Gemeinde & Mission

Auf ihren Grund und Boden – Teil 3

von Short Tom

von Tom Short

Übersetzt von Veronika Sattlecker

Tom Short ist Straßenevangelist und Autor von „Fragwürdig“. Hier ein Auszug aus seinem neuen Buch, worin er beschreibt, wie man das Evangelium auf die Wellenlänge der Verlorenen bringt. Der Originaltitel ist „Takin´ it to their Turf“. Auch wenn du nicht auf der Straße oder an einer Universität predigst, wird es dir Mut machen, was Tom schreibt. Du kannst das verwenden, wo auch immer du über das Evangelium redest.

Meine Mid-Life Krise

Universität von California, Los Angeles

Folge Jesus nach – manchmal wird er dabei deine Welt gewaltig durchrütteln. In meinem Fall verwendete er ein tatsächliches Erdbeben dafür.
Aber lass´ mich von vorne anfangen: Ich war damals Leiter einer kleinen Gemeinde in San Diego in Kalifornien. Das Leben war in vielerlei Hinsicht einfach wundervoll. Ich liebte unsere Gemeinde. Ich liebte die Geschwister. Ich genoss unsere Wohngegend und das Leben in Südkalifornien. Leiter einer örtlichen Gemeinde zu sein bedeutete für mich, dass ich viel öfter zu Hause bei meiner Familie war als früher. An vielen Abenden fuhr ich von der Gemeinde nach Hause, sah die wunderschönen Berge und war überwältigt davon, wie überreich mein Leben gesegnet war.
Doch ich spürte eine Unruhe in mir. Während meiner nächtlichen Spaziergänge erinnerte mich Gott immer wieder an einen Vers, in dem Jesus sagt: „Die Ernte zwar ist groß, die Arbeiter aber sind wenige. Bittet nun den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte aussende.“ (Matthäus 9,37-38). Nur wenige Menschen melden sich freiwillig zur Arbeit in Gottes Ernte. Ich bin einer von jenen Freiwilligen und ich wollte mich von meinem Vorsatz nicht abbringen lassen. Ich haderte mit dem Gedanken, dass ich mich nicht wirklich an der Arbeit in der Ernte beteiligte, obwohl ich Gemeindeleiter war.
In den frühen Morgenstunden des 17. Januar 1994 gab es ein großes Erdbeben nördlich von Los Angeles. Durch das Northridge-Erdbeben kamen 57 Menschen ums Leben und es war eine der teuersten Naturkatastrophen der amerikanischen Geschichte. Obwohl ich während der 20 Sekunden der Erschütterung, die in San Diego zu spüren waren, schlief, nutzte Gott es, um mich aus meinem geistlichen Schlaf wachzurütteln.
Unsere Gemeinde sammelte Sachspenden für die Opfer des Erdbebens und ich sollte am Sonntagnachmittag dorthin fahren, um die Spenden abzuliefern. Ein Freund, der an der University of California in Los Angeles diente, rief mich am Samstag an und fragte, ob ich am Campus predigen möchte. Obwohl die Universitätsgebäude nicht vom Beben betroffen waren, dachte er, dass die Studierenden wohl neu über ihr Leben und den Tod nachdenken würden. Es gab nur ein Problem dabei: Ich war seit drei Jahren nicht mehr auf einem Campus gewesen und ich hatte Angst zurückzugehen und zu predigen. Viele sprachen davon, wie sich junge Menschen und ihre Ansichten in dieser postmodernen Zeit geändert hatten. Ich hatte Angst, dass ich keinen Bezug zu ihnen aufbauen könnte. Ich fürchtete, dass mir niemand zuhören würde. Ich dachte, dass ich keine Antworten auf ihr Fragen hätte, sollte überhaupt jemand stehen bleiben und Fragen stellen. All diese Ängste kamen in mir auf, obwohl ich nur drei Jahre nicht am Campus gepredigt hatte!
Doch ich würde am folgenden Tag sowieso nach Northridge fahren. Wie konnte ich es da ablehnen dort zu übernachten und am folgenden Montag an der Uni zu predigen? Ich beschloss es zu versuchen.
Ich versichere euch – meine Ängste waren unbegründet. Die Studenten hörten zu und sie stellten dieselben Fragen, die sie immer gestellt hatten. Sie hatten dieselben Einwände. Sie hatten ähnliche Antworten. Es war wie in der „guten alten Zeit“. Die Begeisterung packte mich.
Als ich an diesem Abend nach Hause kam, lag der monatliche Gebetsbrief von „Focus on the Family“ im Briefkasten. Im Flyer waren alle Dinge aufgelistet, die Bill Clinton in seinem ersten Jahr der Präsidentschaft getan hatte, um unsere christlichen Werte zu untergraben. Der Geist Gottes verwendete diesen Brief als einen Weckruf. Ich bekam den bedrängenden Eindruck, dass wir uns in einem heftigen geistlichen Kampf befanden. Ich war im Besitz von Waffen, die ich nicht gebrauchte. Immer mehr wurde mir klar, dass ich zurück an die Front musste – an den Uni-Campus, den „Marktplatz der Ideen“, und dort meine Stimme im Namen des Herrn erheben musste.
Es war keine leichte Entscheidung, die ich traf. Ich wusste, dass ich Menschen in meiner Gemeinde enttäuschen würde, die ich innigst liebte. Ich fühlte mich verantwortlich einen neuen Leiter für die Gemeinde zu finden. Es bedeutete, dass ich ein sicheres Einkommen ablehnte und ein Team von Menschen zusammenstellen musste, die mich im Gebet und finanziell unterstützen würden. Am schwierigsten aber war das Wissen, dass ich viel mehr Zeit auf Reisen als mit meiner Familie verbringen würde.
Gottes Ruf bringt immer Herausforderungen mit sich. Jesus deutete nie an, dass es leicht sein würde ihm zu folgen. David sagte, er wolle seinem Herrn nichts opfern, was ihn nichts gekostet hatte (siehe 2. Samuel 24,24). Es wird immer hundert Gründe geben, warum wir etwas nicht können, tun sollen, oder tun wollen. Lass´ dich nicht von einem einzigen von ihnen davon abhalten Gottes Willen zu tun! Wäre es nicht manchmal gut, unser Leben aus Gottes Perspektive zu sehen? Meine Mid-Life Krise war genau eine solche Möglichkeit vor Gott zu stehen und mir einen Überblick zu verschaffen. Ich konnte sehen, wie weit ich mit meinem Versprechen, das ich ihm Jahre zuvor gegeben hatte, gekommen war. Für mich bedeutet diese Korrektur nicht eine neue Frau oder einen schicken Sportwagen zu bekommen. Es bedeutete, meinen früheren Vorhaben und Verantwortungen erneut nachzukommen. Ich bin froh, dass ich es tat. Gott hat mein Leben immer mit Sinn und Freude gefüllt. Er hat mein Leben nicht einfach gemacht, aber auf alle Fälle bedeutungsvoll.

Raus aus meiner Komfortzone

Maryland Universität
„Das Wichtigste ist, dass dir zugehört wird – sei interessant.
Dann sollst du verstanden werden – sei klar.
Nützlich zu sein ist das Nächste – sei praktisch.
Als Letztes muss dir Folge geleistet werden – also sprich mit Autorität.“ (Dr. A.W. Thorold)

Aus der Komfortzone zu treten und etwas wirklich Wichtiges zu versuchen ist immer furchteinflößend. Ich erinnere mich noch lebhaft an einen meiner ersten Versuche auf dem Campus zu predigen. Ich war so nervös, dass ich fast nicht von der Toilette loskam, geschweige denn mein Haus verlassen oder auf den Campus marschieren konnte. Doch ich tat es. Und das ist das, was zählt.
Dann war da mein erster Missionseinsatz im Ausland. Mein guter Freund, Brad Stoner, bot an die Kosten zu übernehmen, wenn ich ihn auf einen Kurzzeiteinsatz nach Indien begleiten würde. Indien hatte schon immer eine besondere Anziehungskraft als Missionsland für mich. Ich konnte nicht ablehnen. Doch kurz bevor die Reise begann, sprach ich mit Olan Hendrix, einem erfahrenen christlichen Leiter, der über 30 Mal in Indien gewesen war. Warum er das sagte, werde ich nie wissen, doch als er von meinen Plänen hörte, schaute er mich eindringlich an und meinte: „Tom, es gibt einfach keine Möglichkeit, wie du dich angemessen auf das vorbereiten kannst, was dich in Indien erwarten wird. Ich habe noch nie etwas Ähnliches erlebt.“
Das ging mir durch Mark und Bein. Wo hatte ich mich da hineingeritten? Würde ich krank werden, mir eine exotische Krankheit einfangen oder das Essen nicht vertragen? Würde ich von der Menge an Menschen und der Armut geschockt sein?
Dennoch stieg ich ins Flugzeug und begann die 48 Stunden lange Reise. Bei einem acht-stündigen Zwischenstopp in Singapur überkam mich plötzlich die Angst. Ich dachte daran, in wie vielen Bereichen ich gerade meine Komfortzone verließ. Mir war nicht nur unwohl, ich hatte Todesängste! Ich ging in den großen Wartehallen des Flughafens auf und ab und versuchte meine Ängste mit Gebet und Bibelversen, die ich aufsagte, zu bekämpfen. Ich dachte ernsthaft daran, die Reise abzubrechen und in das nächste Flugzeug nach Hause zu steigen. Meine Tochter Christine hatte ein Lied geschrieben. „Federn und Wellen“ handelt von einer Person, die alle Hoffnung auf ihren Glücksbringer setzt und zerbricht, als sie ihn verliert. Die Botschaft des Liedes ist, dass unsere Zuversicht und Stärke nicht „in den Dingen liegen, die ich sehen kann, sondern in dem Einen, der mich heiligt.“ Dieses Lied gab mir die Kraft mich zusammenzureißen und weiterzugehen. Trotz meiner Angst tat ich, wozu Gott mich berufen hatte. Das ist das, was zählt.
Angst lehrt uns Demut, denn sie erinnert uns an unsere Abhängigkeit von Gott. Doch Angst kann uns auch lähmen und an sicheren Orten festhalten, wo wir weder wachsen noch Dinge tun, die einen echten Unterschied im Leben machen. Es ist nicht so, dass siegreiche, erfolgreiche Menschen keine Ängste haben. Aber sie lernen, wie sie ihnen gegenübertreten und sie besiegen können.
Ja, ich finde es beängstigend auf ein Unigelände zu gehen und das Wort Gottes zu predigen. Ich weiß vorher nie, was der Tag bringen wird. Wenn ich an all die negativen Dinge denken würde, die passieren könnten, dann würde ich schnurstracks nach Hause zurückgehen und eine andere Arbeit aufnehmen. Doch mit Gottes Gnade beschließe ich immer wieder ein Überwinder zu sein.

Wie überwindet man Ängste? Hör dir an, was mir geholfen hat:
Zuerst verinnerliche ich die Wahrheit, dass Gott mit mir ist. Die Helden des Alten Testaments hatten eine Sache gemeinsam: sie erinnerten sich daran, dass Gott mit ihnen war.
Als Josua vor dem verheißenen Land stand, sagte Gott ihm: „Es soll niemand vor dir bestehen alle Tage deines Lebens: So, wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich mit dir sein; ich werde dich nicht versäumen und dich nicht verlassen.“ Und wieder erinnerte Er ihn: „Habe ich dir nicht geboten: Sei stark und mutig? Erschrick nicht und fürchte dich nicht! Denn der HERR, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du gehst.“ (Jos 1, 5.9). David tötete Goliath, Elia forderte die Baalspriester heraus, Daniel überstand die Löwengrube, Abraham reiste in ein ihm unbekanntes Land und Gideon besiegte die Midianiter – weil Gott mit ihnen war.
Jesus hat uns den Auftrag gegeben, alle Nationen zu Jüngern zu machen und er hat versprochen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.“ (Mt 28, 19-20).
Zweitens werden wir die Angst besiegen, wenn wir in der Liebe wachsen. „Die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus.“ (1. Joh 4,18). Die Angst blickt auf das, was mir passieren könnte. Die Liebe blickt auf den Vorteil der anderen. Wenn ich die Straße entlang spaziere und in einem der Häuser eine Party beobachte, werde ich nicht dort hineinplatzen und mich in den Mittelpunkt stellen. Aber wenn das Dach in Flammen steht, werde ich hineinlaufen und allen zurufen, dass sie sich in Sicherheit bringen sollen. Meine Sorge um sie wird über der Angst stehen mich zu blamieren. Gleicherweise hilft es die Not verlorener Seelen zu bedenken, um die Angst zu überwinden, wie ich dabei aussehe, wenn ich sie retten möchte.
Zum Schluss frage ich mich, was das Schlimmste ist, das mir passieren kann, wenn ich der Führung des Geistes folge. Wenn mich jemand umbringt, komme ich nur schneller im Himmel an – keine schlechte Aussicht! Wenn Menschen mich verspotten und auslachen, habe ich größeren Lohn im Himmel (vgl. Lukas 6, 22-23). Auch das schlage ich nicht aus! Wenn ich Christus gehorche, dann werden die schlimmsten Dinge, die mir Menschen antun können in die besten Dinge verwandelt, die Gott für mich tut!
Du musst dich nicht schämen, wenn du Angst hast, aber lass´ die Angst nicht zu deinem Herrn werden. Konfrontiere deine Ängste direkt, überwinde sie in der Kraft des Herrn und du wirst große Dinge für Gott vollbringen.

Fortsetzung folgt