Ich bin erschüttert
Vier von den Besuchern von unserem evangelistischen Bibelkreis werden nie mehr kommen. Alle vier haben ein gewisses Interesse gezeigt und waren mehrmals da. Am Sonntag Morgen sagte mir ein Freund, dass einer von ihnen an einer Überdosis starb, eine zweite an Leberversagen. Die anderen beiden sind schon seit einige Monaten tot. Einer davon war so verzweifelt, dass er sich mit Benzin übergossen und angezündet hat, und eine Frau verabschiedete sich zur Kur und kam nicht zurück, denn sie starb in der Sauna. Ich bin überwältigt von der Not, die uns umgibt. Wie schnell doch unsere Möglichkeit vorbei sein kann, diese Not zu lindern, und andere mit Christus bekannt zu machen.
Sofort fällt mir ein Ausspruch von Robert Murray McCaine ein. Oft sagte er: „Wir predigen als Sterbende zu Sterbenden.“ Wir wissen nicht, wann unser Gegenüber für immer weggerufen wird. Wir wissen nicht, welche Möglichkeiten wir selbst noch bekommen werden. McCaine war ein gesegneter Prediger und starb mit 29 Jahren. Der Herr Jesus lebte wohl auch mit dieser Einstellung: „Ich muss die Werke dessen tun, der mich gesandt hat, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“ (Joh. 9,4). Unsere Möglichkeiten am Evangelium sind begrenzt. Es ist so kurze Zeit, die wir für andere beten können, so wenige Gelegenheiten zu lieben, so wenig Chancen zum Zeugnisgeben, so wenig Augenblicke, wo wir geben können. Bald sind sie vorbei. Für uns und für die Menschen, denen wir begegnen.
Wie bald? Wir wissen es nicht. Der Herr weiß es. Er hat es in der Hand. Er gibt uns genau die richtige Anzahl von Stunden auf der Erde, und auch den anderen. Er rüstet uns aus, damit wir am Evangelium teilhaftig werden, seine Mitarbeiter sein können. Oft singen wir: „Ordne unsern Gang, Jesu lebenslang.“ Das tut er. Er bemisst die Zeit, die wir und andere hier auf der Erde verbringen. „Sind der Stunden des Tages nicht zwölf?“, fragt der Herr die Jünger (Joh. 11,9). Gott hat die Zahl der Stunden in der Hand. In seiner Weisheit und Liebe achtet er darauf, bei jedem Menschen. Auch bei mir und denen, denen ich begegne. Ich vertraue Ihm. Das beruhigt und tröstet mich. Und fordert mich heraus. Denn der Herr deutet auch an, wie ich die kurze Zeit nutzen kann.
Heute morgen las ich von Paulus, wie er auf seine Rechte verzichtete, um so viele wie möglich mit dem Evangelium zu gewinnen. „Ich tue aber alles um des Evangeliums willen, auf dass ich mit ihm teilhaben möge … Seid ohne Anstoß … Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgend etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1. Kor. 9,23; 10,32.31). Das ist ein neuer Gedanke, der mir den Atem raubt. Mein Leben, mein Alltag kann beitragen zur Verbreitung des wunderbaren Evangeliums über unseren Herrn und zur Verherrlichung von Ihm! Der Herr achtet auf unsere Stunden und wird dadurch geehrt oder verunehrt. Mein Verhalten ist ein Gewinn oder ein Verlust für die Ewigkeit, ein Segen oder ein Anstoß für andere.
Meine Tage sind gezählt, wie schnell gehen sie vorüber, wie zerbrechlich ist unser Leben – und doch: Es wirkt sich aus über den Tod hinaus. Es bewirkt etwas Bleibendes, Dauerhaftes. Ein Segen mit ewigen Auswirkungen ist in unsrer Reichweite. Ich wünsche mir geistliche Kraft, um heute die Möglichkeiten zu nutzen. Heute ein Zeugnis zu sein, heute zu geben und zu beten. Wegen der großen Not, der kurzen Zeit und dem Herrn der Herrlichkeit, der uns in sein Werk einbezieht. Außerdem wünsche ich mir, dass die Beiträge in diesem Heft auch eure Gebete bereichern und euch Ideen geben für euren Dienst und wie ihr das Werk des Herrn unterstützen könnt.