Unternehmen Sie etwas, bevor Sie völlig ausgelaugt sind!
Jeder Mitarbeiter entwickelt zu einem gewissen Zeitpunkt das »Elia-Syndrom«. Was kann getan werden, wenn übermäßig viel Arbeit und tiefgehende Erfahrungen einen Menschen ausgebrannt zurücklassen? Dieser Artikel bietet Hilfe, einem weit verbreiteten Zustand unter Mitarbeitern entgegenzuwirken.
Kennen Sie die Geschichte von Mose und dem brennenden Dornbusch? Gott setzte diesen Strauch in der Wüste in Flammen, um zu seinem Knecht zu reden. Der Busch brannte, wurde jedoch nicht vom Feuer verzehrt. Leider sind heutzutage einige Sonntagsschullehrer, die einst brennende Büsche waren, nur noch verstreute Asche. Ausgebrannt. Aufgebraucht. Müde und leer. Sie kennen diesen Menschenschlag: jahrelang treue Mitarbeiter, auf vielen Gebieten aktiv. Dann verschwinden sie plötzlich ganz aus der Gemeinde und bleiben unberührt von der Liebe derer, die versuchen, sie wieder in die Gemeinde zurückzuholen. Sie sind zu einem klassischen Beispiel ausgebrannter Christen geworden.
URSACHEN FÜR DAS AUSGEBRANNTSEIN
Was ist das — Ausgebranntsein? Wie kommt es dazu?
Eine einfache Definition des Wortes lautet: durch Stress aus der Bahn geworfen. Wir kennen Stress. Ein bisschen davon ist nützlich, aber wir brennen aus, wenn wir mit Stress überladen sind. Herbert J. Freudenberger, ein Psychoanalytiker, definiert einen ausgebrannten Menschen als »jemanden, der sich in einem Zustand der Erschöpfung oder Frustration befindet, der herbeigeführt wurde durch die Hingabe an eine Sache, einen Lebensweg oder eine Beziehung. Der Erfolg blieb aus.«[i]
Christen, insbesondere Mitarbeiter, sind besonders anfällig, sich völlig zu verausgaben. Wie man wissenschaftlich feststellte, ist ein Ausbrennen nur möglich, wenn man »Feuer hat«. Sonntagsschullehrer zum Beispiel haben häufig den intensiven Wunsch, das Leben derer, die sie unterrichten, zu verändern. Sie wollen ihren Schülern helfen geistlich zu wachsen. Sie mühen sich ab, sichtbare Besserung auf geistlichem Gebiet herbeizuführen. Sie haben eine Vision und kämpfen darum, diese zu verwirklichen. Wir stehen in der Gefahr auszubrennen, wenn sich diese Vision nicht mit Gottes Realität deckt, oder wenn die von uns erwünschten Ergebnisse nicht eintreten, oder wenn wir uns zu Dingen verpflichten, die außerhalb unserer Leistungsgrenze liegen. Als Folge tritt das »Elia-Syndrom« ein, wie es ein Autor einmal bezeichnete.
DAS ELIA-SYNDROM
Das Ausgebranntsein tritt bezeichnenderweise nach einem der folgenden zwei Ereignisse ein: Nach harten, aber ergebnislosen Bemühungen ein Ziel zu erreichen, oder nach einem intensiven, positiven Erlebnis. Auf Elia traf Letzteres zu. Er „ertrank“ im Sieg, den er auf dem Berg Karmel gegen die Propheten des Baal erlangt hatte. Durch dieses Ereignis angespornt, lief er sogar dem Wagen Ahabs voraus. Plötzlich war er so ausgebrannt wie das Opfer, das er auf dem Berg Karmel dargebracht hatte.
Elia wies alle klassischen Symptome auf. Er wurde depressiv, traurig und fühlte sich verlassen. Er zog in die Wüste und ließ nicht nur die Drohungen Isebels, sondern auch seinen Diener zurück. Elia sehnte sich danach, alleine zu sein. Aber die Einsamkeit half ihm nicht weiter. Er fiel bald der Leere und Verzweiflung anheim. Er ließ sich unter einen Ginsterstrauch fallen und wollte sterben. Dort kümmerte sich ein Engel um ihn und munterte ihn auf, zum Berg Horeb zu gehen. Dennoch besserte sich durch den Ortswechsel Elias Zustand nicht. In seiner Begegnung mit Gott sprach er seine Gefühle der Bitterkeit und Einsamkeit aus und brachte zum Ausdruck, dass er sich schlecht behandelt und verfolgt fühlte.
WIE MAN DAS AUSBRENNEN VERMEIDEN KANN
Die gute Nachricht für Elia war, dass Gott ihn schließlich wiederherstellte. Die bessere Nachricht für uns lautet, dass diese Situation ganz und gar vermieden werden kann. Aber wie?
• Beten Sie über Ihren Gefühlen. Elia machte es so. Er war Gott gegenüber ehrlich und offen und auch Gott war ihm gegenüber ehrlich und offen. Und das Ende war besser als der Anfang.
• Legen Sie Ihre Prioritäten neu fest. Ausgebranntsein wird zu einem bedeutenden Teil dadurch verursacht, dass man zu viele Verpflichtungen eingeht. Hat man zu viele Eisen im Feuer, kann man auf keines genügend achten. Und gewöhnlich heißt das auch, dass Ihre Familie einen ihrer wertvollsten Bestandteile entbehren muss — nämlich Sie. Lernen Sie, wie und wann man „Nein“ sagen kann. Ihre Familie wird dies zu schätzen wissen, selbst wenn dies irgendein Ausschussvorsitzender nicht tun wird.
• Praktizieren Sie die Kunst der Dankbarkeit und des Lobes. Nach Freudenberger ist die beste Art, das Ausgebranntsein zu vermeiden, »sich anzugewöhnen, die wenig aufsehenerregenden, guten Dinge, die uns widerfahren, wahrzunehmen — und zu hegen und zu pflegen.«[ii] Dank und Anbetung besiegen das »Ausbrennen« wie die Sonne den Nebel am frühen Morgen besiegt.
• Erlernen Sie die Kunst, sich körperlich zu entspannen. Laut dem Psychologen Jerry R. Day ist es unmöglich, sich zu sorgen, wenn man entspannt ist. Probieren Sie diese einfache Sache aus! Nehmen Sie sich am Ende eines Tages zehn oder zwanzig Minuten, machen Sie es sich in einem Sessel bequem und strecken Sie sich. Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe und denken Sie daran zu entspannen. Stellen Sie sich vor, Sie würden sich an einem Südseestrand in der Sonne aalen oder durch eine bunte Wiese schlendern.
• Bewegung ist wichtig. Fast alle Forscher sind sich darüber einig, dass die beste Medizin gegen das »Ausbrennen« die Bewegung ist. Gehen Sie joggen, spielen Sie Tennis oder Golf, arbeiten Sie in Ihrem Garten oder was auch immer. Können Sie eine solche Aktivität jedoch nicht genießen, zwingen Sie sich nicht dazu; sie würden sich erneut einer Reihe nervlicher Anspannungen aussetzen.
• Schaffen Sie sich Abwechslung. Lassen Sie ein altes Interesse oder Hobby wieder aufleben. Oder fangen Sie ein neues an. Gönnen Sie sich Freiraum. Gehen Sie spazieren. Riechen Sie an einer Blume. Lesen Sie ein gutes Buch. Versuchen Sie ein wenig »kreativ« zu faulenzen. James Thurber bemerkt dazu: »Es ist besser zu faulenzen und etwas zu verpassen als niemals zu faulenzen.«[iii]
• Sprechen Sie sich aus. Versuchen Sie nicht, Ihren Weg alleine zu gehen. Wenn Sie sich abschotten, wird das Problem eher noch verstärkt als gelöst. Suchen Sie jemand, dem sie sich anvertrauen können.
• Geben Sie jeden Tag Ihr Bestes. Sorgen Sie sich nicht um den nächsten Tag. Das Ausgebranntsein wird nicht über Nacht überwunden sein, aber, und das ist genauso offensichtlich, Sie werden diese schwere Zeit überstehen. Diese Gemütsverfassung wird letztlich auch vorübergehen. Entspannen Sie. Hören Sie auf, sich zu bemitleiden und sich vorzujammern, wie furchtbar alles ist. Machen Sie das Beste daraus. Sie werden es durchstehen.
Mit
freundlicher Genehmigung aus: Bruce Wilkinson, „Wie mach ich’s richtig“, S.
32-35, Copyright Christliche Verlagsgesellschaft, 35683 Dillenburg.
[i] Herbert I. Freudenberger, Burn-out: The High Cost of High Achievement (Doubleday, 1980)
[ii] ebenda
[iii] James Thumber, Reader´s Digest, „Quotable Quotes“, März 1976, S. 137