Auf ihren Grund und Boden – Teil 11
Tom Short ist Straßenevangelist und Autor von „Fragwürdig“. Hier ein Auszug aus seinem neuen Buch, worin er beschreibt, wie man das Evangelium auf die Wellenlänge der Verlorenen bringt. Der Originaltitel ist „Takin´ it to their Turf“.
Übersetzt von Veronika Sattlecker.
Auch wenn du nicht auf der Straße oder an einer Universität predigst, wird es dir Mut machen, was Tom schreibt. Du kannst das verwenden, wo auch immer du über das Evangelium redest.
Nur noch eine Minute…
Penn State University
Du weißt nie, wie viel Gutes daraus entstehen kann, wenn du der Führung des Heiligen Geistes folgst.
Es war im Herbst 1985. Mein guter Freund Greg Gill und ich waren nach Pennsylvania gereist, um an der Penn State University zu predigen. Wir stellten uns vor der Willard Hall auf und sprachen zu einer Menge, die im Laufe des Nachmittags immer wieder ihre Größe veränderte.
Ich kann mich kaum mehr daran erinnern, was während unserer Predigt passierte, doch ich weiß noch, dass wir danach einige gute persönliche Gespräche hatten. Die Gespräche dauerten so lange, dass Greg mich fast vom Campus nach Hause zerren musste. Es ist nicht allzu ungewöhnlich, dass ich nach dem Predigen noch bleibe und eine Weile mit den Studenten rede, doch wir waren schon mehrere Tage unterwegs und sehnten uns beide danach, nach Hause zu kommen und unsere Kinder noch zu sehen, bevor sie ins Bett mussten. Wir packten unsere Sachen zusammen und wollten gerade gehen, als mir eine junge Frau auffiel. Sie sah irgendwie verloren aus. Sie war etwas entfernt von der Menge gestanden, doch ihre Augen verrieten, dass sie aufmerksam zugehört hatte. Ich merkte, wie mich der Heilige Geist drängte, mit ihr zu sprechen. „Greg, lass´ mich nur noch mit dieser einen Person reden“, sagte ich. „Ich verspreche, es wird nur eine Minute dauern.“ Niemand hat ein größeres Anliegen für verlorene Seelen als Greg, doch es wurde schon langsam spät. Er blickte auf seine Uhr, willigte ein und drängte mich zur Eile. Ich hatte keine Zeit zu verlieren und so ging ich direkt auf sie zu und fragte: „Du scheinst Interesse an dem zu haben, was wir gesagt haben. Ich habe mich gefragt, ob du Christin bist.“
Da brach sie in Tränen aus und platzte heraus: „Ich dachte, ich sei Christin, doch ich war so schlimm, dass ich mir nicht mehr sicher bin.“ Ich muss kaum erwähnen, dass der Heilige Geist sie überführt hatte.
Nun hatte ich nur noch 30 Sekunden! „Kennst du andere Christen hier am Campus, mit denen du darüber sprechen kannst?“, fragte ich.
Sie verneinte, doch sie wollte gerne Christen kennenlernen. Also stellte ich sie einigen Leuten aus der Gruppe vor, die mich an den Campus geholt hatte. Sie freundeten sich mit ihr an und halfen ihr zu verstehen, wie man Christ wird und ein unverfälschtes christliches Leben führen kann. Bald wurde sie ein wichtiges Glied dieser christlichen Studentengruppe.
Der Name der jungen Dame ist Amy. Einige Jahre später heiratete sie Phil, den Leiter der Gruppe, und die beiden haben nun schon für viele Jahre im christlichen Dienst gearbeitet.
Wir wissen nie, wie viel Gutes entsteht, wenn man der ruhigen, leisen Stimme des Heiligen Geistes folgt. Ich hatte auf jeden Fall keine Ahnung, was aus diesem kurzen Gespräch entstehen würde. Doch ich bin froh, dass ich der Aufforderung gefolgt bin, und Greg freut sich, dass er mich gehen ließ. Und du kannst dir denken, dass Amy und Phil auch sehr froh darüber sind!
Wie weißt du also, ob diese leise Stimme vom Heiligen Geist ist oder nicht? Ich weiß, dass der Geist mich niemals leiten würde etwas Böses zu tun, und der Teufel niemals zu Gutem anleitet. Natürlich müssen Gut und Böse anhand von Gottes Wort definiert werden. Doch wenn du in deinem Inneren merkst, dass du etwas Gutes tun sollst, zum Beispiel ermutigende Worte zu sprechen, Zeugnis zu geben, zu beten oder Geld für Gottes Werk zu investieren, dann bitte ich dich inständig: „TU ES!“
Teamwork
An der Ohio State University
Jules ist einer der intelligentesten Menschen, die ich je kennengelernt habe. Sein Verstand arbeitet auf einer ganz anderen Ebene als meiner. Seine Eltern sind beide Professoren an einer angesehenen Universität und ich bin sicher, dass sowohl die Gene als auch die Erziehung zu seiner Intelligenz und zu seinem unabhängigen Denken beigetragen haben. Er glaubte nicht an Gott. Daher war er jedes Mal erfreut, wenn ich an die Ohio State kam, wo er einen Tag am Campus genießen konnte, an dem er meinen Glauben an Gott und Sein Wort in Frage stellen konnte. Jules hörte zu und verarbeitete, was ich zu sagen hatte. Er stimmte sogar meiner Ablehnung der Evolutionstheorie zu, indem er behauptete, dass er als Informatiker schon vor langer Zeit herausgefunden hatte, dass man kein besseres Programm produziert, wenn man den Code durcheinanderbringt – man zerstört es vielmehr. Die DNA ist ein Code und so macht es keinen Sinn zu glauben, dass Fehler im Code, also Mutationen, die Nachkommen verbessern würden.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich zwischen Jules und mir eine Freundschaft. Ich schätze es, wenn Menschen meine Überzeugungen herausfordern und mich zum Nachdenken bringen. Jules tat genau das. Ich glaube, dass auch er die Art und Weise schätzte, wie ich für das eintrat, was ich glaube. Eines Tages unterhielt sich ein Hare-Krishna-Anhänger einzeln mit Leuten, die versuchten, mir zuzuhören. Er und Jules begannen eine ausgedehnte Diskussion. Nachdem ich meinen Tag beendet hatte und mich anschickte nach Hause zu gehen, neckte Jules mich augenzwinkernd: „Tom, der Hare-Krishna-Typ hat mich zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen. Das habt ihr Christen noch nie getan.“ Ich verstand das als eine Herausforderung. Wir verglichen unsere Kalender und ich lud ihn in der folgenden Woche, wenn ich wieder an der Ohio State University sein würde, zu mir nach Hause zum Abendessen ein. Er nahm das Angebot an.
Als er in der darauffolgenden Woche in mein Auto stieg und wir vom Campus aufbrachen, fuhren wir nicht direkt zu meinem Haus. Stattdessen hielten wir beim feinsten Fleischmarkt der Stadt. Ich zeigte auf die vielen Steaks in der Auslage und sagte zu Jules: „Ich weiß, dass der Hare-Krishna-Typ dir kein Steak angeboten hat. Sie geben dir nur Gemüse. Aber heute Abend isst du bei mir zu Hause. Such dir irgendein Steak aus, und das gibt es dann zum Abendessen.“ Er war angenehm überrascht über meine Großzügigkeit, und ich glaube er wollte mich testen, indem er sich ein paar der teuersten Steaks aussuchte. Wir fuhren zu unserem Haus, grillten die Steaks und er genoss die Gemeinschaft mit mir, meiner Frau, unseren Kindern und unserem Hund bis kurz vor Mitternacht. Die Liebe und Wärme unserer Familie hatten einen tiefen Einfluss auf ihn. Er wollte gar nicht mehr gehen!
Nach diesem Abend war Jules‘ Herz viel offener für Christus, aber er war immer noch nicht bereit, sich ganz für Ihn zu entscheiden. Er erklärte mir, dass er als Intellektueller, der in einem so intellektuellen Umfeld aufgewachsen ist, mit einem echten Akademiker sprechen müsse, der an Christus glaubt. Schließlich muss eine wahre Bekehrung sowohl das Herz (unser innerstes Wesen) als auch den Verstand (unseren Intellekt) berühren. Da sein Herz vorbereitet war, war die Gelegenheit sein intellektuelles Bedürfnis zu erfüllen bald da. In diesem Sommer, nur ein paar Wochen später, absolvierte Jules ein Sommerpraktikum bei Dr. Fritz Schaefer an der University of Georgia. Dr. Schaefer, dessen Fachgebiet die Mathematik und die Theorie der Chemie war, ist einer der meistzitierten Wissenschaftler der Welt. Er ist auch in christlichen Kreisen für seine durchdachte Verteidigung des Glaubens bekannt. Es war kaum zu glauben: Dr. Schaefer war der Mentor von Jules‘ Vater, als dieser an der University of California in Berkeley promovierte. Dr. Schaefer hatte für Jules‘ Vater gebetet, dass er Christus erkennt. Stattdessen entschied Gott, Dr. Schaefer als letzten Zeugen zu verwenden, den der Sohn, Jules, brauchte, bevor er sein Leben Jesus übergab! Das Praktikum in diesem Sommer gab dem jungen Studenten die Gelegenheit, einen älteren, erfahrenen, gottesfürchtigen Mann aus nächster Nähe zu beobachten, der sich durch seinen unglaublichen Intellekt und den rettenden Glauben an Christus auszeichnete.
Einen Menschen zu Christus zu führen, ist selten das Werk einer einzigen Person. Gott hat mich oft dazu benutzt, der anfängliche Katalysator zu sein, um eine Person zum Nachdenken über Gott zu bringen. Dann hat er jemand anderen benutzt, um sie zum entscheidenden Gebet der Errettung zu führen. Ebenso merke ich fast jedes Mal, wenn ich jemanden im Bekehrungsgebet begleiten darf, dass Gott schon lange vorher daran gearbeitet hat, diese Person durch andere zu erreichen. Wir arbeiten als Team: einer sät, einer gießt und einer erntet. Manche sagen, dass es keine Grenzen für das gibt, was wir erreichen können, solange wir uns nicht darum kümmern, wer den Ruhm erntet. Das ist wahre Teamarbeit. Aber letztlich wird Jesus derjenige sein, der wirklich die Anerkennung und den Ruhm bekommt!
Fortsetzung folgt