Vorwort 126: „Der Trainer, ein Diener“ (Mt 20,25ff)
Ein Judotrainer entdeckte durch Zufall, dass Budhia, ein Junge aus den Slums, laufen kann, schnell und weit. Der Trainer unterstützte dieses 5-jährige Kind. Es dauerte nicht lange, da lief das Kind schneller und weiter als der Trainer und er konnte es beim Training nur noch auf dem Fahrrad begleiten. Der kleine Budhia war zum Laufen geboren und der Trainer half und unterstützte, wo er nur konnte. Das Kind lief mehrere Marathons in der Woche. Der Trainer gab alles, um das Talent dieses Jungen zu fördern und es störte ihn gar nicht, dass der Junge besser war als er.
Solche Leiter brauchen wir, die ein Vorbild sind, fördern, helfen und anleiten und nicht hindern, weil sie ihre Macht oder ihren Einfluss schwinden sehen. Es ist natürlich gegen unseren Egoismus so zu leben und so zu lieben. In uns schlummert die Neigung, dass wir selbst groß rauskommen wollen und selbst in der Mitte stehen und bewundert werden wollen. Das sehen wir ja auch an den Menschen und Leitern um uns herum. „Ihr wisst, dass die Fürsten der Nationen diese beherrschen und die Großen Gewalt über sie ausüben.“ (Mt 20,25). Ja, das wissen wir und es stört uns, aber es besteht die Gefahr, dass wir es trotzdem nachmachen und uns nicht als Trainer und Helfer sehen, sondern als Champions und uns wie kleine Diktatoren benehmen. „Unter euch soll es nicht so sein, sondern wer unter euch groß werden will, soll euer Diener sein.“ (Mt 20,26).
Dazu fallen mir Saul und Jonathan ein (siehe auch Seite …). Saul sah David als Bedrohung von seiner Stellung und Macht. Saul wollte nicht, dass jemand ihm seinen Thron streitig macht. Jonathan sah David als jemand, den er groß rausbringen konnte, dem er helfen und fördern konnte. Jonathan war der eigentliche Thronfolger, aber er war bereit, David Platz zu machen auf dem Thron. Jonathan unternahm alles und gab alles, um David zu fördern.
„So wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und … zu geben …“ (Mt 20,28). Das bewundern wir, aber der Herr sucht keine Bewunderer sondern Nachfolger. Wir alle haben die Möglichkeit, andere zu beherrschen und rumzukommandieren oder sie als Leiter und Vorbilder zu unterstützen: In der Familie, in der Schule, in der Arbeit, im Verein, in der Gemeinde. Betet bitte, dass wir solche Brüder und Schwestern haben und werden. Wir alle können in diese Rolle schlüpfen: „Dient einander!“ (1Pe 4,10).