Wie können wir unser Land erreichen?
Teil 1Gar nicht! Wir können unser Land nicht erreichen – aber unseren Nachbar, unsere Arbeitskollegen, Freunde, Verwandte, unseren Friseur, die Verkäuferin im Geschäft, den Briefträger, … „Wie können wir unseren Nachbar erreichen (Nachbar steht für all die anderen)?“, ist schon die bessere Frage und die gibt uns auch eine realistische und sehr praktische Antwort, aber auch eine konkrete Aufgabe und Verantwortung!
Das wichtigste Prinzip:
Wenn ich an diese große Aufgabe denke, Menschen für den Herrn Jesus zu erreichen und für ihn zu gewinnen, drängt sich die folgende Aussage unseres Herrn auf: „Und er spricht zu ihnen: Kommet mir nach, und ich werde euch zu Menschenfischern machen.“ (Mt. 4,19). Das entscheidende Prinzip in der persönlichen Evangelisation ist die treue Nachfolge als Jünger Jesu Christi. Das ist unsere erste und wichtigste Verantwortung! Der Herr Jesus hat sich seinerseits verpflichtet, aus uns „Menschenfischer“ zu machen. In einem anderen Zusammenhang hat Jesus Christus gesagt, dass wir Frucht bringen werden und diese Frucht bleiben wird, wenn wir in Ihm bleiben. Es ist hier unter anderem die Frucht eines geheiligten Charakters (Gal.5,22f) gemeint, aber nicht nur – auch die Frucht unseres treuen Dienstes für unseren Herrn ist hier angesprochen. Machen wir uns nichts vor, Jesus Christus will uns – Dich und mich! – zum Erreichen unseres Nachbarn zurüsten und verwenden!
Es ist eigentlich völlig verständlich, dass Du selber zuerst Jesus Christus nachfolgen mußt, um Deinen Nachbarn in diese Nachfolge rufen zu können. Das Evangelium ist nicht nur eine Botschaft, es ist Gottes Kraft zum Heil (= zur Rettung und zur Heilung!) jedem Glaubenden (= das Umsetzen der Botschaft im eigenen Leben). Dein Nachbar beurteilt den Wert des Evangeliums in erster Linie nicht nach Deinen mühseligen oder excellenten Erklärungsversuchen sondern nach dem machtvollen Zeugnis eines veränderten Lebens. Wenn wir Christus nachfolgen, so beginnt Sein in uns wohnender Heiliger Geist sofort mit der Arbeit, uns dem Bild des Herrn Jesus ähnlich zu machen. Eine Veränderung so mancher Lebensgewohnheiten, des Lebensstils (der Prioriäten), viel mehr aber noch unseres Charakters ist die Folge. Es muß hier unbedingt betont werden, daß dies Dinge sind, die man sich nicht herauskrampft, im
Gegenteil das alles ist eine Folge einer immer tiefer und schöner werdenden Liebesbeziehung – und echte Liebe ist attraktiv. Mit diesem Hintergrund der gelebten Liebesbeziehung (das ist „Jüngerschaft“ bzw. „Nachfolge“!) möchte der Herr seine Botschaft der ewigen Rettung in eine mißtrauische, ablehnende, gottverleugnende Welt gepredigt wissen. Wenn Dein Nachbar miterlebt, wie Gott Dein Leben prägt, Dir Halt und Geborgenheit gibt, Dich vom Egoismus „errettet,“ bleiben ihm keine Ausreden mehr übrig!
Zu dieser treuen Nachfolge gehört zuallererst, daß ich Ihn Herr und Lehrer meines Lebens sein lasse. Wenn er Herr ist, so ist es seine Verantwortung, mir den Auftrag zu geben, mir seinen Willen zu zeigen – meine ist es, zu hören und zu gehorchen. Wenn Er der Lehrer ist, so ist es seine Verantwortung mich zu belehren, mich zuzurüsten, zu trainieren – meine ist es zu lernen, die anstehenden „Trainingseinheiten“ zu absolvieren. Und Lernen heißt Veränderung! Diese Veränderung haben wir dringend nötig. Es ist unsere Tendenz den Istzustand zu heiligen. Bei einem Jünger gibt es Veränderung, weil er Jesus Christus zu sich reden läßt.
Vier praktische Aspekte der Nachfolge:
1. Die „Stille Zeit“ ist ein wesentlicher Aspekt der praktischen Jüngerschaft, der Bereich wo der Herr zu seinem Jünger redet, aber nicht der einzige. Ich hab nicht gesagt, dass er „Stille Zeit macht“, sondern, dass er Jesus Christus zu sich reden läßt. Es geht nicht um die bloße Mechanik, sondern um die Herzenseinstellung des Jüngers. Eine Predigt, das persönliche Bibelstudium oder -lesen, der Rat eines Ältesten oder einer anderen gläubigen Person, ein Brief, ein Buch, eine Kassette, manchmal Umstände und sogar eine beiläufige Bemerkung von jemanden (usw.) kann der Herr gebrauchen, um zu uns zu reden. Ein Jünger wird Gottes mannigfaltiges Reden hören wollen und können! Ja, er wird Gottes Reden suchen – und finden. Obwohl Gott vieles gebrauchen kann, um zu uns zu reden – manchmal sogar einen Esel – wird er doch stets am klarsten und direktesten zu uns durch Sein Wort reden. Darum kann man sagen, dass eine treue, regelmäßige Stille Zeit, wo Gott zu uns reden kann und wird, für einen Jünger unumgänglich und unersetzbar ist! Natürlich weiß ich von all den Schwierigkeiten, die es gibt. Aber vergiß mal kurz deine Frustration und deine Schuldgefühle bezüglich Deiner Stillen Zeit, und bedenke folgendes: Es ist eine Tatsache, wenn wir in der Bibel lesen, redet Gott zu uns und wenn wir Beten, reden wir zu Gott, der bereitwillig hört und erhört. Bei der Stillen Zeit geschieht etwas ! Das ist eine Tatsache – und eine weitere Tatsache ist, dass wenn wir keine Stille Zeit haben, Gott nicht zu uns redet und wir nicht zu Gott reden!
2. Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die Durchdringung der verschiedenen Lebensbereiche vom Wort Gottes, von den Gedanken und Prioritäten Gottes. Ich denke da an Familie, Beruf, Freizeit, Kindererziehung, Geld und Besitz, Gemeindeleben und Dienst. Eigentlich ist ja genau das die praktische Auswirkung unseres „Glaubens“ – unseres Vertrauens in Christus. Weil wir ihm vertrauen, tun wir die Dinge, die er sagt. Wenn wir hier Jüngerschaft leben, hat allein schon unser Leben eine Botschaft. Aber falls wir hier versagt haben, laßt uns heute mit einem Neustart wiederum (und wenn es das 1000ste Mal ist) beginnen. Die Vergangenheit können wir nicht ändern, aber wir können verhindern, daß die Zukunft der Vergangenheit gleicht.
3. Wir sind beim nächsten Aspekt: Vorwärtsblicken, nicht Aufgeben, Weitermachen, Neubeginnen. Gott kann entmutigte, frustrierte, deprimierte Menschen kaum verwenden, die FROHE Botschaft, weiterzutragen. Unser ganzes Versagen in der Vergangenheit ist weder Ausrede noch Stolperstein für die Zukunft. Sünde kann vergeben werden, alte eingefahrene Wege können mit Buße, Hingabe und des Herrn Hilfe verlassen werden, Menschenfurcht – die Angst abgelehnt zu werden – kann bei unserem Herrn überwunden werden.
4. Der letzte Aspekt ist das Tun dessen was es zu tun gibt. Man muß irgendwann den Schnee wegschaufeln, daß die Straße frei wird. Alle Vorträge der Welt, die besten Vorsätze, Pläne, Strategien bringen den Schnee nicht weg. Naja, wenn wir lange genug warten, wird er schon schmelzen. Genauso ist es mit dem Erreichen des Nachbarn. Wenn wir lange genug warten, wird er eines Tages nicht mehr da sein – oder wir! Aber was ist mit dem Nachbarn, in dessen Umgebung Gott Dich gestellt hat, weil Du das richtige Werkzeug bist, Ihm das Evangelium von Jesus Christus zu bringen? Ein Bruder, den ich sehr schätze, sagte einmal: „Ein Schlüssel beim Evangelisieren ist, dass man evangelisiert. Wenn man Christus verkündigt, werden Menschen gewonnen werden.“
Jesus Christus kam, um zu suchen und zu erretten was verloren ist. Er kam nicht, um bedient zu werden (es sich gut gehen zu lassen), sondern um zu dienen und sein Leben zu geben und schließlich kam er, damit Du und ich LEBEN haben und es in Überfluß haben (Mk10,45; Lk19,10; Joh10,10b). Nachfolge bedeutet in den Fußstapfen Jesu Christi – auch bezüglich seiner Mission – zu gehen. Wenn wir unser Land erreichen wollen, sind wir herausgefordert, uns ganz neu auf Jesus Christus hin auszurichten, ja mehr noch – in einer immer tiefer werdenden Liebesbeziehung mit Ihm für Ihn zu leben.
Teil 2
Das Leben eines Jüngers, der Jesus Christus in seinem täglichen Leben nachfolgt und so in einer engen Beziehung zu seinem Herrn und Heiland lebt, ist die wichtigste Voraussetzung für den Menschenfischer. Dies und vier praktische Aspekte haben wir uns letztes Mal angeschaut. Heute geht es in dem Bemühen unseren Nachbarn, unsere Arbeitskollegen, Freunde und unsere Familie zu erreichen, um die Bedeutung und Rolle des einzelnen Gläubigen – um Dich! Und sofort höre ich Dich sagen: „Aber ich bin so ……..! (Du kannst hier: schwach, unbegabt, jung, unerfahren, frustriert oder 1000 andere Wörter einsetzen) Ganz ehrlich, es stellt sich gar nicht die Frage, ob diese Ausrede berechtigt ist oder nicht, es stellt sich vielmehr eine andere, ob Du im letzten Jahr jemand zu Christus geführt oder es zumindest versucht hast!
Die Bedeutung des einzelnen Gläubigen:
Gott hat Dich selber höchstwahrscheinlich durch jemand aus Deinem Bekannten-, Freundes- oder Familienkreis erreicht und errettet. Eine ganz konkrete Person – egal ob erfahren oder unerfahren, begabt oder unbegabt – hat Dich mit der rettenden Botschaft des Evangeliums bekannt gemacht.
Früher, vor der Zeit der großen Landmaschinen, konnte ein Bauer unmöglich sein Feld alleine mit der Sichel abernten. Bis er die Hälfte seines Feldes abgeerntet hätte, wäre bereits der Rest vom Verderben bedroht oder betroffen gewesen. Viele Menschen (eine ganze Gemeinde) haben ein bestimmtes Feld geerntet und rechtzeitig in die Scheunen gebracht. Die Aufgabe des Bauers, des Verwalters oder der Vorarbeiter (Pastor, Ältester, Missionar, etc.), weil sie viel Erfahrung hatten, war es, die unerfahrenen Knechte und Mägde anzuleiten und in der Arbeit zu führen. Du verstehst die Anspielung, denke ich.
Ebensowenig haben Alexander der Große, Napoleon oder andere Heerführer auch nur eine Schlacht gewonnen – obwohl uns das die Geschichtsbücher so sagen. Es war letztendlich immer das Fußvolk, welches das „feindliche Terrain“ erobert hat. Natürlich war die Strategie des Feldherren und die Taktik seiner Commandeure sowie die Qualität der Ausbildung und Vorbereitung von großer Bedeutung, aber gekämpft und gesiegt haben die Soldaten!
Ein wesentlicher Grund, warum Gott Dich hier auf dieser Erde zurückgelassen hat, ist Deine Bedeutung als Zeuge der erlebten Gnade und Barmherzigkeit Gottes in Deiner natürlichen Umgebung. Du bist ein Glied in einer Kette oder um ein passenderes Bild zu benutzen, Du bist eine Masche im Fischernetz Gottes – Du bist einzigartig und in gewissem Maße unersetzlich. Ohne Dich ist die Kette gerissen und das Netz löchrig. Jeder von uns ist daher aufgefordert, seinen oder ihren Platz in der großen Evangelisationskampagne Gottes einzunehmen.
Ich habe zwei Arten von geistlichen Aufbrüchen beobachtet. (Von der einen habe ich nur gehört und gelesen, die zweite habe ich ein kleines Stück weit selber miterlebt) Da erweckt Gott einen herausragenden Evangelisten oder Prediger wie Billy Graham, Moody, Whitfield, usw. und Tausende bekehren sich auf ihre Botschaften hin. Petrus predigt zu Pfingsten und bei 3000 werden zur Gemeinde hinzugetan. (Apg.2,41) Möge das ruhig öfter geschehen – auch in unserem Land. Wir lesen aber auch von einer anderen Begebenheit. Nach der Steinigung des Stephanus – das muß für die etwas ängstlicheren Seelen (wie ich es bin) ein Schock gewesen sein! – zerstreuen sich die meisten Gläubigen der Gemeinde in alle Himmelsrichtungen. Aber statt der „Todesanzeige“ für die junge Gemeinde in den „Jerusalemer Nachrichten“ lesen wir vom Ausbruch einer Erweckung in den Gegenden, wo die Zerstreuten hinkamen! Die Jünger konnten nicht schweigen, sie gingen umher und verkündigten das Wort (Apg. 8,4). Dieser geistliche Aufbruch ist durch die vielen „kleinen“, unbedeutenden, unbekannten Jünger – wie Du und ich sie gleicherweise sind – geschehen. Es ist eine Erweckung des Fußvolkes, wo vielleicht einer oder einige wenige geistliche Jünger (eigentlich der Geist Gottes!) die Vielzahl der Gläubigen mobilisieren und diese sich mobilisieren lassen.
Nur Du kannst Deinen Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis mit dem Evangelium auf natürliche, ungezwungene Weise ansprechen. Jeder andere ist vorerst ein Fremder und Eindringling. Nur Du hast den Bonus der Vertrautheit und daher des Vertrauens.
Je mehr Gläubige sich aktiv um ihren „Kreis“ kümmern, desto mehr werden schlußendlich mit dem Evangelium erreicht und gläubig werden. Das ist eine einfache Wahrheit. Eine Gemeinde, die sich um den oder die „Arbeiter“ schart, hat unabhängig von ihrer Größe einen kleinen Wirkungskreis und eine Gemeinde, wo möglichst jeder als Zeuge Jesu Christi mobilisiert ist, hat einen ungleich größeren.
Praktische Möglichkeiten für jeden Gläubigen:
Im folgenden sind einige praktische Vorschläge beschrieben, die jeder Gläubige in seinem Leben umsetzen kann, um ein besserer Menschenfischer zu werden.
1. Sich ein Fundament schaffen: Wir können nur von dem reden, was wir wissen und verstehen. Wir müssen das Wort Gottes lesen, studieren, darüber nachdenken, Verse auswendig lernen, um mit dem Wort Gottes – dem Schwert des Geistes – „kämpfen“ zu können. Sonst werden wir nur das stumpfe Holzmesser unserer eigenen Gedanken für diesen Kampf um Menschenseelen zur Verfügung haben. Je besser und ausgewogener das lehrmäßige Fundament ist, desto effektiver kann man es auch in der Evangelisation. Ich habe auch sehr viel von herausfordernden Kassetten, die ich mir während längerer Autofahrten anhöre, gelernt. So viele gute Bücher verstauben im Regal neben dem eingeschalteten Fernseher.
2. „Gute Fragen“ stellen lernen: Gute Fragen regen zum Nachdenken und zu einer Vertiefung des Gesprächs an. Man braucht Einfühlungsvermögen, um in einem Gespräch die richtige Frage zur richtigen Zeit zu stellen. Im Folgenden sind einige Fragen, die ich manchmal stelle. Aber fülle Deinen Köcher ruhig mit Deinen eigenen Fragen.
- Kannst Du mir erzählen wie Du Christ geworden bist oder bist Du noch auf der Suche?
- Warum denken Sie, dass Gott genauso zufrieden mit Ihrer Religion ist, wie Sie es sind ?
- Wie viele Sünden gibt es Ihrer Meinung nach im Himmel? Könnten Sie so in den Himmel kommen?
- Angenommen es würde Gott geben, wie müßte sich das auf jeden Menschen auswirken?
- Wie könnte man herausfinden, dass es Gott gibt? Welche Rolle könnte dabei die Bibel spielen?
- Warum glauben Sie, dass Sie Christ sind (oder: dass Sie errettet sind) ?
3. Zuhören: Eine der unabdingbaren Lektionen ist es, trotz unseres starken Anliegens, das Evangelium zu vermitteln, dem anderen wirklich und ehrlich zuzuhören. Erstens lernst Du Dein Gegenüber dadurch kennen, zweitens bringst Du Deine Wertschätzung ihm oder ihr gegenüber zum Ausdruck, weil Dir seine/ihre Gedanken offensichtlich wichtig sind. Oft hören wir nur höflichkeitshalber zu, um sofort bei der nächsten Pause unsere eigenen Gedanken loszuwerden. Das ist weder ehrlich noch höflich!
4. Merke Dir oder finde Illustrationen, und Gleichnisse: Gerade während ich diesen Absatz schreibe, ist mir eine ausgezeichnete Illustration über echten Glauben zwischen die Finger geraten. Das bedeutet nun praktisch: 1. Merken; 2. In meinem Evangelisationsordner unter „Illustrationen“ archivieren! ( das ganze ist und wird eine Schatzkiste!) Übrigens , die meisten guten evangelistischen Bücher sind diesbezüglich eine Fundgrube. Ebenso sind nacherzählte biblische Geschichten oft ein ausgezeichneter Weg, Menschen einerseits eine Wahrheit zu vermitteln, sie aber andererseits auch für das Wort Gottes neugierig zu machen.
5. Wir sollten unseren Glauben verteidigen können. Auf die (eigentlich eh recht wenigen) Einwände auf das Evangelium sollten wir gute, herausfordernde Antworten geben können. Mir haben da Bücher wie „Bibel im Test“ (von Josh McDowell) enorm weitergeholfen. Vielleicht sollten wir uns gute Antworten auf die wichtigsten Fragen mal durchdenken und auch für einen skeptischen Menschen annehmbar formulieren. Wir sollten die wichtigsten Fakten zur Entstehung und Überlieferung der Bibel auswendig wissen, ebenso eine Reihe von erfüllten Prophezeiungen in Bezug auf Israel, die Nationen und den Herrn Jesus. Etwas Belesenheit im Bereich der Naturwissenschaften schadet hier auch nicht. Nicht dass „Wissen“ so wichtig ist, es hilft aber in der Evangelisation. Dennoch gilt: Einen vollen Kopf kann man ersetzen, ein überfließendes Herz nicht.
6. Für die Leute, mit denen Du ständig beisammen bist, beten: Jeder von uns hat eine Handvoll Menschen, die uns ständig begegnen – Nachbarn, Arbeitskollegen, andere Mütter am Spielplatz, …! Wenn wir erst einmal konkret für jemandes Errettung beten, lenkt das auch unser Denken in diese Richtung. Bitte für Begegnungen, die von Gott gelenkt worden sind. Bete für die Verlorenen der Welt, aber bete mehr für Deinen Nachbarn!
7. Freundlichkeiten erweisen: Viele von uns sind mit einer guten Kinderstube aufgewachsen oder haben einfach ein freundliches Wesen. Manche von uns sind aber Morgen-, Mittag- und Abendmuffel in einer Person und tun sich im Umgang mit anderen schwerer. Für den Menschenfischer ist es aber einerlei, denn unabhängig von unserer Veranlagung oder unserer Gewohnheit verjagen wir die Leute durch eine ruppige Art oder wir gewinnen Menschen mit einem freundlichen Umgang. Ich rede von ganz normalen Dingen wie unsere Nachbarn, oder den Briefträger zu grüßen und ein paar freundliche Worte zu wechseln, jemandem die Einkaufstasche über die Stiege bis zur Wohnungstür tragen, eine Tür aufhalten, freiwillig im Beruf für jemanden einspringen, wenn Not am Mann ist. Freundliche Worte, Hilfsbereitschaft und eine unkomplizierte Art sind einfache Zugbrücken zu den Herzensburgen in unserer zunehmend verschlosseneren Gesellschaft.
8. Den Nachbarn zum Kaffee, zur Jause einladen: Die Kinder – und die Mütter – der Nachbarschaft zu einer Kinderfeier einladen, etwas gemeinsam unternehmen. Viele Dinge müssen einfach initiiert werden, damit sie geschehen. Warum sollte diese Initiative nicht von uns ausgehen? Es gibt Tausend gute Ideen, die eine Beziehung beginnen und fördern. Für Freundschaftsevangelisation braucht man Freunde! Wenn wir keine haben – was bei vielen Christen der Fall ist – so müssen wir daran arbeiten, wieder welche zu finden. Ein Hobby wie Fotografieren oder die Ausübung eines Sports wie Tennis, Fußball, Volleyball oder Schifahren könnten da eine Begegnungsmöglichkeit bieten, oder gemeinsam Fischen, Joggen und Radfahren gehen, einen Chor oder Volkshochschulkurse besuchen. Überall kann man Menschen treffen und kennenlernen. Irgendwann muß man dann den Schritt wagen, diese Person oder Familie mal einzuladen. Bei einem edlen Tropfen Wein oder einem Seiterl Bier und einem guten Essen ergeben sich in dieser lockeren Atmosphäre und ungezwungenen Gesprächen oft die besten Möglichkeiten, von unserem Glauben zu reden.
9. Gelegenheiten, wo wir unsere aufrichtige Hilfe, Anteilnahme, Mitfreude, etc. zum Ausdruck bringen können, suchen und nützen: Der Tod eines geliebten Menschen, der Verlust einer Arbeitsstelle, Schwierigkeiten mit den Kindern, eine schwere Krankheit sind Gelegenheiten, die Liebe Jesu Christi durch Anteilnahme und praktische Mithilfe sichtbar werden zu lassen. Da ist eine Schwester deren Arbeitskollegin erkrankt ist. Diese Schwester besorgt ein Buch, das sich mit dieser Krankheit auseinandersetzt und zeigt damit, dass ihr die Arbeitskollegin wichtig ist – und schon wird eine Brücke, über die eines Tages die Frohe Botschaft ein anderes Herz erreichen kann, gebaut oder gefestigt.
10. Geburtstage, Weihnachten, Neujahr, Hochzeitstage verwenden: Ein gutes Buch zur richtigen Zeit geschenkt, hat schon so manches Gespräch nach sich gezogen.
11. Gute evangelistische Kassetten, Bücher oder Videos verschenken oder verborgen: Bücher, Kassetten, Videos, die im Gebet ausgewählt werden, sind sehr effektive Evangelisationsmittel. Vor allem dann wenn sie mit nachfolgenden Gesprächen verbunden sind. Aber die Kassetten oder Bücher müssen von uns gelesen bzw. gehört sein, damit wir den Inhalt kennen. Je genauer ein Buch, eine Kassette in eine bestimmte Situation spricht oder eine brennende Frage beantwortet wird, desto eher wird die Botschaft akzeptiert.
12. Bei fast jedem Gespräch gibt es die Möglichkeit, Zeugnis zu geben. Wie wäre es, wenn wir jetzt nicht zu stottern beginnen würden, nicht eine halbe Stunde bräuchten, bis wir zur Bekehrung kommen, den anderen nicht berechtigten Grund geben würden, uns für verrückt zu erklären, sondern kurz, bündig, ansprechend und auf den Punkt gebracht den anderen durch unser Zeugnis zum Nachdenken herausfordern könnten? Nicht alles ist Menschenfurcht was uns hemmt, so manches ist eine schlechte Vorbereitung! Ein Fischer muß, um Fische zu fangen, mit guten Netzen rausfahren und wenn sie löchrig geworden sind, muß er sie flicken. Man kann sich sein „Zeugnis“ mal durchdenken und vorbereiten.
13. Die Menschen verstehen lernen: Was denken die Menschen unserer Zeit, was bewegt sie, was ist ihnen wichtig, was nicht? Wir sollten die Menschen verstehen und darüber nachdenken, inwieweit das Evangelium gerade in dieser Zeit ihre Sehnsüchte und Wünsche erfüllt. Themen, die Menschen vor 20 Jahren angesprochen haben, sprechen sie jetzt nur mehr teilweise oder gar nicht mehr an. Das ist besonders bei der Auswahl von evangelistischen Büchern wichtig.
14. Du mußt wissen, wann Du reden und wann Du aufhören sollst: Das rechtzeitige Ende und das Gefühl, dass einem nicht etwas (das man eigentlich nicht will) „aufs Aug‘ gedrückt“ worden ist, sind die Zutaten für den guten Nachgeschmack eines Gesprächs.
15. Auf der einen Seite sollten wir nie jemanden aufgeben, auch wenn sich die Person momentan gegen Christus entschieden hat, denn einen Freund gibt man nicht auf. Auf der anderen Seite sollen wir uns auch nicht daran hindern lassen, anderen, vielleicht interessierteren Menschen das Evangelium zu bringen. Hier die Balance zu finden, ist nicht leicht aber notwendig.
16. Tu es! Dieser Punkt ist der wichtigste und praktischste. Wir müssen in unserem Leben ein Zeugnis sein, mit den Leuten über unseren Glauben reden, Zeugnis geben, wir müssen für die Leute beten, Gelegenheiten ergreifen, mit ihnen gemeinsam in der Bibel lesen, sie nach Hause einladen, und, und , und. Wir müssen die Dinge tun! Es nützt nichts (!!!), sich diese Dinge vorzunehmen, hier darüber zu lesen oder sie in einem Kurs über persönliche Evangelisation unter Laborbedingungen zu vervollkommnen, wenn wir sie nicht tun. Mit meinem ganzen Herzen möchte ich Dich ermutigen, ermahnen, anflehen, dass Du endlich anfängst sie zu tun, egal ob Du ein „Anfänger“ (die eh meistens viel natürlicher sind!) oder ein „Profi“ bist.
Es gäbe hier sicherlich noch vieles zu sagen und wahrscheinlich 1000 Ideen, wie man das alles noch besser machen kann und soll. Ich hab hier einfach einige Gedankenanstöße geben wollen, die Dir eine konkrete, praktische Hilfe in Deinem Bemühen, Deinen „Kreis“ zu erreichen, sein sollen. Es geht nicht um die Theorie der persönlichen Evangelisation, sondern dass Du heute (wieder) beginnst und Dich d‘rübertraust, Deinen Platz im Netz Gottes einzunehmen, denn Du bist einzigartig und unersetzlich!
Teil 3
Vom Standpunkt des einzelnen Gläubigen aus betrachtet – Gar nicht! Du kannst nur Deinen „Kreis“ (Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde, etc.) mit dem Evangelium bekanntmachen. Und dies ist auch die Verantwortung des einzelnen Gläubigen – von Dir und mir! Fragen wir aber den Apostel Paulus, so zeigt er uns eine Möglichkeit. Man erreicht eine ganze Gegend (z.B. ein Land) indem man es mit gesunden, sich selbst multiplizierenden Gemeinden übersät. Der große Apostel sagte von seinem Dienst, dass er das Evangelium von Jerusalem an bis nach Illyrikum völlig verkündigt hat. Wenn man die Apostelgeschichte aber liest, so sieht man, dass Paulus „lediglich“ einige Gemeinden – meistens an strategisch wichtigen Orten – gegründet hat. Er hat das Potential einer Gemeinde, das Evangelium in die gesamte Umgegend zu tragen, erkannt. Jahre und Jahrzehnte, nachdem der Apostel bereits weggezogen oder gestorben ist, erreichen Jünger Jesu ihre Nachbarn und Freunde mit dem Evangelium. Es öffnet sich die Tür in einem Nachbartal oder einer Stadt in der Nähe für eine Bibelstunde und siehe da, zwei Jahre später entsteht in dieser Gegend eine kleine aber wachsende Gemeinde. So ist Paulus zu dem Schluß gekommen, dass er diese Gegenden völlig erreicht hat, wenn er an einigen Orten eine Gemeinde gegründet hat. Ist dies geschehen, hat er das ganze Gebiet auf seiner Landkarte als erreicht abgehackt. Er ist völlig überzeugt gewesen von einer fundamentalen Wahrheit der Weltevangelisation:
Die Bedeutung der örtlichen Gemeinde:
Ich bin überzeugt, es gibt kein wirksameres Konzept zur Weltmission als Gemeinden, die nach den Prinzipien des Neuen Testaments funktionieren. Dies hängt mit den Kennzeichen einer solchen Gemeinschaft zusammen:
1. Der Herr Jesus ist der beständige Mittelpunkt des Gemeindelebens.
2. Das Wort Gottes wird treu gelehrt, geglaubt und praktiziert.
3. Das Gebet ist ein vitaler Teil des Glaubenslebens der Gemeinde.
4. Die „Nestwärme“ einer sich kümmernden Gemeinschaft geben jedem und besonders Babychristen Geborgenheit.
5. Jeder Gläubige ist aktives Gemeindeglied. Jeder kann und soll sich gemäß seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten in der Gemeinde einbringen.
6. Eine geistliche Gemeindeleitung wird von mehreren qualifizierten Brüdern gebildet. Sie leiten als Team in Abhängigkeit von Jesus Christus die sonst unabhängige Gemeinde.
7. Die reiferen Gläubigen trainieren die nächste Generation. Dieser Multiplikationsprozeß setzt sich auch in der Neugründung von „Tochtergemeinden“ fort.
8. Eine Vision für Weltmission.
Jede Gemeinde hat eine außerordentlich wichtige Rolle in der Weltevangelisation. Dies gilt besonders für die Erreichung des umliegenden Gebietes. Uns muß aber auch bewußt werden, dass die tatsächliche Bedeutung direkt proportional mit der Treue bezüglich der neutestamentlichen Prinzipien steht. Jede Gemeinde, im besonderen aber die Gemeindeleitung, ist herausgefordert, alles daran zu setzen, dass die oben erwähnten Prinzipien trotz aller widrigen Umstände im praktischen Gemeindeleben Verwirklichung finden. Die Ältesten (eigentlich alle Gläubigen) müssen daher immer wieder über die folgenden Fragen nachdenken: „Ist der Herr Jesus in unserem Leben und unserem Gemeindeleben im Mittelpunkt?“; „Inwieweit werden junge Babychristen aufgefangen und versorgt?“; „Inwieweit haben wir eine Atmosphäre der Geborgenheit?“; „Findet bei uns jeder Gläubige seine ihm von Gott gegebene Rolle in der Gemeinde und kann er sie ausfüllen?“; „Trainieren und schulen wir unsere derzeitigen und zukünftigen Mitarbeiter (auch die Schwestern!) in passender Weise?“; „Sind wir eine wachsende (qualitativ und quantitativ) Ältestenschaft?“; „Haben wir eine gesunde Vision für Weltmission und wirkt sich diese in der Gemeinde entsprechend aus?“; „Und was können oder müssen wir tun, um dieser oder jener Schwäche zu begegnen?“ Beim Nachdenken werden viele brauchbare und gute Ideen geboren. Oft habe ich aber den Eindruck, dass uns nicht wirklich der Herr und Seine Anliegen am wichtigsten sind, sondern der status quo!
Eine neutestamentliche Gemeinde ist nicht nur eine schöne Schutzburg für die Gläubigen, sie ist gleichzeitig auch der Stützpunkt, der Brückenkopf für das Evangelium und weitere Gemeinden. Die Gemeinden des Neuen Testaments haben ihre ganze Gegend mit dem Evangelium „erobert“ (1.Thes.1,5-8). Die Balance zwischen „Schutzburg“ und „Brückenkopf“ zu finden, ist hierbei von besonderer Wichtigkeit. Die Gemeinde muß einerseits als Voraussetzung für ein wirksames Zeugnis nach innen erstarken, dem einzelnen Geborgenheit und Sicherheit vermitteln, aber sie muß andererseits dann die „Burg“ verlassen und nach außen gehen, die verlorene Welt um sich herum mit dem Evangelium erreichen und das bedeutet Unsicherheit, Herausforderung und Risiko. Es braucht für den einzelnen die Ermutigung der Gemeinde, um sich einer evangeliumsfeindlichen Welt zu stellen. Außerordentlicher Mut ist hingegen für eine ganze Gemeinde notwendig, damit eine Gemeindeteilung oder die bewußte Neugründung einer Gemeindearbeit oder die Aussendung der besten Leute in die Mission stattfindet. Wir müssen lernen, in der Spannung zwischen dem sicheren, nach innen gerichteten Gemeindeleben und dem Risiko des Hinausgehens – in welcher Form auch immer – zu leben. Ich befürchte aber, dass wir in unserer „sicheren“ westlichen Kultur den Sinn für wirkliche Balance in dieser Frage bereits verloren haben. Die Berichte der Apostelgeschichte spiegeln sehr viel Unsicherheit und Risikobereitschaft wider. So ist Paulus eigentlich stets (manchmal gewollt, des öfteren auch unfreiwillig) zu früh (im Hinblick auf „Sicherheit“) von den gerade erst entstandenen Gemeinden weggegangen, um neue zu gründen. Ich denke, wir wären versucht – wenn wir heute mit so einer Situation konfrontiert wären und es nicht Paulus wäre – so ein Handeln als grob fahrlässig und verantwortungslos abzukanzeln. Andererseits ist es aber ebensowenig verantwortlich, nicht hinauszugehen und dadurch Menschen verloren gehen zu lassen. Ich möchte hier wirklich kein Plädoyer für verantwortungslose Gemeindeteilungen und Aussendungen von Missionaren geben, ich will aber zum Überdenken unserer Standpunkte ermutigen.
Die allerwenigsten Gläubigen schaffen es, alleine und auf sich gestellt ihren Kreis mit dem Evangelium zu erreichen. Es braucht daher „beflügelnde Gemeinden“ – das sind Gemeinden, die jedem (!!!) einzelnen Gläubigen in der persönlichen Evangelisation helfen. Fakt ist, dass in den meisten Gemeinden nur wenige Gläubige in den letzten fünf Jahren jemand persönlich zum Glauben geführt haben – es sind fast immer die gleichen, die Leute zu Veranstaltungen mitbringen, die mit ihren Freunden in der Bibel lesen, die nicht nur Zeugnis durch ihr Leben sind – und das ist eine Voraussetzung – sondern auch mit ihrem Mund Zeugnis von ihrem Glauben abgeben. Obwohl ich aus Gesprächen weiß, dass fast alle Gläubigen evangelisieren wollen, sieht die Realität leider anders aus. Eine Aufgabe der Gemeinde ist es daher, dass jeder einzelne Gläubige hier Hilfe bekommt. Ich und wahrscheinlich auch Du brauchen für unsere zaghaften Evangelisationsversuche eine „beflügelnde Gemeinde“! Darum ist das Vorhandenseins eines „evangelistischen Forums“, wie etwa einer regelmäßigen evangelistischen Bibelrunde, halbjährliche oder jährliche evang. Vorträge, unabdingbar. Nicht jeder kann seinen Freunden und Bekannten das Evangelium ausreichend erklären oder mit ihnen in der Bibel lesen, aber jeder kann jemand zu einem Bibelkreis oder zu Vorträgen mitnehmen. Viele Gemeindegebetsstunden werden durch eine Missionsgebetsstunde bereichert. Wir haben in unserer Gemeinde bewußt noch eine „Evangelisationsgebetsstunde“ dazugegeben. Eine gut sortierte evangelistische Bibliothek, Kassettothek, Videothek ist eine große Hilfe für den einzelnen Gläubigen, seine Freunde mit „Herausforderungen“ zu versorgen und bestimmte Gelegenheiten wie Geburtstage, Weihnachten, Hochzeiten, etc. nicht ungenützt verstreichen zu lassen. Die Organisation solcher „-Theken“ ist eine große aber auch eine lohnende Aufgabe, die besonders in der Auswahl der Bücher mit großer Sorgfalt gemacht werden muß. Im letzten Jahr habe ich zwei interessante Erfahrungen gesammelt. Beide haben damit zu tun, Geschwister unserer Gemeinde in der Evangelisation zu „beflügeln“. Die erste Bemühung nenne ich „Coaching“. Ich habe einen jungen Gläubigen ermuntert, bei seiner Verwandtschaft anzufragen, ob wir (er und ich) bei ihnen eine Bibelstunde machen könnten. Sein Bruder hat bei der ersten Anfrage wegen meiner Mitarbeit abgelehnt. Eine zweite Anfrage, mit dem Vorschlag, die Bibelstunde ohne mich durchzuführen, ist positiv beantwortet worden. Seitdem treffen sich Bernhard und ich ein paar Tage vorher und besprechen die Bibelstunde, die er dann alleine bei seinen Verwandten hält, durch. So werden seine Eltern, seine beiden Schwestern, sein Bruder und seine Schwägerin, der Freund einer Schwester und manchmal sein Onkel mit dem Evangelium erreicht. Ich muß aber auch sagen, dass Bernhard für so eine Arbeit wirklich begabt ist. Vor kurzem hat er mir geoffenbart, dass er bald eine Bibelstunde mit seinen Arbeitskollegen beginnen möchte! Die zweite Bemühung heißt „Evangelisationsteam (ET)“ in unserer Gemeinde. Eine Gruppe von etwa 10 Personen trifft sich einen Abend pro Monat, um einerseits durch Austausch und Schulung in der persönlichen Evangelisation zu lernen und Ermutigung zu erfahren, andererseits aber auch um evangelistische Projekte zu planen, vorzubereiten und sie mit der ganzen Gemeinde durchzuführen und so das evangelistische Anliegen in die Gemeinde hineinzutragen. Dies scheint mir besonders wichtig. Das Evangelisationsteam soll die Evangelisation jedes Gläubigen ankurbeln und nicht ersetzen. So sind etwa die Vorbereitungen zu unseren evang. „-Theken“ vom ET gemacht worden. Viele gute Ideen, die im Gedanken- und Erfahrungsaustausch geboren worden sind, warten nur noch darauf verwirklicht zu werden – aber eins nach dem anderen. Außerdem wird jedem einzelnen von uns in der persönlichen Evangelisation geholfen, indem wir ganz konkrete Ziele und Möglichkeiten bezüglich unseres „Kreises“ besprechen. Der wichtigste Faktor ist für mich aber die beständige Motivation zum Evangelisieren durch die regelmäßige Ermutigung und Herausforderung.
Angenommen eine größere Zahl von Leuten aus dem Nachbarort bekehrt sich durch die Bemühungen Eurer Gemeinde. Gut, es entsteht sicher einmal eine Bibelstunde. Ich denke, dass man in so einem Fall als Gemeinde auf die Gründung einer neuen Gemeinde bewußt und daher zielgerichtet hinarbeiten soll (eigentlich muß!). Sollten zuwenig reife, begabte und bewährte Geschwister für diese Arbeit an diesem Ort sein, sollte man geeignete Geschwister zu einer „strategischen Übersiedlung um Christi Willen“ ermutigen und sie darin unterstützen. Mich fasziniert schon seit Jahren das Vorbild von Priska und Aquilla. Ihre Mobilität und Flexibilität für das Reich Gottes sind eine große Herausforderung für uns Österreicher, die wir so sehr an unserem geliebten Haus, an unserer schönen Wohnung hängen. Nichts gegen eine große Liebe für ein Haus, wenn es zuallererst die Liebe für das Haus Gottes ist! Priska und Aquilla hatten ihr Haus, aber es war nur ein Werkzeug, um ein größeres Haus – die Gemeinde Gottes – zu beherbergen. Wo sind heute noch solche Ehepaare, die um des Reiches Gottes willen übersiedeln, um einer Gemeinde oder Gemeindegründung, die Mangel vielleicht sogar Not an Mitarbeitern hat, zu helfen?
Und schließlich ist eine Möglichkeit, das Werk des Herrn in diesem Land voranzutreiben, die Entlassung von bewährten, begabten und hingegebenen Brüdern in den vollzeitlichen Dienst. Auch die Möglichkeit einer Halbtagsarbeit, um mehr Zeit für das Reich Gottes zur Verfügung zu haben, ist in manchen Fällen überlegenswert und für einen Österreicher, der vor Ort arbeitet, vom Zeugnis her oftmals sogar günstiger. Ich rede nicht von der Aufrichtung eines „versteckten Pastorensystems“ (das ich von der Schrift her überhaupt nicht sehen kann), sondern von der effektiveren Ausbreitung des Evangeliums. Da ist zum Beispiel eine Gemeinde, welche die Möglichkeit einer Gemeindeteilung hätte, wenn mehr Arbeiter vorhanden wären. Eine Variante wäre aber auch, so einen bewährten und begabten Bruder (ich gehe hier davon aus, dass es ihn in dieser Gemeinde gibt) für den Dienst freizustellen, damit die neue Gemeinde gebaut werden kann und die alte dennoch nicht verkümmert. Da ist keine Rede von einem Pastor sondern von der Möglichkeit, eine sonst für Jahre unmögliche Gemeindegründung zu verwirklichen.
Wir Österreicher haben bei solchen Überlegungen ein Problem: – Wir tun uns leicht, einen ausländischen Missionar zu akzeptieren (und wir haben ihnen auch viel zu verdanken!!!) oder jemand in die Auslandsmission zu schicken. Aber es fällt uns äußerst schwer, einen „von uns“ als Vollzeitler unter uns zu akzeptieren und zu unterstützen. Es gibt leider einige Beispiele, die dieses Problem belegen. Ist es unsere „Neidgesellschaft“ oder etwas anderes, ich weiß es nicht. Es ist leider eine traurige Tatsache, dass viele von uns ein Problem mit so einem Arbeiter haben würden. Traurig deswegen, weil dadurch das Reich Gottes gebremst wird. Außerdem ist dieses Denken den Prinzipien der Heiligen Schrift entgegengestellt. Die Bibel redet davon, dass Älteste, die wohl vorstehen und besonders in der Lehre arbeiten, finanziell unterstützt (und damit von der normalen Arbeitssituation entlastet) werden sollen, damit sie den Dienst für die Gemeinde besser erfüllen können. Sie redet davon, dass die das Evangelium verkündigen, vom Evangelium leben sollen, sie redet davon, dass ein Arbeiter seines Lohnes Wert ist, etc. Ich bin total dagegen, dass ein „junger Spund“ etwa nach der Bibelschule in einen vollzeitlichen Dienst geht, aber ich bin ebenso dagegen, dass die über Jahre und Jahrzehnte bewährten, erfahrenen, begabten und immer noch brennenden Arbeiter für ihre Firma ihre kostbare Zeit vergeuden und ihr Leben durch die nicht selten über die Kräfte gehenden Verantwortungen in Gemeinde, Familie und Arbeit aufgerieben wird. Die Heilige Schrift ist in diesem Punkt sowohl effektiver als auch barmherziger als wir Österreicher. Ich denke, wir haben hier einen Bereich, wo wir uns neu auf die Ordnungen der Heiligen Schrift ausrichten und auch mutig genug sein müssen, diese in der Gemeinde zu predigen. Es gilt auch hier, dass eine gesunde Lehre zu einem gesunden Denken führt. Dazu zählt aber die freimütige Unterstützung von anerkannten und letztlich von Gott ausgewählten Arbeitern. Man muß diesem Mann und (höchstwahrscheinlich) seiner Familie zeigen, dass man ihm (ihnen) vertraut, dass er ein guter Verwalter der Mittel ist. (Wenn dieser Mann nicht bereits über Jahre gezeigt hätte, dass er das ist, käme er dann überhaupt in Frage?) Wie beschämend ist es, einen solchen Arbeiter bezüglich der Verwendung der finanziellen Mittel zu hinterfragen! Ganz ehrlich, er steht vor dem Herrn und ist ihm allein Rechenschaft schuldig und nicht mir, der ich ihm etwas Geld gegeben habe. Sobald das Geld gegeben ist, habe ich auch jedes Anrecht auf Rechenschaft abgegeben! Dieses Recht hat allein der Herr. Warum müssen wir alles so kompliziert machen? Warum können wir nicht einen Bruder, der schon seit Jahren mit seiner Familie ein Vorbild ist, geradezu ermutigen, darüber nachzudenken, in den vollzeitlichen Dienst zu gehen? Warum zeigen wir ihm nicht, dass wir voll hinter ihm, seinem Dienst und der Möglichkeit, sich vermehrt für das Reich Gottes einzusetzen, stehen? Da gehen Tausende jeden Tag verloren und wir machen uns das Leben mit Kinderkram schwer und bringen uns letztlich um eine große Belohnung im Himmel – wo wir in dieser Frage mehr hinschauen sollten! Ja, wir sollten zuerst in den Himmel schauen und unseren Herrn Jesus fragen, wie er die Dinge sieht und dann sollten wir hingehen und die besten und bewährtesten Leute ermutigen, indem wir ihnen sagen: „ Du, Alois (Andreas, Franz, Helmut, Michael, Peter, und wie sie noch heißen mögen), ich habe den Eindruck, Du sollst gemeinsam mit den anderen Ältesten darüber nachdenken, ob Du nicht in den vollzeitlichen Dienst gehen sollst, damit mehr Menschen von Deinem Dienst profitieren können, damit wir die neue Gemeinde gründen können, etc.!“ Und wenn es soweit ist, ist es unser Vorrecht (so sieht es die Heilige Schrift!) finanziell zu unterstützen.
Ja, wir können unser Land erreichen! Wenn wir uns neu auf die Nachfolge Jesu einlassen und beginnen unserer Bedeutung als einzelner Gläubiger (= Zeuge der Gnade Gottes) gerecht zu werden und wenn wir uns neu auf die Prinzipien von neutestamentlichen (= sich multiplizierenden) Gemeinden konzentrieren, so werden wir unser Land erreichen!
(Günter Neumayer hat über dieses Thema während zwei Freizeiten von oberösterreichischen Gemeinden gesprochen und sie für Gemeinde und Mission als Artikelserie überarbeitet.)