Die Gerechtigkeit des Gerichtes Gottes
Auszug aus dem Buch „Das Evangelium pur“ (siehe Buchvorstellung in G&M Ausgabe Nr 141 auf Seite 25.)
Wir studieren das „herrliche Evangelium des seligen Gottes“ (1.Tim 1,11) mit dem Ziel, Gottes Charakter tiefer zu verstehen. Dazu betrachten wir seine Liebe und Gerechtigkeit, seine Güte, seine Heiligkeit und Strenge. Wir betrachten den Charakter Gottes, so wie er in seinem herrlichen Evangelium offenbart wird. Das erfrischt unsere Herzen und unseren Geist und führt dazu, dass wir brennender und ergriffener über Gott staunen und unseren Lobpreis vertiefen. ER ist das größte Wunder. Gleichzeitig soll in uns dasselbe Mitgefühl wachsen, das Gott für diejenigen hat, die bis jetzt noch verloren sind. Mögen wir motivierter werden, ihnen das Evangelium zu bringen!
Unsere Motivation ist also, persönlich durch das Studium von Gottes Evangelium zu einem tieferen Verständnis seines Charakters zu kommen. Das soll uns davor bewahren, Ansichten zu vertreten oder Ideen zu predigen, die die Herrlichkeit Gottes vermindern und seinen Charakter falsch darstellen.
Wir sind alle Anfänger in der Schule Christi. Wir müssen noch so viel über unseren unendlichen Herrn und Retter lernen. Obwohl unsere Herzen ihn gerne ehren möchten, muss ihn unser falsches Verständnis doch manchmal bekümmern und entehren. Gott gebe uns zunächst die gebührende persönliche Demut, und dann auch Demut gegenüber denen, die uns nicht zustimmen. Es soll nicht dazu kommen, dass die wunderbaren Bestandteile von Gottes Evangelium in kontroverse Debatten münden, die zu beträchtlicher unchristlicher Erbitterung führen – bis hin zur Ablehnung von Mitchristen, wie es leider manchmal geschehen ist. Die Förderung von Unfrieden unter echten Gläubigen wäre ein trauriges Ergebnis unserer Studien.
Unser erstes Thema ist die Gerechtigkeit von Gottes Gerichten – nicht so sehr im Allgemeinen, sondern im Besonderen. Konkret geht es um die Gerechtigkeit von Gottes Gericht, so wie sie im Neuen Testament dargestellt wird. Grundlage der Betrachtung sind die wunderbaren Aussagen unseres Herrn Jesus selbst und die erhellende Beschreibung des letzten Gerichts.
Lassen Sie uns direkt im Buch der Offenbarung beginnen. Hier werden wir nach dem entscheidenden Kriterium suchen, aufgrund dessen Gott manche Menschen in die ewige Verdammnis und andere in die Herrlichkeit senden wird. Es geht um den entscheidenden Punkt bei Gottes Schlussfolgerungen und bei seinem Urteil.
„Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß, vor dessen Angesicht die Erde entfloh und der Himmel, und keine Stätte wurde für sie gefunden.
Und ich sah die Toten, die Großen und die Kleinen, vor dem Thron stehen, und Bücher wurden geöffnet; und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das Buch des Lebens ist. Und die Toten wurden gerichtet nach dem, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken.
Und das Meer gab die Toten, die in ihm waren, und der Tod und der Hades gaben die Toten, die in ihnen waren, und sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken.
Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee.
Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen.“ (Offb 20,11-15)
Zu dieser Passage möchte ich zwei – meiner Meinung nach – wichtige Beobachtungen machen. Beachten Sie in Vers 12 die sehr sorgfältige Unterscheidung zwischen den zwei Gruppen von Büchern, die hier erwähnt werden. Beachten Sie die Mehrzahl: „Bücher wurden geöffnet.“ Und dann wird von diesen Büchern ein weiteres unterschieden: „… und ein anderes Buch wurde geöffnet, welches das Buch des Lebens ist.“ Das „Buch des Lebens“ sollte daher nicht mit den anderen Büchern verwechselt werden. Warum diese Unterscheidung so wichtig ist, zeigt sich, wenn wir uns die Funktion dieser zwei Arten von Büchern ansehen. Zweimal wird uns im Verlauf gesagt (Verse 12-13), dass die Toten anhand der Dinge gerichtet wurden, die in den Büchern geschrieben standen, „nach ihren Werken“.
Aber in Vers 15 wird sehr deutlich, dass der Tatbestand, von dem es abhängt, ob eine konkrete Person in den Feuersee verbannt wird, nicht die Werke dieser Person sind. Das Kriterium wird klar genannt. Es ist völlig eindeutig, dass die Person in den Feuersee geworfen wurde, wenn ihr Name nicht im „Buch des Lebens“ geschrieben gefunden wurde. Wahrscheinlich kann man die Wichtigkeit dieser Unterscheidung gar nicht genug betonen.
Es heißt nicht: „… aber wenn jemand aufgrund der Bücher nach seinen Werken gerichtet wurde, dann wurde er in den Feuersee geworfen, sofern seine Werke unerträglich oder unverzeihlich böse waren.“
Ich kenne die Fachausdrücke für rechtliche Fragen und Abläufe in anderen Ländern nicht. In England unterscheiden wir zwischen dem Urteil, das von Geschworenen gefällt wird – „Ist eine Person schuldig oder nicht?“ – und der Strafe, die der Richter verkündet.
Nehmen wir an, ein Mann wird des Mordes an seiner Frau beschuldigt und die Indizien belasten ihn klar. Die Geschworenen werden ziemlich sicher das Urteil „schuldig“ fällen. In einem anderen Fall könnte es passieren, dass ebenfalls ein Mann beschuldigt wird, seine Frau ermordet zu haben. Die Hinweise sind eindeutig und die Geschworenen sprechen ihn ebenso schuldig. Aber selbst wenn in beiden Fällen der Richter dieselbe Person ist, würde dieser nicht zwingend über beide Männer die gleiche Strafe verhängen. Es könnte zum Beispiel sein, dass einer der Männer die Tat offensichtlich monatelang geplant und seine Frau schließlich kaltblütig ermordet hat. Der andere aber bringt vielleicht zu seiner Verteidigung vor: „Euer Ehren, wenn Sie meine Frau gekannt hätten und wenn Sie wüssten, wie sie mein Leben in ein absolutes Elend verwandelt hat! Als ich einmal völlig außer mir war, habe ich sie getötet, aber das wollte ich nicht. Seit damals bereue ich unablässig meine Tat.“ Der Richter könnte sich durch solche Einblicke dazu bewegen lassen, über den einen Mann eine lebenslange Strafe und über den anderen eine kürzere Gefängnisstrafe zu verhängen.
Das biblische Urteil aufgrund der Werke lautet, dass alle das Ziel verfehlen. Darüber gibt es keinen Zweifel. „Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde.“ (Römer 3,19)
Das Urteil kann nur „schuldig“ heißen. Diejenigen, die in den Feuersee geschickt werden, werden feststellen, dass ihre Strafen nicht genau gleich sind. Denn sie werden auf der Basis ihrer Werke bestraft. Und unser wunderbarer Herr, der der Richter sein wird, hat gesagt, dass es am Tag des Gerichts für einige erträglicher sein wird als für andere. Die selbstgerechte Frau, die zwar viele gute Werke getan hat, aber leider mit einer stolzen Einstellung, in der sie sich beständig geweigert hat, sich zu demütigen und anzuerkennen, dass sie eine Sünderin ist und erlöst werden muss – diese Frau wird am Ende in den Feuersee geschickt, weil sie sich geweigert hat, umzukehren und zu glauben. Allerdings wird sie nicht dieselbe Strafe erleiden wie Unmenschen wie Hitler. Denn Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit, sogar wenn er jemanden verurteilt.
Die Strafen der Menschen werden also verschieden sein, weil sie sich nach den Werken der Menschen richten. Kehren wir nun zu dem wichtigsten Punkt dieser Passage zurück. Ob jemand in den Feuersee geworfen wird, wird nicht von seinen Werken abhängen, sondern davon, ob sein Name im „Buch des Lebens“ geschrieben gefunden wird oder nicht. Das ist ein absolut grundlegendes Prinzip des Evangeliums.
Wenn wir Gläubigen vor dem Richterstuhl Christi stehen, wird er unsere Werke prüfen. Einige wird er als „gut“ beurteilen. Wenn er dieses Urteil fällt, werden die Werke bleiben. Andere Werke wird er als „kläglich“ bezeichnen müssen und einige als „wertlos“. Deshalb werden wir gewarnt, dass das Werk einiger Leute verbrennen könnte. Die Bibel beeilt sich allerdings hinzuzufügen, „er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch“ (1.Kor 3,15). Denn die Errettung hing noch nie von den Werken ab.
Die Bibel versichert uns, dass Gläubige den Lohn aufgrund ihrer Werke erhalten werden, beziehungsweise aufgrund dessen, was sie in ihrem Leib getan haben. Gott sei Dank werden sie nicht in den Feuersee geworfen. Ich wiederhole, dass es in Offenbarung 20,15 nicht heißt: „Wenn die Werke eines Menschen deutlich unter dem Standard waren, wurde er in den Feuersee geworfen.“ Hier haben Werke nichts mit dem Urteil zu tun. Das Urteil hängt nur davon ab, ob der Name im „Buch des Lebens“ geschrieben ist.
Wir sollten beachten, wie sorgfältig die Worte gewählt sind: „Wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde…“ Das Buch wird also durchsucht, obwohl Gott allwissend ist und alle Dinge kennt. Beachten Sie die Worte „wurde nicht gefunden“: Das bedeutet, dass nach dem Namen gesucht und dann festgestellt wurde, dass der Name nicht geschrieben stand. Es sieht ganz so aus, als ob der allmächtige Gott in seiner Liebe und im Mitgefühl seines Herzens sogar dann noch froh wäre, wenn ein bestimmter Name geschrieben worden wäre. Aber es stellt sich leider heraus, dass der Name nicht auffindbar ist.
Hier ist also das Kriterium für das Gericht: Wird der Name „geschrieben gefunden“? Da taucht natürlich eine Frage auf: Wenn die Entscheidung, ob eine Person in den Feuersee muss oder nicht, davon abhängt, ob der Name im „Buch des Lebens“ geschrieben ist – wie kommt dann der Name in das Buch? Diese praktischen und sehr wichtigen Fragen kommen in unserem Herzen auf, nicht wahr?
Behalten wir die Frage noch ein wenig in unseren Herzen und Köpfen und wenden wir uns einer anderen Aussage zu, in der das Kriterium des Endgerichtes erklärt wird: „Wer an ihn [an unseren Herrn Jesus] glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht an ihn glaubt, ist schon gerichtet.“ Warum? Der Grund wird uns hier dargelegt. Er lautet: „… denn er hat nicht geglaubt an den Namen des einzigen Sohnes Gottes.“ (Johannes 3,18). Hier scheint es, dass eine solche Person angeklagt wird, weil sie es versäumt, oder sich geweigert hat zu glauben. Unser natürliches Gerechtigkeitsgefühl würde uns nahelegen, dass jemand, der verurteilt wird, weil er nicht geglaubt hat, wohl die Möglichkeit dazu gehabt hat. Er hätte sich dazu entschließen können. Jemanden für eine unterlassene Entscheidung zu verurteilen, die er gar nicht treffen hätte können, erscheint auf den ersten Blick als ungerecht.
Halten wir fest: Ein Mensch wird verurteilt, weil er nicht geglaubt hat. Manche sagen, dass Gott am Tag des Gerichts Menschen einfach wegen ihrer Sündenin den Feuersee schicken wird. Wie wir gerade in Offenbarung 20,15 gesehen haben, ist das nicht wahr. Gott wird Menschen nicht deshalb in den Feuersee schicken, weil ihre Werke böse waren, sondern weil „ihre Namen nicht in dem Buch geschrieben“ sind. Hier in Johannes 3,18 heißt es, dass am Ende die Verurteilung nicht deshalb erfolgt, weil ihre Werke im Allgemeinen böse waren, sondern weil sie es ablehnten zu glauben. Sie glaubten nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes.
Ein anderer Grund wird uns im nächsten Vers (Johannes 3,19) gezeigt: „Dies aber ist das Gericht [also der letzte Grund für die Verdammnis – der Grund für den sie angeklagt werden], dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“
Sie werden also nicht nur dafür verurteilt, dass sie nicht geglaubt haben. Sie werden auf der Grundlage dessen verurteilt, was sie bevorzugt haben. Sie liebten die Finsternis mehr als das Licht.
Natürlich hatte diese Entscheidung ihre Hintergründe, wie uns der nächste Vers deutlich macht. „Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht.“ (Johannes 3,20). Also zieht jemand die Dunkelheit dem Licht vor, weil seine Taten böse sind. Deswegen trifft er diese Entscheidung, die jedoch die Grundlage für das abschließende Urteil ist. Er wird für seine persönliche Entscheidung verurteilt.
Beachten wir, wie fair und gerecht die Verurteilung ist. Das Gericht beruht darauf, dass das Licht in die Welt gekommen ist. Wäre das Licht nicht gekommen, könnte die Person nicht beschuldigt werden, dass sie die Finsternis dem Licht vorgezogen hat. Jemand, der sein ganzes Leben in einer dunklen Gefängniszelle verbracht hat, dort geboren wurde, dort lebt und bald dort sterben wird und nie das Licht gesehen hat – so jemand kann gerechterweise nicht dafür angeklagt werden, dass er die Finsternis dem Licht vorgezogen hat, denn er hat das Licht nie gesehen. Das Gericht findet statt, weil das Licht gekommen ist und weil die Menschen es gesehen haben – aber sie wählten lieber die Finsternis als das Licht. Unser geliebter Herr, der selbst Richter sein wird, informiert uns hier, was die Gründe für das Urteil sein werden: Die Weigerung eines Menschen zu glauben und die eigene und persönliche Entscheidung eines Menschen, die Finsternis dem Licht vorzuziehen. Das Gericht ist also gerecht.