Die wunderbare, unbegreifliche Gnade Gottes
Die Herrlichkeit der Gnade leuchtete neu für mich auf. Ph. Yanceys Buch „Gnade ist nicht nur ein Wort“ gab mir viele Anstöße; ich gebe auch hier etliche Gedanken von ihm wieder. Ich möchte auch noch auf das Büchlein von R. Alcorn „Voller Gnade und Wahrheit“ hinweisen, welches eine gute Ergänzung zu Yanceys Buch ist.
Die Geschichte des Volkes Israel (Röm 11,6); die Geschichte von David und Mephiboschet (2. Sam. 9); das Gleichnis vom großen Hochzeitsmahl (Lk 14); das Gleichnis vom guten Hirten (Lk 15,1 ff); das Gleichnis von der Frau, die die Drachme verliert und wiederfindet (Lk 15,8ff) – beide freuen sich!; das Gleichnis vom wartenden Vater, der seinem bankrotten Sohn ein Festmahl macht (Lk 15,11-32); das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20,1 ff); das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lk 18,9 ff); das Gleichnis vom großzügigen König und vom unbarmherzigen Knecht (Mt 18,21 ff); die Begebenheit von den zwei Verbrechern, die mit Jesus gekreuzigt wurden (Lk 23); die Begegnung des Herrn mit der samaritischen Frau (Joh 4) u.v.m:
Was haben alle diese Stellen gemeinsam? Wovon sprechen sie alle?
Von der teuren, herrlichen, wunderbaren, unbegreiflichen, bedingungslosen Gnade Gottes!
„Die Erkenntnis, dass Gottes Liebe uns völlig umsonst und bedingungslos angeboten wird, scheint jedem menschlichen Instinkt zu widersprechen. Der achtteilige Pfad der Buddhisten, die Lehre der Hindus vom Karma, der jüdische Bundesgedanke und die moslemische Gesetzesordnung; alle stellen einen Weg dar, wie man sich Anerkennung verdienen kann. Allein das Christentum wagt es zu erklären, dass Gottes Liebe bedingungslos ist.“ (Yancey, S. 38)
GNADE ist das herrlichste und schönste Wort für Menschen, die sich als chancenlose Sünder und als der Gnade unwürdig erkennen.
Die göttliche Gnade ist der entscheidende Unterschied zwischen dem christlichen Glauben und allen Religionen: Der religiöse Mensch wirkt, arbeitet, tut Werke. Der bedürftige Sünder empfängt Gnade, bedingungslose Gnade, Erlass aller Schuld, er feiert ein Fest „auf Kosten Gottes“!
Die Gnade kostet uns nichts, weil sie Gott alles kostete! Dort auf dem grausamen Hügel von Golgatha entspringt der Strom der Gnade Gottes.
Diese Gnade Gottes ist unberechenbar, gegen jede Vernunft und Mathematik, sie lässt sich nicht berechnen und schon gar nicht verdienen.
Ja, die Gnade Gottes kann sogar skandalös sein! Die Gnade Gottes ist „der Aufreger“ für religiöse, fromme, selbstgerechte Menschen. Versetze dich in die Lage des Sohnes, der beim Vater zu Hause geblieben war (Lk 15). Da kommt sein Bruder, dieser Nichtsnutz nach Hause, der alles verjubelt hatte. Und was tut sein Vater? Er macht auch noch ein Fest, weil der Bruder wieder da ist! („Mir hat er nie ein Fest gemacht!“) Das ist ein Skandal!
Die Arbeiter, die den ganzen Tag in der Hitze im Weinberg gearbeitet hatten, waren frustriert, als sie sahen, dass der Chef denen, die nur eine Stunde gearbeitet hatten, den gleichen Lohn auszahlte und protestierten dagegen! (Mt 20, 11-12). Dieser Herr war nicht ungerecht, denn er konnte mit dem Seinen tun, was er wollte. „Blickt dein Auge neidisch, weil ich gütig bin?“ (v. 15)
Mit allen diesen Geschichten wollte unser Herr gerade den Frommen seiner Zeit zeigen, wie herrlich und frei die Gnade Gottes ist: Er liebt uns „brutto“, so wie wir als Sünder sind, er gibt jedem Menschen den Vorschuss der Gnade! Er freut sich über jeden, der von ganzem Herzen umkehrt und unter Gottes Herrschaft leben will.
Es ist klar, dass die Gnade den Menschen dann auch erneuert und verändert. „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und erzieht uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben“ (Tit 2,11.12). Die Macht der Gnade ist die stärkste Motivation sich verändern zu lassen, Sünde abzulegen und für den Herrn zu leben!
Welch eine herrliche Botschaft für schuldbeladene, verzagte, resignierte Herzen ist die Botschaft der Gnade! Auch wir Kinder Gottes kämpfen mit Schuld, Zweifeln, Ungeduld, in der Gnadenlosigkeit, festgefahrenen Beziehungen usw.
„Kommt her“, sagt unser Herr Jesus, „bei mir ist Fülle von Gnade“. Nach mindestens 50 Jahren seines Lebens aus dieser Gnade schreibt der Apostel Johannes: „Aus seinem „Ozean der Gnade“ haben wir alle empfangen, eine Gnade um die andere.“ (Joh 1,16)
Gnade überrascht uns, beschenkt uns, tut uns wohl, erfreut uns, macht froh, motiviert uns, gibt uns neue Kraft. Jeden Tag können wir Gnade in Hülle und Fülle empfangen und durch das Vertrauen auf Jesus Christus in Anspruch nehmen (Joh 1,16).
Auch unsere durch Sünde gestörte Beziehung zu Gott wird durch seine Gnade wiederhergestellt. (Auch wir Kinder Gottes sündigen, werden lau usw.)
Gott ist der liebende Vater. Ja, die LIEBE wartet immer auf uns, möchte uns immer mit seiner Gnade und Güte überschütten.
Paulus schreibt in Römer 5,1.2: „Da wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir mittels des Glaubens auch Zugang erhalten haben zu dieser Gnade, in der wir stehen.“ Wir stehen in dieser Gnade! Jetzt!
Aus Römer 5,15-21 gäbe es viele herrliche Tatsachen zur Gnade Gottes zu erwähnen. Hier nur v. 20.21: „Das Gesetz kam erst nachträglich hinzu. Seine Aufgabe war es, die ganze Tragweite der Verfehlung deutlich werden zu lassen. Und gerade dort, wo sich die Sünde in vollem Maß auswirkte, ist die Gnade noch unendlich viel mächtiger geworden. Denn genauso wie die Sünde geherrscht und den Menschen den Tod gebracht hat, soll die Gnade herrschen, indem sie Zugang zu Gottes Gerechtigkeit verschafft und zum ewigen Leben führt durch Jesus Christus, unseren Herrn.“ Hier ist eine herrliche Aussage: „Die Gnade soll herrschen“.
Was würde passieren, wenn die Gnade in unserem Leben herrschen würde? Wäre das nicht herrlich? Dann würden unsere Beziehungen durch die Gnade gestaltet, die wir erfahren haben, wir würden Gnade in Fülle an unsere Geschwister weitergeben, vergeben, eine wohlwollende Haltung einnehmen. Wenn die Gnade in der Gemeinde herrscht, dann werden Beziehungen neu, Vergehen bekannt und vergeben, Verletzungen geheilt (Eph 4,32). Die Gnade schafft echte Gemeinschaft! Die Gnade schafft es, dass wir unsere Maske voreinander ablegen können und auch zugeben können, dass wir nicht besser sind als alle anderen Menschen. Können wir in der Gemeinde ehrlich sein und sagen, wie es uns wirklich geht? Wie leben wir Gnade gegenüber ausgeschlossenen Geschwistern, die Anzeichen von Reue und Umkehr zeigen?
Wenn die Gnade herrscht, dann haben wir Kraft für den Alltag mit all seinen Schwierigkeiten und Nöten: „Meine Gnade genügt dir…“ (2. Kor. 12,9)
Dann können wir der gnadenlosen Welt, die nach Gnade hungert, diese teure Gnade bringen. Finden die Menschen Gnade bei uns?
„Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt“ (Kol 4,6), d.h. unsere Worte sollen allezeit von der Gnade geprägt sein, die wir erfahren haben! Wie reden wir zu unseren Mitmenschen?
Es ist sehr erstaunlich, dass sich die Sünder der „unteren Kategorien“ so sehr zum Herrn, dem einzig Reinen, hingezogen fühlten, andererseits von den Frommen abgelehnt und verstoßen fühlten.
Er ist voller Gnade und Wahrheit. Er ließ die Wahrheit nie weg, aber er ließ sie diese bedingungslose Gnade Gottes spüren. Und da wo sie angenommen wird, führt sie auch zu einer radikalen Änderung des Lebens, wie bei Zachäus (Lk 19), der Frau am Brunnen (Joh 4), Saulus (Apg 9) und vielen anderen. „Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin“ (1. Kor. 15,10). Da ist Ermutigung, neue Kraft, Hoffnung für jeden Sünder! Gnade ist das, was Gott in Jesus Christus für uns bzw. in uns tut.
In 2. Kor 8,1-5 sehen wir eine weitere Auswirkung der Gnade Gottes: Freigebigkeit. Dann können wir auch unsere Hände für die Nöte anderer öffnen. Welch ein Vorbild liefern uns diese Geschwister, die nichts hatten!
In diesem Kapitel lesen wir auch den Vers, der von der Gnade unseres Herrn Jesus spricht, die ihn arm werden ließ, damit wir unendlich reich werden konnten (v. 9 )!
Und schließlich bemerken wir, dass viele der Briefe des Paulus mit dem Wunsch enden, „dass die Gnade (unseres Herrn) mit Euch sei“. Lies doch mal alle die Briefschlüsse!
Mögen wir alle diese wunderbare, unbegrenzte Gnade Gottes viel tiefer erfassen!
„Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus, er selbst wird euch, die ihr eine kurze Zeit gelitten habt, vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht in alle Ewigkeit. Amen. (1. Petr 5,10.11)