Gemeinde & Mission

Und jetzt bitte die Damen!

von Lennox Gilbert

Die Älteren

Ältere Frauen sollen in ihrem Lebenswandel ehrfürchtig sein. Sie sollen sich so verhalten, wie es zu einer gottesfürchtigen und heiligen Person passt. Mit anderen Worten, die innere Wirklichkeit, die Gnade Gottes zu kennen, sollte sich in einem Leben voller Gnade äußern. Es sollte für alle offensichtlich sein, dass sie Gott kennen und dass ihr Streben ist, ihn mit allem, was sie tun, zu ehren.

Zusätzlich sollen ältere Frauen zwei Arten von Verhalten vermeiden, das sie leicht zu Fall bringen könnte: Ein unkontrollierter Gebrauch der Zunge und Alkoholmissbrauch. Manche Frauen werden mit zunehmendem Alter immer verurteilender und kritischer gegen jeden und alles. (Auch Männer können darin versagen!) Fast jede Unterhaltung dreht sich dann um andere Leute – meistens um die, die nicht anwesend sind – und die Gespräche sind oft negativ und manchmal geradezu verleumderisch. Das kann Hand in Hand mit einer zunehmenden Vorliebe für Wein oder Likör gehen. Das hebt die Stimmung und die Gefühle. Dabei bemerken sie nicht, dass Alkohol das Problem ihres Redens verstärkt und zusätzlich eine gefährliche Sucht mit sich bringt.

Diese Gewohnheiten sind sehr schwer loszuwerden, wenn sie einmal eingeübt sind. Gnade erzieht uns natürlich ganz anders. Wenn wir verstehen, wie großzügig Gott zu uns gewesen ist, dann sind wir umso mehr bereit, anderen gegenüber die gleiche Großzügigkeit zu erweisen. Je mehr wir das Böse in unserem Herzen entdecken, desto mehr sehen wir die Großzügigkeit Gottes uns gegenüber. Wir sollten uns immer folgende Frage stellen: „Wo wäre ich heute, wenn Gott mich so behandelt hätte, wie ich diese andere Person behandeln möchte oder bereits behandelt habe?“

Zusätzlich betont Paulus die äußerst wichtige Rolle von Frauen in Bezug auf das Lehren und die Erziehung zuhause und in der Gemeinde. Die meisten Übersetzungen drücken diese Anweisung so aus: „Lehrerinnen des Guten.“ Eine bessere Übersetzung wäre, dass sie „gute Lehrerinnen“ sein sollen. Die Betonung liegt dabei auf ihrem Charakter. Sie sollen gute Vorbilder für die jüngeren Frauen in der Gemeinde sein. Aber es deutet auch an, dass sie bewusst die Absicht und das Engagement dafür haben, jüngere Frauen auszubilden. Sie sollen ihnen eine Geisteshaltung beibringen, die folgende Werte schätzt und anstrebt: Liebe ihren Familienmitgliedern gegenüber, persönliche Reinheit, Selbstbeherrschung, harte Arbeit, Freundlichkeit und Respekt für den Ehemann.

Ältere Frauen haben sowohl in der Familie als auch in der Gemeinde eine wichtige Rolle. Sie besteht besonders darin, die Werte vorzuleben und weiterzugeben, die Familien und Gemeinden zusammenhalten.

Über andere Orte bin ich nicht so gut informiert, aber bei uns im Westen ist es leider häufig der Fall, dass ältere Frauen an den Rand gedrängt werden, sowohl in Familien als auch in Gemeinden. Dafür gibt es eine Vielfalt von Gründen: die Zersplitterung des Familienlebens, die wachsende Seniorenfeindlichkeit in der gesamten Gesellschaft, die herabwürdigende und abwertende Art, mit der Frauen in der Gemeinde so oft behandelt worden sind und die Tatsache, dass Gemeinden oft in verschiedene Altersgruppen zerstückelt sind, die wenig miteinander zu tun haben. Und natürlich werden Frauen, die sich nicht in der Gnadenschule ausbilden haben lassen, den reifen und geistlich schönen Charakter nicht haben, den sie brauchen, um ihre Rolle effektiv auszufüllen.

Ältere Frauen müssen besonders von den Ältesten der Gemeinde ermutigt werden diese Verantwortung ernst zu nehmen. Manche älteren christlichen Frauen befürchten, dass sie den jüngeren Frauen nichts Wichtiges oder Wertvolles mitzuteilen haben. Andere haben sich in einem kleinen Kreis ihrer Freunde im gleichen Alter niedergelassen und versuchen kaum oder gar nicht, darüber hinaus zu wirken. Andere sind von der Jugend und ihrem scheinbaren Selbstvertrauen eingeschüchtert. Während diese und viele andere Probleme oft ernst und sehr real sind, sind sie sicher nicht ausreichend, dass wir Paulus widersprechen und ihm sagen, dass er da etwas falsch verstanden hat!

Dieses Lehren und Ausbilden der jüngeren Frauen durch die älteren Frauen muss nicht im offiziellen Rahmen gemacht werden, auch wenn das nicht an sich schlecht ist. Hier ist nicht unbedingt gemeint, Vorträge zu halten und Bibelarbeiten zu leiten. Es geht darum, ein gutes Vorbild für jüngere Frauen zu sein, ihnen gegenüber offen zu sein und ihnen Interesse entgegenzubringen, ihnen zuzuhören, zu versuchen ihre dringenden Fragen zu beantworten und ihnen diese Werte beizubringen, die Paulus empfiehlt. Die älteren Frauen brauchen für diese Aufgabe nicht ihre bestehenden gewachsenen Freundschaften aufzugeben. Sie müssen auch nicht versuchen, die „beste Freundin“ für jüngere Frauen zu sein, sondern sie vielmehr auf vielerlei Weisen ermutigen, unterstützen und lehren.

Jüngere Frauen

Jüngere Frauen sollen von älteren Frauen in einigen wichtigen Bereichen ausgebildet werden. Bevor wir zu den einzelnen Bereichen kommen, ist die erste Herausforderung für jüngere Frauen wahrscheinlich, dass sie lernen müssen, überhaupt etwas mit den älteren Frauen zu tun zu haben und eine Beziehung mit ihnen zu pflegen – und die Demut zu haben zu erkennen, dass die älteren Frauen ihnen wirklich etwas beizubringen haben.

Mit älteren Frauen Zeit zu verbringen ist keine Gepflogenheit, die in der westlichen Kultur sehr gebräuchlich ist. Es ist jedoch offensichtlich sowohl ein wichtiger Bestandteil einer gesunden Familie und des sozialen Lebens, wie es das Neue Testament beschreibt, als auch ein wichtiger Beitrag für die moralische und geistliche Entwicklung junger Frauen. Mit anderen Worten, die Entwicklung einer jungen Frau wird ohne gesunden Austausch mit älteren Frauen wahrscheinlich schwer beeinträchtigt werden. Viel von diesem Austausch sollte informell geschehen. Er sollte aus dem Verlangen und der Bereitschaft entstehen Zeit miteinander zu verbringen. Diesen Wunsch sollten beide haben, sowohl die jungen Frauen als auch die älteren. Zusätzlich dazu kann es nötig sein, dass die Gemeinde einen Rahmen schafft, in dem das Kennenlernen und der Austausch zwischen älteren und jüngeren Frauen erfolgreich stattfinden kann.

Was sind nun die Schlüsselgebiete, die Paulus anspricht? Am wichtigsten ist, dass junge Frauen dazu ausgebildet werden sollen, ihre Männer zu lieben und ihre Kinder zu lieben.[1] Paulus wiederholt das Wort „lieben“ um es zu betonen. Liebe ist der „Klebstoff“, der Ehen und Familien zusammenhält – nicht Romantik, nicht Sex, sondern Liebe. Liebe dreht sich um das Geben: unser Leben für Andere auszugießen und ihr höchstes Gut zu suchen. Liebe darf nicht mit Verliebtheit oder „liebevollen Gefühlen“ verwechselt werden (auch wenn diese sehr angenehm sind, wenn sie da sind!). Liebe ist grundsätzlich eine Entscheidung, ein Willensakt, unabhängig davon, was unsere Gefühle sagen mögen. Diese Art von Liebe steht in der Gnadenschule im Mittelpunkt. Wir erinnern uns daran, dass die Selbsthingabe Jesu die Grundlage und das Motto der Gnadenschule ist. Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. Kann eine Person in dieser Art von Liebe ausgebildet werden? Ja, meint Paulus.

Jüngere Frauen sollen außerdem in Selbstbeherrschung und persönlicher Reinheit ausgebildet werden. Es ist ein Fehler zu glauben, dass nur Männer sexuell versucht werden. Die gelangweilte Hausfrau, die sich nach Romantik und Aufregung sehnt, ist zu einem Klischee geworden. Darüber hinaus kennen die meisten Frauen ihre Macht sehr gut, die sie haben um zu beeinflussen, wie Männer sie sehen und wie Männer sich zu ihnen hingezogen fühlen. Die westliche Kultur tritt nicht für Selbstbeherrschung und Reinheit ein, weder bei Frauen noch bei Männern. Werte, die in unserer Gesellschaft vorherrschen sind Freiheit, Selbstverwirklichung und seine eigenen Werte und Richtungen zu definieren. Junge Frauen werden irgendwo nach Beratung und Inspiration suchen. Es ist unverzichtbar, dass sie reife, gottesfürchtige Frauen kennen, auf die sie schauen können, die Gottes Wege in einer positiven Weise verkörpern, und die, wo nötig, sie zu Reinheit, liebevoller Hingabe und den Versprechen, die sie abgelegt haben, zurückrufen.

Junge Frauen müssen ausgebildet werden, zuhause beschäftigt zu sein und gütig zu sein. Der erste dieser Ausdrücke wird von manchen so verstanden, dass verheiratete Frauen zuhause bleiben und nicht außerhalb des Hauses berufstätig sein sollen. Meine Sichtweise ist, dass das die Aussage zu weit treiben würde. Ich sehe diese Anweisung als eine positive Ermutigung für junge verheiratete Frauen, zuhause im Haushalt und mit den Kindern zu arbeiten und dabei nicht zu erlauben, dass das, was sie außerhalb des Hauses tun, das Leben zuhause beeinträchtigt. In der frühen Gemeinde ist Lydia ein Beispiel einer Unternehmerin, die sich sowohl um einen Haushalt als auch um ein Geschäft kümmerte. Die Gemeinde in Philippi hatte ihre Anfänge ja sogar in ihrem Haus (Apostelgeschichte 16,11-15.40).

Berufstätig zu sein ist nicht immer der Feind, für den manche das halten. Natürlich können wir zu beschäftigt sein. Wir können aber auch nicht beschäftigt genug sein, oder eher damit beschäftigt sein, die falschen Dinge zu tun. Der Mangel an Beschäftigung mit positiven Dingen kann schnell zu einem Beschäftigtsein mit negativen, schädlichen Dingen führen – Zügellosigkeit, zu viel Fernsehen oder Shopping, zu viel Zeit auf Facebook oder anderen sozialen Netzwerken. Es kann dazu führen, dass eine Frau eine Wichtigtuerin wird, die sich zu viel in die Sachen Anderer einmischt. Sprüche 31 bietet eine ausgezeichnete Anleitung für positives, gesundes Beschäftigtsein. Erholung ist so viel angenehmer, wenn wir aus gutem Grund müde sind!

Paulus fügt die Wichtigkeit von Güte an, denn manchmal kann sie in der Beschäftigung des Lebens vergessen werden. Wir können hart arbeiten, ohne einen großzügigen Geist zu haben. Wir können unserem Fleiß erlauben, uns gereizt und egoistisch zu machen. Ältere Frauen können oft Perspektiven vermitteln und jüngere Frauen ermutigen, sich an die Wichtigkeit von Beziehungen zu erinnern und gütig und großzügig gegenüber Anderen zu sein.

Jüngere Frauen und Unterordnung

Schließlich sollen die älteren Frauen die jüngeren Frauen anleiten, sich den eigenen Männern unterzuordnen. Ich bin mir sehr bewusst, dass das in vielen Kulturen ein sehr kontroverses Thema ist, aber nicht in allen. Heutzutage finden manche diese Lehre äußerst anstößig: Sie finden sie sexistisch und barbarisch und meinen, dass sie keinen Platz im 21. Jahrhundert haben sollte. Sie lehnen kurzerhand jede Idee ab, welche die Geschlechter in ihrer Rolle  unterscheidet. Diese Ablehnung ist darüber hinaus in vielen Ländern gesetzlich verankert und das Streben nach Chancengleichheit, gleichen Löhnen und Menschenrechten für Frauen hält an. Das Klima, in dem Paulus´ Aussagen heute im Westen gelesen werden, hat sich stark verändert gegenüber dem, wie es vor 50 Jahren war, geschweige denn gegenüber der Zeit, in der Paulus lebte. Manche von uns sind in einem Gemeindehintergrund aufgewachsen, der größtenteils immun gegen diese Veränderungen der Außenwelt war. Wir müssen dann darauf aufmerksam gemacht werden, wie beleidigend viele diese Lehre von Paulus empfinden. Deshalb mag es nützlich sein, für dieses Thema etwas mehr Zeit zu verwenden.

Wir beginnen damit zu fragen, warum Unterordnung so oft als eine negative Sache angesehen wird. Manche unserer negativen Reaktionen auf Unterordnung beruhen darauf, dass wir sie als „Kapitulation“ verstehen. Ein anderer Grund kann sein, dass wir sie als eine Aussage über den relativen Wert oder die Wichtigkeit verstehen. Beides sind Missverständnisse. Jesus ordnete sich seinen Eltern unter. Sie haben ihn nicht mit Gewalt zur Unterordnung gezwungen und seine Unterordnung schloss nicht ein, dass er weniger wert war als sie.

Darüber hinaus beruhen viele dieser negativen Reaktionen auf Unterordnung auf schlechten Erfahrungen: Männer, die ihre Frauen misshandeln; Frauen, denen Bildung verwehrt wird und die in der Gesellschaft generell diskriminiert werden; Frauen, die in der Gemeinde unterschätzt und schlecht behandelt werden. Die oft schockierende Behandlung, die Frauen widerfährt, muss erkannt und verurteilt werden. Ich würde behaupten, dass diese inakzeptable Behandlung nicht aufgekommen ist, weil Menschen Jesus aufrichtig nachgefolgt sind, sondern weil sie ihn ignoriert haben und dem Evangelium nicht erlaubt haben, ihre Einstellung und ihr Verhalten zu ändern. Jesus war revolutionär in der würdevollen und bestätigenden Art, mit der er Frauen behandelt hat. Frauen spielten eine wichtige Rolle in seinem Auftrag. Es war eine Frau, der er die Nachricht seiner Auferstehung zuerst mitteilte.

Die heutige Kultur in Europa ist sehr verschieden vom Europa zu Paulus´ Zeit. Im ersten Jahrhundert wäre allein die Tatsache, dass Paulus Frauen im Brief direkt anspricht, als eine starke Bestätigung ihres Wertes und ihrer Rolle angesehen worden. Die Tatsache, dass er sie gelehrt hat und sie dazu ermutigte, sich als Kinder Gottes gegenüber ihren Männern in einer bestimmten Weise zu verhalten und auf sie zu reagieren, wäre als befreiend und als Kompliment angesehen worden. Doch ironischerweise wird dieselbe Lehre heute mit Argwohn und offenem Widerstand betrachtet, in einem Umfeld, wo immer mehr Leute glauben, dass es keine Unterschiede in den Rollen der Geschlechter in einer Ehe gibt. Wir müssen deshalb vielleicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Treue zu Jesus bedeuten kann, uns gegen den Geist unserer Kultur zu stellen, und vielleicht sogar gegen unsere eigenen Ansichten.

Sind wir bereit, hier unsere eigenen Ansichten beiseitezulegen, wenn wir feststellen, dass sie nicht mit Jesu Lehre übereinstimmen, die durch Paulus vermittelt wird? Das grundlegende christliche Bekenntnis sagt, dass Jesus Christus Herr ist. Wir sind dazu aufgerufen, ihm zu gehorchen, in unserer Ehe wie in jedem anderen Bereich des Lebens. Wenn wir das nicht tun, riskieren wir einen schwerwiegenden Schaden an unseren Ehen. Denn dann würden wir dem ungehorsam sein, der die Ehe geschaffen hat und der weiß, wie sie am besten funktioniert. Wir riskieren außerdem, dem Evangelium schwer zu schaden, das wir eigentlich zieren sollten.

Was Unterordnung nicht ist

Lasst uns genau darauf achten, was Paulus nicht sagt. Erstens sagt er nicht, dass sich eine christliche Frau jedem Mann im Allgemeinen unterordnen soll. Es wird nicht angedeutet, dass eine Frau am Arbeitsplatz nicht die Vorgesetzte von Männern sein kann. Eine Frau wie Lydia (s. Apostelgeschichte 16) darf ihr eigenes Unternehmen mit männlichen Angestellten haben. Das ist kein Problem für Paulus. Er redet hier ausschließlich über die Rollen in der Ehe.

Zweitens sagt er nicht, dass Männer ihre Frauen dazu bringen sollen, sich unterzuordnen. Als Ehemann habe ich kein Recht, mir meine Frau unterzuordnen. Es ist die Verantwortung meiner Frau, sich mir unterzuordnen. Das ist eine Entscheidung, die christliche Frauen treffen müssen, weil sie jetzt Dienerinnen Christi sind. Sie tun es aus Respekt und Treue gegenüber Christus.

Drittens sagt er nicht, dass sich die Frau ihrem Mann aufgrund des örtlichen Umfelds und der Kultur unterordnen soll. Manche Leute glauben, dass Paulus keine Unterordnung lehren würde, wenn er heute an Frauen im Westen schreiben würde. Dem widerspreche ich. Paulus lehrt zeitlose Prinzipien, nicht Pragmatismus. Vergleiche das, was er hier lehrt, mit dem, was er in Epheser 5,22-24 sagt: „Ihr Frauen, ordnet euch euren eigenen Männern unter als dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch der Christus das Haupt der Gemeinde ist; und er ist der Retter des Leibes. Wie nun die Gemeinde sich dem Christus unterordnet, so auch die Frauen ihren eigenen Männern in allem.“ [Schl 2000]

Die leitende Stellung Christi über die Gemeinde ändert sich nicht in Abhängigkeit von der örtlichen Kultur. So auch nicht die jeweiligen Rollen von Mann und Frau in der Ehe.

Viertens lehrt er nicht, dass die Unterordnung einer Frau unter ihren Mann nur eine Seite der Medaille der „gegenseitigen Unterordnung“ ist. Diese Vorstellung besagt, dass sich die Frau ihrem Mann unterordnen soll, aber auch der Mann seiner Frau. Auf diese Art werden Unterschiede in Bezug auf Führung und Autorität entfernt.

Es gibt so etwas wie „gegenseitige Unterordnung“ in dem Sinne, dass wir uns alle gegenseitig mit Demut, Respekt und Achtung behandeln sollen und einander in Liebe dienen sollen – unabhängig von Alter, Geschlecht und Lebenssituation. Doch das ist nicht alles: Unter Beachtung all dessen, was über das gegenseitige Lieben gesagt ist, greifen die Schreiber des Neuen Testaments bestimmte Beziehungen heraus und legen die Reihenfolge in diesen Beziehungen fest. Diese ändert sich nie. Kinder sollen sich ihren Eltern unterordnen; Eltern wird nicht gesagt, dass sie sich ihren Kindern unterordnen sollen. Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen; Männern wird nicht gesagt, dass sie sich ihren Frauen unterordnen sollen. Männer sind das Haupt ihrer Frau; von Frauen wird nie gesagt, dass sie das Haupt ihres Mannes seien. Das sind einzigartige und besondere Beziehungen, in denen jede Seite eine bestimmte Rolle auszufüllen hat. Männer sollen ihre Frauen lieben, sich für ihre Frauen hingeben, ihnen gegenüber fürsorglich und rücksichtsvoll sein. Männern und Frauen gemeinsam wird gesagt, dass sie „Miterben der Gnade des Lebens“ sind. Aber Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen. Sie haben viel gemeinsam, aber ihre Rollen unterscheiden sich.[2]

Was Unterordnung ist

Unterordnung bedeutet zuerst einmal, dass eine Ehefrau ihre Rolle als Unterstützerin, Helferin und Partnerin für ihren Ehemann sehr ernst nimmt.[3] Zweitens bedeutet es, dass eine Frau ihrem Mann sowohl im Privaten als auch in der Öffentlichkeit Respekt erweist. Viele Männer sind wegen ihrem Arbeitsdruck oder wegen tief sitzender Gefühle von Versagen und Unsicherheit zerrissen und erschöpft. Es macht einen großen Unterschied, wenn sie nicht nur die Liebe, sondern auch den Respekt ihrer Ehefrauen bekommen. Drittens bedeutet es, die Leitung des Mannes zu suchen und zu akzeptieren.

Eine sehr einfache Art das zu erklären ist zu sagen, dass in einem zweiköpfigen Team einer die endgültige Entscheidung treffen muss, wenn es keine Übereinstimmung gibt. Sonst gelangt man in eine Sackgasse und die Beteiligten gehen ihre unterschiedlichen Wege. Genau das ist die Tendenz in vielen heutigen Ehen, in denen es keine Unterscheidung der Rollen gibt. Laut der Bibel hat der Mann diese Verantwortung. Er muss Verantwortung dafür übernehmen, seine Frau und seinen Haushalt zu leiten. Die Verantwortung der Frau ist, sich der Leitung ihres Mannes unterzuordnen und ihm zu folgen.

Wie sieht das aus? Folgendes tue ich als Ehemann: Jeden Morgen gebe ich meiner Frau eine ausgedruckte Liste mit allen meinen Anweisungen für den Tag. Ich weise sie an sicherzustellen, dass sie alles erledigt hat, wenn ich von der Arbeit zurückkomme… Natürlich mache ich das nicht! Bei Leiterschaft in der Ehe und daheim geht es (wie überall) nicht darum, jede Entscheidung zu treffen. Es geht darum, in der Partnerschaft mit meiner Frau aktive Verantwortung für die Ausrichtung der Ehe und der Familie zu übernehmen. Es geht darum zusammenzuarbeiten: Kernfragen zu definieren, die die Ausrichtung unseres gemeinsamen Lebens beeinflussen und sie gemeinsam durchzusprechen, über sie zu beten und immer zu versuchen, gemeinsam zu einer möglichst weisen Entscheidung zu kommen.

Ich verwende bewusst den Ausdruck „Kernfragen“. Die Werte, die wir ausleben und unseren Kindern mitgeben wollen, sind Kernfragen. Entscheidungen, die die Ausbildung unserer Kinder betreffen, Beteiligung am Gemeindeleben, die berufliche Richtung, ein Umzug – alle diese Dinge sind Kernfragen. Aber es gibt hunderte andere Dinge, bei denen wir uns gegenseitig vertrauen, dass der Andere zurechtkommt, die nicht die Ausrichtung unserer Ehe beeinflussen und die nicht viel oder gar keine Besprechung verlangen.

Für mich bedeutet das oft, das Gespür dafür zu haben, dass meine Frau die Weisheit hat, die mir fehlt! Es bedeutet anzuerkennen, dass sie in Bereichen begabt ist, wo ich es nicht bin. Es bedeutet anzuerkennen, dass sie in vielen Bereichen mehr weiß als ich. (Ich sehe meine Rolle als Ehemann dadurch nicht gefährdet.) Ich muss immer noch die Entscheidung treffen, aber oft ist meine Entscheidung, meiner Frau zuzustimmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich meine Verantwortung aufgebe, sobald in einer Kernfrage eine Meinungsverschiedenheit zwischen uns auftritt. Ich sage dann nicht: „Also gut, mach es wie du denkst. Ich wasche meine Hände in Unschuld.“ Welche Entscheidung auch immer getroffen wurde, die letztendliche Verantwortung dafür liegt immer bei mir als dem Ehemann.

In der Praxis einigen wir uns oft. Was aber, wenn nicht? Dann reden wir, warten und arbeiten es durch. Manchmal finden wir es hilfreich, uns weisen und reifen Rat zu diesem Thema zu holen. Es mag eine Frage sein mit der ich selbst ringe, weil ich mir nicht wirklich sicher bin, was zu tun ist. Es mag etwas sein, bei dem ich mir ziemlich sicher bin, aber meine Frau ist zögerlich und weil ich ihre Weisheit und Intuition respektiere, bin ich bereit, Rat bei anderen zu suchen. Bei einigen wenigen Anlässen haben wir eine wichtige Frage besprochen und sind nicht zu einer Einigung gekommen. Also habe ich Verantwortung für eine Entscheidung übernommen, die gegen die Sicht meiner Frau ist und sie hat meine Rolle als Leiter akzeptiert.

Es ist die Verantwortung des Mannes zu leiten. Es ist außerdem die Verantwortung eines Mannes, wie Paulus an anderer Stelle deutlich macht, seine Frau zu lieben und sich selbst für sie hinzugeben, dem Vorbild Christi folgend. Wo ein Mann seine Frau liebt wie Christus die Gemeinde liebt, sollte es für seine Frau zumindest viel leichter sein, seiner Leiterschaft ganz gehorsam zu sein.

Sogar mit diesen Erklärungen ist es immer noch möglich – oder sogar wahrscheinlich – dass manche dies mit Kopfschütteln und sogar mit Ärger lesen. Sie denken: „Willst du ernsthaft behaupten, dass diese Anweisungen für Frauen im 21. Jahrhundert gelten?“ Das tue ich, ohne Entschuldigung. Ich verstehe, dass es mit den Werten der gegenwärtigen westlichen Kultur kollidiert. Ich verstehe auch, dass ich als Mann schreibe (was manche als eine Disqualifikation sehen mögen!). Doch die eigentliche Frage ist: Wessen Meinung hat die höchste Autorität? Natürlich Gottes Wahrheit. Es ist freilich gegen unsere Kultur, aber dazu sind wir berufen. Das ist der Weg der Gnadenschule zu moralischer und geistlicher Gesundheit und Schönheit. Ich fordere euch heraus, es anzunehmen.

Diese Anleitungen unterstreichen, dass sich Paulus bewusst war, dass die Art, wie christliche Frauen leben, für das Evangelium von entscheidender Bedeutung ist. Frauen haben großen Einfluss auf die Moral und die Werte einer Gesellschaft. Die Welt beobachtet uns um zu sehen, wie unser Christentum im Leben gelingt. Leider scheint es, dass es in Kreta einige Frauen gab, deren Lebensstil Leute dazu gebracht hat, schlecht über das Evangelium zu reden.


[1] Paulus spricht eindeutig über verheiratete Frauen. In seiner Kultur heiratete der Großteil der Frauen, und sie heirateten früh. Die heutige westliche Kultur unterscheidet sich davon stark, denn es wird oft erst mit Ende zwanzig oder dreißig geheiratet, wenn überhaupt. Obwohl Paulus unverheiratete Frauen nicht direkt anspricht, kann genug davon abgeleitet werden, was er zu älteren und jüngeren Frauen sagt, um auch für unverheiratete Frauen eine herausfordernde Zusammenstellung von Eigenschaften und Werten zu bieten.

[2] Wenn uns Paulus in Epheser 5 sagt, uns einander unterzuordnen, fährt er damit fort zu erklären was er meint, indem er die gleiche Liste an Beziehungen aufzählt: Frauen und Männer, Kinder und Eltern, Sklaven und Herren. Mit anderen Worten: Wenn er mit den Worten „ordnet euch einander unter“ zur Unterordnung aufruft, hat er bestimmte Beziehungen im Sinn.

[3] siehe 2.Mose 2,18 ?\??di