Die ersten Jahre als Eltern – Teil 2
Wie ein beziehungsorientierter Erziehungsstil mit „viel Liebe“ und „viel Kontrolle“ im Detail aussehen kann, wollen wir im Folgenden erläutern:
4) Herzliche Atmosphäre – Annahme – Vertrauen
Unser Kind soll sich immer angenommen fühlen, unabhängig von seinen Stärken, Schwächen oder (Miss-)Erfolgen. Wie erkennt ein Kind, dass es geliebt wird, dass es angenommen ist, dass es wichtig ist? Hier einige Tipps:
- Dem Kind täglich gezielt Aufmerksamkeit widmen (auch wenn es nur ein paar Minuten sind)
Das Kind anschauen, berühren, auf den Schoß nehmen (je nach Alter), andere Tätigkeiten bewusst einstellen, Komplimente machen, wenn etwas gelungen ist, loben. Dinge genau betrachten, die das Kind herzeigt (Zeichnungen, gefundene Gegenstände etc.). Lassen wir unser Kind erzählen, was es erlebt hat, was es gesehen hat, welche Überlegungen und Träume es gerade hat.
- Einzeln mit dem Kind Zeit verbringen (allein mit Papa oder Mama)
Wir überlegen, welche gemeinsamen Aktivitäten die Beziehung zum Kind stärken könnten. Könnte das Kind Freude am gemeinsamen Kochen haben? Oder möchte es eher musizieren, den Wald entdecken, puzzeln, Fußballspielen, am Spielplatz toben, die Puppe anziehen, Uno spielen, etwas vorlesen, Mama/Papa bei der Arbeit helfen, im Bett lange reden, blödeln, balgen, auf einen Burger oder ins Kino gehen, zu einer Burgruine oder in den Zoo fahren? …
Teenager fühlen sich wertgeschätzt, wenn man sie nach ihrer Meinung fragt und sie evtl. in Fragen der Familie einbindet („Welches Auto würdest du kaufen?“, „Wie könnten wir Tante Elvira eine Freude machen?“)
- Liebeserklärungen machen
„Ich freu mich so sehr, dass wir dich in unserer Familie haben!“, „Ohne dich würde uns etwas ganz Wichtiges fehlen!“, „Mama und Papa haben sich so gefreut, wie du aus dem Bauch rausgekommen bist!“ Positive Eigenschaften des Kindes erwähnen: „Ich freu mich, dass du so eine gute Beobachterin bist“, „Ich find das toll, wie nett du dich um deinen Bruder gekümmert hast!“… (egal ob das Kind heute schon etwas falsch gemacht hat). Am besten täglich für positives Verhalten etc. loben.
- Freundlich sprechen
Eltern brauchen ein gesundes Maß an Selbstkontrolle. Unsere Charakterdefizite im Zuge der Kindererziehung zu erkennen, treibt uns in die Hände Gottes und wir sehen unser Bedürfnis nach Heiligung. Wir sollten es vermeiden, unser Kind wütend anzuschreien, ständig vorwurfsvoll auf das Kind einzureden oder „rumzunörgeln“.
Auch wenn das Kind etwas angestellt hat, soll es am Tonfall des Elternteils merken, dass es nicht gehasst bzw. als Person abgelehnt wird. Das Kind soll verstehen: „Mama lehnt das ab, was ich getan habe, aber sie lehnt mich nicht ab.“
Nicht zurückweisen: „Du spinnst heute, ich will dich nicht mehr sehen!“ Das tut weh und schadet der Verbundenheit des Kindes zu den Eltern. Diese Loyalität bewirkt auch, dass das Kind den Eltern gefallen will.
5) Anweisungen geben
„Ich hoffe, mein Kind ist bald größer, damit es versteht, was ich sage. Ich sag´s ihr ja eh schon so oft, aber sie macht´s nicht.“
Ratlose Eltern hoffen auf bessere Zeiten, aber es liegt an uns selbst, ob die besseren Zeiten kommen. Hier einige Tipps zum Thema „Anweisungen geben“:
Die Aufmerksamkeit des Kindes gewinnen
- Sich dem Kind direkt zuwenden, evtl. hinknien, vergewissern, dass es zuhört, Augenkontakt. Evtl.: „Schau mich mal an.“
- Kind beim Namen nennen… evtl. beibringen, dass es „Ja, Mama?“ antwortet.
- Tonfall beachten à freundlich, aber bestimmt
- Kleine Kinder nach der Anweisung wiederholen lassen, was zu tun ist:
„Was sollst du jetzt machen?“
Erwünschtes Verhalten klar beschreiben
Dazu muss ich mir als Mama oder Papa selbst im Klaren sein, was ich gerade konkret von meinem Kind möchte. Dann verpacke ich dieses Anliegen in eine einfache, freundliche Anweisung.
- Vorschlag für eine konkrete Anweisung: „Geh bitte in dein Zimmer und räum deine Lego-Kiste ein.“
Vermeiden: „Da schaut´s schon wieder aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hat!“ (Kein klarer Auftrag, daher im Nachhinein nicht überprüfbar.)
Vermeiden: „Vom Aufräumen hast du wohl noch nie was gehört?!“ - Vorschlag für eine konkrete Anweisung: „Nimm dir bitte ein Spiel und bleib in deinem Zimmer, bis der Zeiger oben ist. Ich muss jetzt in der Küche mit Papa reden.“
Vermeiden: „Kannst du nicht endlich Ruhe geben?!“
Vermeiden: „Du bist heute NUR lästig!“
„Gleich – ganz – fröhlich“
Was erwarten Eltern als Reaktion auf ihre Anweisungen? Manche Eltern haben sehr niedrige Erwartungen, dass das Kind auf die Anweisung reagiert. Unser Vorschlag wäre, die Kinder daran zu gewöhnen, dass von ihnen eine Reaktion auf Anweisungen der Eltern kommen muss, die „gleich“, „ganz“ und „fröhlich“ erfolgt.
- Gleich: Wir erklären den Kindern deutlich, dass Anweisungen nur einmal gegeben werden müssen, danach wird eine unmittelbare Reaktion des Kindes erwartet. Das Kind lernt sonst, dass es erst „ernst“ wird, wenn die Anweisung mehrfach gesagt wurde oder wenn Mama/Papa schon zornig wird.
- Ganz: Wir erwarten als Eltern Gehorsam vom Kind, indem wir genau das einfordern, was in der Anweisung gesagt wurde. Nicht durch Nachlaufen, Festhalten oder Wegnehmen eines Gegenstandes „nachhelfen“, da sonst das Kind keine echte gehorsame Haltung lernt.
Beispiel: „Gib deinem Bruder das Spielzeug zurück!“. Jetzt entsteht ein spannender Moment. Werden es die Eltern dulden, dass sich das Kind nur so weit herablässt, dass es das entwendete Spielzeug fallen lässt und dann davongeht? Hoffentlich nicht. Der ganze Auftrag muss ausgeführt werden. Das bedeutet, dass das Kind das Spielzeug wieder aufheben und in die Hand des Bruders zurückgeben muss.
Vermeiden:
Georg: „Mama, darf ich bitte ein Keks haben?“
Mama: „Ja, eines!“
Georg kommt mit zwei Keks aus der Küche zurück.
Mama: „Na, du bist aber eine Naschkatze…“
Vorschlag:
Georg: „Mama, darf ich bitte ein Keks haben?“
Mama: „Ja, eines!“
Georg kommt mit zwei Keks aus der Küche zurück.
Mama: „Nein, ich hab gesagt, eines. Leg das andere zurück!“
(Besser wäre, wenn Georg sogar beide zurücklegen muss, weil er die Anweisung übertreten hat.)
- Fröhlich: Das Kind muss nicht jubeln, aber seine Herzenshaltung soll sein: „Ich mach es, weil Mama/Papa es sagt.“ Wir schlagen Eltern vor, mürrisches Verhalten nicht einfach durchgehen zu lassen. Besser wäre es, die Szene zu wiederholen und einen angemessenen Tonfall einzufordern: „O.k., ich schick dich jetzt nochmal in die Garderobe, damit du deine Fußballschuhe wegräumst, und diesmal ohne Murren.“ Wir sollen kein Jammern dulden, wenn das Kind etwas möchte, und uns schon gar nicht umstimmen lassen. Grundsatz: Wer lästig jammert, kann sicher sein, dass er nichts bekommt.
Ein „Nein!“ des Kindes als Antwort auf eine Anweisung nicht akzeptieren.
Fröhlich: Das Kind muss nicht jubeln, aber seine Herzenshaltung soll sein: „Ich mach es, weil Mama/Papa es sagt.“ Wir schlagen Eltern vor, mürrisches Verhalten nicht einfach durchgehen zu lassen. Besser wäre es, die Szene zu wiederholen und einen angemessenen Tonfall einzufordern: „O.k., ich schick dich jetzt nochmal in die Garderobe, damit du deine Fußballschuhe wegräumst, und diesmal ohne Murren.“ Wir sollen kein Jammern dulden, wenn das Kind etwas möchte, und uns schon gar nicht umstimmen lassen. Grundsatz: Wer lästig jammert, kann sicher sein, dass er nichts bekommt.
Ein „Nein!“ des Kindes als Antwort auf eine Anweisung nicht akzeptieren.
Nicht in Diskussionen verwickeln lassen, bevor die Anweisung ausgeführt wurde.
Wir würden Kinder nicht im Zimmer „weitergranteln“ lassen, sondern einfordern, dass das Kind sofort aufhört zu protestieren. Murren und Jammern kann leicht zu einer Grundstimmung oder Gewohnheit werden, die nicht nur dem Kind selbst, sondern auch der gesamten Familienatmosphäre schadet.
Das Kind darauf hinweisen, wenn es meine klare Anweisung übertreten hat
Manche Eltern lächeln resignierend oder schauen sich peinlich berührt um, wenn ihr Kind einfach ignoriert, was sie gerade gesagt haben. Wir empfehlen, dass Eltern sofort, nachdem sie eine Anweisung gegeben haben, darauf achten, ob das Kind diese ausführt und aktiv werden, falls das Kind nicht tut, was ihm aufgetragen wurde.
Papa: Benni, was hast du jetzt gemacht?
Benni: Auf der Couch gehüpft.
Papa: Was habe ich vorher gesagt?
Benni: Nicht auf der Couch hüpfen.
Papa: Darfst du dann hüpfen, wenn der Papa sagt: nicht hüpfen?
Benni: Nein.
Papa: Genau. Das darfst du nicht.
-> Für Benni ist jetzt ganz klar, dass Papa auch meint, was er sagt. Papa hat nicht darauf vergessen, was er vorher gesagt hat.
Wenn Papa in solchen Situationen immer eine Konsequenz folgen lässt (z.B. 5 Minuten still auf einem Auszeit-Sessel zum Nachdenken sitzen, siehe Punkt 7), dann wird Benni bald wissen, dass es besser ist, wenn er die klare Anweisung von Papa befolgt.
6) Training
Wie kann ich sichergehen, dass ich mein Kind mit meinen Anweisungen nicht überfordere?
Welche Lernschritte braucht mein Kind, um „gleich – ganz – fröhlich“ zu gehorchen?
Gelegenheit geben, das erwünschte Verhalten einzuüben bzw. sich darauf einzustellen
Beispiel: Mit den Kindern (zwischen ca. 3 und 7 Jahren) auf den Spielplatz gehen, vorher sagt Mama: „Wir gehen jetzt eine Stunde auf den Spielplatz und wenn ich sage: O.k., wir gehen jetzt, was wirst du dann machen?“
Das Kind wird rechtzeitig darauf vorbereitet, dass der Moment kommt, wo es noch gerne weiterspielen würde, aber den Spielplatz auf Mamas Zuruf verlassen muss.
Beispiel: „Ich werde dich zwischendurch am Spielplatz manchmal zu mir rufen, dann musst du gleich kommen. Wenn du gleich kommst, kannst du sofort wieder weiterspielen. Wenn du nicht kommst, gehen wir nachhause.“
Alle 10-15 Minuten ruft Mama das Kind. Mama trainiert die Situation und nimmt bewusst das Risiko eines abgebrochenen Spielplatzbesuchs in Kauf. (Eine Alternative wäre, dass das Kind während des restlichen Spielplatzbesuches von der Bank aus den anderen Kindern zusehen muss.) Anders als andere Mamas wird sie aber spätestens nach dem zweiten oder dritten Abbruch ein Kind haben, das verlässlich kommt, wenn sie ruft.
Das Kind beim Einüben der gestellten Aufgabe unterstützen
Beispiel: Evi ist zwei Jahre alt. Er sträubt sich gegen das Einräumen nach dem Spielen.
„Evi, räum bitte deine Lego-Steine ein. Ich mach auch mit beim Einräumen, solange ich sehe, dass du fleißig mitmachst. Wenn du aufhörst, hör ich auch auf. Wenn du weitermachst, mach ich auch weiter. Komm, wir schaffen das gemeinsam!“
Ein paar Tage später:
„Evi, du hast jetzt immer super deine Lego-Steine mit mir eingeräumt. Ich hab gesehen, dass du das schon gut kannst. Heute schau ich zu und am Schluss helf ich dir beim letzten Haufen. Den räumen wir dann um die Wette ein, gut?“
Wieder ein paar Tage später:
„Evi, du hast jetzt immer schon fast ganz allein deine Lego-Steine eingeräumt. Das kannst du jetzt schon super! Heute geh ich raus und du rufst mich dann, wenn nur mehr der kleine Haufen da ist. Dann komm ich und wir räumen den gemeinsam um die Wette ein.“
Nochmal ein paar Tage später:
„O.k., Evi, du hast jetzt immer ganz toll aufgeräumt. Heute kannst du mir mal zeigen, wie du es ohne mich schaffst. Ich geh raus und du rufst mich, wenn du fertig bist, o.k.? Ich freu mich schon, wenn ich sehe, wie tüchtig du aufgeräumt hast!“
Sobald das klappt, ist klar, dass Evi aufräumen gelernt hat. Ab jetzt können seine Eltern sicher sein, dass sie ihn mit ihrer Anweisung nicht überfordern: „Evi, räum bitte deine Legosteine auf!“
Das Grundprinzip des „Trainierens“ ist, dass man Situationen, in denen man Schwierigkeiten erwartet, nicht vermeidet, sondern sie regelmäßig im Alltag trainiert (öfter kleine Anweisungen einbauen, z.B. „Bring mir das bitte“), so lange, bis sie funktionieren.
7) Korrektur
Sobald wir als Eltern sicher sein können, dass unser Kind jetzt in der Lage ist, unsere Anweisung auszuführen, folgen auch Konsequenzen, wenn die Anweisung nicht erfüllt wird.
Ein Grundprinzip lautet:
„Mach es zum Problem deines Kindes“
Entweder das Kind macht durch sein ungehorsames Verhalten den Eltern das Leben schwer, weil sie sich ständig darüber ärgern müssen, oder die Eltern sorgen dafür, dass das Kind Konsequenzen für sein Verhalten tragen muss. Anstatt die Familienatmosphäre im Alltag durch Nörgeln, Schimpfen und Ärger der Eltern prägen zu lassen, ist es besser, die Sache zum Problem des Kindes zu machen und in ruhigem Ton einfach Konsequenzen auszusprechen.
Manchmal wollen Eltern das Kind schonen und vermeiden Konsequenzen. Aber die Familienatmosphäre leidet am Ende mehr unter einer durch Nörgeln und Schimpfen der Eltern belasteten Atmosphäre, weil die Kinder immer schwerer lenkbar werden.
Konkrete Konsequenzen in Aussicht stellen
Das Kind soll genau wissen, was passieren wird, wenn es eine Regel übertritt, damit es die Konsequenz nachher leichter annehmen kann und nicht das Gefühl hat, dass die Eltern aus einem willkürlichen Impuls heraus strafen. (Natürlich gibt es auch Situationen, in denen man Konsequenzen verhängt, ohne dass es vorher die Gelegenheit gab, diese anzukündigen.)
Beispiele: Papa/Mama sagt in ruhigem Tonfall, aber sehr klar, deutlich und bestimmt:
„Wenn du wieder nicht pünktlich vom Fahrrad fahren heimkommst, darfst du morgen nicht Fahrrad fahren gehen.“
„Wenn du deiner Schwester den Sandkuchen zerstörst, musst du raus aus der Sandkiste.“
(Inklusive Wiedergutmachung und ordentlicher Entschuldigung bei der Schwester!)
„Wenn du nicht dableibst, musst du bei Mama an der Hand gehen.“
„Wenn du mit dem Joghurt nicht beim Tisch bleibst, dann darfst du es nicht essen!“
Nur Konsequenzen androhen, die ich auch einhalten kann
Damit unser Wort als Eltern glaubwürdig ist, müssen angekündigte Konsequenzen auch eingehalten werden. Es empfiehlt sich also, sich vorher zu überlegen, welche Konsequenzen sinnvoll sind und welche nicht.
Vermeiden:
- „Wenn du das nochmal machst, steigst du nie wieder in dieses Auto ein!“
- „Ich nehm dich nie mehr zum Einkaufen mit, wenn du nicht gleich kommst!“
- „Sonst ist das Taschengeld für immer gestrichen!“
- „Sonst ruf ich den Krampus an, dass er dich holt!“
- „Sonst kommst du ins Heim!“
Nie im Zorn strafen
- Eine Konsequenz folgt zum Beispiel, wenn das Kind eine Familienregelübertreten hat. Diese Familienregeln sind allen in der Familie gut bekannt. Daher kommen Konsequenzen normalerweise nicht überraschend für das Kind. Es weiß, dass die Regel ausgemacht war und dass eine Konsequenz folgt, wenn man sie übertritt.
- Korrektur hat nichts mit Rache zu tun. Eltern dürfen ihre Überlegenheit nicht missbrauchen, um sich an ihrem Kind abzureagieren.
- Andererseits: Keine Angst vor richtig eingesetzten Konsequenzen! Wir sind nicht grausam zu unserem Kind, wenn wir bei unangemessenem Verhalten des Kindes passende Konsequenzen folgen lassen.
Darauf achten, dass die Konsequenz, die wir setzen, angemessen ist und wenn möglich mit der Übertretung in Zusammenhang steht
- Wenn das Kind z.B. zu spät nachhause kommt, muss es am nächsten Tag eine Stunde früher heimkommen.
- Das Kind lehren, wie man Dinge gut verwaltet: Besitz ist ein Privileg, du musst auf deine Dinge aufpassen; bist du bereit dazu? Sonst muss ich es dir wegnehmen, bis du wieder bereit bist, gut damit umzugehen (z.B. Puppengeschirr, ferngesteuertes Auto etc.).
- Unakzeptables Sozialverhalten: Mit anderen Kindern zusammen zu sein, ist ein Privileg. Das Privileg kann verloren gehen, z.B. indem das Kind eine Zeit lang allein ins Zimmer muss.
- Wenn Kinder zu wenig auf Konsequenzen reagieren, sind die Konsequenzen offensichtlich zu schwach gewählt. Eine Möglichkeit, das Kind zu höherer Aufmerksamkeit zu motivieren, ist: Privilegien (z.B. Naschen, Rad fahren, Bildschirmzeit etc.) werden längerfristig entzogen, bis das Kind sein Verhalten über mehrere Tage hinweg geändert hat. Die Initiative liegt nun beim Kind, sich das Privileg wieder zu erarbeiten.
Einsicht beim Kind wecken, bevor die eigentliche Konsequenz folgt
- Das „INTERVIEW“ – Übertretungen in Ruhe und gründlich behandeln
Wenn Kinder Regeln übertreten, lügen, Anweisungen oder Ermahnungen ignorieren, ist es empfehlenswert, das Kind aus der Situation herauszunehmen. Es folgt eine Nachdenkpause auf einem Sessel vor dem „Interview“. Ziel des „Interviews“ ist es, Einsicht beim Kind zu wecken.
Vorbereitungen:
- Ein Sessel steht in einem ruhigen Zimmer, wo keine anderen Leute sind, die Türe bleibt offen.
- Je nach Alter 1-15 Minuten zum „Runterkühlen“ und Nachdenken sitzen lassen.
- Die Zeit nutzen, um als Elternteil selbst runterzukühlen, kein Schimpfen, während das Kind sitzt. Um Weisheit und innere Ruhe beten.
- Vom Kind einfordern, dass es leise sitzt und nicht tobt oder jammert. („Erst wenn du leise bist, beginnt dein Timer, z.B. 5 Minuten.“)

- Auf Augenhöhe gehen, anschauen, ruhig sprechen
Der Vorteil dieser Vorgangsweise ist: Die Eltern nehmen die Situation in die Hand, anstatt dem Kind nur „hinterherzumeckern“. Das Kind erlebt ein echtes Eingreifen der Eltern, es wird aus der Situation herausgenommen. Sein Gewissen wird geschult, sein Charakter wird geformt. Und anstelle der meckernden und klagenden Eltern gibt es eine Einsicht, eine Konsequenz und schließlich eine Versöhnung. Das wirkt sich positiv auf die Familienatmosphäre aus, weil nachher „alles wieder gut“ ist.
Eine Konsequenz muss wirklich so eintreffen, wie sie angekündigt wurde
Beispiel: „… dann darfst du zwei Tage nicht Rad fahren gehen!“
Eltern sollten nicht nach einem Tag sagen: „Na gut, weil du brav warst, darfst du heute schon wieder Rad fahren gehen…“
Beispiel: „… dann kriegst du am Nachmittag kein Eis.“
Wir tun dem Kind nichts Gutes, wenn wir am Nachmittag vor dem Eisgeschäft aus Mitleid nachgeben. Das Kind lernt, dass unser Wort beliebig ist und dass es uns durch Betteln oder Tränen manipulieren kann. Der Grundsatz heißt wie erwähnt: Mach es zum Problem deines Kindes (was nicht bedeutet, dass wir triumphierend oder schadenfroh sein sollen). Eingehaltene Konsequenzen sind eine lohnende Investition in den Charakter des Kindes.
Wir wollen euch Mut machen, dass wir mit Kindern jeden Alters und jeder Entwicklungsstufe, trotz Anstrengungen und Mühen, tatsächlich ein sehr schönes Miteinander und eine große Freude haben können!