„Freuet Euch in dem Leid!“ – Das Problem des Leidens
Für den Laien sind die Veränderungen der Physik und Kosmologie der letzten Jahrzehnte sehr bedeutsam. Konstant-statische Modelle wurden aufgegeben und man denkt nun, daß Raum und Zeit einen Anfang haben. Dies läßt die Frage „Wie entstand das Universum?“ aufkommen. Es gibt vermehrt Beweise der Rationalität, der Verständlichkeit und der ehrfurchtgebietenden Schönheit des Universums. Diese haben eine zunehmende Anzahl von Wissenschaftlern veranlaßt, mit Albert Einstein übereinzustimmen, daß irgendeine Art von „Intelligenz“ hinter dem Universum stehen muß. Trotzdem sind solche Wissenschaftler nicht unbedingt bereit zu glauben, daß diese „Intelligenz“ der persönliche Schöpfer-Gott ist, den die Bibel uns zeigt. Eines ihrer Hauptargumente ist, daß so viel Leid auf der Welt nicht mit dem Glauben an den allmächtigen, allwissenden und alles-liebenden, persönlichen Schöpfer-Gott zu vereinbaren ist.Hierin liegt ein echtes Problem. Umsomehr, da es sich nicht nur um ein intellektuelles Problem handelt, sondern um eines, welches uns tief in unseren Empfindungen berührt.
Ein Weg mit diesem Problem fertig zu werden ist, die historische Theorie der Stoiker wieder aufzugreifen. Hierbei nimmt man an, daß die hinter dem Universum stehende „Intelligenz“ unpersönlich ist. Dies geht jedoch aus dem einfachen Grund nicht, da wir als menschliche Wesen selbst Personen sind. Instinktiv wissen wir, daß persönliche Wesen den unpersönlichen Kräften und einer unpersönlichen Intelligenz unendlich überlegen sind (was auch immer mit Intelligenz in diesem Zusammenhang gemeint sein mag). Elektrizität ist viel stärker als wir selbst und kann Spektakuläres vollbringen, wozu wir nicht in der Lage sind. Trotzdem betrachten wir uns, ohne zu zögern, als der Elektrizität überlegen.
Weiterhin sind wir sehr froh darüber, unpersönliche Kräfte, so komplex sie auch sind, zu beherrschen und zu kontrollieren. Ebenso wie wir hochentwickelte Computer benutzen. Dagegen würden wir es moralisch abstoßend finden, danach zu streben, eine andere Persönlichkeit in dieser Art und Weise zu beherrschen. Es sei denn, daß wir selbst „extrem unmenschliche“ Faschisten sind.
Es wäre ein gigantischer Glaubensschritt, anzunehmen (falls dies nicht ebenfalls ein Widerspruch in sich selbst ist), daß eine unpersönliche Intelligenz, ohne ihr Wissen, persönliche Wesen geschaffen hat. Oder aber, daß sie wissentlich Persönlichkeiten schuf, selbst aber unpersönlich bleiben wollte. Wir wären dann tatsächlich größer als die Intelligenz, die uns geplant und geschaffen hat.
Es gibt einen weiteren, sehr verbreiteten Versuch, dieses Problem zu lösen. Hierbei wird jeder Glaube an einen intelligenten Schöpfer (ob persönlich oder unpersönlich) aufgegeben oder abgelehnt. In diesem Fall wird die Hypothese übernommen, daß das ganze Universum ein Resultat von sinnlosen, unpersönlichen Kräften ist. Diese arbeiten als eine gleichwertige Mischung von Zufall und Kausalität zusammen, ohne endgültiges Ziel. Bei dieser Hypothese muß Leiden nicht erklärt werden. Was könnte anderes von einem solchen Prozess erwartet werden, als endloses, vielfaches Leiden. (Das Rätsel würde dann sein: Warum kann so vieles so ehrfurchtgebietend schön sein?)
Diese einfache, um nicht zu sagen simplistische Antwort, löst das intellektuelle „Problem des Leidens“. Jedoch das Leid selbst wird man dadurch nicht los.
Wenn wir nur an den allmächtigen, allwissenden und alles- liebenden Schöpfer glauben könnten, hätten wir Grundlagen für den Glauben und die Hoffnung, daß unser Leid nicht unbedingt böse ist. Sondern, daß wir eines Tages sehen werden, daß es einem guten und lohnenden Zweck diente, wie wenig wir das auch jetzt verstehen mögen.
Wenn es um die tatsächliche Erfahrung des Leidens geht, so ist sind es dieser Glaube und diese Hoffnung, die uns dazu fähig machen, es auszuhalten. Der Atheismus jedoch nimmt den Glauben, die Hoffnung und die Bedeutung vollständig weg. Nicht nur, daß die Schmerzen und Leiden dann sinnlos sind, sondern letztendlich das Leben selbst. Was kannn ein Atheist einer 33-jährigen, jungen Mutter sagen, bei der Krebs im Endstadium festgestellt wurde. Er hat keine Hoffnung anzubieten. Er muß ihr sagen, daß soweit es sie betrifft, ihr Leiden keinen Sinn hat und nutzlos ist.
Ihre körperlichen Schmerzen sind schon schlimm genug, doch diese Theorien führen sie nun in eine intellektuelle und geistige Gefangenschaft. Sie sieht nun deutlich, daß unpersönliche, sinnlose Kräfte dabei sind ihrem Verstand zu spotten, ihren Sinn für Ästhetik ruinieren und den Sinn ihres Daseins zerstören. Wenn diese Kräfte nun die Frau und ihren Intellekt zu einem bedeutungslosen Nichts reduziert haben, werden sie nicht einmal wissen, daß sie es getan haben.
Wir müssen uns aber nicht dem trostlosen Pessimismus
dieser unbewiesenen, atheistischen Theorien beugen.
Wir haben handfeste und überzeugende Beweise für unsere Überzeugung, daß die Existenz des Leidens im Universum und in unserem Leben nicht unvereinbar mit der Existenz eines allmächtigen, allwissenden und alles-liebenden Schöpfers ist. Wenn wir selbst über dieses Thema nachdenken, können wir tatsächlich sehen, daß nicht alles Leiden unbedingt schlecht ist. Einiges ist wirklich nützlich, und damit wir werden uns im nächsten Kapitel beschäftigen.
Wir möchten uns nun dem größten aller Beweise zuwenden. Nicht nur, daß es einen allmächtigen und alles-liebenden Schöpfer gibt, nein, er hat sogar in der Bibel an vielen Stellen und in ausführlichen Einzelheiten zu uns gesprochen, über genau dieses Thema des Leidens. Zugegeben, er hat nicht jede Frage, die wir diesbezüglich stellen können, beantwortet.
Gott versichert aber denen, die es wagen, ihm zu vertrauen, daß er ein Ziel für ihr Leben hat. Wenn dieses Ziel erreicht ist, wird es jeden Schmerz, so groß er auch gewesen sein mag, mehr als rechtfertigen. Er sagt „Denn das schnell vorübergehende Leichte der Drangsal bewirkt uns ein über die Maßen überreiches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit“(2.Korinther 4,16-18);
und daß schlußendlich „denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“(Römer 8,28).
„Dieses sind nur Worte“ könnte jemand sagen. „Wie können wir denen nur Glauben schenken? Wenn Schmerzen unsere Nerven quälen und Leiden auf unsere Gefühle einstürmen, brauchen wir mehr als nur bloße Worte. Etwas, was gewichtiger ist wie kalte, intellektuelle Argumente, um uns zu überzeugen, daß sich dies alles schlußendlich doch lohnt. Was hätte denn dieser allmächtige Schöpfer überhaupt für ein Recht, sich diesen Plan auszudenken, der uns in so viel Leid verwickelt.
Wo ist denn seine vermeindliche Liebe in all dem?“
Gottes Antwort darauf sind nicht nur Worte, sondern Taten. Es ist das Kreuz seines Sohnes. Diese Antwort schockierte die Menschen, als sie sie zum ersten Mal hörten. Damals und auch noch heute haben die Menschen eine falsche Vorstellung. Nämlich, daß ein allmächtiger Gott niemals leiden würde und ein vollkommener Gott es nicht könnte. Die Antwort ist aber trotzdem wahr. Die Existenz des Leidens steht in keinem Widerspruch zu der Existenz eines allmächtigen, allwissenden und alles-liebenden Gottes. Er selbst hat gelitten! Aus Liebe zu uns, für unser Heil und für unsere ewige Glückseligkeit und Herrlichkeit. Darum ist Gott selbst, in der Person von Jesus Christus, in diese gefallene und leidende Welt gekommen. Er hat mehr als jedes seiner Geschöpfe und als alle zusammengenommen gelitten. Somit hat er den unbestreitbaren Beweis dafür geliefert, daß er uns liebt und treu zu uns hält.
Am Kreuz spricht er die Sprache, die in unsere Herzen hineintrifft. Nicht nur, um uns verstandesmäßig zu überzeugen, sondern, was noch viel wichtiger ist, um unsere Liebe und unser Vertrauen zu gewinnen. Aufgrund dieser Tatsache bittet er uns, ihm durch dick und dünn hindurch zu vertrauen, für Zeit und Ewigkeit.
Das Problem des Leidens (2)
In dem vorhergehenden Kapitel haben wir festgestellt, daß nicht alles Leiden unbedingt böse ist. Einige Arten von Leiden sind wirklich nützlich. Diese Aussage wollen wir nun anhand von verschiedenen Beispielen näher erklären. Der Schmerz eines geschnittenen Fingers wird Sie automatisch veranlassen, Ihren Finger von der Gefahrenstelle zurückzuziehen. Somit wird verhindert, daß der Finger vollständig zerstört wird. Schmerzen im Brustkorb können uns vor einer Herzkrankheit warnen und uns dazu bringen sie zu behandeln, bevor sie tödlich endet. Aus Furcht vor körperlichen Schmerzen sind wir sehr vorsichtig im Umgang mit Gefahr wie z.B. Feuer oder Strahlen. Die Furcht vor schmerzvollen Konsequenzen kann Sittenlosigkeit einschränken, wie z.B. bei AIDS. All solche Schmerzen sind offensichtlich nützlich.
Viele Menschen nehmen willentlich große Schmerzen in Kauf, nur um sich bei einem Rugby-Spiel zu erfreuen. Die Füße eines Ballettänzers können entsetzlich schmerzen. Die Freude am Spiel und die artistische Leistung scheinen aber die damit verbundenen, erheblichen Schmerzen aufzuwiegen.
Die meisten Menschen sind ebenfalls bereit, freiwillig starke Schmerzen auf sich zu nehmen, wenn dies der einzige Weg ist, um wieder gesund zu werden. Das ist z.B. bei einer Operation der Fall. Dostojewskij sagte einmal: „Schmerzen und Leiden sind immer notwendig für eine umfassende Kenntnis und ein verständnisvolles Herz. Mir scheint es, daß wahrhaft große Menschen viele Schmerzen auf der Welt erleiden müssen.“
Sogar bei völlig gesunden Menschen gibt es bestimmte positive Charaktereigenschaften, die ohne die tatsächliche Möglichkeit von Schmerzen niemals entwickelt worden wären. Wir werden z.B. nicht mutig, indem wir darüber nachdenken oder theoretisieren. Sondern dadurch, daß wir wiederholt den Gefahren von Schmerzen ausgesetzt sind oder sie tatsächlich erleiden. Hierbei scheint der Schmerz für die völlige Charakterentwicklung einer Person unentbehrlich zu sein.
Welch eine Würde wäre der Menschheit verlorengegangen, wenn die Entdeckung der Neuen Welt und die Erforschung des Alls kein größeres Leiden als ein Spaziergang in irgendeinen Hintergarten gewesen wäre.
Wir verachten zurecht die Brutalität von Diktaturen, die Menschen strafen, foltern oder sogar hinrichten, nur weil sie die Warheit sagen.
Wenn aber Männer oder Frauen lieber sterben möchten, als die Wahrheit zu leugnen, dann denken wir nicht, daß sie ihr Leben weggeworfen haben. Solche Menschen bewundern wir als Helden, weil sie uns daran erinnert haben, daß es einige Dinge gibt, die wertvoller sind als das körperliche Leben.
Zu ihrem Gedenken errichten wir dankbar Statuen. Für die Menschen aber, die das Leiden vermeiden wollen, indem sie Kompromisse mit ihren Prinzipien eingehen, werden keine Statuen errichtet.
Sogar solches Leiden, das den Menschen gegen ihren Willen aufgezwungen wurde, kann manchmal nützlich sein. Bei Kindern ist dies häufig der Fall. Für manches Kind ist das Klavierspielen eine Qual. Was aber viele Erwachsene bedauern, ist nicht etwa, daß sie als Kind von den Eltern zum Klavierspielen gezwungen worden sind. Nein, sondern daß sie nicht dazu gezwungen wurden.
Selbstverständlich kommt ein Punkt, wo die Summe des Leidens in keinem Verhältnis zu dem erreichten Nutzen zu stehen scheint. Einiges Leiden scheint einfach zerstörerisch zu sein. Wie z.B. die Verwüstungen eines großen Erdbebens oder die Zerstörungen durch die Alzheimer Krankheit. Wir werden auf dieses Problem in einem späteren Kapitel zurückkommen.
Wie schon zuvor gesagt, in manchen Bereichen des Lebens sind wir weit davon entfernt zu denken, daß Leiden, ja sogar schlimme Leiden, wirklich nützlich sind
In Anbetracht dessen wäre es unvernünftig, von vornherein den Glauben an die Existenz Gottes abzulehnen, wegen des vielen Leidens in der Welt.
Wir sollten vielmehr beginnen, folgende Fragen zu stellen:
1. Was war Gottes Ziel mit der Erschaffung der Welt und den Menschen?
2a. Und hätte dieses Ziel ohne das Risiko des Leidens erreicht werden können?
2b. Und falls nicht, war das Ziel bedeutsam genug, damit die, welche gelitten haben, das Gefühl hätten, daß ihre Leiden sich gelohnt haben?
3. Angenommen das Ziel könnte bei einem Fehlschlag des Plans nicht ohne das Risiko einer totalen Katastrophe erreicht werden. Gäbe es dann wenigstens für die eine ausreichende Vorsorge, die gerettet werden möchten?
4. Was wäre die Art und das Ausmaß des Leidens? Würde es sogar für die Menschen, die mit Gottes Zielen übereinstimmten, die Qual der Unsicherheit mit einschließen. Nämlich der Unsicherheit ob in ihrem speziellen Fall das Ziel erreicht oder alles als ein Fehlschlag enden würde?
Wir wollen mit der ersten Frage beginnen. Wenn die Bibel sagt, daß nach der Erschaffung der Erde „Gott sah, daß alles gut war“, müssen wir uns fragen „wofür?“ Die Antwort ist natürlich „gut für das Ziel, für das er die Erde erschaffen hat.“ Nun, die Bibel zeigt uns deutlich das Ziel, das hinter der Schöpfung steht.
Gott wollte einen Ort, an den er Geschöpfe setzen könnte. Diese Geschöpfe könnte er dann später durch bestimmte Prozesse als seine Söhne (Epheser 1,4-5) adoptieren. Für dieses Ziel müßte die Welt selbst nicht ewig bestehen. Sie wäre eine nötige, wenn auch zeitlich begrenzte Phase des gesamten Plans.
Tatsächlich weist die Bibel darauf hin, daß die Welt schon von Beginn an, und auch heute noch, den Mechanismus der Selbstzerstörung in sich trägt (2. Petrus 3,5-7).
An dieser Stelle müssen wir sichergehen, daß wir die Sprache der Bibel auch verstanden haben. Wenn das Neue Testament von den ‚Söhnen Gottes‘ und den ‚Kindern Gottes‘ spricht, dann benutzt sie diese Ausdrücke in ihrer eigentlichen Bedeutung. Wie wir wissen, neigen beliebte Religionen dazu, mit diesen Ausdrücken sehr locker umzugehen. Sie beschreiben alle Menschen überall, oder wenigstens alle religiösen Menschen, als Kinder oder Söhne Gottes. Gemäß der biblischen Bedeutung dieser Ausdrücke ist dies jedoch nicht richtig. Alle Menschen sind Gottes Geschöpfe und Gott kümmert sich um sie alle in einer väterlichen Weise. Aber nicht alle Menschen sind Kinder Gottes.
Was ist nun aber der Unterschied zwischen einem Geschöpf Gottes und einem Kind Gottes? Professor C.S. Lewis erklärt diesen Unterschied mit folgendem Beispiel: „Stellen Sie sich zwei Dinge vor: einen Stuhl, der von einem Tischler entworfen und hergestellt wurde und ein kleines Baby, welches der Sohn des Tischlers ist. Zwischen dem Stuhl und dem Kind gibt es einen großen Unterschied. Der Stuhl teilt nicht das Leben des Tischlers, das Kind schon.
Notwendigerweise unterscheiden sich also die Vorgänge, durch die das Kind entstand, von denen, die zur Herstellung des Stuhls notwendig waren. Ebenso ist es mit uns Menschen. Wir kommen als von Gott geschaffene Kreaturen in diese Welt. Somit haben wir später die Möglichkeit, Kinder Gottes zu werden, indem wir aus Gott geboren werden, um genau dieses besagte Leben von Gott zu empfangen.
Jemand könnte fragen „Warum müssen wir diesen Prozeß durchmachen? Warum können wir nicht schon von Anfang an als Kinder Gottes auf diese Welt kommen?“ Die Antwort ist, daß verschiedene Prozesse daran beteiligt sind.
Gott kann seine menschlichen Geschöpfe, ohne sie zu Rate zu ziehen oder ihre Zustimmung zu suchen, in diese Welt bringen. Und er tut dies auch.
Aber nicht einmal Gott selbst kann menschliche Geschöpfe, ohne deren Zustimmung, in Kinder Gottes verwandeln. Deswegen müssen sie willentlich auf Gottes Angebot antworten und in eine persönliche Beziehung mit dem Sohn Gottes kommen. „So viele ihn aber aufnahmen“ sagt die Bibel „denen gab er das Recht Kinder Gottes zu heißen, denen, die an seinen Namen glauben“ (Johannes 1,11-13).
Dieses war also der Plan, der hinter der Schöpfung der Welt stand. Dies ist die wahre „Evolution“ für die menschliche Rasse. Warum dieser Plan aber das Risiko des Leidens sowie die Möglichkeit einer Katastrophe einschließt und was Gott diesbezüglich getan hat – darauf werden wir im nächsten Kapitel eingehen.
Das Problem des Leidens (3)
Eine der schrecklichsten Arten des Leidens in der Welt wird durch die bestialische Grausamkeit gegenüber seinem Nächsten vom Menschen selbst verursacht: Unterdrückung, Krieg, Verfolgung, Folter und Völkermord.
Dies veranlasst viele Menschen, die folgenden Fragen zu stellen „Wenn es einen Schöpfer gibt, hätte er nicht voraussehen müssen mit welcher Grausamkeit sich die menschlichen Wesen gegenseitig mißhandeln würden? War es also nicht falsch von ihm, uns so zu schaffen, wie er es tat? Wäre es nicht barmherziger und gerechter gewesen, uns so zu schaffen, daß wir uns gegenseitig kein Leiden zufügen könnten?“
Die Antwort auf diese Frage ist: Ja, er hätte uns sicherlich so erschaffen können. Dies würde aber bedeuten, daß er uns von freien, verantwortungsbewußten Wesen auf das Niveau von bloßen Tieren erniedrigt hätte. Oder aber auf das Niveau eines hochentwickelten Computers.
Es ist zweifelhaft, ob dies genau das ist, was jene sich wirklich wünschen, die diese Frage stellen. Als richtig programmierte Computer hätten wir niemals unsere Mit-Computer verletzt. Dann hätten wir uns aber auch nicht gegenseitig geliebt. Wenigstens nicht mit dieser starken und wahren Liebe, zu der wir menschlichen Wesen, trotz all unserer Fehler, in der Lage sind. Wenn ein Roboter in dein Zimmer käme, seine Arme um deine Schultern legte und verkündigen würde „ich liebe dich“, würdest du ihn entweder belustigt oder empört wegstoßen und ihm sagen, daß er nicht einen solchen Unsinn reden soll.
Wahre Liebe muß einen freien Willen beinhalten. Ein Roboter kann nur das denken, sagen und tun, wozu er programmiert ist. Wären wir zudem Computer und etwas mit unserem Mechanismus liefe falsch, würden wir anfangen, uns gegenseitig zu bekämpfen und zu verletzen (so wie wir es jetzt tun). Wir könnten uns dann aber nicht gegenseitig für jegliche Ungerechtigkeit beschuldigen.
Um für eine Sünde oder ein Verbrechen für schuldig befunden zu werden, muß man ein freier, verantwortungsbewußter Mensch sein. Dies aber sind Computer nicht. Und wiederum, wenn mit unserem Computermechanismus etwas falsch liefe und wir beginnen würden, uns gegenseitig zu zerstören, so würden die Blinklichter auf unserem Bildschirm unseren Schöpfer darüber informieren. Wir könnten aber niemals das tun, was der Fragesteller am Anfang dieses Kapitels tat: aus moralischen Gründen die Art und Weise, wie unser Schöpfer uns erschaffen hat, in Frage stellen.
Als Computer hätten wir nicht die nötige Selbstständigkeit und keinen freien Willen. Gott müßte nur einen Schalter reparieren und wir würden automatisch mit ihm übereinstimmen.
Die Tatsache also, daß wir das Verhalten unseres Schöpfers aus moralischen Gründen überhaupt in Frage stellen können, ist ein Zeichen dafür, wie bedeutsam das Ziel unseres Schöpfer ist. Er wollte weder die Erde, noch den Himmel mit menschlichen Robotern füllen, die ihm nur gehorchen würden, weil sie nicht anderes könnten. Oder Roboter, die ihn loben würden, weil sie dazu programmiert waren, ihn zu loben.
Er wollte Geschöpfe mit dem nötigen freien Willen und der Unabhängigkeit eigener Meinungen, um ihre Entscheidungen selbst zu treffen. Geschöpfe, die ihm gehorchen würden, weil sie sahen, daß seine Gebote gerecht, heilig und gut waren und die ihm gehorchen wollten. Geschöpfe, die aus freiem Willen auf seine Liebe reagieren könnten und willentlich seinem Evangelium glauben und die von Geschöpfen Gottes zu Söhnen Gottes aufsteigen würden.
Darum sagt die Bibel uns auch, daß, als Gott den Menschen schuf und in den Garten Eden setzte, er ihm ausdrücklich verboten hatte, die Früchte von diesem bestimmten Baum zu essen. Er warnte den Menschen vor den Konsequenzen, falls er davon essen würde. Gott gab ihm aber die Fähigkeit und die Freiheit, nicht aber die Erlaubnis, Gott ungehorsam zu sein und die Frucht zu essen, falls er dies wollte.
Jemand könnte aber fragen: „Beinhaltete dies aber nicht ein beträchtliches Risiko?“. Das war sicherlich so: das Risiko, daß Adam seine Freiheit nutzen würde, um Gott gegenüber ungehorsam zu sein. Somit würde er auf sich selbst und auf die ganze menschliche Rasse die geistliche, moralische, geistige und physische Tragödie bringen, welche die Geschichte der Menschheit gezeichnet hat. Aber das Risiko beinhaltete noch mehr. Es bedeutete und bedeutet immer noch, daß jemand sich entschließen kann, seine Freiheit zu benutzen und seinen Mitmenschen zu verletzen. Gott kann in diesem Fall nicht in eine jede solcher Möglichkeiten eingreifen.
Er kann ebenfalls nicht die Entscheidung des Menschen aufheben und ihn davon abbringen, diese böse Tat zu begehen. Auch kann er den Menschen nicht unmittelbar nach der Tat zerstören.
Dies würde den freien Willen des Menschen unwirksam machen und ihn somit, und dadurch uns alle, zu Tieren degradieren. Zu Tieren, denen es antrainiert worden wäre, nicht auf einen bestimmten Knopf zu drücken, weil das Drücken dieses Knopfes unmittelbaren Schmerz und Vergeltung bringt.
Daher stammen also die gewaltigen und andauernden Missetaten mit einem unermeßlichem Ausmaß an Leiden.
An dieser Stelle müssen wir beginnen, uns die Fragen des vohergehenden Kapitels zu stellen.
Die erste Frage war: „Was war Gottes Ziel mit der Erschaffung der Erde?“ Und die Antwort war: „Um einen Ort zu haben, an den er moralisch verantwortliche Geschöpfe setzen könnte, welche er später durch verschiedene Prozesse als seine Söhne adoptieren könnte, falls sie es wollten (Epheser 1,5).
Die nächste Frage (2a) war: „Und hätte dieses Ziel ohne das Risiko des Leidens erreicht werden können?“ Die Antwort darauf sehen wir jetzt: „Offensichtlich nicht.“
Die darauffolgende Frage (2b) lautete: Und falls nicht, war das Ziel bedeutsam genug, damit die, welche gelitten haben, das Gefühl hätten, daß ihre Leiden sich gelohnt haben? Und die Antwort ist wiederum: „Offensichtlich ja.“ Alle normal denkenden Menschen meinen, daß ihr jetziges Leben sich lohnt und sie klammern sich trotz aller Leiden daran. Somit kann niemand mehr in Frage stellen, ob sich diese Leiden lohnen, wenn den Leiden die Freude der ewigen Herrlichkeit als Gotteskinder folgen würde.
Unsere nächste Frage (3) war:“ War wenigstens eine ausreichende Vorsorge für die Rettung derer getroffen worden, die gerettet werden wollten? Und zwar für den Fall, daß das Ziel nicht ohne das Risiko einer Katastrophe erreicht werden könnte.“ Und die Antwort ist: „Ja, es war eine ausreichende und realistische Vorsorge getroffen worden.“ Unsere sündigen Taten und Einstellungen haben uns von Gott entfremdet und somit in die Gefahr von ewiger Verdammnis gebracht. Wir müssen uns aber Gottes Vergebung nicht erkaufen. Auch brauchen wir uns die Errettung nicht durch gute Werke, oder durch unsere kläglichen Versuche uns zu bessern, verdienen.
Gott liebt uns, wenn wir auch noch Sünder sind. Durch den Tod seines Sohnes können wir mit Gott versöhnt werden. Wir können Vergebung erfahren und jetzt und heute angenommen werden. Durch den einfachen Glauben an Christus als unseren Retter und Herrn können wir Frieden mit Gott haben (Römer 3,19-31; 5,1-11; Epheser 2,8-10).
Unsere letzte Frage in diesem Zusammenhang war: „Was würde die Art und das Ausmaß der Leiden eines Gläubigen sein, bevor Gottes Ziel mit ihm völlig erreicht wäre.“ Zuerst einmal können wir zuversichtlich antworten, daß dies nicht die Qual der Unsicherheit einschließt, ob Gottes Ziel erreicht wird oder nicht. Die Bibel ist diesbezüglich sehr eindeutig. Das Ziel wird erreicht werden. Wir müssen nicht bis zum Endgericht warten, bevor wir ewiges Leben empfangen und zu Söhnen Gottes werden. „Jetzt sind wir Kinder Gottes, und wir wissen, daß wenn es offenbar werden wird, wir ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Johannes 3,1-2).
Die Bibel sagt deutlich, daß wir nicht bis zur Erreichung des Ziels warten müssen um zu wissen, daß wir von Gott angenommen sind. Ob wir von Gott angenommen werden, hängt nicht von unserem Fortschritt der Heiligkeit ab. Er liebte uns als wir noch Sünder waren. Er rechtfertigt und nimmt uns an, sobald wir an den Herrn Jesus glauben. Und er versichert uns „Da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn errettet vom Zorn Gottes“ (Römer 5,9).
Die Gewißheit der endgültigen Errettung bedeutet natürlich nicht, daß ein Gläubiger leichtfertig leben wird. Ein Gläubiger soll gute Werke tun. Nicht als Bedingung für die Errettung, sondern als Beweis dafür, daß er errettet ist. Und diese Forderung ist auch realistisch. Indem der Gläubige den Sohn Gottes als Retter empfangen hat, ist er selbst zum Sohn Gottes geworden. Somit hat er ein neues geistliches Leben empfangen und damit auch die Kraft, die nötigen guten Werke zu vollbringen.
Was es auch immer für ein Leiden in unserem gegenwärtigen Leben geben mag – die Bibel sagt uns, daß Gott sie als eine Maßnahme sieht, um unseren Glauben zu vertiefen und unseren Charakter zu vervollkommnen (Hebräer 12,1-11). Alle Dinge wirken zum Guten mit, damit die Gläubigen dem Bilde seines Sohnes gleichförmig werden. (Römer 8,28-29)
Das Problem des Leidens (4)
Jemand könnte fragen: „Aber was ist mit Wirbelstürmen, Flutwellen, Lawinen und Erdbeben? Sie haben im vorhergehenden Kapitel behauptet, daß Gott nicht schuld ist an der enormen Summe des Leidens. Dieses Leiden hat der Mensch selbst verursacht, indem er seinen Mitmenschen schlecht behandelt hat. Somit ist es die Schuld des Menschen, da er seinen freien Willen, der ihm von Gott gegeben wurde, mißbraucht hat. Der Mensch kann aber nichts für Naturkatastrophen, Viren, Bandwürmer und Malaria-Moskitos? Oder aber doch? Wie können wir in Anbetracht dieser Fakten an die Existenz eines allwissenden und alles-liebenden Schöpfers glauben?“
Wir nehmen nicht an, daß wir eine Antwort auf jedes Rätsel haben, das die Frage des Leidens mit sich bringt. Wir werden aber das Problem nicht richtig verstehen, geschweige denn eine passende Antwort finden, wenn wir anfangen, die Fakten zu Unrecht übertrieben darzustellen.
Wir müssen also versuchen, mit unserem Denken über dieses Thema immer auf dem neuesten Stand zu sein. So wie dies bei allen anderen Themen auch der Fall ist. Es gab z.B. das altmodische Vorurteil, daß die Natur grausam ist und somit der Auslöser ist und schuldig für einen allgemeinen, erbarmungslosen und grausamen Kampf ums Überleben. Dies war, wie wir jetzt sehen können, übertrieben und hat den Weg für ein tieferes und gerechteres Verstehen geebnet: Eine wachsende Achtung vor dem hochentwickelten ökologischen und biologischen Gleichgewicht.
Wir protestieren nun gegen solche, die dieses Gleichgewicht durch die willkürliche Vernichtung der Tierwelt stören. Wir forden, daß solche Tiere in
Wildschutzgebieten geschützt werden sollten, in denen sie ungestört jagen können. Daher können wir Gott nicht anklagen, grausam zu sein, nur weil er solche Raubtiere erschaffen hat. Andernfalls müßten wir es befürworten, daß dieser Grausamkeit ein Ende gesetzt wird und alle Raubtiere getötet werden.
Weiterhin sollten wir bemerken, daß die Bibel davon spricht, daß Gott seine Schöpfung als gut befand. Dies bedeutet nicht, daß notwendigerweise alle Bereiche der Schöpfung für den Menschen ungefährlich sind. Die Vorkehrung eines Immunsystems und von Heilungsmechanismen im menschlichen Körper zeigt, daß es potentielle Gefahren gab, mit denen man konfrontiert werden würde. Die Entdeckung der Elektrizität z.B. und das Erlernen damit umzugehen waren mit Gefahren verbunden. Wer würde aber argumentieren, daß es uns ohne Elektrizität besser gehen würde oder daß es grausam von Gott war, sie zu erschaffen. Gott zu bitten eine „sichere“ Elektrizität zu erschaffen, die niemals jemand töten könnte, klingt wie die Bitte eines Kindes nach Feuer, das niemals etwas verbrennen könnte.
So ist es auch mit natürlichen Dingen. Nehmen wir z.B. einmal Treibsand. Normalerweise benutzen wir unseren Verstand und bauen unsere Häuser nicht auf Treibsand. Wenn wir aber unsere Häuser auf eine bekannte geologische Gefahrenstelle bauen oder etwa am Abhang eines Vulkans errichten, so können wir nicht Gott für jeglichen daraus resultierenden Verlust von Menschenleben verantwortlich machen.
Gemäß der Bibel war der Mensch von Gott dazu beauftragt, sich die Erde untertan zu machen. Er sollte die Materie und Kräfte der Erde verstehen lernen und zur Ehre Gottes entwickeln und auch für den Nutzen der Menschheit und aller anderen Geschöpfe.
Wäre dies in Gemeinschaft mit dem Schöpfer geschehen, so hätte das eine wunderbare und erhebende Erfahrung sein können. Der Bibel zufolge kam schon früh der große Zusammenbruch und alles geriet durcheinander. Dummerweise lies der Mensch sich davon überzeugen, daß er in der Lage wäre, Gutes und Böses zu erkennen und sich daran zu erfreuen. Dieses Erkennen bedeutet, alles vollständig zu verstehen und beurteilen zu können, ohne aber in einer Beziehung zu Gott zu stehen. Der Mensch meinte, in tatsächlicher Unabhängigkeit von Gott und in völligem Ungehorsam seinem Wort gegenüber handeln zu können. Dies war eine Lüge.
Der Mensch ist kein Wesen, das sich selbst erschuf, sich selbst genügt und sich selbst erklären kann.
So zu handeln, bedeutet eine Lüge zu leben.
Folglich entfremdete sich der Mensch geistlich von dem Leben seines Schöpfers. Seine Intelligenz wurde getrübt, seine Gefühle kamen durcheinander und seine körperlichen Funktionen und das Immunsystem wurden geschwächt. Dies machte ihn verwundbar gegenüber den Gefahren der Natur und er unterlag dem langsamen Verfall und dem schlußendlichen Tod. Die Bibel fasst dies folgendermaßen zusammen:“Durch die Ungehorsamkeit von einem Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod. So ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben.“ Keine Generation von uns kann diese Geschichte als eine irrelevante Legende abtun. Wir haben den Aufstieg und die Vorherrschaft von verschiedenen Theorien gesehen. Diese Theorien behaupteten, in der Lage zu sein, alles erklären zu können. Und dies nicht nur ohne überhaupt mit Gott in Beziehung zu stehen, nein, sondern indem diese Theorien eindeutig die Existenz Gottes leugneten. Wir brauchen nicht an die Grausamkeit, Korruption, intellektuelle Verarmung und das Elend zu denken, zu denen die Umsetzung dieser Theorien geführt haben.
Es ist offensichtlich, daß die katastrophalen Leiden während der letzten Hungersnöte und Überschwemmungen direkt auf die Sünde des Menschen zurückzuführen sind und nicht Gott dafür beschuldigt werden kann. Denken wir an die Überschwemmungen in Bangladesh. Um das Leben der Weltbevölkerung zu gewährleisten, ist die Wassermenge auf der Oberfläche unseres Planeten im Vergleich zur Landmasse sehr genau ausgewogen. Dies bringt die Möglichkeit mit sich, daß einige niedriger gelegenen Küstengebiete von Zeit zu Zeit überschwemmt werden. Aber die traurige wirtschaftliche Armut ist es, die die Leute dazu zwingt in Lehmhütten zu wohnen, die von Überschwemmungen bedroht sind. Die nationale und internationale Mißwirtschaft und die falsche Verteilung der Vorräte sind der Grund dafür. Das daraus resultierende Ertrinken ist nicht der Fehler Gottes, weil er das Wasser, die Sonne und den Wind geschaffen hat.
Tausende von Menschen, wenn nicht Millionen, starben während der furchtbaren Hungersnot in Äthiopien. Jeder, der die Fernsehberichte sah, war sehr bewegt. Zugegebernermaßen war der unmittelbare Grund dafür die Mißernten. Die daraus resultierenden Todesfälle können aber nicht Gott angelastet werden. Diese hätten vermieden werden können, da zu diesem Zeitpunkt die EU über riesige Mengen an zusätzlichem Getreide verfügte. Als endlich Hilfssendungen geschickt wurden, wenn auch viel zu spät, wurde ein Großteil dieser Hilfe von der kriegführenden Armee zerstört, noch bevor diese die Sterbenden erreichen konnte.
Wie wunderbar wäre es, wenn die Nationen ihre Mittel vereinen würden, um den Wüsten, Hungersnöten und Krankheiten ein Ende zu setzen. Stattdessen aber bringen Furcht, Habgier und der Machthunger den Menschen dazu, die Regenwälder zu zerstören und einen beträchtlichen Anteil ihres Vermögens für Massenvernichtungswaffen auszugeben, die den ganzen Planeten gefährden. Weiterhin führen die Menschen Kriege, die Elend, Hungersnöte und Krankheiten verbreiten.
Die Bibel weist ebenso darauf hin, daß der Mensch in Gottes Ebenbild erschaffen wurde, um Gottes Verwalter und Beauftragter in der Verwaltung und Entwicklung der Erde zu sein. Als aber der Mensch, das ernannte Haupt der Schöpfung, sich gegen den Schöpfer erhob, war dies eine Art von kosmischem Verrat. Gott reagierte verständlicherweise darauf, indem er die Beziehung zwischen dem Menschen und der Schöpfung veränderte. Die physische Welt war nun der Frustration ausgesetzt. Ähnlich wie eine Frau, die ständige Geburtsschmerzen aushalten muß, aber letztendlich nie in der Lage sein wird, das gewünschte Resultat zur Welt zu bringen. Das Stöhnen der Natur spiegelt die Rebellion des Menschen wieder.
In Anbetracht dessen ist Gottes positive Entschlossenheit ein Wunder. Er beschloß nämlich, nicht die Schöpfung zu zerstören, sondern seinen Plan fortzuführen, indem er mit der menschlichen Rasse weitermachte und Vergebung und Versöhnung ermöglichte. Und dies auf Kosten des Leidens seines eigenen Sohnes. Er verspricht, die Schöpfung eines Tages von ihrem Stöhnen zu befreien und sie zu neuen Höhen der Herrlichkeit zu führen.
Zuerst aber müssen Umkehr und Versöhnung mit Gott erfolgen. Das Tragische ist, daß Männer und Frauen oft völlig unbesorgt zu sein scheinen über die Notwendigkeit, persönlich mit Gott versöhnt zu sein. Sogar dann noch, wenn sie durch Naturkatastrophen nachdrücklich daran erinnert werden, daß die Welt aus den Fugen geraten ist, und die Menschen in der Gefahr einer ewigen, geistlichen Katastrophe sind, wenn sie unerlöst und unversöhnt bleiben.
Wir dürfen natürlich nicht den Fehler machen und denken, daß die Opfer von solchen Katastrophen leiden, weil sie besonders schlimme Sünder sind. Christus hat uns ausdrücklich gesagt, daß dies nicht so ist.
Jesus möchte uns klar machen, daß wir alle Sünder sind und sterben werden. Und zwar nicht nur körperlich, sondern auch geistlich und ewiglich. Es sei denn, daß wir umkehren (Lukas 13,1-5).
„Sehr dunkle Aussichten“ könnte jemand sagen. Ja vielleicht. Aber diese dunklen Aussichten kommen von der kurzen Sonnenfinsternis und bedeuten nicht, daß Gott sein eigentliches, großartiges Ziel mit den Menschen aufgegeben hat. Dieses Ziel wird von all denen erreicht werden, die umkehren und durch Jesus Christus mit Gott versöhnt sind. Es ist die Zusicherung von Gottes unumstößlicher Liebe, die uns in Anbetracht von Katastrophen tröstet. Und von dieser Liebe kann uns kein Unglück jemals trennen.
Wenn Sie immer noch denken, daß dies finstere Aussichten sind, so betrachten Sie die Alternative. Gemäß der Bibel stammt unser moralischer Sinn für richtig und falsch, gut und böse, von unserem Schöpfer. Es ist wahr, daß wir manchmal nicht verstehen können, daß die Dinge, die Gott tut oder zuläßt, gut sind. In solchen Fällen täten wir gut daran, anzunehmen, daß wir wie ein Junge sind, der ein gewisses Talent für Mathematik hat, aber trotzdem die Relativitätstheorie nicht verstehen kann. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß Einstein unrecht hat und der Junge recht hat. Der Junge muß darauf vertrauen, daß er es eines Tages besser verstehen wird.
Der Atheismus aber ist nicht bereit dazu. Er benutzt seinen Sinn für Moral und leugnet die Existenz Gottes. Somit reduziert er diesen Sinn zu einer Illusion, die zufällig und unabsichtlich den Menschen geschaffen hat. Und zwar gemäß dem atheistischem Glauben durch sinnlose, unpersönliche und unmoralische Kräfte. Ein Schuljunge, der mit seinem beschränktem Verständnis von Mathematik den Anspruch erheben würde, daß die Relativitätstheorie nicht nur falsch sei, sondern die ganze Basis der mathematischen Argumentation ablehnt, würde
sich selbst der Hoffnung berauben, jemals das physikalische Universum zu verstehen.
Ein Atheist, der seinen Sinn für Moral dazu benutzt, die Quelle und die einzig gültige Basis für diesen Sinn zu verleugnen, beraubt sich ebenfalls der Hoffnung, jemals die moralische Bedeutung für sein eigenes Leben zu finden. Geschweige denn, die Bedeutung des Universum um ihn herum zu verstehen.
Auf diesem Weg liegen endlose Frustration, moralische Qualen und schlußendliche Verzweiflung. Nach all dem hat es keinen Zweck zu sagen, daß ein Erdbeben oder Krebs dich ungerecht behandelt. Dies hilft deinem Gerechtigkeitssinn überhaupt nicht. Im Gegensatz zu Gott hört diese Kraft deinen Protest nicht einmal. Wie der Atheist und Existenzphilisoph Jean-Paul Satre sagte: „Der Atheismus ist eine grausame, langfristige Angelegenheit“.
Fußnote
(1) Lukas 13,1-5