Vorwort 150: „Eine Zweiklassengesellschaft?“
Ist die Gemeinde eine Zweiklassengesellschaft? Nein! Und Ja!
Die Gemeinde ist eine Einheit, keine Zweiklassengesellschaft. Alle Gläubigen bilden einen Leib und sind Glieder voneinander. Alle Gläubigen sind Priester, sie sollen den Priesterdienst ausüben und Gott Opfer bringen (1. Petr 2,5). Alle Gläubigen sind Teilhaber am Evangelium, sie dürfen das Evangelium verbreiten und Zeugen für den Herrn und seine Schönheit sein, der sie aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat (Phil 1,4.5; 1. Petr 2,9f). Alle Gläubigen haben Zugang zum Eintritt in das Allerheiligste, in die direkte Gegenwart Gottes (Hebr 10,19ff).
Es war ein großes Hindernis für das geistliche Leben und das Wachstum der Gläubigen, dass viele Christen dachten: „Nur der Priester ist der Seelsorger, er kümmert sich um meine Seele. Er ist der Spezialist.“ Stattdessen sollten sie besser selbst die Beziehung zum Herrn Jesus suchen und pflegen. Es war ein großes Hindernis für die Weltmission, dass viele Christen dachten: „Die Evangelisation ist die Aufgabe der Pfarrer oder der Missionare.“ Stattdessen sollten sie selbst in dieser wichtigen Aufgabe mitarbeiten. Die Mitarbeit trägt ja zum eigenen geistlichen Wachstum und zur Rettung der Verlorenen bei.
Also sind die Christen nicht in zwei Klassen getrennt, in Klerus und Laien oder Geistliche und das Volk Gottes. „Ihr aber seid Christi Leib…“ (1. Kor 12,27).
Doch im selben Brief schreibt Paulus, dass es zwei Klassen von Christen gibt: „Brüder, ich konnte nicht zu euch reden als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christus“ (1. Kor 3,1). Alle sind in Christus, aber einige sind geistlich, andere fleischlich. Die einen werden großen Lohn empfangen, die anderen werden auch gerettet werden, aber „so wie durchs Feuer“ (1. Kor 3,15). Die einen haben zum Herrn Jesus gesagt:
„Nimm mein Leben, Jesus dir, übergeb´ ich´s für und für.“
Die anderen haben das auch gesungen, aber nicht danach gelebt. Die einen haben zum Herrn gesagt: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ Die anderen sagen und leben nach dem Grundsatz: „Nicht dein Wille, sondern mein Wille geschehe“.
So eine Hingabe ist keine Frage der geistlichen Reife. Auch sehr junge Christen können sich dem Herrn ganz ausliefern. Nach so einer grundsätzlichen Hingabe ist es nötig bei dem Entschluss zu bleiben: „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen!“ (Joh 3,30)
Ich will ein Leben lang auf dem schmalen Pfad bleiben! Gemeinsam mit dir!