Christi Vermächtnis zum Abschied – Teil I
(Auszug aus dem Buch „In der Schule Christi“ von David Gooding. Es handelt sich dabei um eine Auslegung zu Johannes 13 bis 17, die bei CLV erscheinen soll.)
Bevor seine Schüler den Obersaal verlassen, stärkt unser Herr voll Erbarmen ihren Glauben und ihr Vertrauen. Lernen kann beschwerlich und entmutigend sein. Und es wäre nicht überraschend, wenn die Jünger nun meinen würden, sich niemals an die gewaltigen Details der Lektionen zu erinnern, geschweige denn die schwierigen neuen Grundsätze zu verstehen und umzusetzen. Dieses Gefühl haben wir alle von Zeit zu Zeit. Wir können leicht den Eindruck gewinnen, dass das Lernen, das für die Weiterentwicklung der Heiligkeit notwendig ist, eine mühsame Schinderei ist, die über die Kraft gewöhnlicher Menschen hinausgeht. Aber natürlich stimmt das nicht. Es ist manchmal vielleicht harte Arbeit, die Zielstrebigkeit und Ausdauer erfordert. Aber unser Herr steht bereit, um uns weiterzugeben, was er den Aposteln ins Herz gepflanzt hat: Vertrauen, dass sie ihre Lektionen bewältigen werden, den zugrunde liegenden Frieden im Herzen inmitten der Kämpfe des Lebens, eine unerschöpfliche Quelle der Freude und die Zusicherung des Sieges durch das Umsetzen der Lektionen in einer feindlichen Welt.
Vertrauen beim Lernen
Zuerst kommt die Zusicherung, dass sie nicht allein zurückgelassen werden und sich allein abmühen müssen, sich an alles Gehörte zu erinnern und es zu verstehen. Ihnen wird ein göttlicher Beistand gesandt werden. Ihr Lernerfolg wird von der Fähigkeit des Beistands zu unterrichten abhängen und nicht von ihrer Fähigkeit zu lernen. Christus sagt: „Dies habe ich zu euch geredet, während ich bei euch bin. Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“
Diese gütige Verheißung galt natürlich in erster Linie den Aposteln. Sie steht für die Richtigkeit unseres Neuen Testaments. Unser Herr lehrte die Apostel zahlreiche Dinge während seines irdischen Lebens. Wie können wir sicher wissen, dass wir beim Lesen der Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes einen stichhaltigen und fehlerfreien Bericht dessen vor uns haben, was unser Herr tat und lehrte? Selbst wenn sie es gewollt und das beste Gedächtnis auf der Welt besessen hätten, wie hätten sie sich an alles erinnern können, was Christus sie gelehrt hatte? Die Antwort ist, dass unser Herr es nicht ihrer eigenen Kraft überließ, diese große Aufgabe zu erfüllen und den Bericht zu erstellen, der die Grundlage für unseren christlichen Glauben ist. Er sandte den Heiligen Geist, der auf seine göttliche und übermenschliche Weise den Aposteln die Dinge ins Gedächtnis rief, die sie von Christus gehört hatten. Deshalb können wir sicher sein, dass wir genau das im Neuen Testament lesen, was Christus beabsichtigte.
Hilfe beim Verstehen
Außerdem half er ihnen, das zu verstehen, woran sie sich erinnerten. Offensichtlich ist das Neue Testament nicht nur ein schlichter, leicht verständlicher Bericht von Christi Worten und Taten. Es ist ein Bericht mit zusätzlicher Auslegung. In unserer heutigen modernen Zeit kritisieren viele Menschen aus diesen Gründen das Neue Testament. Sie sagen, dass wir nicht sicher sein können, ob die Evangelien richtig wiedergeben, was Christus gesagt oder gemeint hat, wenn die Evangelien nicht nur schlichte Berichte des Lebens und der Lehren Jesu sind, sondern Berichte mit Auslegung. Sie sagen, wir hätten nur die Auslegung der ersten Gemeinde von dem, was Christus sagte und meinte.
Aber das Argument ist falsch. Denn was wir hier als Verheißung unseres Herrn haben (Joh 14,26), ist die Ankündigung, dass die Autorität des Heiligen Geistes hinter den Berichten und auch hinter den Auslegungen steht. Außerdem beinhaltet die Verheißung auch die Zusicherung, dass der Heilige Geist die Apostel alle Dinge lehren wird, die unser Herr ihnen nicht sagen konnte, während er bei ihnen war (Joh 16,12.13). Vor seiner Auferstehung und Himmelfahrt und dem Kommen des Heiligen Geistes konnten sie viele Dinge noch nicht einmal ansatzweise verstehen. Diese Dinge verschwieg unser Herr deshalb noch, um sie den Aposteln nach seiner Auferstehung und Himmelfahrt mitzuteilen – durch den Heiligen Geist. Und diese Dinge lesen wir folglich in den inspirierten Briefen des Neuen Testaments (s. Apg 1,1-5; Eph 3,2-21), die uns „ein für alle Mal“ überliefert wurden (Judas 3).
In dieser ursprünglichen Bedeutung galt die Verheißung nicht den Hunderten von Jüngern, die unser Herr während seines irdischen Dienstes gemacht hatte, auch nicht der nachapostolischen christlichen Gemeinde, deren Schriften nicht auf die Weise wie die neutestamentlichen Briefe inspiriert waren, sondern den einzigartigen Gründungsgliedern der Gemeinde, den vom Herrn speziell erwählten Aposteln und Propheten (Eph 3,5).
Kraft und Ausdauer beim Lernen
Abgesehen davon dürfen wir die Verheißung für uns auf eine zweite Weise in Anspruch nehmen. Der Heilige Geist wurde im Besonderen gesandt, damit wir die Lehre Christi verstehen. Für uns ist es auch schwierig zu verstehen, dass Christus in uns wohnt. Die Realität dieser Tatsache geht manchmal in der Hektik unseres Lebens unter. Aber er bleibt bei uns, um uns an das Gelernte zu erinnern, dass Heiligung nicht nur eine Frage des Versuchs ist uns mit eigener Kraft irgendwie durchzukämpfen: Der Herr ist bei uns! Und nicht nur bei uns, sondern in uns. Er wartet darauf, durch uns seine Gedanken und seine Reaktion auf die Umstände, die wir erleben, zu bewirken. Ein Schwimmlehrer lehrt einen Anfänger sich zu entspannen und zu vertrauen, dass das Wasser ihn tragen wird (wozu es durchaus in der Lage ist). Ebenso lehrt und schult uns der Heilige Geist, auf ihn zu vertrauen hinsichtlich all der Gnade, Kraft und Ausdauer, die wir sowohl fürs Lernen der Theorie als auch fürs Umsetzen in die Praxis benötigen.