Wozu Evangelisationsveranstaltungen?
Als Gemeinde führen wir mehrmals im Jahr Evangelisationsveranstaltungen verschiedenster Art durch. Meistens handelt es sich um Vorträge, aber auch um Konzerte, Zeugnisse etc. Dabei hat es auch schon manche Flops gegeben, was heißt, daß entweder wenig Besucher gekommen sind oder eigentlich kein sichtbares Ergebnis nach der Evangelisation zu erkennen war. Und dies trotz massivem Einsatz! Da kam dann schon manchmal die Frage auf, warum wir überhaupt solche Abende durchführen, die meistens viel Zeit, Geld und Nerven kosten. Außerdem ist es nachweisbar, daß zumindest hier in Ried die meisten „Zuwächse“ aus persönlichen Beziehungen oder kleineren Bibelkreisen kommen.Wozu also solche Veranstaltungen? Als entschiedener Verfechter von öffentlichen Evangelisationsabenden möchte ich folgende Argumente anführen:
1. Wir sollten uns überhaupt keiner Methode ausschließlich verschreiben! Also, auch nicht der erfolgreichsten Methode, nämlich der persönlichen Evangelisation, die oft mit dem Entstehen von kleineren evangelistischen Kreisen verbunden ist. Mir ist die Tatsache natürlich völlig bewußt, daß wir in der heutigen Zeit am meisten Menschen so erreichen, und ich wünschte von ganzem Herzen, daß viel mehr Christen sich in ihrem Umkreis auf diese Art der Knochenarbeit einlassen würden, aber als leidenschaftliche Menschenfischer wollen wir uns auf keine Methode festnageln lassen! Sondern wir probieren alles, was irgendwie Erfolg haben könnte. Wir veranstalteten zu Weihnachten sogar einmal einen Volksmusikabend. Ein anderes Mal gingen wir in Vorträgen ganz auf Konfrontation mit der katholischen Kirche ( was ein großer Flop geworden ist). Wir halten also als ersten Punkt fest: Alles, was dazu dient, Menschen zu erreichen, ist gut, und sollte in unserem Blickwinkel sein.
2. Mit Evangelisationsveranstaltungen und einer dementsprechenden Einladung dazu machen wir mehr Menschen auf das Evangelium aufmerksam. Menschen werden flächendeckend angesprochen. Durch Einschaltungen in der Lokalpresse, durch Verteilen von Hunderten oder sogar Tausenden von Handzetteln, durch das Aufhängen von Plakaten etc. werden Tausende Menschen eingeladen, sich das Evangelium anzuhören. Wir haben schon seit Jahren ein „Plakatsystem“ entwickelt. Dabei werden neben Ried i. I. selbst in ca. 60 Orten im Umkreis von Ried Plakate aufgehängt. So besteht prinzipiell die Möglichkeit, daß Gott Leute an ihrem Heimatort durch das Plakat anspricht. Einschaltungen in der Rieder Presse werden von ca. 50. 000 Menschen gelesen! Gott kann die Augen der Suchenden zu unserer Anzeige hinleiten. Wir wollen also nicht nur in unserem Umkreis Menschen erreichen, sondern wenn irgend möglich alle Menschen in der geographischen Region oder in dem Teil der Stadt, wo die jeweilige Gemeinde sich befindet.
3. Evangelistische Veranstaltungen sind weiters eine Möglichkeit für die Gemeinde als gesamtes, sich geistlich zu engagieren. Alle sind zur Mitarbeit aufgerufen, alle haben die Möglichkeit, ihre Bekannten, Verwandten, Nachbarn mit Handzetteln einzuladen. Jeder kann beim Plakatieren und Verteilen der Handzettel in der Stadt mitmachen. Jeder kann für die Evangelisation beten. Beim Gebet in der Gemeinde und am Gemeindegebetsabend wird den Geschwistern der gemeinsame Auftrag des Herrn, nämlich Menschen zu erreichen wieder ganz klar. Für Gemeinden, die sich vielleicht evangelistisch in einer Sackgasse befinden (Frust, Isolation…), kann eine Evangelisation ein Neuanfang sein.
4. Für die sogenannten „Kontakte“ der Gemeinde sind gute Veranstaltungen eine echte Hilfe, auf ihrem Weg zu Jesus weiterzukommen oder gar die Entscheidung für Ihn zu treffen. Evangelistische Abende sind eine ausgesprochen gute Möglichkeit zur Ernte. Man hört alles einmal von einer anderen Seite. Man lernt andere Christen kennen und Vertrauen baut sich auf. Für bereits Gläubige, die noch nicht in die Gemeinde gehen, gilt dasselbe. Oft ist so ein Abend das Sprungbrett für den ersten Gemeindebesuch.
5. Für eine neue Stadt oder ein neues Gebiet sind gute Vorträge oder ein ansprechendes Konzert eine ausgezeichnete Möglichkeit, die ersten Kontakte zu knüpfen. Vielleicht schenkt es der Herr, daß daraus ein Bibelkreis entsteht und dadurch eine Zelle für eine neue Gemeinde.
In den letzten Monaten hatten wir zwei Veranstaltungen, einen Abend in Ried und eine Vortragsreihe mit Walter Mauerhofer in Grieskirchen. Beide verliefen irgendwie typisch. In Ried gibt es die Gemeinde schon seit über 10 Jahren. Die Leute kennen uns schon und haben mehr Vertrauen. So kamen zu dem Thema: „Leid, warum läßt Gott es zu“ an die 120 Leute. Höchstens 30 davon zählten zur Gemeinde, dann folgte eine große Gruppe von „Kontakten“, und dann kamen auch noch viele Außenstehende. Der Abend war ein gelungenes Zeugnis für Gott. Die Gläubigen waren auferbaut, die „Kontakte“ ermutigt, über ihre Beziehung zum Herrn mehr nachzudenken und unter die Außenstehenden wurde der Same des Evangeliums ausgestreut. Einige hatten sicherlich noch nie solche Worte gehört. Ganz anders in Grieskirchen. Das liegt zwar nur knappe 30 Kilometer weit weg, ist aber sehr verschlossen gegenüber allem, was nicht katholisch ist. Zu ganz tollen Themen über Ehe, Gesundheit an Leib und Seele kamen nur höchstens 30 Personen, wobei am ersten Abend mit 10 „Kontakten“ und Außenstehenden der größte Erfolg diesbezüglich erreicht wurde. Alles hätte gepaßt, die Werbung, die Themen, der Redner; trotzdem kamen nur so wenige. Ich war schon ein wenig entmutigt, besonders auch, weil gerade an diesen drei Tagen im Juli schönes Wetter war, und die Bauern alle bis weit über den Beginn der Vorträge hinaus arbeiteten. Trotzdem waren diese Abende ein Erfolg. Eine bereits gläubige Frau kam daraufhin zu uns in die Gemeinde nach Ried. Eine andere Frau, die noch nie Kontakt hatte mit „Bibelchristen“ wurde durch ein Plakat irgendwo in einem kleinen Ort auf die Vorträge aufmerksam. Sie kam alle 3 Abende und war unheimlich offen. Bis jetzt hat sie sich zwar noch nicht in unseren dortigen Bibelkreis getraut, aber ein Anfang wurde gemacht. Ohne die Evangelisationsabende hätte sie vielleicht nie das reine Evangelium kennengelernt.
Zum Schluß noch ein klares Wort zur Qualität dieser Veranstaltungen. Jemand sagte einmal, daß eine schwache Predigt in der Gemeinde am nächsten Sonntag ausgebügelt werden kann. Aber eine schwache Predigt bei einer Hochzeit oder bei einer Beerdigung kann vielleicht ein ganzes Leben lang nicht mehr ausgebessert werden. Das gilt auch ganz besonders für Evangelisationsveranstaltungen. Hier sollte alles passen, angefangen von der Organisation über das Thema bis zum Rahmen des Abends. Keine Unzulänglichkeiten sollten den Außenstehenden ablenken, keine Peinlichkeiten sollten überspielt werden müssen, keine Langeweile sollte während des Ablaufs aufkommen, und keine Christen sollten sich nachher wie Hyänen auf die Ungläubigen stürzen. Auf eine feine Art mit einer dementsprechenden Bewirtung kann man die Leute zum Dableiben bewegen und-oft um den Büchertisch herum-die Gespräche beginnen.
Möchte Gott uns den Mut und die Entschlossenheit geben, diese ergänzende Hilfe zur eigentlichen Evangelisation im täglichen Leben der einzelnen Christen und der Gemeinde mehr wahrzunehmen.