Die Kunst des Zuhörens
Wenn dieser Autor behauptet, Zuhören sei eine Kunst, will er damit sagen, dass es zu einer Sache von Anmut und Schönheit werden kann. Wenn Sie den Aspekt des Zuhörens in der Kommunikation noch nie auf diese Art und Weise betrachtet haben, dann wird Ihnen dieser Artikel eine neue Perspektive eröffnen.
Würden Sie gerne Ihre Fähigkeiten des Zuhörens verbessern? Ich möchte Ihnen ein paar Tipps geben, wie Sie diese verfeinern können.
1. Hören Sie aktiv zu. Seien Sie körperlich und geistig anwesend, wenn Sie zuhören: Niemand möchte einen »toten« Menschen als Gegenüber haben. Beachten Sie die Sprache des anderen. Achten Sie darauf, wie er redet. Wenn er Fragen stellt oder in verkürzter Form Feedback gibt, tun Sie es ebenso. Wenn er ausführlich und anschaulich erzählt, tun Sie es ebenso.
Aktives Zuhören besteht aus drei Dingen: paraphrasieren, klarstellen und Feedback geben. Paraphrasieren heißt, mit eigenen Worten darzulegen, was Sie glauben, dass der andere gesagt hat. Das hilft Ihnen zu verstehen, was er meint. Es erlaubt ihm auch, Sie zu korrigieren, falls Sie etwas falsch verstanden haben. Das Klarstellen geht mit dem Paraphrasieren oft einher: Sie stellen so lange Fragen, bis Sie vollständig verstanden haben, was der andere meint. Feedback zu geben heißt, Ihre eigenen Gedanken und Gefühle auf nicht-verurteilende Art mitzuteilen.
2. Zeigen Sie Einfühlungsvermögen. Das bedeutet, die Situation aus der Perspektive des anderen anzugehen und zu betrachten. Es kann sein, dass Sie das von Ihrem Gegenüber Gesagte nicht gutheißen oder nicht damit einverstanden sind. Sie werden jedoch beim Zuhören merken, dass Sie wahrscheinlich auf dieselbe Art empfinden würden, wenn Sie das, was der andere erlebt, erleben oder dort, wo der andere steht, stehen würden. In Römer 12,15 wird uns aufgetragen, mit denen zu weinen, die weinen und uns mit denen zu freuen, die sich freuen: das ist Einfühlungsvermögen.
3. Seien Sie offen. Selektives, defensives oder »gefiltertes« Zuhören ist nicht einem freien Zuhören gleichzusetzen. Offen zuhören heißt, den Standpunkt des anderen verstehen zu lernen. Wie man das macht? Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Anthropologe und Ihr Gesprächspartner käme von einem anderen Planeten. Seine Sitten, Überzeugungen und Denkweisen unterschieden sich von den Ihren und Sie versuchten, Sie zu verstehen.
4. Hören Sie bewusst zu. Hören Sie bewusst zu, was der andere sagt und wie es sich mit den Tatsachen vergleichen lässt. Prüfen Sie, ob die Mitteilung des anderen logisch ist. Haben Sie aktiv, mit Einfühlungsvermögen und Offenheit zugehört und verstehen den Standpunkt des anderen noch immer nicht, dürfen Sie ihn nicht angreifen. Sie reagieren am besten mit einer Frage, damit Sie weitere Informationen erhalten, um das Gesagte einzuschätzen. »Könntest du mir mehr davon erzählen?« oder »Könntest du mir ein ganz bestimmtes Beispiel nennen?«
Sie können auch entgegnen: »Danke, dass du mir deinen Standpunkt mitgeteilt hast. Ich werde darüber nachdenken«. Oder »Das ist interessant. Ich hatte das bisher nicht in diesem Licht betrachtet«. Oder »Da ist etwas Wahres dran. Erzähl‘ mir mehr«. Die Kunst des Zuhörens ist eine Fertigkeit, die auch Sie mit etwas Übung erlernen können!
Mit freundlicher Genehmigung aus: Bruce Wilkinson, „Wie mach ich’s richtig“, S. 288-289, Copyright Christliche Verlagsgesellschaft, 35683 Dillenburg.