Gemeinde & Mission

Auf ihren Grund und Boden

von Short Tom

Tom Short ist Straßenevangelist und Autor von „Fragwürdig“. Hier folgt ein Auszug aus seinem neuen Buch, worin er beschreibt, wie man das Evangelium auf die Wellenlänge der Verlorenen bringt. Das Buch soll später bei CLV erscheinen, der Originaltitel ist „Takin´ it to their Turf“. Übersetzt von Veronika Sattlecker.

„Wenn du machen könntest, was du willst und wüsstest, dass du dabei nicht scheitern kannst, was würdest du tun?“
Niemals hatte mir jemand eine Frage gestellt, die mir so viel Freiraum gab, das Unmögliche zu erträumen. Doch als mir mein Mentor eben diese Frage stellte, wusste ich die Antwort genau: „Ich würde von Universität zu Universität reisen, das Evangelium predigen, ein Feuer für Christus entfachen und nach ein paar Tagen zu einem anderen Campus weiterreisen und dasselbe tun.“
Meine Antwort erstaunte mich, denn ich hatte diese Idee noch nie in Worte gefasst. Auch niemand anderer hatte eine solche Sache zuvor gemacht. Dazu kam, dass ich mich fürchterlich ungeeignet und unpassend für so eine Aufgabe fühlte. Doch die Frage half mir dabei Wünsche zu formulieren, die mir tief in der Seele brannten.
Woher kamen diese Wünsche? Im Rückblick erkenne ich, dass es Gottes Ruf für mein Leben war. Ich war tief beeindruckt von Leuten in der Bibel, die das Wort öffentlich predigten. Mir schien als würde jeder in der Bibel (z.B. Jesus, Paulus, Petrus oder die Propheten des Alten Testaments) mutig, öffentlich, mit Autorität und ohne Scham die Wahrheit von Gott auf seinem Weg von Stadt zu Stadt bezeugen. Diese Männer stellten die Welt auf den Kopf (Apostelgeschichte 17,6). Genau das wollte ich auch!

Ich habe erkannt, dass viel gute Frucht entsteht, wenn man Gottes Wort mutig und selbstsicher verkündigt. Ein Ungläubiger empfängt Christus, einer, der vom Weg abgekommen ist, kehrt zum Herrn zurück und fast jeden Tag findet ein entmutigter Gläubiger Kraft und Ermutigung. Doch Gottes Wort ohne Scham und Entschuldigung zu verkündigen ruft Gegner auf den Plan – manchmal sehr starke.

Moderne Christen in Amerika sind es nicht gewohnt verfolgt zu werden. Gegenwind zu erleben kann uns verwirren, oder wir fragen uns, ob wir etwas falsch machen. Vielleicht fragen wir: „Funktionieren Straßenpredigten wirklich?“, oder „Richtet das vielleicht mehr Schaden als Nutzen an?“ Es ist meine Hoffnung, dass dieses Buch solche Fragen beantwortetund alle Zweifel verstummen lässt. Ich bete, dass diese Geschichten Sie inspirieren zu erkennen, dass wir einen mächtigen Gott haben, der unsere Liebe, Hingabe und unseren Dienst wert ist. Ich hoffe eine ganze Armee an Soldaten für Christus zu motivieren, die aufstehen und freimütig das Evangelium von Jesus Christus verkünden. Kaum jemand scheint das heute noch zu tun. Wir laden Menschen, die keine Christen sind, zu uns ein – in unsere Gemeinden und zu sozialen Events – doch wer bringt die Frohe Botschaft auf ihren Grund und Boden – die Plätze, an denen sie Zeit verbringen und sich wohl fühlen? Wer geht hinaus „auf die Wege und an die Zäune“ und lädt die Leute ein ins Haus des Vaters zu kommen? (Lukas 14,23). Die Hirten bleiben bei den 99. Wo sind die Hirten, die nach dem einen verlorenen Schaf suchen? Ich hoffe, dass Ihnen dieses Buch hilft auf Gottes Ruf für Ihr Leben zu antworten – was auch immer das sein wird. Ich hoffe, dass Sie dadurch der Welt zeigen, dass unser Gott treu und wahrhaftig ist. Vielleicht werden einige von Ihnen motiviert sich für eine Aufgabe mit Ewigkeitswert einzusetzen: Herzen für Christus zu gewinnen. Wahrscheinlich bringen Sie dann viel mehr Frucht für Gottes Reich als ich es getan habe. Ich wäre demütig und geehrt, wenn Ihnen meine Geschichte dabei hilft.

„Nicht auf meinem Grund und Boden!“

An der Universität von Maryland

„Auf einen hohen Berg steig hinauf, du Freudenbotin Zion! Erhebe mit Macht deine Stimme, du Freudenbotin Jerusalem! Erhebe sie, fürchte dich nicht! Sprich zu den Städten Judas: Siehe da, euer Gott!“ (Jesaja 40,9).

Eine Universität sollte ein „Marktplatz der Ideen“ sein, wo eine Vielfalt von Ansichten angeboten und frei untersucht und durchdacht wird. Doch wir wollen uns nichts vormachen – die moderne säkulare Universität ist eine Gegnerin der biblischen Wahrheit geworden.
Im Jahr 1980 verwendete ich meine ganze Zeit dazu, um am Universitätscampus in Maryland zu predigen. Die Folge war, dass an allen Ecken des Campus von Gott, der Bibel und Jesus Christus geredet wurde. Gott war in Aktion! Wir beteten jeden Morgen und predigten jeden Nachmittag vor der Hornbake Bibliothek. Studenten versammelten sich, um mir stundenlang zuzuhören, wie ich ihnen Christus vorstellte und die Bibel gegenüber ihren Kritikern verteidigte. Menschen wurden errettet und getauft. Unsere kleine neu gegründete Gemeinde und das tägliche Bibelstudium lebten von einem täglich wachsenden Strom an neuen Leuten, die zu uns stießen. Immer wieder tauchten wir in der Studentenzeitung auf. Christianity Today[1] schrieb einen Artikel über uns mit dem Titel „Erweckung an der Universität von Maryland“.
Doch eines Nachmittags stürmte ein Englischprofessor in die Mitte der Zuhörer. Außer sich vor Zorn schrie er: „Nicht auf meinem Grund und Boden!“ Ich verstand nicht, was er meinte und sagte: „Entschuldigen Sie?“ Vehement wiederholte er: „Nicht auf meinem Grund und Boden!“ Dann fügte er hinzu: „Sie können in Ihrer Kirche sagen was Sie wollen, aber das hier ist mein Revier. Sie bringen das nicht hierher!“ Ich sah diesen Professor nie wieder, doch ich habe ihn auch nie wieder vergessen. Anstatt mich zu bremsen verhalf er mir unwissentlich zu einem Slogan für mein Leben und meinen Dienst: „Auf ihren Grund und Boden!“ Seit diesem Tag habe ich Gottes Wort an über 100 Universitäten in den USA, Europa und Asien verkündet und mit hunderttausenden Studenten über jedes nur vorstellbare Thema gesprochen.
Ich habe Skeptiker, Agnostiker, Atheisten und Säkulare gesehen, die die Universität wirklich für „ihren Grund und Boden“ halten. Die Grundidee meines Dienstes ist es also, mich mit dem Wort Gottes zu bewaffnen und mit der Kraft des Heiligen Geistes in feindliches Territorium einzudringen. Andere sind damit zufrieden die christliche Botschaft nur hinter den Mauern der Gemeinde zu reden. Ich möchte die Botschaft auf den Grund und Boden des Teufels bringen!

Der Kampfplatz des Teufels

Vielleicht klingt es etwas zu hart, die Universitäten von Amerika „Kampfplatz des Teufels“ zu nennen, doch bevor Sie mich als rasenden Fanatiker abstempeln, hören Sie mir bitte zu. Wenn der Campus wirklich der Grund und Boden des Teufels ist, dann spazieren christliche Studenten tagtäglich in feindliches Gebiet und dann müssen sie auf den geistlichen Kampf vorbereitet werden. Umfragen zeigen, dass viele junge Leute, die an eine Universität gehen und angeben Christen zu sein, ihren Glauben bis zum Zeitpunkt ihres Abschlusses verlieren. Der Grund ist leicht ersichtlich: Eine Gemeinschaft von jungen, ungebundenen Menschen, die in bunt gemischten Studentenheimen ohne elterliche Aufsicht leben, bietet starke Versuchungen die christliche Moral aufzugeben. Dann befeuert ein Professor diese Versuchungen, indem er sich über das lustig macht, was sie zu Hause oder in ihren Gemeinden gelernt haben. Ein anderer Professor versichert ihnen: „Die Evolution erklärt alles. Die Wissenschaft hat alle Antworten. Religion wurde von den Machthabern erfunden, um die Schwachen zu unterdrücken.“ Mixen Sie diese Argumente mit dem Gruppenzwang in den Studentenheimen und es wird zum Wunder, wenn jemand während seiner Studienzeit Christ bleibt. Unsere Universitäten haben unglaubliche Fortschritte in Forschung und Technologie erzielt. Doch gleichzeitig ist es entmutigend zu sehen, dass sie eine moralisch verwerfliche, „politisch korrekte“ Einstellung kultiviert haben, die sich feindlich gegen christliche und historische Werte richtet.

Es war nicht immer so

Wenn man die heutigen Universitäten betrachtet, würde man nicht meinen, dass 123 von den 126 ersten Universitäten in Amerika von Gemeinden oder christlichen Organisationen gegründet wurden. Im Jahr 1900 war es selten einen Universitätsdirektor anzutreffen, der kein Mann des Glaubens war. Es gab eine Zeit, in der man an den meisten Universitäten nicht graduieren konnte, wenn man nicht fähig war die Bibel tiefgehend zu diskutieren. Heute wäre ein Studierender, der die radikale Sichtweise von „Trennung von Kirche und Staat“ gelernt hat, wahrscheinlich schockiert, wenn er entdecken würde, was die Gründer der wichtigsten Unis damals glaubten. Harvard verlangte von jedem Studenten, dass er „klar eingewiesen und ernsthaft gedrängt werde zu bedenken, dass das Ziel seines Lebens und seines Studiums sei, Gott und Jesus zu kennen und was das ewige Leben bedeutet und so Christus als Grundstein zu legen, als die einzige Grundlage allen Wissens und Lernens.“ Jesus Christus als die Grundlage allen Wissens und Lernens zu deklarieren mag heute lächerlich wirken, doch es war Harvards Ziel, als es noch auf Gottes Grund und Boden stand!
Yale verlangte, dass „jeder Student neben privaten oder persönlichen Gebeten morgens und abends beim öffentlichen Gebet teilhaben soll.“
Was sagt Princetons Gründungsslogan über die moderne Universität? Er lautete: „Verflucht sei alles Lernen das im Gegensatz zu Christi Kreuz steht.“
Dartmouth wurde gegründet, um Missionare auszubilden, die die verlorenen Ureinwohner des Landes erreichen sollten. Vor einigen Jahren veröffentlichte der Direktor von Dartmouth eine Entschuldigung für die „Arroganz“, die die Gründer der Universität besaßen, im Glauben sie wären dazu berufen, die Ureinwohner Amerikas zu „bekehren“.
Das Ziel der Columbia-Universität ist in einer Gravur in einem alten Administrationsgebäude festgehalten: „Für den Fortschritt des öffentlichen Wohles und zur Ehre des allmächtigen Gottes.“
Wie sieht es mit den öffentlichen Universitäten aus? Zwei Jahre bevor die amerikanische Verfassung genehmigt wurde, hat man die Nordwest-Verordnung unterzeichnet. Sie setzte die Bedingungen für ein Gebiet fest, um ein Staat zu werden. Eine Zeile aus dieser Verordnung ziert den Eingang der Ohio University. Da steht: „Drei Dinge sind es, die für immer bestärkt werden sollen: Religion, Moral und Wissen, denn sie sind nötig zur guten Regierung, zum Glück der Menschheit, für Schulen und Bildung.“ Früher förderten die Universitäten ihre Studenten also darin ihren Verstand zu verwenden, um Gott zu suchen und Ihn von ganzem Herzen zu lieben. Die Universitäten heute fördern Studierende dabei ihre geistige Energie für entgegengesetzte Dinge zu verwenden. Vielleicht ist es Zeit für uns Christen uns an der Universität einzubringen, um diesen Grund und Boden wieder für Gott zu erobern!

Nun möchte ich Sie noch ermutigen folgendes Gebet zu beten:
„Vater, danke für die Botschaft der Rettung durch Jesus Christus und für die lebendig machende Wahrheit, die in deinem Wort zu finden ist. Hilf mir furchtlos und mutig zu sein. Vergib mir für all die Male, in denen ich es nicht war. Ich bete, dass du mich inspirierst, belehrst und ausrüstest. Ich bete dies im Namen deines Sohnes, meines Herrn Jesus Christus. Amen.“

Fortsetzung folgt


[1] Christianity Today ist eine US-amerikanische evangelikale Zeitschrift, Anm. der Übersetzerin