Meide die Falle der Bürgschaft (Sprüche 6,1-5)
Aus: Das Buch der Sprüche
Kommentar von William MacDonald, der bei CLV erscheinen soll
Ein Tipp: Lies doch die Erklärungen am besten zusammen mit dem Bibeltext. Sie sollen helfen, den Text zu verstehen. Ohne den Bibeltext hängen sie in der Luft.
V.1 Der gute König wendet sich nun dem Thema Bürgschaft zu. Bürgschaft bedeutet, die Haftung für die Verpflichtungen von jemand anderem zu übernehmen, falls dieser mit der Zahlung in Verzug gerät. Salomos sechs Bezugnahmen auf diesen Geschäftsvorgang (hier; Kap. 11,15; 17,18; 20,16; 22,26; 27,13) mögen darauf hindeuten, dass das damals gängige Praxis war. Vielleicht ist es auch heute noch öfter üblich, als wir annehmen.
Bei allen Bibelstellen ist der Rat derselbe: Leiste keine Bürgschaft, indem du für die Schuld eines anderen einstehst, egal ob Fremder oder Freund. Es ist eine Erinnerung daran, dass bei Geld die Freundschaft aufhört. Es bedeutet auch, dass man denen nicht vertrauen kann, die ohne Guthaben oder Sicherheiten Geld ausleihen.
Trotz dieser Warnung wurde der Herr Jesus unser Bürge am Kreuz von Golgatha. Er bezahlte die Schuld, die wir verursacht hatten, jedoch nicht bezahlen konnten.
Todeswürdig waren wir, oh Herr;
Diese Vergeltung war unser Lohn;
In Gnade hat das fleckenlose Lamm selbst getragen
Unsere Sünden und Schuld und Schande;Unsere Sünden und Schuld und Schande;
Die Gerechtigkeit erschlug unseren Bürgen.
Mit Ihm, unserem Bürgen sind wir gestorben,
Mit Ihm sind wir dort gekreuzigt worden.
James G. Deck
V.2 Sogar eine mündliche Zusage ist für manche Gerichtshöfe bindend. Wenn du einmal ein Versprechen gegeben hast, bist du verantwortlich zu bezahlen, falls es der Schuldner nicht kann.
V.3 Falls Salomos Sohn diesen Fehler jemals begeht, fordert ihn Salomo auf, einen ehrenhaften Weg zu suchen, um von dieser rechtlichen Bindung an seinen Freund freizukommen. Auch wenn das bedeutet sich zu erniedrigen, sollte er seinen Freund dringend bitten ihn zu entlassen.
V.4 Das ist so dringlich, dass er es noch tun sollte, bevor er am Abend zu Bett geht. Es ist wichtiger als Schlaf.
V.5 Von Furcht angetrieben sollte er die Gewandtheit, die Geschwindigkeit und die Klugheit einer Gazelle nachahmen, die vor ihrem Jäger flüchtet, oder einen Vogel, der einem Vogelsteller entkommt.
Meide die Falle der Faulheit (6,6-11)
V.6 Nun kommt Salomo von törichten Geschäftsverträgen zur Faulheit. Genau wie später Jesus geistliche Lehren aus der Natur zieht, benutzt auch der König Ameisen als Beispiel für Fleiß. „Die Ameise dient uns als Beispiel für Fleiß und Tatkraft. Liege nicht im Bett herum und träume vor dich hin oder falte deine Hände und beklage dich, dass du nicht so viel Verstand hast. Das hat die Ameise auch nicht, aber was sie davon hat, verwendet sie. Steh auf und geh an die Arbeit. Mach das Beste aus dem, was du hast. Was du brauchst, ist Ameisensäure, das heißt ausdauerndes Bemühen. Egal, ob du klein und schwarz bist und in einem Ameisenhaufen wohnst, es zählt nur dein Durchhaltevermögen. Die Ameise ist berühmt für Fleiß, Tatkraft, Geschicklichkeit und Wirtschaftlichkeit, ebenso für Arbeitsteilung und rationelles Arbeiten. Ob als Maurer, Bauern, Tischler oder Holzschnitzer, ihre Bauwerke regen zur Bewunderung und Nachahmung an.“[1]
V.7 Sie haben keine offensichtliche Befehlskette, keinen Aufseher und kein Oberhaupt, trotzdem eilen sie nicht ziellos umher. Ihr Tun ist gelenkt und produktiv.
V.8 Im Sommer arbeiten sie hart, um Nahrung für den Winter zu sammeln. Das bedeutet nicht, dass alle Ameisen einen Winterschlaf machen, sondern dass sie Vorsorge für Zeiten treffen, in denen sie nicht arbeiten können. Als Gläubige müssen wir nicht mehr für unsere Zukunft vorsorgen. Gott verspricht uns, dass uns niemals etwas Lebensnotwendiges fehlen wird, wenn wir ihn und seine Gerechtigkeit eifrig an die erste Stelle setzen (Mt 6,33).
V.9 Der Faulpelz ist allergisch gegen Arbeit. Er braucht einen Wecker, um am Morgen aufzuwachen. Dann benötigt er enorme Energie, um sich selbst unter der Bettdecke hervorzuziehen und die Füße auf den Boden zu bekommen.
V.10 Aber nein! Er möchte noch etwas mehr Schlaf. Darin ähnelt er den Seeelefanten. Sie verbringen den Großteil ihrer Zeit mit Schlafen.
V.11 Dann wundert er sich darüber, warum sich die Rechnungen häufen, der Kühlschrank leer ist und der Vermieter wegen der Miete an die Tür klopft. Sein Lobgesang lautet:
„Es ist schön, am Morgen aufzustehen,
aber es ist viel schöner, im Bett zu bleiben.“
[1]A. T. Pierson, Knowing the Scriptures, N.Y.: Gospel Publishing House, 1910, S. 439
Buchtitel des englischen Originals: Proverbs, a Devotional Commentary