Einführung zum Titusbrief
Über den Titusbrief – Teil 1
übersetzt von Christian Odenwald
Dieser kurze Brief wurde von Paulus an seinen jüngeren Freund und Kollegen Titus geschrieben. Der war zu dieser Zeit auf der Insel Kreta. Er war dort als Teil von Paulus´ apostolischem Team und investierte seine Kräfte und Fähigkeiten darin, die Festigung der dortigen Gemeinden zu unterstützen. Die Aufgabe war riesig und Paulus schrieb ihm um den jüngeren Mann sowohl zu ermutigen als auch anzuleiten.
Was wissen wir über Titus? Paulus verweist auf ihn in diesem Brief als sein „echtes Kind nach dem gemeinsamen Glauben“ (1,4). Daraus schließen wir, dass Paulus selbst an Titus´ Weg zu Jesus Christus beteiligt war. Neben Timotheus war auch Titus einer der jungen Leiter, in deren Leben Paulus viel Zeit und Energie investierte, indem er sie lehrte und ausbildete. Es ist wahrscheinlich, dass Titus Paulus auf vielen seiner Reisen als vertrauter und geliebter Mitarbeiter begleitete.
Während Titus´ Name in der Apostelgeschichte nicht vorkommt, wird er im 2. Korintherbrief neunmal erwähnt. Dort gibt uns Paulus einen Hinweis, wie wichtig Titus für ihn war. Er schreibt von seiner Sorge, weil er seinen „Bruder“ Titus in Troas nicht finden konnte und von seinem Trost, den er bei ihrem anschließenden Treffen in Mazedonien erfuhr (2. Korinther 2,12.13 und 7,5-7). Wir finden außerdem noch andere Hinweise für die Hochachtung, die Paulus vor Titus hatte. Er betraut den jungen Mann nicht nur mit der Aufgabe einen seiner Briefe zu der Gemeinde in Korinth zu bringen, sondern bittet ihn auch, die Hilfsaktion für die von Armut geplagten Gläubigen in Jerusalem zu organisieren. Vor diesem Hintergrund ist deutlich zu sehen, warum ihm Paulus mit gutem Gewissen die Aufgabe anvertrauen kann, die Gemeinde in Kreta in Ordnung zu bringen. All das spricht Bände über Titus´ vertrauenswürdigen Charakter, seine Gottesfurcht, seine Weisheit und seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten.
Es ist offensichtlich, dass die Gemeinde in Korinth und an vielen anderen Orten Titus mochte und ihm vertraute. Paulus spricht von ihm nur positiv, voll Herzlichkeit und Zuneigung.
Noch ein anderes Ereignis im Zusammenhang mit Titus ist nennenswert. Zur Anfangszeit der Gemeinde stifteten angebliche Lehrer jüdischer Abstammung große Schwierigkeiten und Verwirrung. Sie drängten alle nicht-jüdischen Gläubigen, die sich zu Christus bekehrt hatten, sich beschneiden zu lassen. Sie behaupteten, dass dies für ihre Erlösung nötig sei. Das war gravierend, da es den innersten Kern des Evangeliums angriff, das Paulus predigte. Sie sagten faktisch, dass der Glaube an Christus nicht genug sei um errettet zu werden; man müsse auch das jüdische Gesetz einhalten. Dies beunruhigte Paulus so sehr, dass er mit Barnabas und Titus nach Jerusalem hinaufging. Titus war kein Jude. Er war demzufolge als Säugling nicht beschnitten worden. Paulus nahm Titus absichtlich als „Musterfall“ mit. Würden die Apostel in Jerusalem Titus zwingen sich beschneiden zu lassen, mit der Begründung, dass dies für seine Errettung nötig sei? Dann wäre der Dienst dort eine Zeitverschwendung für Paulus. Aber Titus wurde nicht zur Beschneidung gezwungen. Die falschen Lehrer wurden entlarvt und das Evangelium wurde geschützt und verteidigt. (siehe Galater 2 für Paulus´ Bericht davon.)
Dieser Vorfall ging nicht unbemerkt an dem jungen Titus vorüber. Er würde noch oft auf Irrlehren stoßen, vor allem von denen, die die Beschneidung und andere jüdische Rituale zum Evangelium hinzufügen wollten. Titus erlebte die Geschicklichkeit und Kraft der Irrlehrer aus erster Hand und auch den Mut von Paulus, seine Weisheit und sein Verständnis von Gottes Wort, als er die Wahrheit des Evangeliums verteidigte. Das alles würde ihm für seine Arbeit in Kreta zugutekommen.
Die Situation in Kreta
Warum war Titus auf Kreta? Er war dort, weil die Arbeit auf Kreta gesunde örtliche Gemeinden zu gründen noch lange nicht beendet war (1,5). Es gab große Mängel. Leute waren zum Glauben an Christus gekommen, aber sie waren noch nicht die anziehenden, geistlich reifen Gläubigen, die sie sein hätten sollen. Deswegen fehlten noch einige wichtige Dinge für die Gesundheit und den Erfolg der Arbeit. Die bedeutendste Komponente, die Paulus im Eröffnungskapitel nennt, war der Mangel an gottesfürchtigen Gemeindeleitern.
Das Evangelium hatte sich auf der ganzen 270 km langen Insel Kreta schon enorm ausgewirkt. Einige der ersten Christen auf Kreta waren am Pfingsttag in Jerusalem gewesen und hatten von Petrus die gute Botschaft gehört und sie angenommen. Vermutlich war Paulus selbst einige Zeit später mit Titus auf die Insel gekommen und hatte dort das Evangelium gelehrt. In den Städten und Dörfern waren örtliche Gemeinden gegründet worden, aber der nötige Schutz und die Seelsorge fehlten ihnen. Sie waren besonders anfällig für falsche Lehren, die auf dieser Insel weit verbreitet waren.
Dieser Mangel musste dringend behoben werden. Paulus vertraute diese Aufgabe Titus an, einem Mitglied seines apostolischen Teams. Das war eine weise Entscheidung von Paulus, da Titus wie die Kreter ein Grieche war – somit konnten sie sich mit ihm identifizieren und er sich mit ihnen. Zusätzlich hatte er andere positive Eigenschaften. Titus war ein Heide, während Paulus ein Jude war. Ihre enge Freundschaft und ihre Zusammenarbeit war für alle ein lebendiges Vorbild, wie das Evangelium Menschen verändert und Beziehungen schafft, trotz großer Unterschiede in der nationalen, religiösen und kulturellen Herkunft.
Zusätzlich zu dem Problem der weit verbreiteten Irrlehre auf der Insel hatten die Kreter als ethnische Gruppe einen schlechten Ruf. Paulus zitiert einen ihrer eigenen Dichter, der über sie gesagt hatte: „Kreter sind immer Lügner, böse, wilde Tiere, faule Bäuche“ (1,12). Dies war eine weit verbreitete Sicht, an die Paulus seine persönliche Bestätigung anfügt: Es ist wahr!
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder einzelne Kreter so war. Paulus verwendet nicht das einfache Schubladendenken mit allen seinen Gefahren. Er verweist vielmehr darauf, dass sie als Volk neben ihren Stärken auch Schwächen hatten. Und doch ist die Behauptung sehr direkt und schockiert uns. Kannst du dir vorstellen, jemanden so über den Charakter deines Volkes reden zu hören? „Wofür hält sich dieser Mensch?“, würden wir sagen, „Was fällt ihm ein!“
Ist Paulus stolz auf seine Abstammung und schaut auf sie herab? Hält er sich und Titus für etwas Besseres? Ganz und gar nicht. Hört, was er etwas später in seinem Brief schreibt: „Denn einst waren auch wir unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, dienten mancherlei Begierden und Lüsten, führten unser Leben in Bosheit und Neid, verhasst, einander hassend“ (3,3). Die konkreten Sünden und deren Auswirkungen mögen verschieden sein, aber wir sind alle aus dem gleichen Material gemacht. Warum macht er also so eine provokante Aussage?
Paulus wollte, dass Titus weiß, mit wem er es in Kreta zu tun hat. Um effektiv zu lehren und anzuleiten benötigte er eine präzise Analyse der einzelnen Herausforderungen, denen er sich stellte. Stell dir einmal vor, dass du dich krank fühlst und zu einem Arzt gehst. Nach einigem Nachdenken sagt dir der Arzt: „Ich habe keine Ahnung, was Ihnen fehlt, aber eine Firma hat mir heute einige Gratisproben von Medikamenten geschickt. Probieren sie die doch mal aus, sie sind ja gratis.“ Wärest du mit diesem Vorschlag glücklich? Ich bezweifle es. Ohne eine korrekte Diagnose des Problems ist es schwierig, die richtige Lösung zu finden und anzuwenden.
Ehrlich auf uns selbst schauen
Wenn wir der Anregung von Paulus folgen, könnten wir uns fragen, ob wir auch eine nationale Eigenschaft haben. Wir bestreiten es vielleicht und ertappen uns trotzdem dabei, dass wir einem „typischen“ Amerikaner, einem Chinesen, einem Franzosen oder einem Iren bestimmte Charakterzüge zuschreiben.
Volkscharaktere unterscheiden sich oft und folglich tun sich Leute mit verschiedenen ethnischen Hintergründen manchmal schwer, gut miteinander auszukommen. Ich erinnere mich, wie ich einmal versucht habe zu erklären, dass wir Iren dazu neigen, Scherze auf unsere eigenen Kosten zu machen. Ich bekam entsetzte Reaktionen von einigen amerikanischen Freunden, die die Gesundheit unserer nationalen Psyche in Frage stellten! (Wobei ich mich erwische zu hinterfragen, was das über sie aussagt.) Was wir als unsere Stärken sehen, mag Menschen anderer Völker merkwürdigerweise als eine Schwäche erscheinen. Ein Verhalten, das ich als kindlich und empfindlich ablehnen würde, mag jemand mit einer anderen Nationalität als vernünftig und reif bewundern.
Es ist möglicherweise gut, wenn wir zugeben, dass wir wie die Kreter von unserem nationalen Charakterfehler geprägt sind. Es könnte sehr nützlich sein diese Schwächen zu identifizieren, falls wir in der Lage sind, uns darüber zu unterhalten ohne uns anzuschreien oder einen Zornausbruch zu bekommen. Dann könnten wir die Herausforderungen besser verstehen, denen wir gegenüberstehen. Paulus zitiert die Analyse eines kretischen Dichters. Paulus´ Beispiel folgend können wir uns unseren eigenen Poeten und Dichtern zuwenden, da sie oft die notwendige Objektivität und den nötigen Einblick haben. Außerdem könnten wir einige der hier lebenden Ausländer um ihre Einschätzung bitten, da sie Dinge mit anderen Augen sehen als wir.
Ich habe es versucht! Mehrfach habe ich riskiert zu fragen, ob es gewisse Dinge gibt, die Menschen meiner Herkunft tendenziell charakterisieren. Viele würden sagen, dass wir dazu neigen, eher negativ zu sein und sehr schnell darin sind die Gründe aufzuzeigen, warum irgendetwas möglicherweise nicht funktioniert. Es wird auch von einigen behauptet, dass wir den Hang dazu haben, Autorität abzulehnen. Ein anderer Wesenszug wurde von einem unserer Dichter, Seamus Heaney, aufgezeigt, der von „der berühmten nordischen Verschwiegenheit“ schreibt, an der er anscheinend auch leidet. Menschen aus Nordirland finden es generell schwer offen zu sein, ihre wahren Gefühle auszudrücken und die wirklichen Probleme zu behandeln. Vieles bleibt unausgesprochen. Was unser religiöses Leben anbelangt, kommt es der Wahrheit nah zu behaupten, dass trotz viel Religiosität nicht viel Gnade oder Freude vorhanden ist. Erinnerungen währen lange, Verletzungen werden von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Äußerlichkeiten sind wichtiger als die Wirklichkeit. In manchen Gegenden gibt es eine Fassade des Christentums, die bloßes Heidentum darunter verdeckt. In anderen Gegenden wird offenes Heidentum praktiziert, voller antiker und moderner Variationen. Wenn diese Beobachtungen auch nur in die Nähe der Wahrheit rücken, können sie gut erklären, warum die Veränderung der Menschen zu charakterlicher Schönheit so ein Kampf ist.
Zusätzlich zu ihren nationalen Schwächen waren die Kreter von falschen Lehrern geplagt, deren Lehren auf diese Schwäche zielten und sie nährten. Auf diese Weise kann falsche Lehre oft Fuß fassen. Warum ist das so? Es ist für die Ausbreitung einer falschen Lehre nicht immer notwendig, die Menschen intellektuell davon zu überzeugen. Es genügt, wenn sie einen schädlichen Charakterzug oder eine gefährliche Neigung anspricht. Und wenn die falsche Lehre angenommen und befolgt wird, bestärkt sie wiederum die Schwäche. Wenn Menschen zum Beispiel einen Hang zu Genuss und Faulheit haben, werden sie nicht von Lehren angezogen werden, die Heiligkeit oder Dienst betonen. Stattdessen werden diese Leute Lehren interessant finden, die ihr Verlangen nach Unterhaltung oder Selbstzufriedenheit ansprechen, oder ihr Vergnügen, das sie an Spekulationen und Streitereien über Dinge haben, die bestenfalls unwichtig sind. In Kreta erschwerte die falsche Lehre die bereits herausfordernden Umstände noch mehr.
Das große Problem
Die große Frage, die dieser Brief bespricht, ist: „Wie macht Gott aus unbrauchbaren Kretern Menschen mit schönem Charakter?“ Und dann, noch wichtiger (und schwieriger): „Wie macht er aus unbrauchbaren Menschen wie uns Menschen mit schönem Charakter?“
Im Kern des Briefes schreibt Paulus diese Worte: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, dass wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus, der sich selbst für uns gegeben hat, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.“ (Titus 2,11-14)
Das ist ein erstaunliches Ziel – sogar noch erstaunlicher, wenn wir uns das Rohmaterial ansehen, das Gott für seine Arbeit gewählt hat. Wenn Töpfer sich daranmachen, ein schönes Porzellangeschirr herzustellen, wählen sie den besten Ton. Ein geschickter Tischler wird nur Holz erster Qualität auswählen. Gott möchte Menschen mit einem schönen Charakter gestalten. Aber er geht ganz anders vor. Das ist auch gut so, denn sonst hätte er mich nicht erwählt! Er beginnt mit Material, das beschädigt, zerbrochen, fehlerhaft, schwach, hässlich und ungeschliffen ist. Es scheint eine unmögliche Aufgabe zu sein. Aber wenn Gott einen arroganten, neidischen, gewalttätigen und sogar blutrünstigen Paulus verändern kann, dann kann er auch aus uns etwas Schönes machen!
Wie wir festgestellt haben, findet der von Paulus zitierte Dichter in seiner eigenen Kultur bestimmte Schlüsseltendenzen. Diese sind für Gottes Ziel, Menschen mit schönem Charakter zu formen, große Herausforderungen. Dazu zählt der Hang Lügen zu erzählen, der Hang zur Zügellosigkeit und der oft damit einhergehenden Faulheit, sowie der Hang zu brutalem, von Instinkten getriebenen Verhalten. Das ist kein Material, das großen Erfolg verspricht! Wie will Gott solch schlechten Ton zu etwas Schönem formen und gestalten? Das möchte Paulus Titus erklären.
Die Geheimnisse der Umgestaltung
Betrachtet für einen Moment den Hang der Kreter zum Lügen. Es ist kein Zufall, dass Paulus am Anfang seines Briefes Titus auf den Gott hinweist, der nicht lügen kann und der ewiges Leben versprochen hat. Es ist auch nicht zufällig, dass er über Wahrheit und Unwahrheit als tatsächliche Kategorien spricht und als etwas, das man wissen kann. Es ist auch nicht zufällig, dass sich Paulus in Kapitel 1 auf die wichtige Rolle der Ältesten konzentriert. Ihre dreifache Aufgabe ist: 1. die Wahrheit auszuleben, 2. die Betrüger zum Schweigen zu bringen, die in Unwahrheit handeln; und 3. die Wahrheit zu lehren und sicherzustellen, dass es für die gesamte Gemeinde eine gesunde, positive geistliche Nahrung gibt.
Im Hinblick auf die Neigung, zügellos und faul zu sein, antwortet Kapitel 2 auf zweierlei Art. Erstens ist Gottes Gnade in der Geschichte in Jesus offenbart worden. Sie erzieht uns, uns von Gottlosigkeit und weltlichen Begierden zu distanzieren und ein Leben der Selbstbeherrschung zu führen. Zweitens gab sich Jesus, der Sohn Gottes, für uns hin, damit wir Menschen werden können, die leidenschaftlich im Tun guter Werke sind, bis zu dem Tag in der Geschichte, an dem er wiederkommt.
Was die Tendenz betrifft, wie „wilde Tiere“ zu leben, so lesen wir in Kapitel 3 von Gottes Güte. Er rettet uns durch die „Waschung der Wiedergeburt und die Erneuerung des Heiligen Geistes“. Was ist Gottes Absicht dabei? Auf der negativen Seite möchte er, dass wir nicht in Bosheit und Hass leben, getrieben von unseren bösen Leidenschaften. Auf der positiven Seite will er erreichen, dass wir einen guten Beitrag zur Gesellschaft leisten und den Autoritäten gehorchen, damit wir uns untereinander in der Gemeinschaft der Gläubigen gut verhalten. Zudem sollten wir uns im Allgemeinen hingeben Gutes zu tun und hilfsbereit zu sein, ganz besonders in der Unterstützung anderer christlicher Arbeiter.
Gott widmet sich ganz und gar dem Prozess, aus uns Menschen mit schönem Charakter zu machen. Die gesamte Gottheit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ist daran beteiligt. In Kapitel 1 liegt das Hauptaugenmerk auf dem Charakter Gottes als dem Gott, der nicht lügt. In Kapitel 2 liegt der Schwerpunkt darauf, wie sich der Sohn Gottes selbst hingibt. In Kapitel 3 wird die Arbeit des Heiligen Geistes beschrieben, der uns erneuert und umgestaltet. Das ist ein Ausdruck von Gottes Güte. Gott, der Vater, Gott, der Sohn und Gott, der Heilige Geist, alle wirken für uns und mit uns um Gottes Ziel in unserem Leben zu erreichen.
Gott hat einige Maßnahmen ergriffen, die für diesen Prozess von zentraler Bedeutung sind. In jedem Kapitel des Titusbriefs entdecken wir etwas, das Gott nun offenbart hat: Gott hat sein Wort, seine Wahrheit offenbart (1,3). Außerdem ließ er seine Gnade erscheinen (2,11). Und er offenbarte seine Güte und Menschenliebe (3,4). Es scheint so, als ob nach Jahrhunderten der Vorbereitung und Hoffnung uns Gottes Erlösung plötzlich angestrahlt hat, wie Sonnenstrahlen nach einer langen, dunklen und stürmischen Nacht. Eine Explosion von Wahrheit, Gnade, Güte und Liebe hat den Nachthimmel unserer Welt erhellt und hat uns in den neuen Tag des ewigen Lebens und der sicheren Hoffnung geführt. Eine Auswirkung dieses leuchtenden neuen Lichtes ist, dass es nicht nur die Hässlichkeit und Verdorbenheit unserer Welt, sondern auch die unserer eigenen Herzen bloßstellt. Aber es leuchtet noch weit darüber hinaus, um uns einen flüchtigen Blick auf Gottes ewige Vorsätze und die Herrlichkeit der ewigen Zukunft zu geben.
Gottes Erlösung ist viel größer als wir erkennen oder uns vorstellen können. Sie ist nicht nur darauf ausgerichtet erlöste Menschen hervorzubringen, sondern auch Menschen mit schönem Charakter. Vergebung alleine wäre wunderbar gewesen und würde weit über das hinausgehen, was wir jemals verdienen könnten. Aber Gott hatte mehr im Sinn. Er vergibt uns, wie wir sind – das ist schon sehr erstaunlich! Aber er lässt uns nicht so, wie wir sind. Sein Ziel ist unseren Charakter schön zu machen. Wie schön eigentlich? Nach Paulus´ Beschreibung im Römerbrief (8,29) ist es Gottes Absicht uns dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu machen. Sein Plan ist es uns wie Jesus zu machen. Das heißt natürlich nicht, dass wir physisch genau wie Jesus aussehen sollen. Aber wir werden in unserem Charakter, in der Motivation, im Verhalten und in Gedanken schrittweise mehr und mehr wie er. Kurz gefasst sucht Gott eine ewige Braut für seinen Sohn: ein Volk, das mit Jesus zusammen sein wird, mit ihm regieren wird und so dem beobachtenden Universum seine prachtvolle Schönheit zeigen wird.
Was für eine Antwort auf die Lüge, die Satan in Evas Ohr geflüstert hatte! Satan wollte Eva einreden, dass sie Gott nicht trauen kann und dass Gott die Menschen unterdrücken will. Satan behauptete, dass Gott sich nicht genug um sie gekümmert hat, und dass Rebellion gegen Gott die einzige Möglichkeit ist unser wahres Potenzial zu entfalten. Aber Gott ist für uns! Er lädt uns jetzt ein ihm zu vertrauen und an seinem Ziel mitzuwirken, uns wirklich charakterlich schön zu machen. Bei diesem kurzen Studium des Titusbriefes ist mein Gebet, dass wir diesen Prozess besser verstehen, und auch dass wir selbst dabei völlig mitwirken und diese Wirklichkeit in unserem Leben erfahren.
Fortsetzung folgt in den nächsten Ausgaben