Gemeinde & Mission

Christenverfolgung – und wir?

von Walter Peter

Hast du schon einmal zu Gott um schönes Wetter für deinen Urlaub oder den von Geschwistern gebetet? Oder für das Wiederfinden eines verlorenen, aber ersetzbaren oder unwichtigen Gegenstandes? Oder, wie ich das tue, beim Überfahren von Glasscherben mit dem Fahrrad um Bewahrung vor einem platten Reifen? Ich denke, wir dürfen das tun. Aber wir sollten nicht das Wichtige gegenüber dem Unwichtigen vernachlässigen. Manchmal schäme ich mich etwas für ein solches Beten. Manchmal bitte ich den Herrn um Verzeihung dafür. In letzter Zeit tue ich noch etwas. Ich füge meiner kleinen Bitte eine andere Bitte an. Ich bete für einen eingesperrten Pastor, von dem ich weiß. Oder für Asia Bibi, jene Mutter von fünf Kindern, die als Christin wegen angeblicher Beleidigung des Islam zum Tode verurteilt wurde und seit über 1000 Tagen in Gefängnissen in Pakistan lebt, seit einiger Zeit in einem besonders schrecklichen. Oder für andere eingekerkerte oder misshandelte Glaubensgeschwister, deren Namen ich nicht kenne.

In den letzten Jahren hat der Druck auf die weltweite Gemeinde, die Jesus Christus als ihren Erlöser bekennen, stark zugenommen. Open Doors geht von 100 Millionen verfolgten Christen aus.[i] Mittlerweile vermelden auch nichtchristliche Organisationen, dass 75 bis 80 Prozent der wegen ihres Glaubens verfolgten Menschen weltweit Christen sind.[ii] Sicher ist, dass vielerorts Zusammenkünfte und das Bekenntnis zu Jesus und selbst das Bibellesen lebensgefährlich sind. Unglaublich viele Männer und Frauen werden wegen ihres Glaubens und Festhaltens an unserem Herrn Jesus ernsthaft bedroht und sehen sich schutzlos brutalen Angriffen ausgesetzt. Sie sind in Gefängnissen eingesperrt gegen die unsere Gefängnisse Fünfsternehotels sind und werden sogar gefoltert und getötet. Dass wir in Europa und in weiten Teilen der sogenannten westlichen Weltdank stark verankerter Grundrechte und stabiler Institutionen davon bisher fast unberührt sind, ist Gnade Gottes, bedeutet aber auch Verantwortung.

Freilich werden die Verfolgten von unserem Herrn und Erlöser glücklich, selig, glückselig gepriesen:

„Glückselig, die um Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel. Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen. Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren“ (Mt 5,10-12).

Das entbindet uns aber nicht unserer geschwisterlichen Mitleidens- und Beistandspflicht. Beten wir, dass die, denen diese Verfolgung jetzt widerfährt, in dieser Hoffnung leben und gerade in ihrer Drangsal schon etwas von der himmlischen Glückseligkeit erleben dürfen.

Denn es gibt auch diese andere Seite, wo der Herr uns sehr stark an unsere Beistandspflicht erinnert. Lies bitte dazu den Abschnitt aus Matthäus 25, 31–46. Ich zitiere daraus nur zwei Aussagen des Herrn Jesus:

„Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ (aus Vers 40).

„Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr auch mir nicht getan“ (aus Vers 45).

Es geht mir jetzt nicht um die Auslegung des Textes. Was wir aber hier klar sehen können und vielleicht neu sehen müssen, ist die leidenschaftlich starke und sogar das letzte Gericht bestimmende Verbundenheit des Herrn Jesus mit seinen geliebten geringen, gering geachteten,bedürftigen, gefangenen, kranken, ausgestoßenen Brüdern.

Wenn Jesus die Nationen nach ihrer Haltung zu den bedrängten und bedürftigen Gläubigen beurteilt – sollte Ihm unsere Haltung zu diesen etwa nicht wichtig sein? Seit längerer Zeit setze ich mich mit dem Thema auseinander. In vielen Regionen werden Christen bedrängt und verfolgt. Wir haben die Pflicht, den Geliebten des Herrn, unseren Geschwistern, beizustehen und für sie zu beten. Wir sollten das nicht lässig zur Seite schieben sondern ernst nehmen. Wenn wir das vernachlässigen, wird sich das auf unsere Gemeinden – nach meiner Überzeugung – katastrophal auswirken und als Einzelne verlieren wir unsere Kronen, unseren Lohn im Himmel.

Etwas ernst nehmen aber heißt, es in den Alltag und ins tägliche Gebet zu nehmen. Ich möchte darüber hinaus dazu ermutigen, diese Art von Anliegen stärker ins Gemeindeleben zu integrieren. Ganz konkret sollten wir, sofern wir das nicht schon tun, sie als beständige Bitte in Jugendgruppen, in Haus- und Gebetskreise einbringen. Besonders Leiter solcher Kreise und Gruppen sollten sich aktuell informieren[iii] und können einzelne Schicksale, einzelne verfolgte Glaubensgeschwister oder Gemeinden, das eine oder andere Thema oder eine bestimmte Region zum dauerhaften gemeinsamen Anliegen machen. Es ist kein großer Aufwand damit verbunden. Mit aktuellen Entwicklungen oder Meldungen, die mit gründlicher, kurz zusammengefasster Information zum Hintergrund unterlegt wird, kann man jederzeit in eine weltweite Gebetsgemeinschaft einsteigen. Vielleicht bietet sich als Einstieg oder als spezifische Verankerung deines Kreises in der Thematik auch eine persönliche Beziehung zu einem Verfolgungsland oder ein vorhandener oder zwanglos hergestellter Kontakt an. Vielleicht kennt jemand von deinem Kreis einen iranischen Arzt, eine ostasiatische Studentin oder eine libanesische Familie, über die sich vielleicht eine persönliche Verbindung in eine spezifische Region entwickeln ließe. Oder jemand hat Kontakt zu einem Missionar in einem Verfolgungsland, oder macht sich daran einen solchen zu knüpfen.

Im Übrigen sind vollständige und umfassende Informationen und persönliche Beziehungen zum Beten nicht nötig. Wichtig aber wäre, dass wir ein ernsthaftes und anhaltendes Anliegen entwickeln und keine Strohfeuer entzünden.

Zum Schluss noch zwei heiße Eisen: Zum Beispiel in Syrien oder Ägypten haben Christen Nachteile und werden verfolgt, egal ob sie wirklich wiedergeboren sind oder nicht. Sie nehmen aber diese Nachteile in Kauf und sind ihren christlichen Überzeugungen treu. Beten wir auch, dass sie alle das Evangelium hören und annehmen.

Das Gebet für die Verfolgten geht immer Hand in Hand mit dem Gebet für die Ausbreitung des Evangeliums und das gesunde Wachstum Seines Leibes. Soll man an Aktionen (wie zum Beispiel Unterschriftenlisten für wegen ihres Glaubens eingesperrte Menschen) teilnehmen? In meinen Augen spricht nichts dagegen, wenn die Information zu dem Fall seriös erscheint und das Anliegen (oft an den Präsidenten eines Staates gerichtet) anständig formuliert ist. Du bekennst dich mit deinem Namen solidarisch mit einem gefangenen Bruder oder einer Schwester in Christus. Vielleicht ist das ein Tropfen, aber einer unter Tausenden, der zusammen mit den anderen die Gluthitze eines Verfolgten kühlen kann.

Aber auch hier wollen wir die Verhältnismäßigkeit beachten. Wir kämpfen mit geistlichen Waffen. Das Gebet und insbesondere das gemeinsame Gebet ist die schlagkräftigste Waffe.

Vergessen wir auch nicht, Gott für die Freiheit und die guten Umstände bei uns zu danken. Nehmen wir sie nicht für selbstverständlich. Bei dem momentanen Tempo der Veränderungen halte ich es für möglich, dass man noch über uns sagen wird: „Denn ihr habt sowohl mit den Gefangenen gelitten als auch den Raub eurer Güter mit Freuden aufgenommen, da ihr wisst, dass ihr für euch selbst einen besseren und bleibenden Besitz habt“ (Heb 10,34).

Heute aber, da wir hier in Europa in Frieden und in guten Umständen, gleichzeitig aber im „globalen Dorf“ leben, ergeht an uns die Aufforderung:

„Gedenkt der Gefangenen als Mitgefangene; derer, die geplagt werden, als solche, die auch selbst im Leib sind“ (Heb 13,3).

 

Peter Walter

peter.walter1@hotmail.com

 

[i]www.opendoors.de

[ii]www.wikipedia.de Stichwort “Christenverfolgung”

[iii] Die HMK, Hilfsaktion Märtyrerkirche (www.verfolgte-christen.org), informiert gut, ist geistlich und ermutigend und versendet aktuelle Gebetsaufrufe und Materialien. An zweiter Stelle möchte ich Open Doors nennen, die seriös informieren und ein weltweites Netzwerk haben. Es gibt natürlich noch viele andere einschlägige Portale, bei denen man sich informieren kann.