Anbetung – unsere Erfüllung und Bestimmung
„Ihm sei die Herrlichkeit in der Versammlung in Christus Jesus auf alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter hin! Amen.“ (Eph 3,21)
Wo kann man in einer schrillen und gehetzten Welt Ruhe finden? Vielleicht freuen Sie sich heuer wieder auf einen Familienurlaub, wenn Sie endlich wieder einmal abschalten und Kraft tanken können.
Am Ende des Urlaubs rufen wir dem Moment zu, so wie Goethes Faust: „Verweile doch, du bist so schön!“ Wir wollen diese einzigartigen Erinnerungen, die uns mit Freude erfüllen und diese Ruhe am liebsten einfangen und mit nach Hause nehmen.
Wir wünschen uns: „Wenn doch immer Urlaub wäre!“ Dieser Wunsch ist jedoch gar nicht so unrealistisch: Gott hat Ihnen nämlich bereits einen Gutschein für einen dauerhaften Seelenurlaub geschenkt.
Ich nehme an, Sie denken nicht automatisch an „Urlaub“, wenn Sie das Wort „Anbetung“ hören.
Aber Anbetung hat viel mit Ruhe und Freude zu tun. Sie ist sogar besser als eine Reise in die Ferne, die irgendwann endet. Sie müssen gar nicht wegfahren um die Ruhe der Anbetung zu genießen und die Freude der Anbetung wird niemals aufhören.
Was ist Anbetung?
Gott anzubeten bedeutet ihm unsere Liebe mit Worten auszudrücken. Ein anbetender Lebensstil wäre folglich, Gott mit unserem Herzen, unserem Verstand und unserer Kraft zu lieben, sozusagen mit unserem ganzen Wesen (Mt 22,37-40).
Und an was denken Sie, wenn Sie das Wort „Anbetung“ hören? Vielleicht denken Sie, so wie ich, an so manches skurrile Erlebnis wie dieses: Ein älterer bärtiger Herr steht in einem Raum und rezitiert mit ernster Miene Verse aus seiner Elberfelderbibel, deren Inhalt er selbst nicht versteht. Dieses Bild hatte ich lange Zeit von Anbetung: Das ist eine kühle, ernsthafte, unbelebte Sache, die man halt zu tun hat, wenn man ein „guter“ Christ sein will. Doch das Wort Gottes gibt uns eine erfrischende Sicht auf diese und andere Zerrbilder, die in unseren Köpfen existieren.
Im Epheserbrief erfahren wir, dass Gott von Ewigkeit her ein Ziel mit dem Menschen verfolgte, noch bevor er das Universum und die Sterne erschaffen hatte, als er allein existierte.
Das Ziel ist mit dem Menschen in einer Beziehung zu leben, die von Liebe geprägt ist (Eph 1,3-4).
„Warum? War er einsam? Wollte er Menschen haben, die sein Ego befriedigen?“ Nein.
Der Begriff Liebe ist heutzutage leider entstellt. „Ich liebe dich so sehr“, bedeutet in dieser Welt so viel wie: „Ich brauche dich, damit du meine Bedürfnisse befriedigst.“
Doch echte Liebe, so wie Gott liebt, zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht auf das eigene Wohl sieht, sondern auf das Wohl des anderen. Gott wollte einfach lieben, nicht um selbst sein Ego zu befriedigen. Gott tat es aus einem einfachen Grund. Weil er wollte. Er wollte einfach gut sein und uns seine Liebe geben.
„Vor Gott in Liebe zu sein“ ist also ein ständiger Prozess des Gebens von zwei Parteien, bei dem jeder dem anderen gibt, weil er ihn einfach gern hat. Genauso wie der Vater und der Sohn einander ewig lieben, sind nun wir als Gemeinde in diesen Prozess hineingenommen. Wie Gott es geschafft hat, dass wir ihn freiwillig lieben, zeigt sich in Jesus Christus selbst. Er, der uns von unseren Sünden erlöst hat, hat den Grundstein gelegt, dass wir Gott sagen und zeigen, wie sehr wir ihn lieben.
Wir sind Christus sogar so nahe, dass wir eine Einheit mit ihm sind. – Wir sind „in Christus.“
Wir sehen weiter, dass wir Gott eine Ewigkeit lang lieben werden (Eph 3,22) und dass er uns seine Liebe zeigen wird, indem er uns ewig Gutes tun wird. So könnten wir uns also heute schon mit der Ewigkeit beschäftigen, indem wir ihn anbeten.
Wäre da nicht unsere Kaltherzigkeit! Da gibt es Tage, die oft sinnlos vergehen und an denen uns das alltägliche und bürgerliche Leben so einnimmt, dass wir eben keine Freude empfinden, wenn wir über Gott nachdenken. Wir sitzen in der Sonntagsversammlung und unsere Herzen sind nicht fröhlich. Der Alltag scheint schon schwer genug und nun denken wir, Gott selbst hätte sich zurückgezogen und das Christenleben scheint zäh und zermürbend. In unserer Seele finden wir keine grüne Oase, sondern eine leere Wüste.
Wer weiß nicht um solche Situationen? Gott selbst kennt unsere Herzen, und Paulus weiß auch um dieses Problem. Deswegen betet er um geistliches Verständnis für seine Leser (Eph 1,15-19).
Warum? Damit wir mit unserem Herzen wieder klar sehen, wie groß Gott eigentlich ist (Eph 1,21-23)!
Wir müssen wissen, welche Zukunft wir vor uns haben, damit wir uns in der Gegenwart entsprechend verhalten können. Wenn wir sehen, wie reich wir beschenkt sind, werden wir automatisch handeln, wie es Gott gefällt. Und unser Mund wird in unsere ewige Bestimmung einstimmen und ihn preisen.
Dieses geistliche Verständnis kann nicht durch Bibelstudium allein erlangt werden und nicht wie ein Fach auf der Universität gelernt werden. Mag Lehre zwar unseren Verstand befriedigen, so nützt sie doch nichts, wenn sie nicht auch unser Herz durchdringt. Hier muss der Geist Gottes selbst sein Wort in unsere Herzen dringen lassen, damit unser ganzes Wesen erfüllt und befriedigt wird.
Paulus will uns zurückführen zu dem einfachen Gebet: „Herr, zeige mir wer du bist.“
Würden Sie arbeiten gehen ohne Lohn zu erhalten?
Würden Sie Sport machen, wenn ihr Lebensgefühl sich nicht verbessern würde?
Würden Sie Christ sein wollen, wenn sie wüssten, dass es keinen Gott gibt?
Niemand würde das tun, außer vielleicht einige weltfremde Idealisten, die den Bezug zur Realität verloren haben.
Wir brauchen eine Hoffnung für unsere Zukunft, ein geistliches Verständnis über Gott und seine Wege, damit wir in unsere ewige Bestimmung einstimmen können: Ihm unsere Liebe auszudrücken – ihn anzubeten.
Wir haben es oft selbst erfahren: Wenn Gott unsere Herzen mit seiner Erkenntnis erleuchtet, stehen wir im Sturm des Lebens fest und er bewahrt unsere Gedanken und unser Herz. Jede Träne, die geweint wird, wird von der Hand Gottes abgewischt. In solchen Zeiten sind uns die ewigen Wahrheiten wie ins Herz eingebrannt. Wir empfinden, als ob wir in die Gegenwart Christi eingetaucht wären und sehen den Himmel, als ob wir schon dort gewesen wären.
Unser Herz geht über und wir beten Gott an.
Doch nicht nur, dass uns oft geistliches Verständnis fehlt, manchmal sind wir kraftlos und fühlen uns in unserem Glauben wie gelähmt. Der Himmel, den wir gerade noch gesehen haben und die Gegenwart Christi, in die wir eingetaucht waren, sind beide wie weggeblasen.
Es geht uns wie wie Petrus, der aus dem Boot gestiegen und auf Christus zugegangen ist. Nichts hat uns aufhalten können. Doch nun sind unsere Blicke auf die Wellen gerichtet, und wir drohen unterzugehen. Gleichzeitig fühlen wir uns zu schwach und können uns nicht selbst aus dem Wasser ziehen. Durch unsere Ohnmacht und Frustration sind wir geistlich kraftlos.
Gott weiß auch darum und gibt uns durch Paulus ein Gebet für geistliche Kraft (Eph 3,14-21).
Die Kraft, die Christus aus den Toten auferweckte, hat auch uns zu einem Leben mit Gott auferweckt. Das ist dieselbe Kraft, die eines Tages mit einem lauten Ruf über die Erde ergehen wird, sodass in einem Augenblick alles seinem Schöpfer entgegengehen muss. Diese Kraft wohnt gegenwärtig in uns, den Gläubigen.
Deswegen können wir voller Zuversicht sein. Es gibt Hoffnung.
Mit dieser Kraft spricht Gott in unsere Herzen, damit Christus wieder Raum in unseren Gedanken und in unserem Herzen gewinnt, damit er wieder auf dem Thron unseres Herzens sitzt und wir wieder in seiner Liebe verwurzelt sind.
Sie sind hilflos und kraftlos? Müde? Ich habe eine gute Nachricht für Sie! Auf Ihre Kraft kommt es nicht an. Die allmächtige Kraft Gottes kann Christus wieder in Ihr Herz setzen und Ihre Augen wieder sehend machen für die ewigen Dinge.
Wenn er in uns Raum gewinnt, erfahren und erkennen wir mehr über seine Liebe. Auch wenn die Umstände dagegen sprechen, erleben wir doch mit unserem ganzen Wesen, dass Gott es gut mit uns meint.
Harold St. John sagte einst am Totenbett: „Ich habe die Lösung aller unserer Probleme gefunden. Es war immer lauter Liebe.“
Und wieder werden wir mit Anbetung erfüllt, weil wir erkennen, dass der ewige Gott in uns Raum gewinnt und uns immer mehr ausfüllt, bis wir einmal ganz verwandelt sein werden.
Und wieder hat uns Gott zu unserer Bestimmung zurückgeführt: Ihn anzubeten, weil wir auch gegenwärtig erleben, dass er es sehr gut mit uns meint.
Diese zwei Gebete (Eph 1,15-20 und Eph 3,14-19) werden wir unser ganzes irdisches Leben lang brauchen, solange die Sünde noch in uns ist. Doch beherrschen lassen wollen wir uns nicht von ihr.
Sehnen Sie sich danach Gott ihre Liebe auszudrücken?
Schauen Sie, welches der beiden Gebete Sie brauchen und begeben wir uns auf die Knie um Ihn anzubeten, den Gott, der uns erkauft hat.
Mögen wir doch alle die Liebe Christi mehr und mehr erkennen.
Auch heute befinden wir uns in dem ewigen Prozess Gott zu lieben und Ihn anzubeten. Versäumen wir heute nicht, uns auf die Ewigkeit vorzubereiten, wo wir eines tun werden: Ihn anzubeten „auf alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter.