Gemeinde & Mission

Ein Dienst, der vollendet werden muss

von Strauch Alexander

Auszug aus dem Buch „Reißende Wölfe kommen“, das bei der Christlichen Verlagsgesellschaft erschienen ist, mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Es ist eine lebendige Auslegung der Rede des Paulus an die Ältesten in Ephesus, aber wir denken, dass nicht nur Älteste sondern ihr alle Gewinn davon haben werdet.

„Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, damit ich meinen Lauf vollende und den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen.“ (Apg 20,22-24)

Paulus hatte nicht nur einen Lauf zu vollenden, sondern auch einen „Dienst“. Dieser „Dienst“ wurde ihm direkt vom auferstandenen Herrn übertragen: „Den Dienst, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium der Gnade Gottes zu bezeugen“ (V. 24). Da er diesen Auftrag direkt vom Herrn Jesus erhalten hatte, war es ihm umso wichtiger, ihn auch zu erfüllen – so wichtig, dass er wichtiger war als sein eigenes Leben.

Jesus ist der Herr: Paulus war dem Herrn Jesus Christus völlig ergeben, weil er fest an die göttliche Natur Jesu und an sein Sühneopfer für die Sünder glaubte. Jesus ist sowohl Schöpfer als auch Erlöser, und deshalb muss man ihn von ganzem Herzen anbeten und ihm dienen:

„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ (Kol 2,9; siehe auch Röm 9,5; Tit 2,13)

• „Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung. Denn in ihm ist alles … geschaffen worden.“ (Kol 1,15-16a)

„Den, der Sünde nicht kannte [= Jesus], hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“ (2. Kor 5,21)

„[Alle] werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott hingestellt als einen Sühneort.“ (Röm 3,24-25a)

• „Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn.“ (2. Kor 4,5a)

• „Damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beugt, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekennt, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,10-11)

C. T. (Charles Thomas) Studd, Pioniermissionar in China, Indien und Afrika, verstand die Argumentation des Paulus und antwortete darauf, indem er erklärte: „Wenn Jesus Christus Gott ist und für mich starb, kann mir kein Opfer zu groß sein, um es ihm darzubringen.“

Ähnlich wird es auch in dem berühmten Lied von Isaac Watts „Schau ich zu deinem Kreuze hin“ in der letzten Strophe ausgedrückt: „Was ich zum Dank auch gebe Dir, die ganze Welt ist noch zu klein; der Dank für diese Liebe hier, kann nur mein eig´nes Leben sein.“

Paulus hätte der tadellosen Logik von Watts und Studd zugestimmt. In der Tat dachte er genauso: „Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir zu diesem Urteil gekommen sind, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. Und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist.“ (2. Kor 5,14-15)

„Was auch immer der christliche Glaube sonst noch sein mag“, schließt Bibelkommentator Gordon Fee, „und worum es im christlichen Leben auch letztlich gehen mag, alles konzentriert sich immer und überall auf Christus.“

Eric Alexander wird von vielen als einer der herausragenden Prediger unserer Zeit angesehen. Im Januar 2023 ist er zu seinem Herrn heimgegangen, er hat jedoch jahrelang einer Gemeinde in Glasgow, Schottland, gedient. Eric wurde von seinem älteren Bruder zum Glauben an Christus geführt, einem überzeugten Christen, der drei Jahre lang vollzeitlich im christlichen Dienst tätig war und im Alter von nur 29 Jahren starb. Nach dessen Tod erhielt Eric das Tagebuch seines Bruders, in dem er diese bewegenden Worte fand: „Im Leben mancher Menschen hat Jesus Christus keinen Platz. Im Leben eines jeden Christen jedoch hat Jesus Christus einen Platz. Im Leben vieler Christen hat Jesus Christus einen Ehrenplatz. Aber nur im Leben einiger weniger Christen, so habe ich festgestellt, hat Jesus Christus den allerersten Platz.“

Welchen Platz nimmt Jesus in Ihrem Leben ein?

Das Evangelium

Paulus hatte den göttlichen Befehl, das Evangelium der Gnade Gottes „zu bezeugen“. „Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so habe ich keinen Ruhm, denn ein Zwang liegt auf mir. Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!“ (1. Kor 9,16).

Das Wort „Evangelium“ bedeutet „gute Kunde“, „Freudenbotschaft“. Ein Autor fragt: „Kann es sein, dass die biblische Botschaft tatsächlich die allerbeste Botschaft ist, die man sich vorstellen kann?“ Meine Antwort lautet: „Ja!“.

Die „beste Botschaft, die man sich vorstellen kann“, verkündet die Vergebung der Sünden, die Versöhnung mit Gott, die Aufnahme in Gottes Familie und die Befreiung von geistlicher Finsternis, von Zorn und Tod. Das Evangelium umfasst auch die innewohnende Gegenwart des Heiligen Geistes, die beglückende Verheißung des ewigen Lebens und eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Paulus hat all dies kurz und bündig als „das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils“ (Eph 1,13) zusammengefasst.

Diese gute Nachricht ist nur durch die Gnade Gottes möglich, die sich in der Menschwerdung des Sohnes Gottes, seinem vollkommenen Leben, seinem stellvertretenden Tod am Kreuz und seiner siegreichen leiblichen Auferstehung von den Toten zeigt.

Paulus widmete sein ganzes Leben der öffentlichen Verkündigung dieser frohen Botschaft von der Gnade Gottes. Das war sein vorrangiger Dienst in seinem Leben, ein Diener des Evangeliums zu sein (Kol 1,23).

Seien Sie bereit, Ihr Leben für Christus zu opfern

Weil die Lebensumstände des Paulus nicht mit den heutigen vergleichbar sind, können wir nicht alles nachahmen, was er getan hat. Ebenso können wir nicht seine besondere Berufung imitieren, als Apostel das Evangelium zu definieren und zu verteidigen.

Er hatte einen besonderen, weltweiten Dienst, für das Evangelium unterwegs zu sein. Er wusste von Anfang an, dass er nur vorübergehend in Ephesus sein würde, im Gegensatz zu den Ältesten, die auf Dauer dort Leiter sein würden.

Aber auch wenn Sie eine Familie und eine Arbeit haben und Leitungsaufgaben in der Gemeinde übernommen haben, müssen Sie, wie Paulus, den „Lauf “ vollenden, den Gott Ihnen vorgegeben hat, ebenso wie den „Dienst“, den Sie vom Herrn Jesus erhalten haben.

Die Schrift ermahnt alle Gläubigen, Männer wie Frauen, und nicht nur die Ältesten, „fest, unerschütterlich, allezeit überreich in dem Werk des Herrn“ (1. Kor 15,58) zu sein, da wir wissen, dass unsere Mühen im Herrn nicht vergeblich sind. Außerdem sollen wir unseren Leib „als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer“ darstellen, da dies unser „vernünftiger Gottesdienst ist“ (Röm 12,1; lesen Sie auch Röm 6,13.19.22; 7,6; 14,7-9; 1. Kor 7,35; 2. Kor 5,9-10; 11,3; Kol 3,23-24).

Christus an die erste Stelle setzen

Wir hatten einmal einen Nachbarn, der ein großes, teures Schnellboot besaß, ein topmodernes Wohnmobil und eine Camping- und Angelausrüstung, wie man sie sich nur wünschen kann. Da er ein eigenes Unternehmen hatte, konnte er sich jeden Freitag freinehmen, das Wochenende mit seiner Familie und seinen Freunden in die Berge fahren und an einem See campen. Er konnte von Freitagmorgen bis Sonntagabend Jetski fahren, angeln, wandern, Unmengen essen und literweise Bier trinken. Jedes Wochenende war ein einziges Fest. Als wir einmal über seine Leidenschaft für Boote und Camping sprachen, sagte er tief bewegt: „Diese Wochenenden sind mein Leben!“

Sofort dachte ich, dass Paulus stattdessen gesagt hätte: „Christus ist mein Leben!“ Natürlich gibt es nichts gegen Camping, Bootfahren, Fischen und gemeinsame Mahlzeiten mit Familie und Freunden einzuwenden. Wir alle sollten eine solche Entspannung genießen. Der Herr schenkt seinen Heiligen Erholung und Genuss.

Aber für die Jünger Jesu kann das Leben niemals egozentrisch sein. Das Leben muss christuszentriert sein, was zur Ausrichtung auf andere Menschen führt.

Nachfolger Jesu können nicht sagen: „Ich lebe für die Wochenenden, um mit meiner Familie und meinen Freunden zu feiern. Ich lebe für mein persönliches Vergnügen.“ Solch ein Lebensstil wäre götzendienerisch. Wir sollen ein Leben des aufopfernden Dienstes für Gott und unseren Nächsten führen. Wir sollen für „Gott Frucht bringen“ (Röm 7,4), „einander durch die Liebe dienen“ (Gal 5,13) und ein Volk sein, „das eifrig sei in guten Werken“ (Tit 2,14).