Gemeinde & Mission
Vorwort

Die Gebote begeistern mich

von Lindner Andreas


Den Artikel als PDF herunterladen

… weil sie den Herrn offenbaren. Er hat sich selbst an seine Gebote gehalten. Zum Beispiel dieses: „Wer als Ausplauderer umhergeht, deckt das Geheimnis auf; wer aber treuen Geistes ist, deckt die Sache zu.“ (Spr. 11,13). Ein Ausplauderer verbreitet nicht unbedingt Lügen. Er verbreitet die Wahrheit. Aber wir sollen die Wahrheit in Liebe reden (Eph. 4,15). Stell dir vor, ich kenne deine Fehler, und ich posaune sie überall herum. Würde dir das gefallen? Nein? Es ist die Wahrheit! Aber du hast recht: Es ist nicht Liebe, wenn ich Fehler oder Schwächen verbreite. „Wer Liebe sucht, deckt die Übertretung zu“ (Spr. 17,9).

Sollen wir mal den Herrn beobachten, wie er das macht? Wie sieht das aus auf einer Hochzeit? Das ganze Dorf ist eingeladen, auch der Herr und seine Jünger sind da (Joh. 2). Der Wein geht aus. Bis jetzt hat es noch keiner von den Gästen gemerkt. Nur das Personal und Maria. Sie sagt es dem Herrn Jesus. Sie weiß: Wenn jemand helfen kann, dann er. Und er wird helfen. Bitte beachtet, wie er das tut, und wie nicht.

Der Herr könnte die Gelegenheit nutzen und allen deutlich machen, wer er ist und was er tun kann. Er könnte warten, bis alle die Not erkannt haben und total durstig sind. Dann vielleicht eine Ansprache wie die: „Der Wein ist ausgegangen. Ich bin der Messias, ich werde jetzt Wasser zu Wein machen. Ich bringe die echte Freude …“ Aber genau das hat der Herr nicht getan! Stellt euch mal vor, welche Wirkung das gehabt hätte. Das Brautpaar wäre ausgelacht worden. Eine totale Bloßstellung! Der Schwiegervater wäre vor Scham versunken. Der Bräutigam wäre blaß geworden, und die Braut hätte geweint: „So eine Blamage, und das auf unserer Hochzeit.“ Die Ehepartner hätten sich gegenseitig Vorwürfe gemacht, und die Familien hätten sich wohl zerstritten. In einem Land, wo Gastfreundschaft so viel zählt, wären sie noch nach 50 Jahren ausgelacht worden mit Worten wie: „Ja, eure Hochzeit, die vergess ich nie. Der Wein ist ausgegangen, hahaha!“ Diese Schande!

„Wer als Ausplauderer umhergeht, deckt das Geheimnis auf; wer aber treuen Geistes ist, deckt die Sache zu.“ (Spr. 11,13). Der Herr ist treu und deckt die Sache zu. Noch bevor die Hochzeitsgäste merken, dass der Wein ausgegangen ist, sorgt der Herr für sehr guten Wein. Ist das nicht wunderbar? Wahrscheinlich hat nicht mal das Brautpaar was gemerkt. Das hätte nämlich ihre Hochzeit ziemlich überschattet. Der Herr offenbart seine Herrlichkeit auf dieser Hochzeit. Nicht nur seine Macht – er hat Macht, Wasser zu Wein zu machen. Das ist eh klar, das macht er ja jedes Jahr durch Weinstock und Hefe. Hier macht er es nur etwas schneller. Der Herr zeigt seine Herrlichkeit, er zeigt, wie sehr er das Brautpaar liebt: Liebe deckt Schande zu. Er ist treu. Und wer treuen Geistes ist, deckt die Sache zu. Ihr wisst alle, dass auf der Hochzeit zu Kana der Wein ausging. Wisst ihr, wer geheiratet hat? Warum nicht? Der Herr hat diese Blamage zugedeckt! Er hat es den Gastgebern erspart, bloßgestellt zu werden.

Was fang ich nun damit an? Zuerst: Ich bin begeistert von der Treue und Liebe des Herrn Jesus. In der selben Weise geht er auch mit uns um. Wunderbar. „Wie ein Strom von oben, stille tiefe Ruh, alle meine Sünden, alles deckst Du zu.“ Natürlich motiviert mich das, so zu leben, dass es dem Herrn gefällt. Dazu brauche ich deine Hilfe. Also, wenn ich zu dir komme und was Schlechtes über meine Freunde erzähle, so höre bitte weg oder erinnere mich an Spr. 11,13: „Wer als Ausplauderer umhergeht, deckt das Geheimnis auf; wer aber treuen Geistes ist, deckt die Sache zu.“ Die meisten Dinge, die uns bei anderen auffallen, können wir vergessen, Liebe deckt Übertretung zu. Man kann einfach darüber schweigen. Nur wenige Dinge müssen besprochen werden, aber nicht mit anderen, sondern mit der Person selbst. „Wenn dein Bruder sündigt, so gehe hin und überführe ihn zwischen dir und ihm allein“ (Mt. 18,15). Nur in wenigen Fällen wird es nötig sein, auch andere einzubeziehen (z.B. 1. Kor. 5,11). Du könntest mir also auch die Frage stellen: „Hast du schon mit der Person darüber geredet?“ Auf diese Weise können wir einander helfen und uns gegenseitig beistehen. Aber auch der Herr hilft uns, seine Gebote auszuleben. Er lebt in uns und will sich durch uns offenbaren. Und wenn wir einmal fallen, so hilft er uns auf und ist treu.

„Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn“ (Joh. 2,11).


Den Artikel als PDF herunterladen