Die vier Grundprinzipien wahrer Großzügigkeit
(Auszug aus dem Buch „Giving Wisely?“, mit freundlicher Genehmigung des Autors)
Ein Haus ohne Fundament kann zweimal so schnell gebaut werden, aber es kann nicht einmal halb so lange stehen.
„Und der Platzregen fiel herab und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus, und es fiel, und sein Fall war groß.“ (Mt 7,27)
Eine Lektion, die wir in Amerika unter vielen Schmerzen lernen mussten, ist, dass Geld allein sehr wenige Probleme löst. Es ist eine Tatsache, dass bei Hilfsprogrammen Geld ernstere Probleme hervorrufen und größere Armut verursachen kann, als die, die man zu lindern versucht.
Die Gemeinde und einzelne Gläubige haben den Wunsch großzügig zu geben; sie wollen ein Segen für christliche Arbeit aus anderen Kulturen sein, wir wollen eine Hilfe für die Menschen in großer äußerer Not in armen Ländern sein. Dabei können wir dieselben Probleme schaffen, die wir durch Hilfsprogramme im eigenen Land geschaffen haben, Abhängigkeit und Korruption. Wir können so geben, dass wir andere stärken und ausrüsten – und wir können so geben, dass wir im Endeffekt andere schwächen und zerstören.
Nun folgt eine Einführung zu ein paar biblischen Prinzipien; wir müssen lernen, sie beim Geben zu berücksichtigen, ganz besonders wenn wir kulturübergreifend geben.
Beziehungen sind wichtig
Eine funktionierende und lebendige Beziehung ist die Grundlage für weises Geben.
Als Paulus nach Thessalonich kam, arbeitete er „Nacht und Tag“, um niemand dort zur Last zu fallen (2. Thess 3,7-9). Interessant, nicht wahr? Bevor er nicht eine Beziehung mit ihnen aufgebaut hatte, bat er sie nicht um Unterstützung, sondern weigerte sich sogar Unterstützung anzunehmen. Es ist klar, dass er der Überzeugung war: Wenn Geld in einer Beziehung zu früh eine Rolle spielt, entsteht dadurch nur Misstrauen.
In der Apostelgeschichte war das Geben am Anfang mit Beziehungen verbunden – die etwas hatten gaben an die, die sie kannten und die nichts hatten.
Frage dich deshalb: Ist die Beziehung zu der Person, der ich gebe, eine Beziehung von gegenseitigem Vertrauen und Respekt? Oder ist die Grundlage des Gebens oberflächlich, anlässlich einer gut gehaltenen Rede oder eines gefühlvollen Aufrufs?
Verantwortlichkeit
Es muss Verantwortlichkeit geben. Der Apostel Paulus sorgte dafür, dass das praktiziert wurde. In 1. Kor 16,1-4 und nochmal in 2. Kor 8,18-21 organisiert Paulus das Weiterleiten und Verwalten der Gaben in einer Weise, dass die Verwalter jemandem verantwortlich sind. Er stellt sich selbst in eine Position, wo er jemandem verantwortlich ist. Wenn sogar der Apostel Paulus jemand brauchte, dem er verantwortlich war, sollten wir wohl daraus schließen, dass jeder so eine Person braucht.
Wenn man an Einzelne gibt und nicht durch eine Organisation, folgt man nicht dem gesunden Vorbild und das hat zum Ruin von vielen Gläubigen geführt.
Frage dich selbst: „Wer bestimmt die Höhe des Gehalts der Person, der ich gebe, und wer sorgt dafür, dass die Gaben für das verwendet werden, wofür sie gegeben wurden?“
Eigenständigkeit
Durch unsere Gaben sollte keine Abhängigkeit entstehen, sondern sie sollten zu dem Ziel führen, dass eine finanzielle Eigenständigkeit erreicht wird.
Die Schrift lehrt, dass die, die unterwiesen werden, die unterstützen sollen, die sie unterweisen. Wie kann das geschehen, wenn alle Bedürfnisse von Leuten aus anderen Ländern gedeckt werden? Wenn ein Programm nicht irgendwann ohne die Hilfe aus anderen Kulturen zurechtkommen kann, wie passt es überhaupt in dieses Volk? Wie kann es sich ausbreiten, um die ganze Großfamilie zu Jüngern zu machen, den ganzen Stamm, die ganze Nation? Wenn man ein Programm oder eine Organisation nur weiterführen kann, wenn sie Hilfe von außerhalb des Landes erhält, entsteht dadurch eine Abhängigkeit, die die Empfänger verkrüppelt und die Gemeinde schwächt. Warum sollten die Einheimischen für einen Pastor oder für eine Organisation geben, die schon völlig finanziert ist?
Gleichheit
Die finanzielle Gabe sollte dort keine wirtschaftliche Ungleichheit schaffen, wohin sie gegeben wird. Oft leben Pastoren, die aus dem Westen unterstützt werden, auf einem viel höheren Lebensstandard als die Menschen, die um sie herum leben.
Unsere Wirtschaftslage ist ganz anders als in der dritten Welt. Deswegen kann der Wert von einem Dollar in anderen Ländern leicht unterschätzt werden. Fünf Dollar in der Woche sehen für uns wie ein paar Tassen Kaffee aus, aber sie können im Lebensstandard von jemandem in der dritten Welt einen riesigen Unterschied machen. Wenn wir einen einheimischen Mitarbeiter direkt unterstützen, müssen wir untersuchen, ob ihn vielleicht sogar eine geringe finanzielle Unterstützung von den Menschen trennt, denen er dienen soll. Ein Gehalt von 500 Dollar im Monat ist bei uns nicht der Rede wert, aber es erhöht das Einkommen vielleicht auf das zehnfache von dem, was ein Pastor in so einem Land normalerweise zur Verfügung hat!
Paulus schreibt den Korinthern über eine Sammlung für Christen an einem anderen Ort:
„In der jetzigen Zeit diene euer Überfluss für deren Mangel, damit auch deren Überfluss für euren Mangel diene, damit Gleichheit werde; wie geschrieben steht: Wer viel sammelte, hatte keinen Überfluss, und wer wenig sammelte, hatte keinen Mangel.“ (2. Kor 8,14.15)
Frage dich selbst: „Ermöglicht das Geld, das ich gebe, dem Bruder, auf einem weit höheren Lebensstandard zu leben als die anderen, denen er dienen will? Erhebt dieses Geld ein Kind weit über das Kind im nächsten Haus?“ Finde heraus, wie viel jemand mit einer gleichwertigen Ausbildung und ähnlicher Verantwortung in diesem Land verdient und gib entsprechend.
Jetzt haben wir die vier Prinzipien umrissen: Beziehung, Verantwortlichkeit, Eigenständigkeit und Gleichheit. Nun wollen wir jedes Prinzip untersuchen und verstehen, wie wir sie beim Geben verwenden können und wie sie uns befreien, unser Geld mit Weisheit zu nutzen und möglichst gewinnbringend für das Reich Gottes einzusetzen.
Paulus und die vier Prinzipien
Ich habe zwölf Jahre in Übersee verbracht und dabei beobachtet, welche Wirkung Geld aus dem Westen auf Christen hatte, die es bekamen. Seitdem habe ich weitere sieben Jahre mit einer Aufgabe verbracht, wo ich auch das Geben überwachte. In dieser Zeit wurden fast eine Million Dollar gegeben. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie Gemeinden durch Geld zerstört wurden, mit dem sie großzügig aber unweise überschüttet wurden. Fast jede Woche höre ich von solchen Missbräuchen. Ich habe jahrelang überlegt und nach Prinzipien gesucht, nach denen sich Geber richten können, wie sie ihr Geld weise und konstruktiv verwenden können, und wie sie vermeiden können, die zu hindern, denen sie helfen wollen.
Dann gerieten wir hier in Portland in eine Krise. Ein Mann nutzte mehrere Gruppen aus, die es alle gut meinten und die extrem großzügig waren. Einige von uns sahen die Notwendigkeit, diese Gruppen zu unterweisen, damit sie die negativen Folgen sehen könnten, wenn sie diesen Mann unterstützen. Wir baten um ein Treffen. Wir waren fünf Missionare. Einer hatte sogar einen Doktortitel und war Professor für Missionskunde. Zusammen hatten wir fast 80 Jahre in Übersee verbracht. Auf diesem Treffen entwarfen wir diese vier Prinzipien zum Geben. Wir waren uns einig.
Ich habe zwölf Jahre gebraucht, bis mir die Notwendigkeit von solchen Prinzipien klar wurde. Dann kamen 80 Jahre von gesammelten Erfahrungen und vier Stunden Austausch dazu. Aber dieselben Prinzipien sprangen uns schon aus den Seiten der Apostelgeschichte entgegen! Paulus kannte sie schon alle. Er verwendete sie schon. Er hatte sie nicht durch Beobachtung gelernt, nicht durch Versuch und Irrtum wie ich. Er hat so begonnen. Ich war überrascht. Diese Prinzipien waren von Anfang an vor meinen Augen gewesen. Die Bibel hat sich mir selbst wieder bewiesen.
Diese Entdeckung führte mich zu dem Schluss, dass wir in unserer Beziehung zur Bibel zwei ernste Probleme haben. Erstens: Ich lese sie nicht genug. Zweitens: Ich wende die Prinzipien der Schrift nicht so an, wie ich sollte. Wenn wir zu dem zurückkehren würden, was im Neuen Testament gelehrt und vorgemacht wird, wären wir gut unterwegs. Unser Geld könnte besser verwendet werden, um das Evangelium zu verbreiten und die Gefahr würde verringert werden, dass es der Verbreitung des Evangeliums schadet.
Beziehung und Verantwortung
In Apostelgeschichte 20 wird eine Liste von Namen angeführt, die schwer auszusprechen sind, aus Orten, die noch schwerer auszusprechen sind. Das sind die Männer, die den Apostel Paulus begleitet haben: Sopater, der Sohn des Pyrrhus, ein Beröer; von den Thessalonichern Aristarchus und Sekundus, Gajus von Derbe und Timotheus; aus Asien kamen Tychikus und Trophimus. Es kann sein, dass wir über diese Namen hinwegeilen, um uns dem interessanten Teil des Abschnitts zuzuwenden, ohne zu merken, dass wir das Wichtigste übersehen haben. Diese Begleiter kamen aus all den Gemeinden, mit denen Paulus gearbeitet hatte. Warum waren sie mit Paulus unterwegs?
Die Gemeinden in diesem Gebiet hatten eine Sammlung für die Armen und für die Opfer der Trockenheit gemacht, die den Menschen um Jerusalem zusetzte. Aber Paulus weigerte sich, die Gaben selbst an sich zu nehmen. Jede Gemeinde sandte einen Mann, dem sie vertraute, um ihre Gabe nach Jerusalem zu bringen. Warum? Eine Gabe ohne Beziehung zwischen Geber und Empfänger berührt den Empfänger nicht so tief und auch nicht den Geber.
- Möglichkeit: Sende einen Batzen Geld durch jemand, den du nie wieder sehen wirst, und die Sache ist abgeschlossen.
- Möglichkeit: Sende die Gabe durch jemand, der helfen wird, sie zu überbringen, sie vor Diebstahl zu schützen, der beobachten wird, was geschieht, der zurückkommt und berichtet, wie Gott die Gabe verwendet hat. Auf diese Weise wirkt die Gabe weiter.
Betrachten wir das auch aus der Sicht der Empfänger:
- Möglichkeit: Erhalte einen Batzen Geld und verwende es. Die Sache ist damit abgeschlossen.
2. Möglichkeit: Empfange die Gabe, lade den Überbringer ein und erfahre, was der Herr auf der anderen Seite des Meeres macht, wie er dort unter den Juden und Heiden wirkt. Berichte, was der Herr in Jerusalem tut. Ermutigt einander in Christus, obwohl ihr von zwei völlig unterschiedlichen Kulturen seid. Auf diese Weise wirkt die Gabe weiter.
Sende Bargeld allein durch den Apostel Paulus. Er kommt in einen Sturm, alles geht unter und Paulus kommt nur mit dem Leben davon. Oder er wird von einer Räuberbande überfallen und sie nehmen ihm das Geld weg. Der gute Ruf von Paulus wird für immer zerstört sein. Das ist also keine gute Idee.
Besser: Sende das Geld mit euren besten und treuesten Mitarbeitern auf eine Missionsreise, zusammen mit ähnlichen Männern aus all den anderen Gemeinden, als Begleiter des eifrigsten Missionars aller Zeiten. Sie sind einander verantwortlich, sorgen gemeinsam für die sichere Überbringung der Gaben und haben Gemeinschaft mit Gläubigen aus anderen Kulturen und Ländern. Sie erleben, wie der Herr wirkt und kehren ganz verändert nach Hause zurück. Dort berichten sie von ihren Erlebnissen mit dem Herrn.
Ich habe folgenden Einwand gehört: „Es kostet viel, wenn wir jemand dorthin senden. Das Geld hätte man verwenden können, um die Armen zu unterstützen.“
Stimmt, die Armen hätten etwas mehr Geld bekommen, falls es nicht unterwegs gestohlen worden wäre. Aber sie hätten etwas sehr Wertvolles versäumt. Und auch das, was für die gebenden Gemeinden von größtem Wert gewesen wäre, hätte gefehlt.
Paulus führte den Auftrag des Heiligen Geistes aus und er war ein Genie. Aber heute schreiben Gemeinden oder Einzelne einfach einen Scheck – und damit ist alles vorbei. Dazu möchte ich Jakobus zitieren: „Dies, meine Brüder, sollte nicht so sein.“
Die Arbeitsweise von Paulus ist völlig überraschend und ganz anders als die modernen Missionsmethoden, die wir heute benutzen. Sehr schnell drang er in ein Gebiet vor und er verließ es auch wieder sehr schnell. Er gründete eine örtliche Gemeinde, setzte Leiter ein und übergab die Gemeinde so bald wie möglich den Einheimischen. Sie hatten keinen Pastor mit einem Gehalt, keine bezahlten Mitarbeiter, kein Gebäude, keine Leiterschaft mit einer theologischen Ausbildung. Trotzdem hat Paulus die Gemeinde in die Hände der Einheimischen übergeben. Sie mussten den Rest selbst machen.
Paulus hat ihnen nicht beigebracht, wie sie Stellenangebote verschicken können oder wie sie ein Komitee gründen können, das nach einem berühmten Redner sucht oder nach einem Pastor, der von einem entfernten Ort zu ihnen zieht. Nein. Sie hatten den Heiligen Geist und Männer aus ihrer Mitte konnten mit den anstehenden Aufgaben wachsen. In der Kraft des Heiligen Geistes konnten sie die Arbeit selbst bewältigen. Es war nicht nötig, dass ein vollzeitlicher Arbeiter von irgendwoher kommt und sie rettet. Wirklich ganz anders als heute!
Paulus hat nie ein System aufgebaut, wo die Gemeinden Gaben von anderen, reicheren Gemeinden erhalten. Er war davon überzeugt, dass die örtliche Gemeinde entweder das hatte, was sie brauchte, oder dass der Herr durch ihre eigenen Mitglieder dafür sorgen würde.
Paulus baute Gemeinden, die sich eigenständig erhalten konnten. Das hat er von Anfang an gemacht.
Paulus selbst hat sich oft geweigert, Geld von den örtlichen Gemeinden anzunehmen, damit sie ohne jeden Zweifel wussten, dass er nicht vom Gewinn motiviert war. Daran hat er die Gemeinden später erinnert, als ihm Vorwürfe gemacht wurden. Er hätte sich schlecht verteidigen können, wenn er sich nicht tadellos verhalten hätte. Er hat das Thema Geld nicht angeschnitten, bis er weitergezogen war. Dann schrieb er ihnen, dass der Arbeiter (Lehrer) seines Lohnes wert ist, und dass ein Ältester doppelter Ehre würdig sei (damit meinte Paulus wahrscheinlich, dass er für seinen Einsatz bezahlt werden sollte). Paulus deutete an, dass es gut war Menschen zu entlohnen, wenn sie ihre Zeit einsetzten, auch wenn sie nicht ihre ganze Zeit dafür verwendeten. Nirgends in der Schrift sehen wir einen einzelnen vollzeitlichen Pastor in jeder Gemeinde, der den ganzen Lehrdienst und Hirtendienst erledigt. Und doch haben wir dieses Modell rund um die Welt verbreitet.
Dieses Modell „einer macht alles“ wird in der Heiligen Schrift nicht vorgeschrieben, ja, es wird dort nicht einmal gefunden! Wir sehen eine Gruppe von Leitern in jeder Gemeinde. Die meisten machten ihre Aufgaben neben ihrem Beruf, ohne dafür bezahlt zu werden. Nur einige erhielten einen Lohn für ihre Arbeit, wenn die örtliche Gemeinde sah, dass jemand besonders begabt war, und dass er viele Stunden für seine Aufgabe des Lehrens verwendete. Paulus hat solche Entscheidungen in die Hände der örlichen Gemeinde gelegt. Die Einheimischen hatten die Autorität, die Gemeinde in der Kraft des Heiligen Geistes zu führen und zu leiten. Sie waren nicht auf finanzielle Hilfe von außen angewiesen. Alles wurde ihnen schnell übergeben, sehr schnell. Das Schicksal der Gemeinde lag nicht in der Hand eines einzelnen Pastors. Es kam auf die Gläubigen vor Ort an, der ganze Leib arbeitete zusammen.