Eine grundlegende Gefahr – Unmoral (Sprüche 7,1-27)
Aus: Das Buch der Sprüche
Kommentar von William MacDonald, der bei CLV erscheinen soll
Ein Tipp: Lies doch die Erklärungen am besten zusammen mit dem Bibeltext. Sie sollen helfen, den Text zu verstehen. Ohne den Bibeltext hängen sie in der Luft.
V.1 Wieder ermahnt Salomo seinen Sohn, seinen Rat anzunehmen und zu bewahren wie einen unbezahlbaren Schatz. Leider nehmen sich nicht alle jungen Menschen die Ratschläge ihrer Eltern zu Herzen. Oft wollen sie lieber unabhängig sein und das tun, was ihnen gefällt.
V.2 Der Rat des gottesfürchtigen Vaters ist der Weg zu einem guten Leben und sollte bewahrt werden wie der Augapfel, der einer der empfindlichsten Körperteile ist.
V.3 Ein weiser Sohn wird die Anweisungen um seinen Finger binden, damit sie ihn in allem leiten, was er tut. Und er soll sie auf die Tafel seines Verstandes schreiben, um sich immer daran zu erinnern.
V.4 Er soll den Worten seines Vaters mit dem Respekt und der Liebe begegnen, die er für seine Schwester und für nächste Verwandte hegt.
V.5 In Gedanken bei der Zukunft seines Sohnes und den Gefahren, die auf seinem Weg liegen, fährt Salomo mit dem Thema der unmoralischen Frau (vgl. 5,3) fort. Er betrachtet das als eine der größten Gefahren für einen jungen Mann. Es ist auch eine große globale Gefahr.
V.6 Der König hat solch ein Szenario in leuchtenden Farben gesehen, als er eines Tages aus dem Fenster geschaut hat.
V.7 Er hat vielleicht einen jungen Kerl gesehen, naiv und wenig erfahren darin, wie die Welt ist. Man könnte sagen, er hatte keinen gesunden Menschenverstand.
V.8 In der Nähe war das Haus einer Prostituierten, einer „Liebesdienerin“. Der junge Mann ging direkt darauf zu.
V.9 Die letzten Strahlen des Tages verschwanden hinter dem Horizont und es wurde dunkel. Es ist traurig sagen zu müssen, dass nicht nur die Nacht dunkel war, sondern auch der Verstand des jungen Kerls.
V.10 Wie seltsam, dass sie ihm genau in diesem Augenblick begegnet. Äußerlich war sie aufreizend angezogen und zog damit die Aufmerksamkeit auf ihren Körper (im Kontrast zu 1. Tim 2,9), in ihrem Inneren war sie hinterlistig.
V.11 Sie war keine ruhige, freundliche und häusliche Frau, sondern ein Großmaul, offensiv und herausfordernd, die nicht zu Hause bleiben konnte, wo eigentlich ihr Platz war. Sie war immer irgendwo draußen unterwegs, einmal hier, einmal dort.
V.12 Unser Freund hat nicht nach ihr gesucht. Sie machte sich gut sichtbar und leicht verfügbar: in den Straßen, auf den Plätzen, an jeder Ecke. Es ist kein Wunder, dass sie sich begegneten. Vielleicht hielt er aus Dummheit dieses glückliche „zufällige“ Zusammentreffen für einen Beweis dafür, dass er das Richtige tat.
V.13 Sofort ergreift sie die Initiative, umarmt ihn, küsst ihn frech und spricht mit schamloser Dreistigkeit.
V.14 Sie gibt vor religiös zu sein. Sie hat gerade ein Friedensopfer dargebracht. Jetzt geht sie nach Hause mit der Portion Fleisch, die man davon mitnehmen darf (3. Mose 7,11-18). Sie hat ihre religiösen Verpflichtungen erfüllt.
V.15 Sie gibt vor, dass er, ein völlig Fremder, derjenige ist, nach dem sie gesucht hat, und schmeichelt damit seinem Ego.
V.16 Jeder Zweifel an ihrem Ziel wird durch die sinnliche Beschreibung ihres Schlafzimmers zerstreut. Sie erzählt von den Teppichen auf ihrem Bett und den Bettlaken aus feinstem Leinen.
V.17 Als wäre es nur für ihn, fährt sie mit den kostbaren Düften fort, mit denen sie das Bett besprüht hat. Es hat schon seinen Grund, dass viele moderne Parfums mit solch vielsagenden Namen benannt sind wie zum Beispiel „Sünde“.
V.18 Falls er ihr Ziel immer noch nicht erkannt hat, fordert sie ihn geradeheraus auf mit ihr ins Bett zu gehen. Sie nennt das Liebe, was natürlich eine Lüge ist. Die Bibel nennt das Begierde. Die Frau nennt es Leben. Die Bibel nennt es den Weg zu Tod und Hölle.
V.19 Angenommen, ihr Ehemann kommt unerwartet nach Hause? Keine Sorge. Er ist auf einer langen Reise.
V.20 Er hat viel Geld mitgenommen und wird nicht vor Vollmond zurück sein. Nach der Dunkelheit des Himmels zu urteilen, wird das noch eine Weile dauern.
V.21 Damit unser Freund seine Meinung nicht ändert, bombardiert sie ihn förmlich mit Schmeicheleien.
V.22 Der verhängnisvolle Moment kommt. Es ist, als ginge ein Ochse von selbst zur Schlachtung oder ein Narr freiwillig ins Zuchthaus.
V.23 Er liegt nun wie erschossen da. Er folgte der bösen Frau wie ein Vogel, der in die Falle tappt, ohne zu wissen, dass ihn das sein Leben kostet.
Nicht zufällig wird hier die Leber erwähnt. Sexuelle Sünden schädigen auch lebenswichtige Organe. Es gibt mehr als 25 sexuell übertragbare Krankheiten. Einige davon sind unheilbar.
V.24 Der Vater ist von seiner eigenen lebhaften Schilderung vom Fall eines jungen Mannes so bewegt, dass er einen leidenschaftlichen Appell ausspricht. Dieses Mal spricht er alle Söhne an, nicht nur seinen Sohn.
V.25 Sie sollen sich vor den Listen der bösen Frau hüten und ihre Gesellschaft konsequent meiden.
V.26 Sie hat bereits viele verwundet und ruiniert; ja, Scharen von Männern, die körperlich stark, aber moralisch schwach waren, wurden von ihr umgebracht. Viele junge Männer, die in unerlaubten Sex verwickelt sind, können an einer Geschlechtskrankheit sterben oder von einem zornigen Ehemann getötet werden.
V.27 Ihr Haus ist der sichere Weg zur Hölle, ein Abstieg ins Reich der Toten. Wenn das gruselig klingt, dann deshalb, weil es das auch ist. Es sollte einen bleibenden Eindruck auf uns machen, damit wir Unmoral unter allen Umständen meiden (vgl. Spr 5,5; 9,18).
Wieder müssen wir uns erinnern, dass Sünde vergeben (1. Joh 1,9) und die Gemeinschaft mit dem Herrn wiederhergestellt werden kann. Allerdings gibt es oft einen bitteren Nachgeschmack. Manchmal gibt es Einschränkungen hinsichtlich des öffentlichen Dienstes oder bestimmter Positionen in der Gemeinde.
Junge Menschen sollten erkennen, dass die sexuelle Sünde ein „Killer“ ist. Dr. Howard Hendricks erstellte eine Liste mit über 246 Männern im vollzeitlichen Dienst, die innerhalb von zwei Jahren durch moralisches Versagen ihren Dienst zerstörten. Die Tatsache, dass sie im vollzeitlichen Dienst standen, konnte sie nicht vor dem Fallen bewahren.
Ein anderer prominenter Christ wies darauf hin, dass nur einer von zehn Männern, die gut angefangen haben, mit 65 Jahren immer noch gut unterwegs sein wird.[1]
Hier einige Sicherheitsvorkehrungen, damit dir das nicht passiert:
- Wenn du gläubig bist, denke daran, dass dein Körper ein Tempel des Heiligen Geistes ist (1. Kor 6,19ff).
- Bleibe nahe am Wort (Ps 119,11).
- Bitte Gott, dass er dich lieber nach Hause in den Himmel bringt, anstatt zuzulassen, dass du in Sünde fällst.
- Bete, dass die Versuchung zu sündigen und die Gelegenheit dazu niemals zur gleichen Zeit auftreten.
- Erinnere dich daran, dass die lustvollen Sünden auch zu den Sünden gehören, die den Sohn Gottes ans Kreuz genagelt haben. Wenn du mit diesen Sünden weitermachst, ist das so, als würdest du ihn weiter kreuzigen.
- Sage „Nein“, schwimme gegen den Strom. Verwende all deine Kraft dazu. Schäme dich nicht anders zu sein.
- Im Moment der heftigsten Versuchung rufe den Herrn an, dass er dich befreit (Spr 18,10). Er wird dich immer erhören.
- Manchmal ist es notwendig zu fliehen, so wie Josef das gemacht hat. Ein Prediger hat einmal gesagt: „Es ist gut, den guten Kampf zu kämpfen, aber es gibt Zeiten, wo es besser ist, die gute Flucht zu flüchten.“
- Triff dich niemals allein mit einer Frau, die nicht deine eigene ist, zu seelsorgerlichen Gesprächen, nicht einmal, wenn du noch unverheiratet bist.
- Gib den Feinden des Herrn keinen Grund Gott zu lästern (2. Sam 2,14).
- Enttäusche nicht die Christen, die dir vertraut haben, die für dich gebetet und vielleicht auch finanziell in dich investiert haben.
[1]Steve Farrar, Finishing Strong, Sisters, oder: Multnomah Books, 1995, S. 6-7.
Titel des englischen Originals: Proverbs, a Devotional Commentary