Betet für uns!
(Wir begannen eine Serie von „Briefen von Missionaren, die nie abgeschickt wurden“ aus dem Buch von Fred Kosin, das bei CLV erscheinen wird. Der Titel des Originals ist „Letters Missionaries Never Write.“ Diese Briefe sollen uns Einblick in das Leben und die Probleme der Missionare geben, und uns zum Gebet für sie anregen. Unter www.gemeindeundmission.de findet ihr weitere Artikel von Fred Kosin, worin es um die Vorbereitung zur Mission geht. In diesem Artikel geht es um unser Gebet für Missionare.)
Liebe betende Freunde!
Eure Gebete für mich sind mir ein großes Anliegen, weil ich ganz davon überzeugt bin, dass ich sehr von euren Gebeten abhängig bin. Als Missionare bitten wir alle um Gebet für unseren Dienst, für unseren Einsatz, für das Werk und für viele Dinge, die damit zu tun haben. Aber wir bitten euch nicht oft darum für uns zu beten, zumindest nicht konkret. Wir sagen schnell einmal: „Betet für uns“. Es ist viel einfacher das zu sagen statt zu offenbaren, was unsere konkreten Kämpfe und Schwierigkeiten als Missionare sind. Wir brauchen euch nicht zu sagen, dass ihr beten sollt. Wir müssen euch nicht sagen, wann ihr beten sollt. Wir brauchen euch nicht zu sagen, wo ihr beten sollt. Wir brauchen euch nicht zu sagen, warum ihr beten sollt.
Wir brauchen aber Hilfe, um zu wissen, wofür wir konkret beten sollen. In christlichen Buchläden sind die Regale voll von Büchern über das Gebet. Wenige handeln jedoch davon, wofür man als Christ beten soll.
Auf meinen Reisen als Missionar kam es gelegentlich vor, dass ich eine Person traf, die ich zuvor nicht kannte und die mir sagte: „Ich bete jeden Tag für dich!“ Das sind die Worte, die mich am meisten ermutigen und am meisten demütigen.
Manchmal sagt mir jemand: „Wir werden für dich beten.“ Dafür bin ich auch dankbar. Wenn ich diese Person näher kenne, frage ich vielleicht: „Was betest du?“. Bei einigen hat diese Frage schon zu peinlicher Stille geführt. Sie wissen gar nicht, was sie beten werden.
Für uns als Diener des Herrn ist es normal dem Vorbild des Paulus zu folgen und Menschen zu bitten für uns zu beten. Paulus bittet jede Gemeinde für ihn zu beten, außer die Galater. Auch der Autor des Hebräerbriefes bittet um Gebet. Da uns das Neue Testament an unzähligen Stellen zum Gebet auffordert, macht es Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, wofür wir konkret beten sollten. Nach einer Heimatreise bin ich wieder aufs Missionsfeld zurückgekehrt und habe viele Gebetstreffen und Konferenzen besucht, wo Gebet das zentrale Thema war. Während der Zeit zu Hause nahm ich mir vor eine Studie darüber zu machen, was Leute beten. Wenn ich die Entdeckungen betrachte, bin ich entmutigt. Eine andere Missionarin auf Heimatreise hat mir erzählt, dass sie wegen des Inhalts der Gebete total erschüttert vom Missionsgebetstreffen nach Hause ging, oder genauer gesagt: wegen des Mangels an Inhalt. Es wurde nicht konkret gebetet. Noch mehr enttäuscht war ich, als ich versuchte den Gläubigen von meinen Entdeckungen zu erzählen. Ihre Reaktion war sehr schroff und anklagend, obwohl ich jeden Punkt mit der Schrift untermauert hatte. Stärker als bei allen anderen Aspekten meiner Lehrtätigkeit zu Hause erlebte ich hier Widerstand und einen mangelnden Wunsch zu lernen, was man beten sollte.
So eine Untersuchung kann jeder leicht machen. Das Resultat meiner Studie zeigte auch die häufigsten Ausdrücke im Gebet: „Herr, sei mit….“ und „Herr, segne…..“. Diese Worte werden immer wieder wiederholt, von jung und alt, in jeder Situation und jedem Zustand, bei körperlichen oder geistlichen Anliegen. „Sei mit Dr. … bei der Operation“, „Sei mit dem Prediger, während er spricht“, „Sei mit unserem Missionar im Ausland“, etc. Mit einer monotonen Regelmäßigkeit werden diese leeren Ausdrücke endlos wiederholt. Wir brauchen ja keinen Theologieprofessor, um uns daran zu erinnern, dass „Er uns niemals versäumen noch verlassen wird“. Oder brauchen wir Gottes Wort um uns zu lehren, dass wir nicht beten müssen, dass der Herr bei uns bleibt, weil er in uns lebt und weil weder wir ihn verlieren können noch er uns?
Der zweite Ausdruck „Herr, segne …“ wird mit gleicher Eintönigkeit verwendet. Auch darin ist die Schrift klar und deutlich: „Er hat uns mit all den geistlichen Segnungen gesegnet…“. Die meisten meinen mit „segnen“, dass man vor einem Problem beschützt wird, oder einer Verzögerung, einer Schwierigkeit, einer Krankheit, einem Kampf oder einer anstrengenden Begegnung. Gelegentlich bitten wir um „Segen“ und meinen damit: erfolgreich sein, schneller sein, ermutigt werden, und eine Menge anderer Gedanken, die in diese Richtung gehen. Aber zu beten, vor einer Schwierigkeit bewahrt zu werden, könnte bedeuten, gegen den Willen des Herrn für den Missionar zu beten. Der Herr hat angekündigt, dass der Weg, ihm ähnlicher zu werden, ein Weg von Leiden, Verfolgung und Schmerz ist. Außerdem singen wir: „Näher noch näher, fest an dein Herz“, und zitieren: „…um ihn zu erkennen…und die Gemeinschaft seiner Leiden“, aber dann beten wir, dass wir nicht so nahe in die Gemeinschaft seiner Leiden müssen.
Ich suchte in der Schrift, warum es diese Verhaltensmuster gibt und was der biblische Plan für das Gebet ist. Paulus macht uns klar, dass wir wegen unseres Glaubens an den Gott Abrahams gesegnet sind (Gal 3,9). Ein Überblick über die Segnungen des Bundes Abrahams zeigt, dass wir sie besitzen, weil der Herr in uns wohnt. Auch Petrus erinnert uns daran, dass wir bereits alles bekommen haben, was zum Leben und zum göttlichen Wandel dient. Das ist sicher die Art und Weise, wie Petrus zum Ausdruck bringt, dass wir „gesegnet“ sind. Weiterhin zu beten, dass der Herr uns, sein Wort, den Prediger, den Missionar, etc. segnet, zeigt nicht nur, dass man sehr allgemein betet, sondern dass man für Dinge betet, die der Herr dem Gläubigen in Christus schon gegeben hat, oder die er seinen Kindern versprochen hat. Zu beten: „Herr segne…“ ist genauso ein Gebet ohne Glauben wie: „Herr sei mit…“.
Als ich versuchte, verschiedenen Gläubigen diese Ergebnisse mitzuteilen, war ich nicht auf die Reaktionen vorbereitet. Als ich einigen Christen diese einfachen Ideen aus der Schrift und aus meinen Überlegungen vorstellte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Sie sagten: „Der Herr weiß, was ich meine“, oder: „Der Herr will, dass wir im Gebet wie Kinder zu ihm kommen“, wie mir ein über 70-jähriger Missionar versicherte. Oder: „Ist es nicht egal, was wir sagen?“. Einer meinte: „Du willst das Gebet ja richtig schwer machen, was?“. Ein anderer sagte: „Das bedeutet ja, dass wir darüber nachdenken müssen, was wir beten!“. Ein Ältester sagte zu mir: „Ich bete nicht mehr, wenn du dabei bist.“ Wieder ein anderer meinte: „Was sollten wir dann beten?“. Diese letzte Antwort ist eine Frage, die wir selten mit der Bereitschaft stellen, das Gebet wirklich zu erlernen.
Auf der einen Seite ist es so, dass kein anderes Thema, das ich bisher gelehrt habe, so viel Dankbarkeit bei den Geschwistern hervorgerufen hat, wie das Thema vernünftig und biblisch zu beten. Als Missionare wollen wir, dass Menschen für uns und unseren Dienst beten. Viele haben ihre Dankbarkeit für die Einfachheit dieser Wahrheiten zum Ausdruck gebracht. Andere sagten zu mir: „Da steht es schwarz auf weiß in der Bibel, warum habe ich das nicht früher erkannt?“. Ein sehr netter Neubekehrter freute sich: „Das ist eines der wichtigsten Dinge, die der Herr mir gezeigt hat.“ Ein anderer antwortete: „Dein Dienst hat mir geholfen und mich von der Last befreit, immer wieder dasselbe zu beten.“ Wegen dieser und vieler anderer Kommentare gebe ich meinen Herzenswunsch weiter, dass ihr für uns betet.
Fragt man Christen, ob sie an Gebet glauben, würden sie ausnahmslos mit „Ja!“ antworten. Wenn man sie jedoch fragt, ob sie ans Beten glauben, wird etwas anderes deutlich. An Gebet zu glauben ist, wie wenn du jemanden bittest für dich zu beten. An das Beten zu glauben heißt, dass man es selber tut oder sich mit einer Gemeinde versammelt, die betet. Wir wissen ja, dass das Gebetstreffen gemessen an der Anzahl der Besucher am wenigsten beliebt ist. Möglicherweise ist das Gebetstreffen am wenigsten besucht, weil es der Teil im Gemeindeleben ist, der am wenigsten lebendig ist. Es ist ein gutes Barometer, um die Lebendigkeit einer Gemeinde zu messen. Das macht mir und vielen anderen Missionaren Sorgen und deshalb schreibe ich darüber.
Was solltet ihr für uns beten? Welche Gebetsanliegen haben wir? In der Bibel finden wir wertvolle Hinweise. Es gibt einige inspirierte Gebete von Paulus, die wir mit Gewinn studieren können. Ein Grund, warum sie in der Schrift stehen, ist, dass wir dem Vorbild des Paulus folgen können und dass wir wissen, was wir für Geschwister und besonders für Missionare beten sollen. Nehmt euch bitte ein paar Minuten Zeit und seht euch an, was ich in der Schrift entdeckt und durch Erfahrung gelernt habe:
Erstens: Betet, dass wir sensibel bleiben. Im christlichen Leben kann man leicht durch Monotonie unempfindsam werden. Ein Beispiel dafür wären unsere eigenen Gebete: Wir benutzen immer wieder dieselben Ausdrücke und verlieren schließlich den Sinn für die Realität eines Gesprächs zu Gott. Diese Sensibilität muss in einigen Bereichen des Lebens eines Gläubigen vorhanden sein.
Der wichtigste Bereich davon ist die Person und der Dienst des Heiligen Geistes. Wenn man gegenüber dem Heiligen Geist unsensibel ist, betrübt man den Geist. Zu seinem Wirken an uns gehört Führung, Belehrung, Anregung unseres Gedächtnisses, Trost, Überführung, Korrektur und vor allem die Erfüllung, wodurch er unser Wesen prägt. Eine große Gefahr im Leben eines Missionars ist, sich vom Wirken des Heiligen Geistes abzuschirmen, z. B. durch die eigenen Fähigkeiten, durch das bloße Wiederholen von Aufgaben, durch Stolz oder durch Sünde, die das Gewissen für die Anregungen des Heiligen Geistes betäubt. Der Heilige Geist kann ausgelöscht werden, wie 1.Thessalonicher 5,19 uns warnt. Es ist möglich, dass jemand bei dir wohnt und du dich so daran gewöhnst, dass du ihn nicht mehr um Rat fragst, mit ihm keine Angelegenheiten mehr besprichst und nicht mehr nach seinen Wünschen fragst. Diese „Selbstverständlichkeit“ ist ein riesiges Problem in der Ehe und deshalb steht sie im Zusammenhang mit dem Erfülltsein mit dem Heiligen Geist in Epheser 5. So ist es auch mit dem Heiligen Geist, der in uns wohnt. Die liebevolle, sanfte Gegenwart des Heiligen Geistes kann sehr schnell übersehen werden durch Geschäftigkeit im Leben des Missionars und durch das „Werk des Herrn“. Betet, dass wir sensibel sind für das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Leben.
Ein weiterer Aspekt dieser Sensibilität ist der Einfluss, den die Schrift auf unser Leben haben sollte. Der Herr Jesus sagte in seinem Gebet zum Vater in Johannes 17: „Ich habe ihnen dein Wort gegeben.“ Was für ein Schatz die Bibel für jeden Missionar und jeden Gläubigen ist! Wir würden nicht mal über Mission nachdenken, wenn wir die Bibel nicht hätten. Ich habe festgestellt, dass die Bibel einfach ungelesen daliegen kann. Sie wird erst recht nicht als Quelle für Anleitung und Korrektur herangezogen. Sogar von einem Prediger oder Missionar kann das Buch wie ein weltliches Buch benutzt werden, das er verwendet, um Predigten und Bibelstunden vorzubereiten. Die Heilige Schrift ist wie Honig, Feuer, Schwert, Wasser, Brot, Gold oder wie ein Hammer, aber nur für diejenigen, die gegenüber ihrer Botschaft sensibel sind. Vertrautheit mit den Worten der Bibel kann uns sehr leicht von ihrer Lieblichkeit, Wärme, Schärfe, Reinigung und Erfüllung abschirmen und kann verhindern, den Wert der Schrift zu erleben. Betet für uns, dass wir unsere inneren Augen für das Wort Gottes öffnen, egal, ob bei Predigten oder in der Stillen Zeit. Wir können uns so an die Aussagen der Bibel gewöhnen, dass die erste Reaktion auf das Wort eine Verurteilung des Predigers ist, statt sich selbst vom Wort Gottes beurteilen zu lassen. Betet, dass wir Missionare auf Gottes Wort sensibel reagieren.
Ein dritter Bereich, in dem der Missionar unser Gebet braucht, ist Gebet für Sensibilität in Bezug auf andere Gläubige. Die Heiligen sind eine große Gemeinschaft von Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht und aus jedem Land der Erde. Wir können leicht unsensibel gegenüber denen sein, mit denen wir zu tun haben. Jakobus lehrt uns, dass der Glaube tot ist, der nicht auf die Bedürfnisse der Familie Gottes reagiert. Johannes stellt die Frage: „Wenn wir uns nicht um die Not unserer Geschwister kümmern, ist dann die Liebe Gottes in uns?“ Paulus wiederholt die Aufforderungen einander zu dienen, einander zu tragen, miteinander in Frieden zu leben, einander zu ermahnen, und füreinander zu beten. Paulus benutzt den Ausdruck „einander“ 44-mal. Die gegenseitige Abhängigkeit, die der Herr für seine Gemeinde vorgesehen hat, könnte uns nicht eindrücklicher vermittelt werden. Diese Wechselbeziehung wird uns durch die Erklärung über den Leib Christi und das Haus Gottes deutlich gemacht. Es ist jedoch eine ständige Versuchung, so in unseren eigenen „Dienst“ vertieft zu sein, dass wir gegenüber den anderen im Leib unsensibel werden.
Das größte Problem auf dem Missionsfeld ist, dass Missionare nicht miteinander auskommen. Dem aufmerksamen Fürbitter kommen viele Bereiche in den Sinn, wo es Konfliktpotential gibt oder die Notwendigkeit sich aneinander anzupassen. Es gibt so viele Verletzungen in fast jedem, der behauptet, dem Herrn nachzufolgen. Missionare sind auch verletzte Menschen, wenn sie ehrlich sind – und ich versuche ja gerade, ehrlich zu sein. Wenn wir unser eigenes Leben und unsere Neigungen betrachten, wird unser Gebet für andere wirksam sein, da wir „denselben Gemütsbewegungen“ ausgesetzt sind wie andere. Diese Neigungen werden uns nicht nur bewusst, um selber damit zurechtzukommen, sondern auch, damit wir in bedeutungsvollen Gebeten „die Lasten des anderen tragen“ und somit „das Gesetz des Herrn erfüllen“. Betet, dass wir den Heiligen gegenüber feinfühlig sind, besonders denjenigen gegenüber, die nicht besonders „heilig“ sind. Manche von uns sind nicht immer „heilige Missionare“.
Als viertes brauchen wir Sensibilität gegenüber den Sündern um uns herum. Wir singen: „Dunkel ist die Nacht der Sünde“, aber übersehen eine Menge von Menschen, die in der Finsternis gefangen sind. Sogar diejenigen von uns, die ihr Leben für Mission einsetzen und dafür ihren Beruf aufgegeben haben, können gegen den Schrei der Verlorenen gleichgültig werden. Der Ruf wird selten mit den Worten zum Ausdruck gebracht: „Ich will gerettet werden!“, sondern vielmehr durch Einsamkeit, Hunger, Krankheit, Ablehnung und Drogenmissbrauch. Wir brauchen geistliches Feingefühl, um diese Rufe zu hören und zu wissen, dass das Evangelium die beste Medizin ist um aus dem moralischen Sumpf gerettet zu werden. Ein Missionar, der Arzt ist und am Tag 250 Patienten hat, verliert oft den Blick für den geistlichen Hunger, wenn er mit fiebernden Menschen konfrontiert ist. Ein Lehrer auf der Missionsstation interpretiert die Tränen eines Kindes nicht sofort als Einsamkeit, da es ohnehin so liebevolle Eltern hat. Ein Hirte, der so viel zu tun hat, dass er auswählen muss, wen er besucht, kann schnell vergessen, dass er in den Dienst eingetreten ist, um sich um Menschen zu kümmern. Wer sich der Aufgabe des Seelengewinnens widmet, kann gefühlskalt werden gegenüber denjenigen, die er von ihrem falschen Weg zurückführen und deren Seelen er vom Tod retten will. Ich habe Missionare getroffen, die seit Jahren eine Haushalthilfe haben und sich scheinbar nicht darum sorgen, ob sie den Herrn kennt. Die Nöte der Gläubigen beanspruchen uns so sehr, dass wir die Bedürfnisse der Ungläubigen vergessen. Betet, dass Missionare für die Rufe der verlorenen Menschen sensibel sind, die uns jeden Tag begegnen.
Wir sind sehr dankbar, wenn ihr für uns betet.
Verbunden im Herrn Jesus Christus, der für uns betet,
Euer Missionar
Liebe betende Freunde!
Eure Gebete für mich sind mir ein großes Anliegen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass ich sehr von euren Gebeten abhängig bin.
Bitte betet in eurer Fürbitte für uns um Unterordnung im Herzen und im Leben. Die Schrift sagt uns, dass wahre Heiligung durch den Glauben an das Wort Gottes bewirkt wird, der sich in Unterordnung und Gehorsam zeigt.
Die meisten Gebete im Neuen Testament sind keine Bitte an Gott, etwas Übernatürliches oder Geistliches im Leben eines Gläubigen zu bewirken, ohne dass dieser es will oder sich dafür entscheidet. In vielen unserer Gebete erwarten wir von Gott, dass er wie ein Chirurg beim schlafenden Gläubigen durch seine göttliche Kraft eine Art „geistliche Operation“ durchführt. Im Neuen Testament gleichen die Gebete viel häufiger einer Bitte an den Patienten zum Arzt zu gehen und gehorsam zu sein, sich unterzuordnen, zu lernen, einige der biblischen Wahrheiten anzunehmen und anzuwenden. Natürlich ist es viel einfacher, wenn der Arzt „die Bürde und die leicht umstrickende Sünde“ unter Narkose wegschneidet, anstatt dass wir sie durch geistliches Training und geistliche Selbstkontrolle loswerden. Die Parallele zum Problem des Übergewichts ist nicht weit hergeholt, da in der Metapher des Läufers in Hebräer 12 das Wort „Bürde“ auch mit „Fett“ übersetzt werden kann!
Das Gebet des Paulus für die Kolosser ist ein Beispiel für uns. Er betet, dass „sie erfüllt seien mit der Erkenntnis seines Willens.“ Erwarten wir vom Herrn, dass er einen Trichter in unseren Verstand steckt und uns seinen Willen einflößt? Natürlich nicht. Gottes Willen zu kennen kostet viel Zeit und Kraft. Dazu muss man die wichtigste Quelle zu Gottes Willen studieren – die Bibel. Jemand, der die Bibel unbenutzt liegen lässt und nicht liest, fleht oft darum Gottes Willen zu erfahren. Ein Missionar teilte mir mit, dass es für ihn das Schwierigste im Glaubensleben ist Gottes Willen zu erkennen. Er dient dem Herrn seit 28 Jahren! Ich war zutiefst erschüttert! Mein Gebet sollte sein, dass der Missionar die Notwendigkeit sieht Gottes Willen zu kennen und Zeit und Kraft einzusetzen, um das Buch Gottes zu studieren, damit er Gott und seinen Willen kennen lernt. Je besser ich meinen Vater kenne, umso besser weiß ich, was er von mir möchte. Das eine folgt dem anderen, wie die Waggons eines Zuges der Lokomotive folgen. Für die meisten von uns ist es nicht wichtig, dass wir eine übernatürliche Offenbarung bekommen, was wir jetzt tun sollen, sondern wir brauchen ein stilles Verstehen, das aus dem Wort kommt und uns sagt: „Dies ist der Weg, gehe darauf“. Das Problem ist nicht, dass der Herr nicht bereit ist uns seinen Willen zu offenbaren, sondern dass wir nicht bereit sind, dem zu gehorchen, was wir bereits wissen und uns unterzuordnen. Viele unserer Gebete deuten darauf hin, dass wir geduldig auf Gott warten, der uns sagen sollte: „tue dies“, „gehe dorthin“, „kaufe jenes“, „sage dies“, während die meisten von uns eigentlich zugeben müssen, dass er uns bereits gesagt hat: „gebe dies“, „opfere dies“, oder „verleugne dich selbst“ und wir haben es nicht gemacht! Betet, dass wir die Aspekte von Gottes Willen tun, die wir bereits kennen.
Andere Bibelstellen unterstreichen die Voraussetzung, dass wir das tun müssen, was wir schon wissen. Epheser 1,9 erinnert uns, dass der Herr uns bereits „das Geheimnis seines Willens“ kundgetan hat. Dieser Vers steht in der Vergangenheitsform und bezieht sich zumindest auf das Wort Gottes als wichtigste Quelle über Gottes Willen. In Epheser 6,6 wird uns gesagt, dass er von uns erwartet, „den Willen Gottes von Herzen zu tun“. Gott hat uns in der Bekehrung alles gegeben, was notwendig ist um Gottes Willen zu tun, da er „uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch Herrlichkeit und Tugend“. Die bekannte Stelle Römer 12,1-2 erinnert uns daran, dass das Opfern unserer Leiber und die Ablehnung der Weltlichkeit dazu führen, „dass ihr prüfen möget, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist“. Können wir ohne dieses Opfer erwarten, dass Gott uns verwenden wird, um anderen seinen vollkommenen Willen zu zeigen? Wir wollen seinen Willen ohne das schmerzhafte Opfer. Als das Opfer auf dem Altar lag, fiel das Feuer herab. Dasselbe gilt für uns, „ohne Opfer kein Feuer“. Oder wie jemand einmal bemerkte: „Gottes Feuer fällt nur auf ein Opfer“.
Es ist sinnvoll und biblisch füreinander zu beten, dass wir uns vor allem Gottes Wort unterordnen. Fast jedes Mal, wenn ich die Bibel aufschlage, bin ich konfrontiert mit einer allgemeinen oder speziellen Aufforderung zum Gehorsam. Wir haben uns an die Idee gewöhnt, dass es angebracht ist, sich einige Dinge aus den vielen Anforderungen Christi auszusuchen, anstatt ihm völlig zu gehorchen. Wie Stephen Olford sagte: „Unvollständiger Gehorsam ist vollständiger Ungehorsam“. Als Missionar kann es mir leicht passieren, dass ich mich gegenüber den Ansprüchen der Bibel verhärte und die Anordnungen als wichtig für andere betrachte, für die ich gerade eine Botschaft vorbereite. Wenn ich in den Spiegel des Wortes blicke, sehe ich zu oft meinen Bruder! Aber es kommt nicht darauf an, wie viel ich von Gottes Wort weiß, sondern wie viel ich davon tue. Das lobt der Herr in Johannes 13: „Wenn ihr dies wisset, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut“. Die meisten von uns Missionaren könnten viel Zeit damit verbringen, unseren Willen dem zu fügen, was wir bereits gelernt haben, anstatt immer mehr zu lernen. Das kann uns richtig stolz und unempfindlich machen.
Ein weiterer Bereich, der im Gebet immer wieder vorkommt, ist die Bitte um Kraft für Missionare oder andere Geschwister. Bei meiner Untersuchung fand ich heraus, dass dieser Ausdruck in Gebeten für Missionare dauernd wiederholt wird: „Herr stärke…“. Es scheint uns vernünftig zu sein und wir haben diese Bitte schon unser ganzes Leben lang gehört, dass der Herr dem Missionar oder anderen Gläubigen Kraft geben soll. Ich erinnere mich an das Gebet des Paulus für die Kolosser, dass sie „gestärkt seien mit aller Kraft“. Vielleicht haben wir uns durch Wiederholung schon so sehr an dieses Gebet gewöhnt, dass wir gar nicht mehr überlegen, welche Bedeutung das für uns hat und wie wir es umsetzen können. Aber zumindest werden wir wenigstens zufriedener, denn wir haben ja jemandem in großer Not geholfen, indem wir für ihn um Kraft gebetet haben.
Aber eine Untersuchung der Verheißungen des Neuen Testaments erinnert uns deutlich daran, dass der in uns wohnende Christus die Kraft und Stärke ist, die wir brauchen, um das christliche Leben zu leben, egal ob als Neubekehrter, reifer Christ oder Missionar. Brauchen wir tatsächlich noch zusätzlich göttliche Kraft, um einen ungewöhnlichen Dienst zu tun? Oder hat uns Gott bereits alles gegeben, was wir brauchen um das zu tun, was er uns geboten hat? Paulus sagte: „Alles vermag ich in Christus, der mich kräftigt.“ Er erinnert Timotheus daran, dass Gott uns „den Geist … der Kraft …“ gegeben hat. Und Petrus, der nicht immer die ihm zur Verfügung stehenden Ressourcen verwendete, sagt: „Seine göttliche Kraft hat uns alles in betreff des Lebens und der Gottseligkeit geschenkt.“ In Epheser 6,10 werden wir aufgefordert: „Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke.“ Wir werden nicht aufgefordert, um Macht oder Stärke zu beten! Um mehr zu beten, während er uns alles gegeben hat, was wir brauchen, erscheint ein wenig vergesslich, gedankenlos, oder einfach ungläubig gegenüber der Lehre des Wortes.
Können wir daraus nicht schließen, dass unsere Gebete danach ausgerichtet sein sollten, die uns gegebenen Ressourcen zu verwenden? Paulus befahl den Korinthern standhaft und unbeweglich zu sein. Es ist besonders wichtig, die Kraft, die wir haben, zu verstehen und gegen Versuchung anzuwenden. Wir neigen dazu den Herrn zu bitten, die Versuchung wegzunehmen oder wir werden dazu ermutigt, den Feind zu binden, damit er uns nicht mehr versuchen kann. Die Not im Leben des Missionars ist nicht die Versuchung zu entfernen, sondern den „Fluchtweg“ zu nützen, den der Herr uns gegeben hat. Der „Fluchtweg“ ist uns vorgezeichnet – wir sollen vor den fleischlichen Lüsten fliehen und den Druck der Welt überwinden, indem wir an die zukünftige Welt glauben. Wir sollen den „Schild des Glaubens“ verwenden, um die Angriffe Satans abzuwehren, der unseren Glauben zerstören will. Der Herr betete nicht, dass Petrus keiner Versuchung begegnen möge, sondern dass sein Glaube in der Versuchung standhaft bleiben möge. Dieses Muster sollten wir auf unsere Gebete anwenden. Betet für uns, dass wir alle Mittel verwenden, die wir haben um siegreich zu leben und dem Herrn als Missionare zu dienen! Die Versuchungen am Missionsfeld sind genauso stark wie überall sonst. Als Missionare haben wir keinen besonderen Schutz und keine Geheimwaffen, die nicht jedem Gläubigen zur Verfügung stehen. Wir werden vom Fleisch versucht unabhängig vom Herrn zu leben, so wie jeder andere Mensch auch. Auf dem Missionsfeld können wir genauso „Werke des Fleisches“ hervorbringen, wie das moralische Versagen von manchen Missionaren leider zeigt.
Die Versuchung der Welt ist in einem Land mit Lehmhütten genauso stark wie in einem Land mit Wolkenkratzern. Der Selbsterhaltungstrieb ist sehr stark und zerrt an uns, wenn wir das Werk des Herrn tun. Satan versucht uns, aus eigener Kraft zu dienen, so wie er es Adam und dem Herrn vorgeschlagen hat. Unabhängigkeit ist eine seiner ältesten Listen, aber wir können seine feurigen Pfeile mit dem „Schild des Glaubens“ an das Wort Gottes abwehren und ihm widerstehen, indem wir „standhaft im Glauben“ sind. Betet, dass wir die „ganze Waffenrüstung Gottes“ anziehen.
Es ist üblich, dass Christen beten, dass der Herr verschiedene Leute „segnet“, an die sie gerade denken. Das Wort „segnen“ wird verwendet im Sinne von Gelingen haben, aber öfter meinen wir damit das Entkommen vor allen Schwierigkeiten und Problemen, die aufkommen könnten, wie zum Beispiel Krankheit, Leiden, oder etwas, das den Fortschritt des Werkes des Herrn verlangsamen könnte. Wenn wir den Herrn bitten, eine Prüfung wegzunehmen heißt es, dass wir vergessen haben, dass der Herr sie vielleicht geschickt hat und dass er ja vorhergesagt hat, dass ein Mensch, der ein göttliches Leben führt, Trübsal erleiden und von den Feinden des Kreuzes verfolgt werden wird.
Das Anliegen ist, dass Missionare durch die Prüfung kommen, die Gott zugelassen oder geschickt hat, damit sie lernen und wachsen. Betet, dass wir durch die Prüfungen kommen, die der Herr in unser Leben bringt. Der Herr hätte auch den Sturm am See Genezareth von vorneherein verhindern können, als er den Jüngern sagte, sie sollen einsteigen und auf die andere Seite fahren. Er ließ es aber zu, dass sie in Not kamen und beruhigte dann den Wind und die Wellen, damit sie lernten in Gottes Frieden zu ruhen. Du kannst beten, dass der Missionar die Lektion der Prüfung lernt, statt der Prüfung zu entkommen. Prüfungen sind nicht nur dazu da, dass wir lernen, sondern auch dazu, dass Gott den Ungläubigen und Junggläubigen ein Beispiel von Sieg und Reife inmitten von Problemen zeigen kann. Betet, dass ich dem Training und der Unterweisung, die Gott für mein Wachstum bestimmt hat, nicht aus dem Weg gehen möchte!
Wenn es das wichtigste Ziel Gottes für jeden Gläubigen ist, Jesus ähnlicher zu werden, dann muss der Lehrplan für Wachstum den Lektionen ähnlich sein, die der Herr selbst durchmachen musste. Lies Hebräer 5,8. Gott, der Vater, wirkte durch die sündigen Menschen.
Um es einfach auszudrücken, wir sollten füreinander beten, dass die „Frucht des Geistes“ in unserem Leben sichtbar wird. Im Gegensatz zu den „Werken des Fleisches“ kommt die „Frucht des Geistes“ aus dem Garten geistlichen Wachstums. Das Wort „Werke“ deutet auf etwas hin, das durch menschliche Anstrengung produziert wird, das natürliche Produkt einer gefallenen und verdorbenen Seele. Während die „Werke des Fleisches“ durch das angeborene Rohmaterial des Ichs erzeugt werden, wächst die „Frucht des Geistes“ spontan durch das innewohnende geistliche „Material“ der Person Christi, der in jedem gläubigen Menschen lebt. Wir brauchen nicht mehr eigene Ressourcen, um die guten Eigenschaften hervorzubringen, die der Herr Frucht nennt, sondern wir müssen unsere eigenen Anstrengungen aufgeben und im direkten Wirken Christi ruhen, der sein Leben durch unser Leben fließen lässt. Denke über Hebräer 4,10 nach.
Dein Gebet für mich ist also nicht, dass Gott mir mehr Kraft für einzelne Aufgaben gibt, sondern dass ich es zulasse, dass die Kraft Christi in meinem Leben frei wirken kann und somit „das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleische offenbar werde“. Damit wird das Ziel erreicht, für das Christus den Paulus erwählt hat, „dass er seinen Sohn in mir offenbart.“ So wird der Wunsch des Paulus für die Galater erfüllt, „dass Christus in ihnen Gestalt gewinnt.“
Betet nicht nur, dass wir Versuchungen überwinden, sondern auch, dass wir den Feind überwältigen. Es scheint manchmal so, als ob das Missionsfeld ein Gebiet ist, wo der Feind viel Erfolg hat. Ich denke, er hat auch zu Hause viel Macht, aber er verwendet andere Waffen. Da wir in Entwicklungsländern tätig sind, denken viele, dass dort Stützpunkte des Feindes sind, wo besonders viele Konflikte sind. In solchen Gegenden müssen wir davon überzeugt sein, dass wir alle feurigen Pfeile des Feindes auslöschen können. Wir brauchen dein Gebet dafür, dass wir gehorsam die ganze Waffenrüstung Gottes in Anspruch nehmen. Sie steht uns immer bereit, aber wir sind oft versucht, Dinge aus unserer eigenen Kraft zu tun, weil sie schon Routine sind. Wir sind versucht, eine andere Rüstung anzuziehen, so wie David die Rüstung von Saul angeboten wurde, die ihm viel zu groß war. Wir trauen uns selbst oft mehr als dem Herrn. Das nutzt der Feind zu seinem Vorteil.
Für Missionare zu beten unterscheidet sich nicht davon, für andere Gläubige zu beten. Das Ziel unseres Gebetes muss mit dem Ziel in Einklang sein, das der Herr für jeden Gläubigen hat: Christus ähnlicher zu werden. Wenn das nicht der Fall ist, beten wir möglicherweise gegen den Willen Gottes und nicht in Harmonie mit dem Wort Gottes. Wir müssen auch bedenken, dass der Herr will, dass wir sehr wichtige Lektionen lernen, auch wenn wir ihm als Missionare dienen. Wir sind von Prüfungen nicht verschont, nur weil wir im Dienst des Herrn stehen oder weil wir schon einige Prüfungen erlebt haben. Wenn wir lernen sollen, was der Herr für uns tut, dann betet bitte nicht dafür, dass wir der Prüfung entkommen können, sondern dass wir jede Prüfung meistern. Sobald ein Problem wie Krankheit, Verzögerung oder das Versagen der Ausrüstung auftaucht, denken viele Missionare: „Wie eigenartig, wir stehen doch im Dienst des Herrn…“; „Es ist doch sein Wille, dass wir fertig werden, oder?“; „Seelen gehen ohne Christus verloren und ich stecke fest in der Bürokratie!“; „Ich habe so viel zu tun und jetzt liege ich hier krank im Bett!“. Aber Petrus sagt: „Geliebte, lasst euch durch …. nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes…“ (1. Petrus 4,12).
Am meisten können wir über das Gebet für Missionare und alle Gläubigen lernen, wenn wir uns die Gebete des Paulus für die Epheser, Kolosser und Philipper zu Herzen nehmen. Dann stimmt unser Gebet mit der Bibel überein und deswegen auch mit dem Willen Gottes.
Ich wiederhole, was ich anfangs geschrieben habe. „Betet für uns!“ Betet, dass wir einfühlsam sind gegenüber Gott, seinem Wort, seinem Geist und den Leuten, denen wir dienen. Betet, dass wir uns in diesen Dingen unterordnen. Betet, dass wir all die Gaben verwenden, die der Herr uns als Gläubige gegeben hat um ein heiliges Leben zu führen, mitten in einer verkehrten, verlorenen, krankhaften und verschmutzten Welt.
Ich hoffe, ich habe es euch nicht schwer gemacht für uns zu beten. Ich bete auch dafür, dass wir im Gebet wachsen und von den leeren Ausdrücken überführt werden, die so lange Zeit akzeptiert wurden. Bitte betet für uns nach Gottes Wort, im Einklang mit dem Willen Gottes und vom Heiligen Geist geleitet. So werdet ihr auch mit Verstand und Einsicht beten.
Verbunden im Herrn Jesus Christus, der für uns betet,
Euer Missionar