Aspekte der Herrlichkeit Christi[1]
Wenn wir von der Herrlichkeit Christi sprechen, dann meinen wir damit seine überragende Vorzüglichkeit, ob es um seine Person, seine Stellung oder sein Werk geht. Der Ausdruck kann sich auf seine moralische und geistliche Vollkommenheit beziehen, die wir mit den Augen des Glaubens durch das Wort Gottes sehen. Er kann aber auch seine gegenwärtige leibliche Herrlichkeit im Himmel bedeuten oder seine Herrlichkeit zu der Zeit, wenn er als König der Könige und Herr der Herren auf die Erde zurückkehren wird.
Es ist unmöglich, alle Aspekte der Herrlichkeit des Herrn Jesus aufzuzählen. Sie übersteigen jegliches menschliche Vokabular. In diesem Kapitel beschränken wir uns auf sieben Aspekte seiner Herrlichkeit, wie wir sie in der Heiligen Schrift finden.
Seine ursprüngliche, persönliche Herrlichkeit als Sohn Gottes
Dieser Ausdruck bezieht sich auf die Herrlichkeit und Vollkommenheit der Gottheit Christi. Es handelt sich um eine Herrlichkeit, die ewig und ihm unmittelbar zu eigen ist. Christus ist nicht weniger als die „Ausstrahlung der Herrlichkeit Gottes“ (Hebr 1,3). Der Herr Jesus konnte sich dieser Herrlichkeit nicht entledigen oder sie ablegen. Sie gehört unmittelbar zu seinem Wesen. Dazu gehören alle seine wunderbaren Eigenschaften und Tugenden. Als er auf die Erde kam, verhüllte er diese Herrlichkeit in einem Leib aus Fleisch und Blut, doch sie war immer da und wurde gelegentlich auch sichtbar, wie etwa bei der Verklärung (Mt 17,1-8; Mk 9,1-8; Lk 9,28-36).
Die Herrlichkeit seiner Stellung im Himmel
Vor aller Ewigkeit hatte der Herr Jesus eine Stellung unbeschreiblicher Ehre und Herrlichkeit inne. Er war die tägliche Freude seines Vaters und wurde von den Engeln angebetet. Doch als die Erlösung der Menschheit auf dem Spiel stand, war er nicht der Meinung, sich diese Position um jeden Preis erhalten zu müssen. Stattdessen „entleerte er sich selbst“ von ihr (Phil 2,7, wörtl. Übers.), nahm Knechtsgestalt an und wurde Mensch. Es ist besonders wichtig zu erkennen, dass sich die Entäußerung des Heilands nur auf seine Stellung im Himmel bezieht, nicht aber auf seine Person. Ein Prinz kann den Palast verlassen und in der Wildnis leben, doch kann er seine Stellung als Prinz niemals verlieren.
In Johannes 17,5 betete der Heiland: „Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Mit anderen Worten bat er um die Wiederherstellung der Herrlichkeit seiner Stellung, die er hatte, als er beim Vater war, aber ablegte, als er auf die Erde kam.
Die Herrlichkeit seines Lebens auf Erden als Menschensohn
Als Mensch auf der Erde zeigte der Herr Jesus seine Herrlichkeit in seinen Wundern. Deshalb lesen wir: „Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit.“ (Joh 2,11a). Seine Herrlichkeit bestand auch darin, dass sein Charakter vollkommen war. Er kannte keine Sünde, er tat keine Sünde, und in ihm war keine Sünde (2. Kor 5,21; 1. Petr 2,22; 1. Joh 3,5). Er war moralisch so vollkommen, dass er nichts aus Eigenwillen tun konnte. Er konnte nur das tun, was sein Vater ihm auftrug (Joh 5,19), und er konnte nur die Worte sprechen, die ihm sein Vater gegeben hatte (Joh 12,49.50; 17,8). Pilatus musste zugeben, dass er an ihm keine Schuld finden konnte (Lk 23,14.22; Joh 18,38; 19,4.6). Die Entscheidung des Herodes lautete, dass Christus nichts getan hatte, was den Tod verdient hätte (Lk 23,25). Der sterbende Dieb bezeugte, dass Jesus nichts Falsches getan hatte (Lk 23,41). Sogar Judas bekannte, dass er „unschuldiges“ Blut verraten hatte (Mt 27,4). Der Heiland war nicht nur herrlich in seiner Sündlosigkeit, sondern auch in seinen Reden. Das Volk von Nazareth wunderte „sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen“ (Lk 4,22). Als Soldaten auszogen, um ihn festzunehmen, mussten sie bekennen: „Niemals hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch.“ (Joh 7,46). Er war herrlich in seiner vollkommenen Menschlichkeit. Dies nennt man auch die moralische Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus.
Seine erworbenen Herrlichkeiten
Wäre unser Herr im Himmel geblieben, hätte er niemals unser Erlöser werden können. Doch durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung wurde er als Erlöser vollkommen. Deshalb lesen wir:
„Denn es geziemte ihm, um dessentwillen alle Dinge und durch den alle Dinge sind, indem er viele Söhne zur Herrlichkeit führte, den Urheber ihrer Errettung durch Leiden vollkommen zu machen.“ (Hebr 2,10) „Und vollendet, ist er allen, die ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils geworden.“ (Hebr 5,9)
Aus der Bibel geht eindeutig hervor, dass er als Person nicht vollkommen gemacht werden konnte. Er war in dieser Hinsicht schon immer vollkommen. Aber er konnte als Heiland vollkommen werden.
Der Herr spielte auf diese erworbene Herrlichkeit an, als er angesichts von Golgatha sagte:
„Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde.“ (Joh 12,23b)
Zusätzlich zu seiner angenommenen Herrlichkeit als der vollkommene Erlöser verdiente sich Jesus noch andere Ehren durch seine Menschwerdung und durch sein Opferleiden. Wäre er nicht Mensch geworden, hätte er niemals der Messias sein können, weil Christus ein Nachkomme Davids sein musste. Ohne Golgatha hätte er niemals Hohepriester, Anwalt, Mittler, Fürbitter, Befreier, Guter Hirte, Erbe aller Dinge, König, Richter oder Haupt der Gemeinde werden können. Er hätte niemals den Namen erhalten, der über alle Namen ist, oder wäre niemals der erstgeborene Sohn Gottes oder der Erstgeborene aus den Toten geworden. Alle Titel, die Frucht seines Todes und seiner Auferstehung sind, sind erworbene Herrlichkeiten.
Eine andere erworbene Herrlichkeit erwähnt der Herr Jesus in Johannes 17,10:
„Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, mein, und ich bin in ihnen verherrlicht.“
Dass er in seinen Heiligen verherrlicht werden sollte, konnte nur als Ergebnis seines Werkes auf Golgatha geschehen.
In 2. Thessalonicher 1,10a verbindet Paulus diese Tatsache auf besondere Weise mit der Wiederkunft des Herrn:
„Wenn er kommt, um an jenem Tag in seinen Heiligen verherrlicht und in allen denen bewundert zu werden, die geglaubt haben.“
Die Herrlichkeit seiner Auferstehung und Himmelfahrt
In Johannes 17,1 spricht unser Herr wieder einmal so, als ob Golgatha schon hinter ihm läge. Er betet, dass der Vater ihn verherrliche, d.h. dass er ihn von den Toten auferwecken möge, damit wiederum der Sohn seinerseits den Vater verherrliche.
Wir haben einen ähnlichen Abschnitt in Johannes 13,31-32:
„Als er nun hinausgegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn des Menschen verherrlicht, und Gott ist verherrlicht in ihm. Wenn Gott verherrlicht ist in ihm, so wird auch Gott ihn verherrlichen in sich selbst, und er wird ihn sogleich verherrlichen.“
Er sprach von seinem Tod als von einem Mittel zu seiner eigenen Verherrlichung und dass er durch diesen Tod auch seinen Vater sehr verherrlichen würde. Vers 32 könnte man so umschreiben: Weil Gott durch das Werk Christi am Kreuz verherrlicht wird, würde Gott ihn verherrlichen, nämlich durch die Auferweckung von den Toten, und zwar bald. Genau dies geschah: Gott erweckte den Herrn Jesus am dritten Tage auf.
Hier noch einige zusätzliche Verse, die die Herrlichkeit seiner Auferstehung und Himmelfahrt erwähnen:
„Musste nicht der Christus dies leiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ (Lk 24,26)
„Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.“ (Joh 7,39)
„Dies verstanden seine Jünger zuerst nicht; jedoch als Jesus verherrlicht war, da erinnerten sie sich, dass dies von ihm geschrieben war und sie ihm dies getan hatten.“ (Joh 12,16)
„Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt, als dieser geurteilt hatte, ihn loszugeben.“ (Apg 3,13)
„…aufgenommen in Herrlichkeit.“ (1. Tim 3,16)
„…die ihr durch ihn an Gott glaubt, der ihn aus den Toten auferweckt und ihm Herrlichkeit gegeben hat,…“ (1. Petr 1,21)
Die Herrlichkeit seiner Auferstehung und Himmelfahrt verbindet sich mit seiner ewigen Herrlichkeit im Himmel. Sie sind nicht voneinander zu trennen.
Die Herrlichkeit seiner Wiederkunft und Herrschaft
Diese Herrlichkeit wird im Neuen Testament häufiger erwähnt als jede andere. Der Menschensohn wird „auf den Wolken des Himmels mit großer Macht und Herrlichkeit“ kommen (Mt 24,30). An diesem Tag wird er in seinen Heiligen verherrlicht und in allen Gläubigen bewundert werden (2. Thes 1,10). Wenn er auf seinem Thron der Herrlichkeit sitzen wird, wird er die Apostel– und alle seine Jünger – belohnen (Mt 19,28) und die Völker richten (Mt 25,31-33). Er wird sich derer schämen, die sich seiner und seiner Worte geschämt haben, wenn er in seiner Herrlichkeit kommen wird (Lk 9,26). Jakobus und Johannes baten törichterweise darum, zur Rechten und Linken Christi zu sitzen, wenn sein herrliches zukünftiges Reich kommen würde (Mk 10,37). Diejenigen, die jetzt an den Leiden Christi teilhaben, werden sich mit Frohlocken freuen, wenn seine Herrlichkeit im Tausendjährigen Reich offenbart wird (1. Petr 4,13).
Die Verklärung Christi gab eine Vorschau auf den Messias in seiner Herrlichkeit als König der Könige und Herrn der Herren. Petrus, Jakobus und Johannes sahen auf dem heiligen Berg seine Herrlichkeit:
„Und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh 1,14b)
„Petrus aber und die mit ihm waren […] sahen … seine Herrlichkeit und die zwei Männer, die bei ihm standen.“ (Lk 9,32)
Petrus bezog sich später auf die Verklärung und erklärte, dass sie sich auf seine Macht und Ankunft bezogen habe, d. h. das Kommen unseres Herrn Jesus Christus in Macht und Herrlichkeit (2. Petr 1,16).
Eine andere Erwähnung der Herrlichkeit Christi in seinem Reich findet sich in Johannes 17,22. Dort sagt unser großer Hohepriester: „Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, dass sie eins seien, wie wir eins sind.“
Er weist hier auf seine Herrschaft über die Erde hin, als wenn es sich um die Gegenwart handle. Weil seine Heiligen mit ihm für 1000 Jahre regieren werden (Offb 20,4c), werden sie in einem ganz realen Sinne während dieser Zeit seine Herrlichkeit teilen. Gegenwärtig erkennt die Welt weder das Volk Gottes noch schätzt sie es. Deshalb lesen wir:
„Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.“ (1.Joh 3,1b)
Doch wenn er in seiner Herrlichkeit kommen wird, dann wird auch die Herrlichkeit der Gläubigen sichtbar:
„Wenn der Christus, unser Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit.“ (Kol 3,4)
„Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes, und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen, dass wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1. Joh 3,2)
Dann wird die Welt die Einheit zwischen dem Herrn Jesus und seinen Nachfolgern erkennen und wird wissen, dass der Vater den Sohn gesandt hat und dass Gott die Heiligen so liebt wie er seinen Sohn liebt.
Wir teilen seine Herrlichkeit als Söhne und Töchter Gottes, als seine Brüder und Schwestern und als Miterben. Wir werden mit ihm in der Himmelswelt weilen, und werden eines Tages mit ihm über die Erde regieren und die Welt richten. Er hat uns zu einem Königtum von Priestern für Gott gemacht. Sein Name wird auf unseren Stirnen stehen.
Seine gegenwärtige Herrlichkeit im Himmel
Das Verlangen des Herrn Jesus, wie er es in Johannes 17,24 ausdrückt, besteht darin, dass diejenigen, die ihn lieben, mit ihm im Himmel sein sollen, so dass sie seine Herrlichkeit schauen können.
Durch den Glauben sehen wir ihn dort schon mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt:
„Wir sehen aber Jesus, der kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war, wegen des Todesleidens mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, damit er durch Gottes Gnade für jeden den Tod schmeckte.“ (Hebr 2,9)
Seine gegenwärtige Herrlichkeit im Himmel ist das, was Petrus seine ewige Herrlichkeit nennt:
„Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, er selbst wird euch, die ihr eine kurze Zeit gelitten habt, vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen.“ (1. Petr 5,10)
Dennoch ist diese Herrlichkeit in gewisser Hinsicht von der Herrlichkeit verschieden, die er hatte, ehe er auf die Erde kam. Er weilt nun im Himmel als verherrlichter Mensch zusätzlich zur Herrlichkeit seiner Gottheit.
Seine gegenwärtige Herrlichkeit ist eine Verbindung all seiner Herrlichkeiten, ob sie ihm nun schon immer zu eigen waren oder ob er sie erworben hat. Es handelt sich um die Herrlichkeit seiner Gottheit, seiner Menschheit, seiner Eigenschaften, seiner Ämter und seines Charakters. Wir sind nicht berufen sie zu teilen, sondern uns an ihnen zu freuen und ihn für immer dafür zu loben.
[1] Auszug aus dem Buch „Achte auf den Unterschied“, CV Dillenburg