Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 147: „Bis er kommt“

von Loidl Martin

Für uns als Gemeinde ist der Sonntag gewissermaßen der Höhepunkt der Woche. Warum? Ich weiß nicht, woran du denkst. Manchem mag das Ausschlafen, die Skitour im Sonnenschein, der Sonntagsbraten oder das Faulenzen auf der Couch in den Sinn kommen – alles keine schlechten Dinge. Aber was den Sonntag wirklich besonders macht, ist das Abend- oder Gedächtnismahl. Normalerweise treffen wir uns, um gemeinsam unseren Herrn Jesus für seinen Charakter und sein Wirken anzubeten und an sein Erlösungswerk zu denken – ausgedrückt durch die Symbole von Brot und Wein. Dabei stehen häufig die Aspekte des vollbrachten, vollkommenen Opfers, der Erlösung von unserer Schuld und das ewige Leben in Christus im Mittelpunkt. Und das sind wirklich ganz besondere Wahrheiten, über die wir noch die ganze Ewigkeit staunen werden.

Ich möchte heute aber einen weiteren Aspekt in den Mittelpunkt rücken, der unmittelbar mit dem Gedächtnismahl verbunden ist. „Denn sooft ihr dieses Brot esst und den Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.“ (1. Kor 11,26). Die letzten drei Worte sind wirklich entscheidend für unser Leben! Sie erinnern uns nämlich daran, dass das Ziel von uns Christen noch nicht erreicht ist, dass ein wesentliches Versprechen unseres Herrn an seine Jünger noch ausständig ist.

Wenn es uns vielleicht die letzten Jahre nicht ganz so bewusst war – weil wir die Gnade haben in einem Land mit Frieden, Ordnung und Wohlstand zu leben – so sind wir in diesen Tagen schon daran erinnert, dass unsere Heimat nicht in Salzburg, nicht in Österreich, in Europa oder auf dieser Erde ist. Wir dürfen dankbar sein, in diesem Land zu leben und viele Vorzüge einer freien Gesellschaft zu genießen. Aber oft denke ich mir, dass diese vielen Annehmlichkeiten auch die Gefahr in sich tragen, dass sie uns träge oder blind für die Segnungen machen, mit denen Gott uns überschüttet (Eph 1,3). Ich meine, die aktuelle Situation ist ein geeigneter Weckruf für uns, dass wir uns neu darauf besinnen: Wir führen unser Leben hier in Weisheit (Eph 5,15), versuchen unsere Gelegenheiten zu nutzen, um das Evangelium weiterzugeben (Kol 4,2-6), lassen uns vom Herrn in sein Bild verändern (2. Kor 3,18) und gedenken regelmäßig unseres wunderbaren Herrn und Heilands Jesus Christus … bis er kommt, also mit Ablaufdatum.

Jesus hat seine Jünger sehr unvermittelt darauf vorbereitet, dass ihr Leben in der Nachfolge kein Spaziergang wird. Ist es nicht so, dass wir uns mit Versen wie Joh 15,20 oder 2. Tim 3,12 immer ein wenig schwer tun, sie auf uns anzuwenden? Wir können uns Verfolgung, eine „Störung“ unseres normalen Christenlebens kaum vorstellen.

Aber Jesus hat ein sehr wichtiges Rezept gegen die Gefahr, angesichts von Verfolgung, Seuchen, Kriegen oder Ähnlichem zu verzagen oder panisch zu werden. „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, seid auch nicht furchtsam.“ (Joh 14,27)  „In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh 16,33). Sind das nicht alles Wahrheiten, die unser Herz fest und froh machen können?

Eine sehr wichtige Botschaft für uns heute: Lebe in der Erwartung, deinem Herrn heute gegenüberstehen zu können. Es wäre sehr tragisch, wenn wir als Gemeinde oder als einzelne Gläubige diese Naherwartung verlieren würden (1.Thes 4,16-18)!

 „Erschreckt nicht! Denn dies muss vorher geschehen, aber das Ende ist nicht sogleich da.“ (Lk 21,9) Wieder – ohne auf die Details einzugehen – ist die Botschaft klar: die Jünger sollen angesichts beunruhigender Nachrichten nicht erschrecken. Was passiert denn, wenn man erschreckt? Man wird handlungsunfähig und ist von Angst gelähmt. Soll das unser Zustand heute sein? Ich denke nicht. Vielmehr sollen wir uns darauf besinnen, dass der Herr uns versprochen hat, wiederzukommen und uns zu sich zu holen.

Was lernen wir nun aus all den angeführten Aspekten für unser Leben? Ich schlage vor, dass wir es machen, wie der Herr es angeordnet hat. Wir brechen das Brot und nehmen vom Kelch, bis er kommt. Bis es soweit ist, wollen wir uns nah an ihn halten, denn dort sind wir in Sicherheit. Konkret heißt das, dass wir unsere Bibel lesen und dann das Gelesene mit seiner Hilfe umsetzen sollen. Wir sind aufgefordert, weise und besonnen zu leben. Das bedeutet, dass wir uns über die aktuelle Lage informieren, aber nicht den ganzen Tag mit Spekulationen verbringen. Es gibt so viele wichtige Dinge, die wir tun können. Hast du heute z.B. schon für einen Bruder oder eine Schwester in der Gemeinde gebetet? Gibt es jemanden, der sich über deinen Anruf freuen würde?

Und wenn wir in Kontakt mit Menschen sind, die den Herrn nicht kennen und die vielleicht verunsichert sind, dann ist es doch die beste Gelegenheit von unserer Hoffnung und Sicherheit zu reden (1. Petr 3,15), das heißt, auf den Herrn Jesus hinzuweisen, der denen ewiges Leben verspricht, die an ihn glauben. Wer weiß, vielleicht ist dann deine Freundin oder dein Nachbar als neues Kind Gottes dabei, wenn der Herr kommt.