Vorwort 140: „Großzügig“
„Fremden Leuten schenken wir nichts!“ Das hat mein Opa immer gesagt. Auch, wenn uns Oma die Schnitzel, die Sonntagmittag übriggeblieben waren, mitgeben wollte. Lange bevor „Geiz geil“ wurde, hat mein Opa dieses Motto schon gelebt.
Viele Leute haben ein ähnliches Bild von Gott: „Der nimmt dir jeden Spaß.“ oder „Da geht es nur um Verbote.“ Wie traurig ist dieses Zerrbild von Gott. Denn die Großzügigkeit Gottes, als eine seiner wunderbaren Eigenschaften, zieht sich durch die ganze Heilige Schrift. Und wir selbst sind – ob uns das bewusst ist oder nicht – Nutznießer seiner Großzügigkeit.
- „Wie viele sind deiner Werke, HERR! Du hast sie alle mit Weisheit gemacht; die Erde ist voll deiner Reichtümer.“ (Ps.104,24)
In der Schöpfung sehen wir, wie verschwenderisch Gott in seiner Großzügigkeit ist. Sein Sinn für Ästhetik, für jedes noch so kleine Detail und die unerforschliche Vielfalt sind schlichtweg überwältigend. - „[Gott] lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt.5,45b)
Gottes Großzügigkeit ist nicht auf eine bestimmte Gruppe beschränkt. Er gibt jedem. Gott möchte den Menschen durch diese seine Großzügigkeit zeigen, wie sehr er Menschen liebt und wie er um sie wirbt. - „Denn ich habe die dürstende Seele reichlich getränkt und jede schmachtende Seele gesättigt.“ (Jer.31,25)
Wie sich Gott hier in Bezug auf sein Volk Israel vorstellt, haben auch wir ihn erlebt. Der Herr Jesus ist zu unserem Lebenswasser geworden (Joh.4,14) und bei Ihm durfte unsere Seele zur Ruhe kommen (Mt.11,28-30). Gottes Großzügigkeit wird in der Beziehung zu Ihm ganz persönlich erfahrbar. - „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es in Überfluss haben.“ (Joh.10,10b)
Das Leben, das Jesus anbietet ist kein Leben an der kurzen Leine, bei schmaler Kost und schlechter Laune. Jesus ist gekommen, um uns ein reiches, überfließendes Leben zu geben. Alle Reichtümer Gottes sind uns im Herrn Jesus geschenkt. Wir müssen sie eigentlich nur in Anspruch nehmen.
Es ist eigentlich gewaltig, in wie vielen Bereichen wir Gottes Großzügigkeit erkennen können. Die kurze Liste oben ließe sich ja noch einige Zeit fortsetzen. Was aber all diese Aspekten der Großzügigkeit Gottes in den Schatten stellt, lesen wird in Röm.8,32:
„Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“
Gottes Liebe zu uns Menschen ging so weit, dass er seinen geliebten Sohn für uns hingab. Da stellt sich natürlich die Frage, ob es überhaupt noch etwas gibt, was uns dann nicht geschenkt werden könnte. Also wenn wir das nächste Mal versucht sind zu denken, dass Gott uns etwas vorenthält oder wir irgendwie zu kurz gekommen wären, müssen wir uns unbedingt diesen Vers in Erinnerung rufen. Dann wird alles wieder ins rechte Verhältnis gerückt und wir können Gott für seine Großzügigkeit danken und preisen.
Wie können wir auf die Großzügigkeit Gottes angemessen reagieren? Ich möchte dir einige wenige Vorschläge machen und du kannst sie dann ja „weiterdenken“ und überlegen wie du sie konkret in deinem Leben anwendest:
- Vertrauen
Jesus fordert uns auf, dass wir ihm als Reaktion auf die offensichtliche Großzügigkeit Gottes vertrauen. Das äußert sich unter anderem darin, dass wir uns nicht von Sorgen zermürben lassen sollen (Lk.12,24-28) und dass wir uns ruhig trauen, die Sache Gottes an die erste Stelle in unserem Leben zu stellen (Mt.6,33). - Dankbarkeit
Angesichts der Großzügigkeit Gottes dürfte es eigentlich keine undankbaren Christen geben. Warum treffen wir sie dann trotzdem (z.B. wenn wir in den Spiegel schauen)? Wahrscheinlich, weil wir uns zu sehr um uns drehen und dadurch zu wenig von Gottes Großzügigkeit sehen können. Der Hebräerbriefschreiber erinnert uns ein ganzes Kapitel lang eindringlich daran, dass wir das Ziel nicht aus den Augen verlieren sollen. Wenn uns klar wird, für was und vor allem für wen wir leben, sind Dankbarkeit und ein Gott wohlgefälliges Leben natürliche Reaktionen: „Deshalb, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns Gnade haben, durch die wir Gott wohlgefällig dienen mögen mit Frömmigkeit und Furcht.“ (Hebr.12,28). - Anbetung
Wir sind aufgefordert, Gott für seine überschwängliche Großzügigkeit anzubeten. Das macht beispielsweise David in Psalm 8. Angesichts der Größe des Universums wird ihm ganz schwindlig, dass Gott sich um den Menschen kümmert und ihm sogar Verantwortung überträgt. David wird Gottes Großzügigkeit bewusst und er übersetzt es gleich direkt in Anbetung. Das können wir doch auch tun! - Großzügigkeit
Eine sehr unmittelbare, lebenspraktische Reaktion auf Großzügigkeit ist Großzügigkeit. Wenn Gott uns so reich und in vielerlei Weise beschenkt, dann haben wir ja eigentlich eine Menge zum Weitergeben: Freundlichkeit (Apg.28,7), Milde (Phil.4,5), Anteilnahme und Gastfreundschaft (Röm.12,13), Witwen und Waisen besuchen (Jak.1,27), vergebungsbereit zu sein (Mt.18,21-22) oder von unseren materiellen Gütern geben (Apg.4,32). Das Erstaunliche ist, dass wir Gottes Versprechen haben, dass wir selbst nicht Mangel leiden werden, wenn wir großzügig sind: „Die segnende Seele wird reichlich gesättigt, und der Tränkende wird auch selbst getränkt.“ (Spr.11,25).
Ich denke mir, wir haben durch geübte Großzügigkeit die Gelegenheit, unseren Kindern und Menschen, die Gott nicht kennen, eine Ahnung von Gottes Großzügigkeit zu vermitteln. Wir können damit – anders als mein eingangs zitierter Opa – ein ansprechendes Zeugnis sein und Menschen für ein Leben mit unserem unendlich großzügigen Gott begeistern.
Also, nur Mut, probieren wir es selbst aus. Halten wir uns Gottes Großzügigkeit vor Augen und reagieren wir entsprechend. Ich bin gespannt wie es sich auf deinen Alltag auswirkt!