; und Er verharrte die Nacht im Gebet zu Gott.“ (Luk. 6,12). In Markus lesen wir, dass Er den Abend verbrachte, indem Er die Kranken und Besessenen heilte; darauf folgend lesen wir: „Und frühmorgens, als es noch sehr dunkel war, stand er auf und ging hinaus und ging hin an einen öden Ort und betete daselbst.“ (Mk. 1,35). Nachdem Er die Brote und Fische vermehrt hatte, heißt es: „Und als Er die Volksmengen entlassen hatte, stieg Er auf den Berg besonders, um zu beten. Als es aber Abend geworden, war Er daselbst allein.“ (Mt. 14,23,24). Was würdest du sagen, welche Priorität gab Jesus als Menschensohn Seiner Beziehung zum Vater? Inmitten größter Anforderungen war Seine Priorität die Zeit mit Seinem Vater, deshalb konnte Er sagen: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.“ (Joh. 17,4)

So denke ich mir das. Und, lieber Freund, wenn das Seine Priorität war, sollte es dann für dich nicht auch so sein?

In unserer Zeit allein mit Gott zeigt Er uns nicht nur, wohin wir kommen und gehen sollen, sondern Er bereitet uns auch dafür zu, sodass wir entscheiden können, was wir dort tun oder nicht tun sollen. Wenn wir in Wort und Gebet mit Ihm verbunden sind, bekommen wir Erkenntnis und Weisheit, die uns erhält und in allen weiteren Beziehungen leitet. Indem wir auf den Herrn warten, werden wir neue Kraft bekommen, sodass wir unsere Schwingen empor heben können wie Adler und laufen, ohne zu ermatten, gehen und nicht ermüden (Jes. 40,29.31).

O mein Freund, bist du schwach? Müde? Durcheinander? Belastet und bedrückt? Wie sieht deine Gemeinschaft mit Gott aus? Hat sie den ersten Platz? Ich glaube, je größer die Belastung ist, desto mehr brauchst du Zeit mit Ihm alleine. Ist es ein Wunder, dass so viele unter der Last und dem Druck der Welt zu Grunde gehen, wenn so wenige die Beziehung zu ihrem Gott zur höchsten Priorität ihres Lebens gemacht haben?

Zeit ist wichtig. Alleinsein ist wichtig. Diese Stille Zeit allein mit Gott ist etwas anderes als gemeinsame Anbetung und Gebet, Bibelstudium in der Gruppe oder ein Gottesdienst. Es bedeutet, abseits zu gehen…alleine zu sein, nur du mit deinem Gott. Lass mich erläutern, wie deine Zeit allein mit Gott im Allgemeinen aussehen könnte. In den folgenden Kapiteln werden wir dann die Einzelheiten bezüglich des Wann, Wie und Was deiner Zeit allein mit Gott betrachten.

In einer Prophetie von Jesaja scheint es, dass Jesus Seinen Tag in Gemeinschaft mit Gott begann; und indem Er das tat, wurde Er vorbereitet, den Nöten derjenigen zu begegnen, die Seinen Weg an diesem Tag kreuzen würden: „Der Herr hat mir eine Zunge der Belehrten gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre gleich solchen, die belehrt werden. Der Herr hat mir das Ohr geöffnet, und ich, ich bin nicht widerspenstig gewesen, bin nicht zurückgewichen“ (Jes. 50,4-5).

Die Zeit allein mit Gott schließt das Hören mit ein! Das Ruhigsein. Das Stillesein. Das Gebet ist lebenswichtig. Das Gebet ist Reden mit Gott, so wie Jesus die Dinge mit Gott besprach, indem Er Seinen Willen suchte. Es muss aber auch Zeit zum Hören da sein. Gott hat zu Seinem Volk auf verschiedene Weise geredet – doch redet Er oft mit einer leisen Stimme (1. Kön. 19,12). Er wird Seine Gedanken in deinen Kopf geben, Sein Wort in dein Gedächtnis rufen, und du wirst eine leise Stimme hören, die sagt: „Dies ist der Weg, wandelt darauf“ (Jes. 30,21). Und wenn du lang genug still bist, wird Er bestätigen, dass es Seine Gedanken sind, und du wirst wissen, „so sprach der Herr“, so wie Jesus wusste, was Er sagen und was Er reden sollte… wie Ihm der Vater gesagt hat (Joh. 12,49-50). Aber, lieber Leser, man lernt nicht über Nacht, Seine Stimme zu hören – es braucht Zeit; man muss hinhören. Erinnere dich, du vertiefst deine Beziehung zum Vater, und Beziehungen brauchen Zeit und beiderseitige Gemeinschaft.

Deshalb lerne, still zu sein. Lies Sein Wort, bete und höre. Gott wird dir zeigen, was du zuerst tun sollst – wann du betest, wann du Sein Wort liest und studierst, wann du hörst. Und weil Beziehungen kein Gesetz sind, wird das System sich je nach deinen Bedürfnissen und deiner Persönlichkeit von anderen unterscheiden. Du könntest deinen Tag einfach mit einem Gebet am Abend vorher beginnen. Bitte Gott, dich aufzuwecken, wie Er Jesus jeden Morgen aufweckte. Er wird es tun. Er wartet und sehnt sich danach, eine Beziehung mit dir zu entwickeln, mit dir täglich in deiner Stillen Zeit zu sprechen, bis du mit deinem Herrn sagen kannst: „Der Herr hat mir eine Zunge der Belehrten gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre gleich solchen, die belehrt werden.“ (Jes. 50,4).

Wann ist die beste Zeit, um mit Gott alleine zu sein? Ohne dich zu verpflichten, will ich einige Dinge mit Dir besprechen, die du ausprobieren kannst, um eine wirkungsvollere Zeit allein mit Gott zu haben. Zuerst wollen wir darüber reden, wann man Zeit allein mit Gott verbringen soll. Ich denke, es ist ideal, den Tag zusammen zu beginnen. Weil ich kein Morgenmensch bin, fällt es mir schwer, früh aufzustehen. Mein Mann, der ein Morgenmensch ist, wacht von alleine auf. Aber wenn ich meine Stille Zeit haben will, bevor er aufsteht, kann ich meinen Wecker nicht stellen, weil ich ihn aufwecken würde, und er würde nicht wieder einschlafen. Wie es meistens geht, hat ein Nachtmensch einen Morgenmenschen geheiratet!

Deshalb bitte ich Gott, mich aufzuwecken, wenn ich vor halb sieben aufstehen muss. Und weißt du was? Er tut es! Es ist wirklich aufregend zu sehen, dass Er uns Morgen für Morgen aufweckt, wie Er es bei Seinem Sohn tat, wenn wir Ihn darum bitten.

Jetzt muss ich zugeben, dass ich nicht immer gleich aufstehe. Ich glaube, ich werde von der Matratze magnetisch angezogen! Manchmal bin ich liegen geblieben und habe überlegt, warum ich wirklich nicht so früh aufstehen müsste, um Stille Zeit mit Gott zu haben. Im Kampf mit den Wünschen meines Fleisches ging ich die nötigen Dinge des Morgens durch, um zu klären, wie ich alles erledigen und trotzdem Stille Zeit haben könnte und doch noch etwas länger schlafen könnte. Nachdem ich das alles in meinem Kopf zurecht gelegt hatte, drehte ich mich zu diesem sprichwörtlichen Nickerchen herum. Und ausnahmslos erkannte ich danach, dass Gott eine Absicht hatte, wenn Er mich weckte! In Seiner Allwissenheit wusste Er, wie mein Morgen aussehen würde!

Wenn ich nicht reagiere und aufstehe, wenn Er mich weckt, fühle ich mich dann verdammt? Nein. Aber falls ich mich so fühlte – ich sollte es nicht. Denn Verdammung gehört nicht zu einer Beziehung, die auf Gnade beruht. Es gibt keine Verdammung – aber Enttäuschung. Mir fehlt, was ich hätte haben können … eine Stille Zeit mit meinem Gott! Und obwohl ich mich nicht verdammt fühle, frage ich mich doch, ob Gott nicht auch enttäuscht ist.

Du könntest fragen: „Aber Kay, wenn es so ein Kampf für dich ist, warum verlegst du deine Stille Zeit nicht in den späteren Tagesablauf?“ Das ist eine gute Frage, so könnte ich es machen. Obwohl es viele Empfehlungen gibt, Gott am Morgen zu begegnen, gibt es dafür keinen speziellen Befehl. Aber ich muss einfach für meinen Seelenfrieden meinen Tag mit meinem Gott beginnen. Offensichtlich fühlte David genauso, denn in Ps. 5,3 schrieb er: „Frühe wirst du, Herr, meine Stimme hören, frühe werde ich mein Anliegen dir vorstellen und harren.“

Bevor ich alle Entscheidungen treffe, bevor ich dem Druck meiner Arbeit begegne, muss ich wissen, dass alles Ihm übergeben worden ist. Mir persönlich gibt es mehr Vertrauen, wenn ich meinen Tag mit meinem Vater beginne, und ich fühle mich weniger bedrängt durch „die Tyrannei des Dringenden.“

Vor Jahren hörte ich von einer Frau, die, weil sie viele Kinder hatte und ihre Tage sehr ausgefüllt waren, in der Nacht aufstand, um Zeit allein mit ihrem Herrn zu haben. Wenn sie dann die Wegweisung des Herrn erfahren hatte, ging sie ins Bett zurück. Als ich ihre Geschichte hörte, erschien es mir so wunderbar, so heilig, dass ich es auch so versuchte. Aber es war wirkungslos. Ich saß um zwei oder drei Uhr früh wie im Stumpfsinn da. Zu dieser Zeit war eine wirkungsvolle Gemeinschaft für mich unmöglich. Und das, lieber Freund, ist der Schlüssel! Du sollst es nicht tun, nur um es getan zu haben!

Für manche ist der Abend die beste Zeit. Am Ende des Tages, wenn alle Pflichten erfüllt sind, haben sie der Versuchung durch den Fernseher widerstanden, um alleine mit ihrem Gott zu sein.

Eine meiner Freundinnen bat vor kurzem den Herrn, sie so sensibel zu machen, dass sie den ganzen Tag über im Stadium einer engen Beziehung mit Ihm sein könnte, damit sie sich zu jeder gegebenen Zeit zum Gebet zurückziehen könnte. Der Herr weckte sie sogar oft in der Nacht auf, damit sie für andere beten konnte. Manchmal wünsche ich mir, Er täte es mit mir genauso, aber aus irgend einem Grund tut Er es in diesem Abschnitt meines Lebens nicht.

Geht es dir wie mir, lieber Leser? Ich höre, was Gott mit anderen tut, und ich wünsche es mir auch! Oder weil es so geistlich klingt, denke ich, ich muss es ebenso machen. Ich glaube, es liegt an meiner Persönlichkeit, weil, um ehrlich zu sein, eine festgesetzte Stille Zeit mit meinem Gott immer eine Herausforderung für mich gewesen ist. Ich bin kein Gewohnheitsmensch, noch fällt mir Disziplin leicht. Obwohl Gott so viel in meinem Leben vollbracht hat und meine Tage gewöhnlich in Bezug auf Ewigkeitswert produktiv sind, kommt das nicht, weil ich von Natur aus organisiert oder diszipliniert bin.

Während wir über den besten Zeitpunkt für eine Stille Zeit nachdenken, müssen wir uns an zwei Dinge erinnern. Zunächst ist unsere Stille Zeit allein mit Gott keine oberflächliche Pflicht, sondern eine lebendige Beziehung. Deshalb brauchen wir uns im Hinblick auf die beste Zeit nicht unter gewisse Bestimmungen oder Entscheidungen von andern zu versklaven. Es gibt keine Stunde des Tages, die geistlicher wäre als eine andere. Zweitens müssen wir die Tatsache beachten, dass Temperament, Lebensstil und angeborene Zeitsysteme (Morgen- oder Nachtmenschen) alles Faktoren sind, die dazu beitragen, um die beste Zeit, die man allein mit Gott verbringt, herauszufinden. Wann es auch immer sein mag, finde auf jeden Fall Zeit, um mit deinem Vater alleine zu sein! Es ist eine notwendige Nahrung und Ruhe; tatsächlich, lieber Freund, wird es dir Ruhe und Nahrung für deine Seele geben!

Fußnote

1. Oswald Sanders, Von der Freude des vertrauten Umgangs mit Gott (Bad Liebenzell: VLM, 1986), S. 9.

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