Gemeinde & Mission

Die Strategie für Missionsstationen überdenken

von Fleming Kenneth C.


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Der Anfang der Idee für Missionsstationen führt uns zurück in die Geschichte. Die moderne Missionsbewegung begann 1793 mit William Carrey und blühte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts – größtenteils in Asien und auf den pazifischen Inseln. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Afrika zum größeren Ziel und dort wurde die Missionsstation auch zu einem Werkzeug der Mission entwickelt.
Der Ausdruck Missionsstation ist in den Köpfen vieler Gotteskinder gleichbedeutend mit dem Missionsbefehl. Viele davon wurden von Pioniermissionaren in Zentralafrika erbaut. Dazu gehören auch die ersten Brüdermissionare wie F.S. Arnot und Dan Crawford. Arnot träumte von einer Kette von Missionsstationen, die von Südafrika bis Zentralafrika reichen sollte. Wenn wir die Missionsstation und ihren Platz heute und morgen verstehen wollen, müssen wir ihren Zweck und ihre Entwicklung in der Vergangenheit verstehen. Warum wurden Stationen eingerichtet und wie passten sie zu den Zielen der frühen Mission?

Das Ziel der Missionsstation

Das Ziel der Missionare war, die Menschen zu evangelisieren, sie zur Jüngerschaft anzuleiten und gemäß biblischem Prinzip eine selbständige örtliche Gemeinde aufzubauen. Oft versuchten sie eine offene Tür zu bekommen durch Angebote wie Schulen, Medizin und Landwirtschaft. Sie lernten die örtliche Sprache, fingen an, sie zu schreiben und übersetzten die Bibel, sodass diejenigen, die offen fürs Evangelium waren, in ihrem christlichen Leben wachsen konnten. Sie versammelten die Leute in örtlichen Gemeinden und schulten Leiter, die die Arbeit fortführen sollten. Sie dachten nicht im Traum daran, dass nach 100 Jahren immer noch Missionare da sein würden.

Das tropische Klima in Afrika war damals für die Gesundheit der Arbeiter gefährlich, und die Missionsstation machte es möglich, überhaupt zu existieren. Ungehemmte Malaria, Ruhr und eine Menge anderer Krankheiten und Gefahren machten das Leben risikoreich. Die moderne Medizin kam erst später. Viele der damaligen Missionare konnten keinen Heimaturlaub machen. Die Missionsstation gab ihnen jedoch eine Chance. Die Station bestand aus einer Anzahl einfacher Gebäude in der Nähe von irgendeiner Transportader – ein Weg, eine Straße oder ein Fluss. In den Gebäuden waren die Missionare, die Klinik, die Schule und die Gemeinde untergebracht. Die Klinik und die Schule waren Möglichkeiten, die Liebe Christi zu zeigen, die den Weg fürs Evangelium öffneten. Die Station war der Mittelpunkt für diese Aktivitäten. Dort gab es gesünderes Wasser, mehr Kontrolle über Moskitos und etwas mehr Sicherheit als in afrikanischen Dörfern.

Die Station wurde durch einheimische Mitarbeiter in Gang gehalten, die dafür eingestellt wurden. Sie halfen beim Bauen, in der Lagerhaltung, beim Putzen, Pflanzen, Roden und bei der Bewachung. Die Missionare bezahlten sie mit Geld oder Gütern. Das Resultat war ein Zentrum für den Dienst der Missionare und ein Platz, wo sie relativ sicher leben konnten. Durch das Bestehen des Zentrums hatten die Missionare viel Zeit und Energie für den Dienst. All dies im „gefährlichen“ Afrika zu tun, war eine riesige Aufgabe. Hunderte von Missionsstationen wurden in Zentral- und Südafrika eingerichtet. Hunderte Menschen wurden errettet, und die Gemeinde schlug Wurzeln. Afrika wurde durch die Macht des Evangeliums verändert.

Frischer Wind der Veränderung

Das Afrika des späten 20. Jahrhunderts ist nicht mit dem zu vergleichen, das David Livingstone erforschte. Die Veränderungen sind unvorstellbar. In der Kolonialphase entstanden vermehrt Straßen- und Schienennetze. Der Verkauf von Mineralien und Holzprodukten durch die Regierungen brachte Geld ein für die Entwicklung der Bildung und der medizinischen Versorgung. Städte schossen empor, die zu Zentren wurden, in die die Bevölkerung in zunehmenden Scharen einwanderte.

Die Welle der Unabhängigkeit erreichte Afrika um 1950 und ein Land nach dem anderen fiel von den Kolonialherren ab. Sie waren noch kaum für die Unabhängigkeit und eine demokratische Regierung vorbereitet und hatten schon für Stabilität der Regierung zu kämpfen, gar nicht zu sprechen von einer Rolle in der Weltpolitik. Sie bekamen oder kauften westliche Waffen, was die Stammeskonflikte verschärfte – die Plage in Afrika über Jahrhunderte. Dadurch verlor Afrika an Stabilität und westliche Investoren wurden vorsichtig mit der Anlage von Kapital, und die Wirtschaft wurde noch schlechter. Ein großer Teil des Kontinents schwankt jetzt am Rande des Desasters, da eine Welle menschlicher Tragödie um die andere auf seine Küste prallt. Im Moment, da ich das schreibe, haben wir die Flüchtlingskrise der Rwandan in Goma, Zaire, aber viele andere folgen und es werden noch mehr Tragödien passieren.

Die Schwachpunkte der bestehenden Strategie der Missionsstation

Eine Missionsstation ist eine Einrichtung, aufgebaut um eine bestimmte Sache zu fördern. Hilfswerke wie Kliniken, Krankenhäuser, Schulen, Waisenhäuser usw. wurden eingerichtet, und eine Gemeinde gehörte auch dazu. Alle diese Hilfsdienste müssen von einem Leiter koordiniert werden, gewöhnlich ist das der Missionar. Die Geldmittel für diese Dienste kommen von Übersee, durch die Missionare und deren Mitarbeiter. Die Gebäude und der Grund müssen gepflegt, Arbeiter bezahlt und die Wasserversorgung kontrolliert werden. Elektrische Generatoren müssen bedient und gespeist werden. Die Fahrzeuge müssen gepflegt werden, oft sind es ein oder zwei Laster, die die Lieferungen von einer entfernten Stadt über schreckliche Straßen holen müssen. Die Koordination all dieser Dinge ist eine große Aufgabe. Man braucht mehr Zeit, Energie und Geld dafür, als die meisten von uns sich vorstellen können. Eine Missionsstation in Gang zu halten, kann zu Kompromissen und geistlicher Schwachheit führen. Wir wollen einige Punkte betrachten.

1. Die Einrichtung ist mit der Gemeinde verflochten. Die Missionare haben einen wichtigen Platz in der Missionsstation und in der Gemeinde. Durch Missionare wurde die örtliche Gemeinde gebaut und offensichtlich haben sie ein lebendiges Interesse an ihrer geistlichen Entwicklung. Die Arbeiter der Station sind fast immer Mitglieder der Gemeinde und zugleich Beschäftigte des Missionars. Sie werden gelehrt, dass die Gemeinde von Ältesten geleitet wird und der Missionar kann einer von ihnen sein. Aber die Missionsstation ist eine Institution, die anders läuft. Der Missionar hat verschiedene Rollen in der Leitung, einmal als Kopf der Station und dann als Ältester in der Gemeinde. Ein anderer Punkt der Verflechtung tritt auf, weil die Mission und die Gemeinde die gleichen Annehmlichkeiten haben – die Gebäude, den Grund, die Ausrüstung usw. Auf diese Weise wird die Station in Bezug auf Leiterschaft und äußere Annehmlichkeiten zu einem Teil der Gemeinde. Die Selbständigkeit der Gemeinde kann unter diesen Umständen schwer aufrecht erhalten werden.

2. Die Station kann nicht selbständig werden, sie wird vom Ausland abhängig bleiben. Die Kosten der ganzen Unternehmungen betragen jetzt und in der Zukunft mehr als das örtliche Einkommen aufbringen kann. Vielleicht ist der Fortbestand niemals möglich ohne die Hilfe, die durch die Missionare zufließt. Die finanziellen Mittel von Afrikanern in ländlichen Gebieten sind sehr beschränkt. Ihr eigener Lebensstil ist einfach und ermöglicht ihnen nur die allernotwendigsten Dinge zum Leben. Arbeit für Lohn gibt es fast nicht, außer in der Missionsstation. Das bedeutet, es ist nicht genug Geld da für die Gebäude, die Maschinen, für Entlohnung und für die Fahrzeuge, die nötig sind, um alles in Gang zu halten. Wenn wir das bedenken, werden wir zugeben müssen, dass wir eine ausländische Institution errichtet haben, die ausländisch bleiben wird, solange sie besteht.

3. Sie fördert die Mentalität von Reischristen. Wenn die Missionsstation der einzige Platz ist, wo man für Arbeit bezahlt wird, wird es sehr attraktiv, dort einen Arbeitsplatz zu bekommen. Die Afrikaner kriegen schnell heraus, dass sie eher so eine Arbeit bekommen, wenn sie von ihrer Rettung Zeugnis geben und Dienste in der Gemeinde übernehmen. Daraus ergibt sich, dass diese Beteuerung eher durch den Wunsch, eine Arbeit zu bekommen motiviert ist, als durch den Wunsch von Sünden errettet zu werden. Am Anfang der Chinamission wurden ähnliche Arbeiter mit Reis bezahlt. Leute mit der obigen Motivation wurden Reischristen genannt, wenn es fraglich war, ob sie wirklich gläubig waren. Manche unserer Gemeinde- und Missionsstationen beschäftigen bis zu 100 Tagelöhner. Die Wahrscheinlichkeit der Reischristen ist sehr hoch.

4. Sie tendiert zu einer Leiterschaft, bei der die Missionare dominieren. Es kann kaum anders sein, als dass die Leute, die die Zeche bezahlen, tonangebend sind. Die meisten Missionare haben einen hohen Einfluss in der Station. Sie haben den Wunsch, dass das zur Verfügung stehende Geld weise angewendet wird, und so entscheiden sie über die Ausgaben zur Erleichterung für die Mission, den Transport der Leute zu Konferenzen usw. Leider prägt das den Zustand in der Gemeinde. Ohne es zu beabsichtigen wird der Missionar beherrschend in Gemeindeangelegenheiten.

5. Die „Tyrannei des Dringlichen“ schmälert die „Bedeutung des Geistlichen.“ Die eingerichtete Missionsstation macht Leute abhängig von ihr: Patienten, die medizinisch betreut werden müssen, Waisen, die gespeist werden müssen, Krankenschwestern für die Pflege und Arbeiter für die Leitung. Die Fahrzeuge, Pumpen und Generatoren müssen alle laufen. Die Schlösser müssen schließen, das Wachpersonal muss an Ort und Stelle sein. Wenn irgend etwas nicht funktioniert, muss es sofort repariert werden, weil so viele davon betroffen sind. Wenn ein Fehler gefunden werden muss, muss etwas anderes geopfert werden, wie die Bibelstunde, die Jüngerschaftsbeziehung oder die Evangelisation im Dorf. Als Ergebnis macht das wirklich Wichtige dem Dringenden Platz; das Geistliche räumt das Feld für das Notwendige.

6. Die laufenden Kosten der materiellen Dinge sind sehr hoch. Eine Missionsstation zu errichten und zu erhalten ist teuer. Viele Geber wären überrascht von den tatsächlichen Kosten, wenn sie sie kennen würden. Der Betrag ist enorm, den Lieferungen verschlingen (oft per Luft von Amerika aus) oder Löhne für Arbeiter, die Bäume fällen und sie zerkleinern, Errichtung und Ausbesserung von Zäunen und das Besorgen von Ausrüstung, wenn man Hunderte von Meilen von einer großen Stadt entfernt ist. Manche Stationen bestehen aus über 50 Gebäuden. Überdenke die Kosten, selbst wenn die Gebäude einfach sind. Wir wollen für Seelen keinen Preis ansetzen, aber wir können eine Perspektive bekommen, wenn wir die Kosten unserer modernen Methoden mit denen von Paulus vergleichen.

7. Der Gegensatz vom Leben der Missionare zu dem der Einheimischen fällt auf. Eine unglückliche Sache beim Leben in der Missionsstation ist der zunehmende Unterschied zwischen dem Lebensstil der örtlichen Bevölkerung und dem der Missionare. Früher lebten die Missionare sehr einfach mit wenig Abwechslung in der Ernährung, mit geringer Möbelausstattung in einem einfachen Haus. Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt kommen die Möbel, Mikrowellen und andere moderne Geräte in Containern an. Computer und Videokameras gehören fast zur Grundausstattung. Wenn ein Missionar ein neues Stück bekommt, nehmen die anderen Missionare so ein Stück als neuen Standard für ihren Lebensstil an. Es scheint sich dauernd heraufzuschrauben. Die Kluft zwischen ihnen und den Einheimischen wird immer größer. Jetzt bauen einige unserer Missionsstationen Metallzäune, um ihre Ausrüstung vor Dieben zu schützen.

Vergleiche das alles mit der Entwicklung der Mission in der Apostelgeschichte. Die ausgeführte Arbeit war enorm, wobei es keine elektronischen oder motorisierten Hilfsmittel für Verständigung oder Reisen gab. Keine Gebäude, Ausrüstung oder Lagerhäuser. Zugegeben, der afrikanische Busch ist anders als die Städte am ägäischen Meer im ersten Jahrhundert, aber das Prinzip kann unsere Überlegungen leiten.

Eine mögliche Strategie für Missionsstationen

Ich glaube, man sollte sich ernsthaft Gedanken machen über die Möglichkeit, die Struktur der heutigen Missionsstationen, die es in Afrika oder ähnlichen Feldern gibt, zu vereinfachen. Wir könnten eine geplante Reduzierung vieler fremder Elemente innerhalb von etwa 10 Jahren in Erwägung ziehen. Während dieser Zeit könnte die Ausrüstung reduziert werden auf eine Stufe, die vollständig von den Einheimischen aufrecht erhalten werden kann. Die sozialen Dienste würden offensichtlich auf ein Level des biblischen Auftrags bezüglich Evangelisation, Jüngerschaft und Gemeindebau reduziert werden. Mit sorgfältiger Planung und Ausführung könnten die Missionare eine gesunde, vollständig selbständige Gemeinde zurücklassen, die nur von afrikanischen Ältesten geleitet wird und von afrikanischem Einkommen unterstützt wird. Das Beispiel der Schrift zeigt auf, dass jede örtliche Gemeinde innerhalb der eigenen Kultur funktionieren kann. Sie kann „blühen, wo sie gepflanzt wurde.“

Brauchen wir immer noch Missionare in Afrika? Ja, auf jeden Fall. Was würden sie tun, wo würden sie leben? Ihre Aufgabe wäre es, die Ausführung des Missionsbefehls zu betonen. Sie würden in den kleinen Provinzstädten wohnen, die entlang der Hauptstraßen liegen. Diese Kleinstädte sind schon Zentren für Wirtschaft und Regierung in den Gebieten, die von dort aus verwaltet werden. Das macht sie zu idealen Zentren, von wo aus die Missionare predigen, lehren und evangelisieren können. Sie brauchen nicht mehr materielle Dinge als einen Platz zum Wohnen und einige Transportmöglichkeiten. Sie können tatsächlich ihre ganze Zeit für geistliche Arbeit verwenden. Im 19. Jahrhundert gab es keine solchen Städte, deshalb waren Missionsstationen notwendig. Jetzt existieren diese Städte und wir müssen ernsthaft darüber nachdenken, sie so zu nutzen, wie Paulus das mit Ephesus und Korinth tat. Manche Arbeiter aus Versammlungen tun das bereits in zambischen Städten wie Kabompo und Zambesi. Ich hätte gerne, dass sich dieses Prinzip verbreitet. Kürzlich unterhielt ich mich mit einem christlichen Arbeiter, der in Angola aufgewachsen war. Er berichtete, dass in Angola während des letzten Bürgerkriegs die meisten Missionsstationen der Brüderversammlungen zerstört wurden, und dass dies aber eine positive Seite hatte. Die Missionare mussten die Stationen verlassen, die zerstört wurden. Aber er sagte, dass die Gemeinde tatsächlich mehr wuchs.

Ich verstehe, dass diese Gedanken manchen zu radikal erscheinen. Manche werden fragen, wie wir mehr Krankenschwestern für das medizinische Desaster in Afrika ausbilden können. Andere werden sich Gedanken machen, was mit den Waisen und Flüchtlingen geschehen wird. Amerikanische Christen sind sehr gerne großzügig im Hinblick auf soziale Bedürfnisse der Dritten Welt und ohne Zweifel werden sie so weitermachen. Mein Einspruch in diesem Artikel hat zu tun mit den Behinderungen, die eine Missionsstation als Institution in der Entwicklung der Gemeinde darstellt. Wir sollten die Prioritäten des biblischen Auftrags betreff Mission beachten und uns zuerst auf diese konzentrieren. Es besteht eine große Gefahr, dass die sozialen Dienstleistungen der Missionsstation als Institution die Prioritäten unseres Auftrags verdrängen. Was für gewöhnlich Hilfe zur Mission sein sollte, ist zum „Mühlstein“ der Mission geworden (Mk. 9,42).

Ken und Helena Fleming dienten dem Herrn viele Jahre lang in Südafrika. Sie kehrten vor einiger Zeit in die Vereinigten Staaten zurück und Ken lehrte danach an der Emmaus Bibelschule in Dubuque, Iowa.


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