Gemeinde & Mission
Vorwort

Vorwort 130: „Zuversicht“

von Trinker Gernot

Durch das Coronavirus und die entsprechenden Regeln wurde das Zusammenkommen der Christen eingeschränkt. Welche Auswirkungen hat das auf das Leben des einzelnen Gläubigen, auf die Gemeinden und auf die Gesamtbevölkerung?

Hat Gott das Ruder aus der Hand gegeben? Nein, Gott hat einen guten Plan. Gott hat alles sehr gut begonnen (1. Mose 1,31) und er wird alles sehr gut zu Ende führen (Offenbarung 21,1-7 und Offenbarung 22,1-5). Was zwischen diesem Anfang und diesem Ende liegt, ist uns nicht immer ganz klar. Aber jetzt passiert jedenfalls nichts, was Gott einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Im Gegenteil, alles was passiert wird zwangsläufig zu Gottes ewigen Zielen beitragen.

Die Christen der ersten Stunde haben durch Herausforderungen gelernt. Zuerst haben sie eine harmonische Zeit in einer großen Gemeinschaft in Jerusalem erlebt.

„Die nun sein Wort aufnahmen, wurden getauft; und es wurden an jenem Tag etwa dreitausend Seelen hinzugetan. Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Über jede Seele aber kam Furcht, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die glaubten, waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Besitztümer und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer irgend Bedarf hatte. Und während sie täglich einmütig im Tempel verharrten und zu Hause das Brot brachen, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich hinzu, die gerettet werden sollten.“ (Apg 2,41-47).

In einer ähnlichen Weise haben auch wir unser Zusammenkommen als Christen erlebt: Belehrung, Gemeinschaft, Brotbrechen, Gebete, Einheit, Zusammenhalt, gegenseitige Hilfe, gemeinsame Mahlzeiten, gemeinsames Gotteslob, ungehinderte Weitergabe der rettenden Botschaft in unserem Umfeld.

Doch wie können wir uns an der Urgemeinde orientieren, wenn unsere sozialen Kontakte massiv eingeschränkt werden? Eine mögliche Antwort finden wir in Apostelgeschichte 8. Verfolgung! Diese kam vielleicht nicht ganz unerwartet, aber doch in größerem und härterem Ausmaß als zuerst gedacht.

„Und sie steinigten Stephanus, der betete und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte, entschlief er. Saulus aber willigte in seine Tötung mit ein. Es entstand aber an jenem Tag eine große Verfolgung gegen die Versammlung, die in Jerusalem war; und alle wurden in die Landschaften von Judäa und Samaria zerstreut, ausgenommen die Apostel. Gottesfürchtige Männer aber bestatteten Stephanus und stellten eine große Klage über ihn an. Saulus aber suchte die Versammlung zugrunde zu richten, indem er der Reihe nach in die Häuser ging und sowohl Männer als Frauen fortschleppte und ins Gefängnis überlieferte.“ (Apg 7,59 bis 8,3).

Die nette Gemeinschaft, das Zusammenkommen, all das war augenblicklich vorbei. Stephanus ging als erster christlicher Märtyrer in die Geschichte ein, gläubige Männer und Frauen wurden ins Gefängnis geworfen. Viele Christen wurden in die angrenzenden Regionen von Judäa und Samaria zerstreut.

Die Auswirkungen des Coronavirus brachten Veränderungen, die ich mit der damaligen Verfolgung vergleichen möchte: Manche Christen sind gestorben, etliche werden durch Quarantäne „eingesperrt“, die Übrigen müssen sich sozial weit zurückziehen. Die gewohnten Formen des christlichen Zusammenkommens sind zeitweise nicht möglich. Worauf soll man als Christ in dieser Situation achten?

Zuerst können wir von Stephanus lernen. Er hat die Schwierigkeiten hautnah miterlebt. Was erfahren wir über seinen Glauben? Seine letzten aktiven Handlungen waren zwei Gebete. Das drückt seine Beziehung zu Jesus und seinen Glauben aus. Es drückt auch seine Hoffnung aus: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf“. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Egal, wie schwierig unsere Situation jetzt ist, unsere Beziehung zu Jesus und unser Glaube sind weiterhin möglich. Sie sind die Grundlage für unsere Hoffnung, die über den Tod hinausgeht. Pflege deine Beziehung zu Jesus, bete zu ihm, lies in der Bibel! Wenn du das aufgibst, dann hast du bald keine Hoffnung mehr.

Wie haben die übrigen Gläubigen reagiert, die nicht umgebracht oder eingesperrt wurden?

„Die Zerstreuten nun gingen umher und verkündigten das Wort. Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus. Die Volksmengen aber achteten einmütig auf das, was von Philippus geredet wurde, indem sie zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. Denn von vielen, die unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit lauter Stimme schreiend; und viele Gelähmte und Verkrüppelte wurden geheilt. Es entstand aber große Freude in jener Stadt.“ (Apg 8,4-8).

In der neuen Situation nutzten die Gläubigen die Möglichkeiten, um das Wort Gottes zu verkündigen. Und wie hat die Bevölkerung auf die Worte der Vertriebenen reagiert? Die Leute achteten auf das, was geredet wurde. Die Bevölkerung war bereit zuzuhören, trotz (oder wegen?) des Drucks durch die Verfolger. Große Freude war die Folge.

Wir fragen uns vielleicht: Mit wem habe ich denn überhaupt noch sozialen Kontakt? Welche Möglichkeiten bieten sich, um Gottes Wort zu verkünden? Erstens stehen digitale Medien, Telefon, E-Mail und dergleichen weiterhin uneingeschränkt zur Verfügung. Zweitens ist es unter Beachtung der gesetzlichen Vorgaben möglich, Hilfsbedürftigen durch praktische Erledigungen zur Seite zu stehen. Beispielsweise fallen mir ältere Nachbarn ein, für die man einkaufen kann. Über hoffnungsvolle Worte von ihren Helfern werden sie sich bestimmt freuen. Zuletzt gibt es noch einige Berufe, die immer ausgeübt werden (öffentlicher Dienst, Supermärkte, Apotheken…). Wer solch eine Arbeit hat, dem wird es wohl nicht an sozialen Kontakten fehlen, um die Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln, die wir durch Jesus haben.

Gerade in dieser Situation sind die Leute bereit zuzuhören, zu lesen, nachzudenken. Viele Ablenkungen sind verschwunden. Die Leute fragen sich, was im Leben überhaupt wichtig ist.

Die Christen in Apostelgeschichte 8 waren nicht selbst schuld an der Verfolgung. Sie haben sich diese Situation auch nicht gewünscht. Sie wären lieber beisammengeblieben. Aber sie haben die Situation genützt. Sie haben an ihrer Beziehung zu Jesus und an ihrem Glauben festgehalten und sie vertieft. Sie haben ihre Hoffnung nach außen weitergetragen. Am Ende haben sie sich mit vielen neuen Gläubigen gefreut. Im Nachhinein hätten sie es sich wohl nicht mehr anders gewünscht.

Wir Christen sind am Coronavirus nicht selbst schuld. Wir wollen das eigentlich nicht, wir würden lieber zusammenbleiben. Aber unsere Hoffnung richtet sich nicht auf einen Impfstoff. Unsere Hoffnung richtet sich auf Jesus Christus. Er ist ein Mensch, den nicht mal der Tod besiegen konnte. Diese Hoffnung ist fix, sie muss nicht erst noch erforscht oder entwickelt werden. Eine ewige Zukunft mit Ihm ist Gottes Versprechen an uns.

Liebe Geschwister, haltet an Jesus fest und tragt die Worte der Hoffnung hinaus!

Gernot Trinker