An der Krone kleben
aus „Breaking the King Saul Syndrom“
Die Jünger fragten sich, wer der Größte unter ihnen sei. Der Herr zeigt, dass der Größte wie ein Diener aller sein soll und andere unterstützen und lieben soll, damit sie zu wahrer Größe wachsen. König Saul sah David als Bedrohung seiner Stellung, seiner Macht und seiner Ehre. Deswegen verfolgte er David und wollte ihn umbringen. Jonathan war ganz anders: Er schenkte David seine Freundschaft, unterstützte ihn, wo er konnte und machte Platz, damit David auf dem Thron sitzen sollte. Wir brauchen heute Leiter wie Jonathan, die junge Geschwister nicht als Bedrohung sehen, sondern sie stärken, sie unterstützen und lieben. (Andreas Lindner)
Ich hatte die wunderbare Gelegenheit mit vielen Gemeindeleitern im Sudan zu arbeiten, weil unsere Gemeinde und ein paar andere Gemeinden aus den USA zusammengearbeitet haben, um sie alle zu einer Beratung einzuladen. Eines der schönsten Erlebnisse dieser Reise war, dass ich mit meinem Vater unterwegs war und zusammen mit ihm lehrte.
Ich sah mich gezwungen, sie davor zu warnen, König Saul nachzuahmen, denn in der Vergangenheit hatten diese Gemeinden einen Streit um Hoheitsgebiete ausgetragen und versucht, ihr eigenes kleines Reich aufzubauen. Jetzt wurde der Bürgerkrieg im Süden beendet und sie waren bereit zusammenzuarbeiten.
Wie sollte ich das Thema einleiten? Ich bat meinen Vater nach vorne zu kommen und sich auf seinen Thron zu setzen. Ich nannte ihn den „Häuptling“. Mein 75 Jahre alter Vater hat das sehr gut gespielt, und die ca. 30 Leiter im Raum grinsten und lachten wie mein Vater seine Arme verschränkte, seine Augenbrauen zusammenzog, und wichtig seine Stirn runzelte.
Ich stellte mich als sein Sohn vor. Mein Vater stand auf, streichelte mir über den Kopf und stellte mich zu seiner Rechten neben den Thron.
Ich erklärte, dass wir die besten Krieger im ganzen Stamm waren. Wir wurden wegen unserem Geschick und unserer Weisheit zu den wichtigsten Männern im Stamm. Mein Vater spielte super, er drückte jede Einzelheit durch sein Schauspielen aus.
Aber dann geschah etwas: Nach einer großen Schlacht stand ein neuer Held auf. (Ich hatte einen der jüngeren Leiter gebeten, diese Rolle zu spielen.) Er hat den Stamm nicht nur einmal, sondern sogar zweimal gerettet. Bald redete jeder über ihn. Sie sprachen nicht mehr von der Größe des Häuptlings und seines Sohnes. (Als ich das erzählte, sah der neue Held wirklich noch mächtiger aus als mein Vater.)
Ich schaute meinen Vater an, er sah mich an. Dann wandten wir uns und sahen den neuen Helden an.
Ich fragte die Zuhörer: „Was sollen wir, der Häuptling und sein Sohn, mit diesem neuen Helden machen?“
Die Antwort der Leiter kam schneller zurück als mein eigenes Echo:
„Tötet ihn!“
Naja, sie meinten damit nicht, dass das die richtige Lösung wäre. Sie antworteten einfach wie ihr Volk geantwortet hätte, und wie alle Leiter auf der ganzen Welt geantwortet hätten – alle, von Anfang der Schöpfung an: „Tötet ihn!“ Er bedroht unsere Macht.
Aber glücklicherweise passiert so etwas nicht in der Gemeinde – oder doch? Hier sind einige kurze Geschichten aus verschiedenen Himmelsrichtungen.
Nordamerika
Kent bekehrte sich mit Ende 20. Er hat sich radikal verändert und war bereit, andere zu erreichen, die nie vom Herrn Jesus und seiner lebensverändernden Kraft gehört hatten. Sofort hat er begonnen, die Gemeinde zu besuchen, die seiner Wohnung am nächsten lag. Der Pastor freute sich, dass Kent sich der kleinen Gemeinde anschloss. Kent bildete sich auf einer Bibelschule weiter und begann seine Nachbarn zum Herrn zu führen. Die kleine Gemeinde begann zu wachsen, weil eine Familie nach der anderen sich bekehrte. Dem Pastor gefiel das, und er gab Kent die Erlaubnis eine Bibelgruppe zu leiten, die sich vor dem Gottesdienst traf. Der Pastor hatte diese Gruppe geleitet, und er überließ Kent diese Aufgabe für ein paar Monate. Sobald Kent anfing, dort zu lehren, wuchs die Gruppe auf die dreifache Größe.
Nach vielen Anfragen, dass Kent doch die Bibelgruppe weiterführen sollte, entschloss sich der Pastor, seine eigene Bibelgruppe wieder zu beginnen, parallel zu der Gruppe, die Kent leitete. Fast alle wollten Kents Bibelkreis besuchen.
Der Pastor stand vor einer Entscheidung. Wie Jonathan könnte er seine Position aufgeben, Kents Bibelkreis besuchen und ihn unterstützen und ausrüsten, damit er noch besser würde. Oder der Pastor könnte an seiner Krone festhalten wie König Saul. Seine Entscheidung wurde bald deutlich.
„Tötet ihn!“
Der Pastor fing an, Kent alle Arten von unmoralischem Verhalten vorzuwerfen, verbreitete Gerüchte über ihn und warf ihn schließlich aus der Gemeinde. Kent verstand überhaupt nicht, was da vorgefallen war und trachtete nach Versöhnung. Aber als Kent die Leiter der Bibelschule als Vermittler einschalten wollte, damit sie Frieden stiften und alles zwischen ihm und dem Pastor klären sollten, weigerte sich der Pastor sogar, sich auch nur mit ihnen zu treffen.
Einer der Professoren erkannte, dass dieser Pastor von schlimmer Bitterkeit beherrscht wurde und sagte vorher, dass er nicht lange leben würde, wenn er nicht von seiner Eifersucht und Kontrollsucht lassen würde. Innerhalb eines Jahres starb dieser Pastor an Krebs. Sogar auf seinem Sterbebett sprudelte er noch vor Hass gegen Kent und brachte falsche Anklagen vor.
Ich kenne Kent heute. Er ist einer der erstaunlichsten Leiter nach der Art von Jonathan, ein dienender Leiter. Er hat aus dieser Erfahrung und aus der Schrift gelernt, was er vermeiden muss. Seine Aufgabe sieht er darin, andere zu bevollmächtigen und ihnen Platz zu machen. Er arbeitet mit Kindern und in der Mission.
Lateinamerika
Guillermo lehrte in Lateinamerika und bildete christliche Leiter aus. Sie gehörten alle zu einer großen christlichen Organisation und die meisten von ihnen kehrten nach der Ausbildung zu einem Dienst in dieser Organisation zurück. Guillermo brachte ihnen bei wie Jonathan zu leiten. „Deine Hauptaufgabe ist es, die Leute auszubilden und zuzurüsten, die du leitest. Das Ziel ist, dass sie vollkommen in Christus sind, und sie dann loszulassen in der Kraft und mit den Gaben des Heiligen Geistes. Es geht nicht darum, die Leute zu bevormunden oder herumzukommandieren, sondern sie zu unterstützen – sogar wenn das bedeutet, dass sie dich überflügeln.“
Als sie Guillermos Ausbildung verließen und zurück in den Dienst der Organisation kamen, stellten sie fest, dass ihr eigener Leiter dort die Gewohnheit hatte, alle „zu bevormunden oder herumzukommandieren“. Das war ein Problem. Das war in seiner Kultur so üblich, und der Leiter war das so gewohnt.
„Was sollen wir machen, wenn unser Leiter nicht so leitet, wie du uns gezeigt hast?“, fragten die Absolventen Guillermo.
Der Leiter bekam Wind von dieser „neuen Jonathan-Lehre“. Er stand vor der Wahl. Sollte er an seiner Krone festhalten, oder seine Macht nutzen, um anderen weiterzuhelfen?
„Tötet ihn!“
Guillermo wurde entlassen und gebeten, das Land zu verlassen. Der regionale Leiter sah diese Lehre als Bedrohung seiner eigenen Autorität und seiner Befehlsgewalt. Er verwarf nicht nur die Lehre, sondern auch den Lehrer.
Europa
In einem osteuropäischen Land gibt es einen Pastor, der der Leiter der größten evangelikalen Freikirche im ganzen Land ist. Eine der wenigen wachsenden Gemeinden organisierte ein evangelistisches Weihnachtskonzert in einer kleinen Stadt, 35 km südlich der Stadt des Pastors. In dieser Kleinstadt gibt es keine Gemeinde, nur eine Schwester, die ein Herz für die Verlorenen in ihrer Stadt hat. Als der Pastor davon erfuhr, geriet er in Wut und beschimpfte die Gemeinde, die die Evangelisation organisiert hatte: „Was fällt euch ein, in unserem Gebiet zu evangelisieren? Ihr habt kein Recht, in dieser Stadt zu evangelisieren.“ Bei anderer Gelegenheit zog ein Bibelschüler mit seiner Frau in eine Stadt ohne Gemeinde auf der anderen Seite der Grenze. Sie fühlten den Ruf des Herrn und begannen einen kleinen Bibelkreis in ihrem Wohnzimmer. Als dieser Pastor herausfand, dass eine neue Gruppe sich 40 km von seiner Stadt traf, rief er den Leiter zornig an, wies ihn zurecht und sagte ihm, dass er erst seine Erlaubnis brauche. Dieser Pastor leitet die größte Gemeinde im ganzen Land, aber er erlaubt keine Hauskreise. Warum? „Weil dann die Leute miteinander reden und eine Rebellion anfangen werden.“ Das sind seine eigenen Worte. Also …
„Tötet sie!“, bevor irgendjemand anderes auch nur auf die Idee kommt zu leiten.
Deswegen leitet dieser Pastor fast jedes Treffen der Gemeinde. Sein Reich ist fest in seiner Hand und alles ist unter Kontrolle.
Afrika
In einem bestimmten Tal in Afrika wollten einige junge Männer das Evangelium verbreiten. Sie begannen sich während der Woche in Hauskreisen zu treffen. Diese Hauskreise wuchsen und wuchsen. Zu den Hauskreisen kamen mehr Menschen als zu den offiziellen Gottesdiensten dieser Freikirche. Die örtlichen und älteren Leiter der Freikirche waren blamiert. Was sollten sie tun? Sie könnten an ihrer Macht festhalten oder sie abtreten.
„Tötet sie!“
Die Hauskreise wuchsen weiter. Eines Abends entschlossen sich die Leiter in einem der Hauskreise das Abendmahl auszuteilen. Das führte zu einem Großangriff auf die Hauskreisbewegung. Man muss ordiniert sein, um das Abendmahl auszuteilen. Aber diese Hauskreisleiter waren nicht ordiniert. Die Gemeindeleiter verboten und töteten die wachsende Hauskreisbewegung.
Auf jedem Kontinent, in jedem Winkel der Erde wird regiert wie König Saul. Es ist tragisch, aber die Menschen versuchen, alle Macht zu behalten, die sie in der Eitelkeit ihres zerbrechlichen und fehlgeleiteten Herzens an sich gerissen haben. Der Geist von König Saul lebt. Zu viele Menschen wurden verführt und getötet durch diese gefährliche Einstellung, durch dieses tödliche Vorbild von Saul. Es ist genug! Die Einstellung von Saul herrscht auf der ganzen Welt. Aber es ist Zeit, dass wir den Herrn Jesus nachahmen.
[1] Mit freundlicher Genehmigung des Autors Jonathan Martin, aus seinem Buch “Breaking the King Saul Syndrom“, Co-Serve International, Portland, Oregon, USA