Gemeinde & Mission

Die Frau namens Weisheit (Sprüche 8,1-21)

von Mac Donald William

Kommentar von William MacDonald zum Buch der Sprüche, der bei CLV erscheinen soll

Ein Tipp: Lies doch die Erklärungen am besten zusammen mit dem Bibeltext. Sie sollen helfen, den Text zu verstehen. Ohne den Bibeltext hängen sie in der Luft.

V. 1 Dieses Kapitel ist ein vollendetes Lob der Weisheit. Um den größten Nutzen daraus zu ziehen, beziehe die Weisheit wann immer möglich auf den Herrn Jesus. Schließlich ist er die Weisheit in Person.

V. 2 Als kluge Frau stellt sich die Weisheit dorthin, wo sie von allen gut gehört wird. (Siehe in der Einführung des Buches, wie das weibliche Geschlecht in Verbindung mit Weisheit benutzt wird und trotzdem auf Christus gedeutet werden kann.)

V. 3 Sie ist allgegenwärtig wie Coca Cola. Wo auch immer Menschen sind, ist sie da, sei es auf einem Berggipfel oder an einer Straßenkreuzung. Du kannst sie am Stadttor finden – das war damals der öffentliche Treffpunkt – oder an anderen Eingängen. Es gibt wirklich keine Entschuldigung, dass man sie nicht finden könnte.

Beachte die Ähnlichkeit zwischen der Weisheit und dem Herrn Jesus. Er ist jedem von uns nicht fern.

V. 4 Sie ruft allen Rassen der Menschheit zu, während sie vorbeieilen. Der Herr sagt: „Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen …“ (Mt 11,28). Siehe auch Jes 55,1-3; Offb 22,17.

V. 5 Den Dummen und Einfältigen bietet sie Klugheit an und den Narren ein verständiges Herz. Jesus sagte: „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ (Mt 11,29)

V. 6 Alles, was sie sagt, ist sehr gut. Wenn sie ihre Lippen bewegt, sind die Worte richtig. „Und alle gaben ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die aus seinem Mund hervorgingen.“ (Lk 4,22)

V. 7 Die Weisheit sagt nur die Wahrheit. Bosheit ist ein Gräuel für ihre Lippen. Der Herr Jesus sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben …“ (Joh 14,6)

V. 8 Ihr Reden ist völlig frei von allem, was unrein oder zweideutig ist. Der Apostel Johannes sagt, als er über Jesus Christus spricht, „Sünde ist nicht in ihm.“ (1. Joh 3,5)

V. 9 Die Weisheit ist für diejenigen verständlich, die sie aufnehmen wollen und für diejenigen geeignet, die belehrbar sind. „Wenn jemand seinen Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.“ (Joh 7,17)

V. 10 Die Worte der Weisheit sind kostbarer als das feinste Silber und Gold. dasselbe gilt für die Worte des Herrn Jesus.

V. 11 Wer weise ist, hat etwas, das viel mehr wert ist als die teuersten Edelsteine. So ist auch der Retter kostbarer als alles, was wir uns vorstellen können.

V. 12 Die Weisheit fährt fort mit ihren Vorzügen. Wenn man sie besitzt, hat man gesunden Menschenverstand, Wissen und Einsicht als Wegweiser durch das Leben. Das alles trifft auf den Herrn Jesus Christus zu.

V. 13 Da der Anfang der Weisheit in der Furcht Gottes liegt, hassen die Kinder der Weisheit Böses, Stolz, Hochmut und falsches Reden. Ihr Leben wird nicht von den Werken des Fleisches beherrscht: Unzucht, Unreinheit, Habsucht, Götzendienst (Gal 5,19). Es ist gut, Sünde und das, was sie anrichtet, zu hassen (Ps 45,8).

V. 14 Die Weisheit ist die Quelle von vernünftigen Ratschlägen und gutem Urteilsvermögen. Sie gibt Verständnis, Einsicht und Charakterstärke. Das gilt auch für Christus.

V. 15 Nur durch die Weisheit regieren Könige gut und garantieren Gerechtigkeit für das Volk. Das gilt heute nur teilweise und wird vollständig erfüllt werden, wenn der Herr Jesus das Tausendjährige Reich regiert.

V. 16 Das gilt auch für Fürsten, Adelige und Richter. Als Diener Gottes haben sie die Befähigung, richtige Entscheidungen zu treffen. Wenn jemand etwas wirklich wissen will, wird es ihm gesagt werden (Joh 7,17).

V. 17 Zwischen der Weisheit und ihren Schülern besteht eine Liebesbeziehung. Wie wahr!

V. 18 Wenn die Schüler Weisheit erwerben, bekommen sie Reichtümer, die nicht vergehen, sowie Ehre und ein gerechtes Leben. Das ist ein unbezahlbares Erbe.

V. 19 Geld kann die Segnungen der Weisheit nicht aufwiegen. Die Gläubigen sind in Christus „gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt.“ (Eph 1,3)

V. 20 Die Weisheit begleitet diejenigen, die sie lieben, die das Richtige tun und gerechte Entscheidungen treffen. Unser Herr wird uns niemals verlassen oder im Stich lassen.

V. 21 Wieder sehen wir, wie wichtig es ist, die Weisheit zu lieben. Sie füllt das Leben ihrer Schüler mit Wohlstand und ihre Schatzkammern mit Reichtümern. Paulus sagte zu den Christen: „Alles ist euer.“ (1. Kor 3,21)

Die Weisheit als wirksame Kraft in der Schöpfung (Sprüche 8,22-31)

V. 22 Die nächsten zehn Verse beschreiben die Rolle der Weisheit in der Schöpfung. Weisheit kann wörtlich genommen werden; das bedeutet hier Gottes grandiose Klugheit in der Schöpfung. Sie kann auch ein Bild auf den Herrn Jesus sein als Gottes Mitarbeiter, als er das Universum gemacht hat. Wir verwenden die zweite Auslegung, obgleich die erste gleichermaßen wahr ist. (Siehe Anmerkungen in der Einleitung.)

Der Ausdruck, dass Gott seinen Sohn besaß, kann die Tatsache einschließen, dass der Herr Jesus als eigenständige Persönlichkeit beim Vater war.

Gott, der Vater, besaß den Herrn Jesus am Anfang seines Weges. Der Anfang könnte der Anfang ohne Anfang sein, der in Johannes 1,1 erwähnt wird: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.“ Aber im unmittelbaren Zusammenhang kann es den Anfang von Gottes Schöpfungshandeln bedeuten: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ (1. Mose 1,1)

V. 23 Die personifizierte Weisheit wurde in der Ewigkeit eingesetzt oder bestimmt, lange bevor die Welt existierte. Dieser Vers und der nächste lehren, dass der Herr Jesus als „die Weisheit“ älter als die Schöpfung ist und nicht ein Teil davon ist. Er wurde von Anfang an eingesetzt, bevor es eine Erde gab. Das Wort eingesetzt hat die Bedeutung von bestimmt. Vor 1. Mose 1 war der Herr Jesus Christus dazu bestimmt, Gottes Mitarbeiter in der Schöpfung zu sein.

V. 24 Bevor es den Atlantik und den Pazifik gab oder die großen Quellen der Tiefe, war der Herr Jesus allgegenwärtig. Hier haben wir Tag zwei der Schöpfung (1. Mose 1,6-8).[1]

V. 25 Noch bevor der Mount Everest oder der Ölberg entstanden, war Jesus schon zum wunderbaren Werk der Erschaffung der Welt bestimmt. „Land“ (Verse 25-26) weist auf den dritten Schöpfungstag hin (1. Mose 1,9-13).

V. 26 All das war, ehe er die Erde gemacht hatte, die Felder und den urzeitlichen Staub der Erde. Der Schreiber hebt Christi Ewigkeit deutlich hervor. Er existierte, bevor es irgendeine geschaffene Sache gab.

V. 27 Nun erfahren wir, dass er nicht nur schon da war, bevor irgendetwas existierte, sondern dass er auch zur Zeit der Schöpfung anwesend war. Als Gott die Atmosphäre und den Sternenhimmel entworfen hat, war der Sohn da. Er war da, als Gott einen Kreis zog über der Fläche der Tiefe und damit die Erde zu einer Kugel bzw. dem Erdball machte. Die Kugelform kann man gut beobachten, wenn man in der Ferne ein Schiff über den Horizont gleiten sieht. Hier findet man wieder, dass die Bibel eine naturwissenschaftliche Tatsache feststellt, lange bevor die Wissenschaft das entdeckt hat. Die Bibel hat niemals gelehrt, dass die Erde flach ist.

V. 28 Gott befestigte die Wolken und brachte die Quellen der Tiefe in Gang, um die Erde für die Menschen bewohnbar zu machen. Das war der zweite Schöpfungstag.

V. 29 Damals sagte er zu den Meeren: „Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter, und hier sei eine Schranke gesetzt dem Trotz deiner Wellen.“ (Hiob 38,11). Hier legte er die Fundamente der Erde. Das trockene Land erschien am dritten Tag.

V. 30 Der Herr Jesus stand Gott, dem Vater, wie ein erfahrener Handwerker zur Seite. Er war die treibende Kraft in der Schöpfung und eine beständige Freude für seinen Vater, als er sich an den Werken der Schöpfung erfreute. Wir stimmen in den Jubel ein, wenn wir etwas von den Wundern des menschlichen Körpers, von der Pflanzenwelt, vom Universum und allen Wunderwerken Gottes erfahren.

V. 31 Die Erde bereitete ihm große Freude, aber sein besonderes Wohlgefallen hatte Gott an den Menschenkindern. Sie waren die Krone der Schöpfung.

Wir halten hier inne, um uns daran zu erinnern, dass in Gottes Schöpfung seine Weisheit und seine Macht zum Ausdruck kommen. Auf Golgatha wird jedoch seine Liebe sichtbar.

William Cowper (1731-1800) hat etwas von der Herrlichkeit von Christi Rolle in der Schöpfung in seinem majestätischen Loblied erfasst, das auf unserem Absatz in den Sprüchen basiert. Dieses Lied ist auf der Rückseite des Heftes für euch abgedruckt.


[1]Manche Bibelversionen übersetzen hier „ich war geboren“, was die arianische Irrlehre unterstützt, dass Jesus ein geschaffenes Wesen ist. Aber egal, ob man die Weisheit hier als eine Eigenschaft Gottes sieht oder als in Christus personifiziert, sie wurde niemals erschaffen. Man sollte den Vers besser in Verbindung mit Vers 22 verstehen: „Der Herr bestimmte mich im Anfang seiner Wege.“ Mit anderen Worten, Gott bestimmte Jesus zum Schöpfer aller Dinge. Es war der Anfang einer Rolle, nicht der Anfang einer Person.