Gemeinde & Mission

“Weg mit den Maulkörben!” oder “Der Arbeiter ist seines Lohnes wert”

von Colvin Fred

Das Hauptanliegen des ersten Timotheusbriefes ist, daß Timotheus und Leser späterer Generationen wissen, wie man sich in der Gemeinde Gottes verhalten soll (1 Tim. 3:15). Dieses Epistel ist randvoll mit praktischen Anweisungen über die Hausordnung der Gemeinde, und auch die Richtlinien für die Gemeindeleitung spielen eine zentrale Rolle in diesem Buch.

Der Briefempfänger ist mit einer schwierigen Aufgabe betraut. Paulus Warnung an die Ältesten in Ephesus hatte sich schon bewahrheitet (Apg. 20,28-31). Irrlehrer und Sektierer hatten ihr Unwesen in der Gemeinde in Ephesus getrieben (1 Tim. 1,3-11.18-20; 4,1-11; 6,3-5). Offenbar versagte die dortige Ältestenschaft an ihrem Aufseherdienst. Jetzt kann nur eine qualifizierte lehrfähige Ältestenschaft der prekären Situation Herr werden, und das mit dem Beistand einer ebenso qualifizierten und erprobten Dienerschaft (Kap. 3,1-13). Timotheus Auftrag lautet, solche ausfindig zu machen und sie einzusetzen (Kap. 5,22-25). Paulus sorgt dafür, daß die Gemeindeleitung vor ungerechtfertigter Anklage beschützt wird, während Älteste die sündigen, öffentlich gezüchtigt werden (Kap. 5,19-21).

Eine Maßnahme zur Förderung & zum Schutz der Gemeinde…

Eine weitere Maßnahme zum Schutz von Gottes teuer erkaufter Gemeinde ergreift der vom Heiligen Geist inspirierte Apostel. Paulus will, daß die wirksamsten Ältesten ihren Rücken frei haben, damit sie sich vermehrt in den bitter nötigen Hirtendienst stürzen können. Daher ordnet er die finanzielle Unterstützung solcher Ältesten an:

„Die Ältesten, die wohl vorstehen,

laß doppelter Ehre würdig geachtet werden,

besonders die in Wort und Lehre arbeiten.

Denn die Schrift sagt:

„Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“,

und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert“.

1 Timotheus 5,17-18

Offenbar will Paulus, daß gewisse Älteste von der örtlichen Gemeinde finanziell unterstützt werden. Daß „doppelte Ehre“ so gemeint ist, geht aus dem Kontext hervor. Im vorherigen Abschnitt ordnete er die Ehrung von „wirklichen Witwen“ an (Kap. 5,3-10). Die Gemeinde soll die vorbildlichen Witwen verzeichnen und unterhalten, wenn sie nicht mit der Unterstützung ihrer eigenen Kinder rechnen können. Hier ist Paulus Verwendung von „Ehre“ ganz im Sinne des sechsten Gebots (2 Mo. 20,12). Unser Herr Jesus verstand dieses Gebot, die Eltern zu ehren, als Auftrag unsere eigenen Eltern im Alter finanziell zu unterhalten (Matt. 15,4-6). Bleibt diese biblische Verehrung der Mutter aus, treten Gottes Kinder an die Stelle der leiblichen Kinder der Witwe, da sie in ihr ohnehin ihre Mutter zu sehen haben (Kap. 5,2). Weiters begründet Paulus seine Aufforderung mit direkten Zitaten vom Gesetz Moses (5 Mo. 25:4) und von dem Herrn Jesus (Matt. 10,10; Luk. 10,7): „Denn die Schrift sagt: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“, und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert“.

Aber was genau ist mit dieser doppelten Ehre“ gemeint? Manche Ausleger vertreten die Ansicht, daß diese Ältesten den doppelten Betrag erhalten, d.h. das Zweifache der vereinbarten Witwenrente. Mag sein, aber es ist wahrscheinlicher, daß Paulus die Summe nicht bestimmt. Vielleicht denkt er an die Ehre, die den Menschen in Autorität gebührt (Kap 6,1; Röm. 13,7) und besonders an die schriftgemäße Achtung der Gemeinde vor ihren Vorstehern (1 Thess. 5,12-13). Zu dieser Ehre, die jedem Ältesten entgegen zu bringen ist, kommt eine zweite zusätzliche Ehre oder Honorar (lat. honorarium, oder Ehre) für den Ältesten hinzu, der sich im Dienst besonders ausgezeichnet hat. Eine andere Erklärung verdient aber auch unsere Beachtung. Wenn der „wirklichen“ Witwe, die sich selbst nicht mehr unterhalten kann, unsere finanzielle Ehre gebührt, wie viel mehr dem vorbildlichen Ältesten, der in Wort und in der Lehre hart arbeitet? Beide Deutungsversuche laufen auf dasselbe hinaus: Es ist nur recht und billig, den Einsatz solcher Ältesten zu honorieren.

Wer ist doppelter Ehre würdig?

In der Tat handelt es sich in unserem Text um Männer, die schon als Älteste anerkannt sind und als solche arbeiten. Das Ältestensein setzt charakterliche Reife, vorbildliche Familienführung und Lehrfähigkeit voraus (Kap. 3.1-7). Zudem kommt die schriftgemäße Erprobung im Aufseherdienst. Als Paulus die Erprobung der Diener als Voraussetzung für ihre Anerkennung im Dienst anordnete, deutete er die Erprobung der Aufseher an. „Laß sie aber auch (s. Kontext: wie bei den Aufsehern) erprobt werden, dann laß sie (als anerkannte Diener) dienen, wenn sie untadelig sind.“ (Kap. 3,10) Jeder biblische Älteste ist ein bewährter Hirte.

Zu diesen Mindestqualifikationen des Gemeindeältesten kommen zwei zusätzliche für den unterstüzungswürdigen Ältesten hinzu. Der Mann den Timotheus sucht muß erstens „wohl vorstehen“. Wie der vorbildliche Vater, der seiner Familie wohl vorsteht (Kap. 3,4f), trägt dieser Älteste Sorge für die Versammlung. Er ist der Inbegriff eines Hirten der örtlichen Gemeinde. Seine Führung ist weder autoritär noch nachlässig. Zusammen mit seinen Ältestenkollegen trachtet er danach, die Leitung des Erzhirten der Gemeinden zu erkennen und tatkräftig auszuführen. Er ergreift die Initiative und trägt Verantwortung. Er weist die Unordentlichen zurecht und tröstet die Kleinmütigen. Er nimmt sich der Schwachen an und ist langmütig gegen alle (1 Thess. 5,14). Die Führung dieses Ältesten erinnert uns an den wohltuenden Dienst des guten Hirten (Apg. 10,38).

Alle Älteste müssen lehrfähig sein. Timotheus sucht besonders den Ältesten, der etwas fähiger ist. Alle arbeiten „in Wort und Lehre“. Er hält Ausschau nach dem, der neben seinem Brotberuf noch härter und produktiver arbeitet (Vers 17). Gründliches induktives Studium des Wortes Gottes ist zeitaufwendig. Die Predigtvorbereitung, die Herstellung von Seminarunterlagen, die Vorbereitung von Vortragsreihen und Seminaren und das Lehren selbst ist harte Arbeit. Paulus will den überlasteten Ältesten von der beruflichen Verpflichtungen befreien, damit er sich vermehrt für die Versammlung einsetzen kann. Seine Forderung steht im Einklang mit Galater 6,6 „Wer im Wort unterrichtet wird, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern.“

Die Gemeinde ist dem Arbeiter verpflichtet…

In Vers 18 fährt Paulus fort, seine Anweisung mit zwei Schriftworten aus dem Gesetz und den Evangelien zu untermauern: „Denn die Schrift sagt: „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden“, und: „Der Arbeiter ist seines Lohnes wert“. Die Arbeit dieser Ältesten erinnert ihn an die schwere Arbeit des Lasttiers. Dieses Gesetzesparagraph verfolgt eine dreifache Absicht. Erstens wird die Tierquälerei unterbunden. Der Schöpfer empfindet Erbarmen für den armen Ochsen! Der Ochse schleppt seine Last bei der Tageshitze in unendlichen Kreisen. Während er drischt, läuft ihm das Wasser im Maulkorb zusammen. Er schwimmt knietief in einem Meer von hochwertigem Futter und darf ja nichts fressen! Gott verbietet dem Bauern, das Tier so zu behandeln. Es hat doch ein Recht darauf, die Früchte seiner Bemühung zu genießen.

Zweitens bewahrt das Gebot den geizigen Bauern vor falscher Wirtschaftlichkeit. Wenn man denkt an den großen Nutzen, den er von seiner Landmaschine hat, sollte der kluge Landwirt nur froh sein, daß der Ochse während der Arbeit ein Bißerl Kraftfutter frißt, und das ohne die Arbeit zu unterbrechen! Die Nutzung steht in keinem Vergleich mit dem Aufwand.

Schließlich ist Gott weniger an artgerechter Tierhaltung interessiert, als an das Wohlergehen seiner Arbeiter. Das macht Paulus im Ersten Korintherbrief überaus deutlich: „Ist Gott etwa <nur> um die Ochsen besorgt? Oder spricht er das nicht durchaus um unsertwillen? Denn es ist um unsertwillen geschrieben, daß der Pflüger auf Hoffnung pflügen, und der Dreschende dreschen soll auf Hoffnung, <am Ertrag> teilzuhaben. Wenn wir euch das Geistliche gesät haben, was ist es etwas Großes, wenn wir von euch das Irdische ernten?“ (1 Kor. 9,10f) Der Ochse, der Apostel, der Missionar und der hart arbeitende Älteste (so Paulus) haben einen im Gesetz verankerten Anspruch auf die materielle Entlohnung ihrer Arbeit.

Der zweite Schriftbeleg entnimmt Paulus von der Aussendung der Zwölf und der siebzig Jünger (Matt. 10,10; Luk. 10,7; vgl. 3 Mo. 19,13). In beiden Fällen verbot der Herr Jesus seinen Arbeitern, ihren eigenen Feldzug zu finanzieren. Er argumentierte, daß es nur angemessen sei, wenn der Arbeiter am Ende eines anstrengenden Tages für geleistete Arbeit entlohnt werde. Paulus wendet dieses Prinzip auf die vorbildliche Gemeindevorsteher an.

Ein umstrittener Abschnitt…

Beim ersten Blick auf diesen Text fällt dem Leser auf, daß Paulus Anweisungen an Timotheus die übliche Handhabung vieler Gemeinden heutzutage widerspricht, denn die gängige Vorbereitung auf den vollzeitlichen Gemeindedienst ähnelt eher der landläufigen Berufsausbildung. Nach dem erfolgreichen Abschluß einer dreijährigen Lehre wird der Metzgerlehrling Geselle. Mediziner können nur die werden, die ein langjähriges Studium abschließen. Und der Möchte-gern-Prediger muß natürlich ein Predigerseminar, oder zumindest eine Bibelschule besuchen.

Zweifellos kann eine fundierte Ausbildung von einer bibeltreuen Institution eine große Hilfe für den späteren Dienst sein. Ein Abschluß ist aber keineswegs eine biblische Voraussetzung für den vollzeitlichen Gemeindedienst. Paulus denkt nicht an den Diplom Theologen. Der weise Baumeister neutestamentlicher Gemeinden hat vielmehr den Berufstätigen im Auge. Er möchte den Ältesten, der sich im Familienkreis, Beruf und nebenberuflichen Gemeindedienst schon ausgezeichnet hat.

Christen tendieren dazu zwischen zwei Extremen zu pendeln, und der Teufel fischt auf beiden Seiten der Brücke. Viele Gemeinden stellen einen Pastor (lat. Hirten) oder Prediger an und überlassen ihm den Großteil der Verantwortung und Arbeit. Aber die Bibel zeigt einen anderen Weg auf. Jede im Neuen Testament erwähnte Versammlung hatte eine Ältestenschaft oder ein Ältestenteam (eine Mehrzahl von Ältesten oder Pastoren) die die Gemeinde hüteten (Apg. 14,23; 15,2; Phil. 1,1; Tit. 1,5; 1 Pet. 5,1; u.a.m.). Der Älteste, der die finanzielle Unterstützung der Gemeinde würdig zu achten ist, ist nicht der Pastor. Er agiert vielmehr als Mitglied eines Ältestenteams – als ein Pastor in einer Mannschaft von Pastoren.

Andererorts ist es kaum denkbar, daß Älteste im vollzeitlichen Gemeindedienst arbeiten! Dies ist eine Überreaktion zum besagten unbiblischen Pastorensystem, oder wie manche sagen „Ein-Mann-System“. In unseren Versammlungen wollen wir unbiblische Strukturen, Benennungen und klerikale Titel meiden. Der Herr Jesus hat doch gelehrt, „…laßt ihr euch nicht Rabbi nennen; denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder.“  (Matt. 23,8) Wir haben keinen Priester, Pater, Pastor oder Prediger. Wir wollen nur „Brüder“ sein. Übrigens, das ist wie die „Brüder“-Bewegung ihren Namen erhalten hat. Seit den Anfängen der Bewegung stehen „die Brüder“ für das Priestertum aller Gläubigen, für gabenbezogenen Dienst und gegen einer Aufteilung des Volkes Gottes in zwei Lager: die Kleriker (Profi-Christen) und die Laien (Gemeinen). Sie unterstützen Missionare und übergemeindliche Vollzeitler fleißig, aber mancherorts sind sie sehr skeptisch, wenn es um die finanzielle Unterstützung eines Gemeindeältesten geht. Warum? Weil die Angst vor dem Gespenst des Ein-Mann-Systems so real ist.

Was ist dazu zu sagen? Wenn Angst angesagt ist, sollten wir uns lieber davor fürchten, den biblischen Grundsatz von 1 Timotheus 5,17f (doppelte Ehre dem vorbildlichen Ältesten) zu mißachten. Es ist ohnehin klar, daß das Neue Testament das klerikale System mit keinem einzigen Wort unterstützt. Die Stimme vom Himmel betont, „Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein!“ Kein einziger Wiedergeborener ist ein Laie (Gemeiner). Alle Gläubigen sind geheiligte Priester Gottes! (Apg. 10,15; 1 Pet. 2,4-10) Auch wenn ein Ältester seinen Lebensunterhalt durch seinen Dienst erhält, steht er nicht deswegen über die Gemeinde oder über das Ältestenteam. Er bleibt ein Mitältester unter Gleichen und die Ältestenschaft steht der Gemeinde als eine Hirten-Mannschaft vor (1 Pet. 5,1-5). Darüberhinaus wäre es nicht schriftgemäß, wenn dieser fleißige Arbeiter der Einzige wäre, der am Wort dient. Das Neue Testament sieht vielmehr die Vielzahl von Beiträgen von begabten Brüdern bei den geisterfüllten Gemeindezusammenkünften vor (Eph. 5,18-20; 1 Kor. 14,26-33).

 

Anregungen zur praktischen Anwendung…

Aber wenn wir diesen Bibeltext einfach stehen lassen, wie können wir ihn in unseren Gemeinden anwenden? Zunächst ist es wichtig zu erkennen, daß einige solche begabten und bewährten Brüder in den Gemeinden in Österreich und Bayern gegenwärtig nebenberuflich arbeiten. Sie geben ihr Bestes in der ihnen verfügbaren Zeit, aber sie könnten so viel mehr bewirken, wenn sie nur mehr Zeit hätten. Ein noch größeres Potential an Förderung und Wachstum der Versammlungen wäre vorhanden.

Paulus schreibt den Gemeinden nicht vor, wie sie im Detail die Unterstützung dieser Mitarbeiter einzurichten haben. Die Unterlassung solcher Vorschriften sichert eine hilfreiche Flexibilität für sich verändernde Zeiten und verschiedene Kulturen. Auch wir wollen uns vor derartigen einengenden Vorschriften hüten. Es folgen daher einige praktische Beobachtungen und Vorschläge, die den Betroffenen und ihren Ältesten bei ihren Überlegungen eine Hilfe sein könnten.

  • Unsere Kultur. Oft hört man, daß es der österreichischen Kultur widerspreche, wenn Österreicher in den vollzeitlichen Dienst treten. Wahrscheinlich fürchtet man sich so sehr vor der peinlichen Frage, „Wo haben sie Ihr Geld her?“, weil man selbst nicht kreativ genug darüber nachgedacht hat. Führe ich die Stundenanzahl von meinem Dienst oder den Umfang meiner Tätigkeit im Gespräch an, ist das das Ende allen Widerspruchs. Als ein engagierter Student der österreichischen Mentalität bin ich vom Gegenteil überzeugt. Was die landläufige religiöse Vorstellung widerspricht, ist das tatkräftige ehrenamtliche Engagement unserer Geschwister. Das ist im Lande der Kirchensteuer und Amtskirche nicht einzuordnen!

Es ist wahr, daß Paulus oft auf sein Recht auf Lohn verzichtete. In manchen Situationen ist das klüger. Man ist schlecht geraten Geld von einer Korinthergemeinde anzunehmen! Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß er für dieses Recht für andere kämpft (1 Kor. 9) und 1 Timotheus 5,17-18 ist in jeder deutschen Übersetzung zu finden, die ich gelesen habe.

  • Die Moderne Berufswelt. Wir leben nicht in der Welt des Zeltmachers Paulus. Hängt der Bruder im modernen Europa seinen säkularen Beruf an den Nagel, ist er in manchen Berufszweigen draußen. Die Technik schreitet unaufhaltsam voran. Wer nicht am Laufenden bleibt, ist weg vom Fenster! Daher ist Leichtfertigkeit bei dieser Entscheidung fehl am Platz. Wenn eine Gemeinde einen Bruder in den Dienst entläßt, trägt sie eine große Verantwortung. Ihr materielles Opfer macht die Einkommensausfälle wett.
  • Vollzeit oder Teilzeit? Wenn die Gemeinde den Dienst eines Bruders finanziell würdigt, ist es nicht gesagt, daß er auf seinen Brotberuf ganz und gar verzichten muß. In manchen Fällen würde eine Reduzierung des Arbeitspensums reichen, um den Dienst in der Gemeinde zu tun. Natürlich ist es nicht möglich, in jedem Beruf teilzeit zu arbeiten.

Obwohl die Vollzeitbeschäftigung oft sinnvoller ist, kann die  Teilzeitbeschäftigung im Dienst des Herrn den Vorteil haben, daß die Fragen der Sozial- und Krankenversicherung leichter zu regeln sind. Man kann dies aber genauso gut über den gemeinnützigen Verein der Gemeinde tun. Allenfalls ist der Rat eines guten Steuerberaters vonnöten.

  • Der beabsichtigte Wirkungskreis. Ist eine Gemeinde zu klein, den Vollzeitlichen zu erhalten, ist der Job vielleicht zu klein. Es ist kaum erforderlich in einer „Wohnzimmergemeinde“, einen vollzeitlichen Mitarbeiter zu beschäftigen. Natürlich gibt es vollzeitliche Mitarbeiter, deren Lehrdienst in mehreren Gemeinden stattfindet. In diesem Fall tragen diese Gemeinden die Verantwortung für seine Unterstützung (Gal. 6,6; 1 Kor. 9,5-14), aber der Timotheustext (Kap. 5,17f) betrifft den Ältesten, der hauptsächlich in einer Ortsgemeinde tätig ist.
  • Im Glauben leben und dienen. Im Neuen Testament fehlt von einem fixen Gehalt jede Spur. Die Bibel verbietet diese Praxis aber auch nicht. Hier soll Freiheit für eigene Überzeugungen herrschen. Es gilt das Prinzip, „Euch geschehe nach eurem Glauben.“ (Matt. 9,29; 8,13)

Am Anfang, als der Herr Jesus und Seine Arbeiter aus gingen, brachte Er ihnen bei, Gott für ihr leibliches Wohl zu vertrauen. Sie hatten sich zu begnügen mit dem, was die verlorenen Schafe Israels ihnen vorlegten (Matt. 10,5-15; Luk. 10,1-12). Später würden sie ebenfalls ausgehen, aber mit dem Unterschied, daß sie nichts von den Heiden, sondern nur von den Gemeinden nahmen (Luk. 22,35-37; 3 Joh. 7; 1 Kor. 9,5-14). Auch Paulus diente nach diesem Muster. Er vertraute dem Herrn in Bezug auf sein Proviant und Unterkunft. Der Apostel freute sich über die gelegentliche Unterstützung der Gemeinden. Er schätzte aber auch die Unabhängigkeit von Menschen, die man nur dann erfährt, wenn man sich begnügt mit dem, was der Herr bereitet (Phil. 4,10-20).

Manche Menschen Gottes trachten auch heute danach, dem Vorbild der neutestamentlichen Mitarbeiter zu folgen. Sie stellen keine Lohnforderungen, sondern sie begnügen sich mit dem, was der Herr ihnen durch seine Kinder zukommen läßt. Sie hoffen auf Gott, wie die wirkliche Witwe (1 Tim. 5,5) und tuen Ihm ihre Bedürfnisse kund. Menschen wie Hudson Taylor, Georg Müller, A.N. Groves, Robert Cleaver Chapman, Dr. A.T. Pierson, Dr. H.A. Ironside, William MacDonald und andere mehr haben in der Tat bewiesen, daß Gott zu seinem Wort steht. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles (tägliches Brot, Kleidung und Unterkunft) wird euch hinzugefügt werden“ (Matt. 6,33). Dr. Taylor formulierte es so, „Gottes Werk, getan in Seinem Sinn, wird Seiner Unterstützung nie ermangeln.“

Aber wie kann der seßhafte Älteste und seine Familie diesen Weg beschreiten, wenn sie in einer Gemeinde dienen, die schlußendlich für den Großteil seines Einkommens aufkommt? Man hört von verschiedenen Lösungen. Ein Bruder kriegt ein kleines Fixum plus Versicherungsbetrag von der Gemeinde. Er vertraut dem Herrn für den Rest. Geschwister tun ihre freiwilligen Gaben in Umschläge und geben sie in die Gemeindekasse. Andere Gaben kommen von andere Gemeinden oder interessierten Geschwistern. R.C. Chapman (und andere auch) hatte eine kleine Schachtel hinten im Gemeindesaal. Die Geschwister gaben in die Kollekte für Gemeinde- und Missionszwecke. Sie suchten Chapman´s Schachtel auf, wenn sie mit ihrem Hirten-Lehrer finanzielle Gemeinschaft haben wollten (Gal. 6,6). Sicherlich gibt es eine Menge anderer kreativen Mittel und Wege.

Gott hat wunderbares unter uns gewirkt. Viele haben sich bekehrt, und das Werk hat sich weit ausgedehnt. Gott hat uns gesegnet mit treuen begabten Mitarbeiter. Aber viele Älteste sind in ihrem nebenberuflichen Gemeindedienst fast überfordert. Manche zeichnen sich als Vorsteher aus. Sie arbeiten wie Ochsen in Wort und in der Lehre. Es ist höchste Zeit, daß wir ihnen das Maulkorb losbinden. Sie sind doch ihres Lohnes wert!